Sechstes Kapitel: An der Schwelle des Todes ...

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Sechstes Kapitel:

An der Schwelle des Todes ...

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Nach dem Tode ihres Vaters lebte Fātimah-Zahrā (a.s.) nur noch wenige Monate. Sie weinte in dieser Zeit viel. Niemals mehr sah man sie froh. [252]

Ihre Tränen hatten die verschiedensten Gründe. Das, was sie am meisten bekümmerte war, daß die junge islamische Gemeinde - die Ummah - immer mehr den ursprünglichen rechten Weg, den der Islam wies, verließ und auf Pfade geriet, die Unglück, Zerwürfnis und Spaltung zur Folge hatten. Sie, die das rasche Vorwärtskommen und Gelingen der islamischen Bewegung miterlebte, hatte gehofft, daß dieser Trend auch weiterhin anhalten, das Götzentum in Bälde ganz beseitigt und das unrechtmäßige und sich in Listen und Ränken übende Kalifat zum Abdanken genötig sein würden.

Doch die aufeinanderfolgenden bitteren Ereignisse ließen ihre Hoffnungen und Erwartungen nach und nach schwächer und schwächer werden.

Eines Tages ging Umm-e-Salamah zu Fātimah(a.s.) und sagte: O Tochter des Gesandten Gottes! Wie hast du die Nacht verbracht? Sie antwortete:

In Trauer! Meinen Vater habe ich verloren, das Kalifat wird meinem Gatten vorenthalten und ihm entgegen Wunsch und Willen Gottes und dessen Gesandten das Imāmat[253] verwehrt.

Sie hegen Feindseligkeit gegen Ali (a.s.), da er seinerzeit . in den Kriegen Uhud und Badr - gegen ihre Väter kämpfte ... [254]

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) berichtete: Eines Tages fragte Fātimah(a.s.)mich nach einem Gewand ihres Vaters. Ich gab es ihr. Sie küßte es, sog seinen Duft ein und brach so heftig in Tränen aus, daß sie ohnmächtig wurde. Als ich das sah, verbarg ich es vor ihr. [255]

Fātimah-Zahrā (a.s.) nahm Hassan und Hussein (a.s.) an die Hand und ging mit ihnen zum Grabe ihres Vaters, weinte und sprach zu

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ihren Söhnen: Meine lieben Kinder! Dies ist das Grab eures Großvaters, der euch auf seinen Schultern reiten ließ und euch lieb hatte! -

Daraufhin suchte sie den Friedhof "Bāqi'" auf und weinte dort um die Märtyrer, die zu Beginn des Islam um ihres Glaubens willen ihr Leben hingegeben hatten. -

Hadrat-e-Ali (a.s.) ließ ihr dort, auf dem Friedhof Bāqi', einen Sonnenschutz errichten, der später die Bezeichnung "AI Ahzān" erhielt. [256]

Anas überliefert: Als wir den Propheten beigesetzt hatten und heimgingen, sagte Fātimah (a.s.):

o Anas! Wie konntest du es ertragen, den Körper des Gesandten Gottes mit Erde zuzudecken?! _[257]

Mahmud Ibn Lubayd berichtet: Hadrat-e-Fātimah (a.s.)suchte nach dem Tode ihres Vaters das Grab des Hamzah auf und weinte dort.

Als ich an den Gräbern der Märtyrer des Krieges Uhud vorüberging, sah ich, wie sie am Grabe Hamzahs saß und ihren Tränen freien Lauf ließ. Ich wartete, bis daß sie sich beruhigt hatte. Dann ging ich zu ihr, grüßte

sie und sagte:

Dein Weinen bricht mir das Herz. -

Sie entgegnete: Mir kommt es zu, zu weinen, denn ich habe den gütigsten Vater und besten aller Propheten verloren. Wie sehne ich mich nach einem Wiedersehen mit ihm! -

Ich: Ich würde dich gern etwas fragen. Sie: Frag nur! -

Ich: Hat der Gesandte Gottes zu seinen Lebzeiten über das Imāmat Alis (a.s.)gesprochen? -

Sie: Hast du denn das, was sich Ğadir Hum zutrug, vergessen? -

Ich: Darüber, was in Ğadir Hum geschah, weiß ich Bescheid. Aber ich möchte gern wissen, was der Gesandte Gottes zu dir diesbezüglich gesagt hat. -

Sie: Gott ist mein Zeuge! Der Prophet hat zu mir gesagt:

'Nach mir soll Ali (a.s.) Kalif und Imam sein. Und meine beiden Enkel Hassan und Hussein und neun Nachkommen Husseins werden ebenfalls Imame sein.

Wenn ihr (die Muslime) ihm folgt, werdet ihr rechtgeleitet sein. Widersetzt ihr euch ihnen aber, werden bis zur Auferstehung Spaltung und Differenzen zwischen euch bestehen. [258]

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Fātimah erkrankt. ..

Imam Sādiq (a.s.) berichtet: Nach dem schweren Stoß, den Hadrat-e-Fātimah (a.s.) - verübt durch Qunfud - in den Leib erhielt, erlitt sie eine Fehlgeburt, von der sie sich nicht mehr erholte. Sie war schließlich so entkräftet, daß sie sich nicht mehr von ihrem Lager erheben konnte. [259]

Amir ul Mu'menin [260] und Asmā' Bint Amays pflegten sie.[261] Eines Tages besuchten einige Frauen der mekkanischen Einwanderer und der Ansār Fātimah-Zahrā. Sagten:

O Tochter des Gesandten Gottes! Wie fühlst du dich? Wie geht es dir? Sie: Bei Gott, eure Welt interessiert mich nicht. Eure Männer haben mich enttäuscht. Sie haben mich gekränkt und betrübt. Wie schmählich sind doch ihre unbeständigen, schwächlichen Ansichten und Reden ...

Sie haben sich unrecht verhalten und ihnen gebührt der Zorn Gottes! Höllenpein ist ihnen bestimmt, für alle Zeiten ...

Kalifat und Fadak haben wir ihnen nun überlassen, doch Schmach und Schande werden sie begleiten bis in alle Ewigkeit hinein.

Niedrigkeit und Gemeinheit zeichnet die Tyrannen aus. Wehe ihnen! Wie konnten sie Ali (a.s.) das Kalifat vorenthalten?!

Bei Gott! Daß sie ihn beiseitedrängten, ist auf nichts anderes zurückzuführen als auf ihre Verbitterung über sein gewandtes, kühnes und kluges Vorgehen in seinem Kampf für Gott!

Bei Gott! Wenn sie es ihm nicht verwehrt hätten, so hätte er die Belange der Muslime in die Hand genommen und sie ihrem Glück und Wohl zugeführt. In Bälde werden die Edlen von den Machthungrigen und die Aufrichtigen von den Lügnern unterschieden werden, und schnell werden die Gewalttätigen und Unrechttuenden die Strafe ihres bösen Tuns erleiden müssen.

Es ist äußerst verwunderlich, was sie tun. Warum handeln sie so? Auf wen verlassen sie sich?

Wer oder was ist ihr Halt? Gegen welches Ahl-Beit nur gehen sie so vor?! Wen haben sie statt Ali (a.s.) gewählt?!

Bei Gott, einen Unwürdigen haben sie an die Stelle eines Würdigen gesetzt! Und sie glauben, klug gehandelt zu haben, obgleich es sehr unehrenhaft war!

Sie sind sich nicht darüber im klaren, daß sie anstelle von Gutem Verderbnis hervorgerufen haben.

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Wer wäre wohl zur Führung der Bevölkerung besser geeignet als jener, der sie rechtleitet?!

Wie urteilen sie nur!

Ihr Vorgehen wird Ereignisse im Gefolge haben, deren Resultate sich erst später zeigen werden!

Doch wisset, es wird nichts anderes sein als Blutvergießen und tödliches Gift! Dann wird das Übel der Tyrannen sichtbar werden.

Macht euch auf Schweres, auf klingende Schwerter, Chaos und gewalttätige Diktaturen gefaßt! Sie werden euch euer Beit-ul-MāI239 rauben und euren Gewinn und Verdienst in ihre eigenen Taschen fließen lassen!

Wehe euch! Warum habt ihr es soweit kommen lassen!?

Wißt ihr denn nicht, welch schlechten Kurs ihr genommen habt?

Ihr seid über die Folgen nicht im Bilde! Wie können wir euch nur in die rechte Richtung führen, da ihr euch doch gegen diese sträubt?! [262]

Kummer über Kummer ...

Zahrās Erschöpfung und Schwäche war nicht nur auf ihre Krankheit zurückzuführen, sonden ebenfalls auf den großen Kummer und die vielen Sorgen, die sie quälten. Zuweilen, wenn sie in ihrem kleinen Zimmer ruhte, ein Kissen, gefüllt mit Heu, unter ihren Kopf geschoben - stürzten die verschiedensten Gedanken auf sie ein ...

Wie schnell hatten sie die Weisungen ihres Vaters in den Wind geschlagen und wie unbedacht Ali (a.s.) das Kalifat, zu dem er beauftragt worden war, vorenthalten!

Die bitteren Folgen dieses Handeins werden allzeit zu spüren sein.

Das Kalifat, das mittels List und Gewalt den Muslimen aufgezwungen worden war, konnte kein gutes Ende haben. Die Verbreitung des Islam sowie Erfolg und Ruhm der Muslime war durch deren Einheit und Zusammenhalt möglich gewesen.

Was gaben sie nur aus der Hand?!

Differenzen und Konflikte machten sich in ihren Reihen bemerkbar.

Die vereinte, mächtige Kraft zerfiel in mehrere kleine Kräfte. Die islamische Welt war in eine Richtung gedrängt worden, die Schwäche, Zerwürfnis und und Spaltung für sie bereithielt.

Was kann ich nur für Ali (a.s.) tun, der bei all seiner Kühnheit und Kraft gegen das Unrecht, das man ihm zufügt, schweigt, um die Sache des Islam nicht zu gefährden?

Mein Tod ist nahe. Was geschieht aber dann mit meinen Kindern, die

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mutterlos werden?

Hassan, Hussein, Zaynab und Umm-e-Kultum werden ohne mich auskommen müssen.

Welches Leid wird auf sie einstürzen!

Ich habe mehrere Male gehört, wie mein Vater sagte:

Sie werden Hassan vergiften und Hussein durch das Schwert töten. Die ersten Anzeichen für all das Leid sind schon zu erkennen ....

Hin und wieder nahm sie den kleinen Hussein auf ihren Schoß und küßte ihn auf sein Hälschen, - in Gedanken an den tödlichen Schwerthieb, der ihn einst treffen würde ...

Sie zog Hassan fest an sich und küßte ihn auf seine zarten, weichen Lippen. Die bitteren Ereignisse, die ihre Söhne treffen und die harten Zeiten und Geschehnisse, unter denen Zaynab und Umm-e-Kultum würden leiden müssen, machten ihr das Herz schwer ...

Ja, auch unter derlei bedrückenden Gedanken litt sie ... , sie wurde Tag für Tag schwächer.

Wir wissen aus einem Hadit, daß Fātimah (a.s.) in ihrer Todesstunde zu weinen begann. Ali (a.s.) fragte sie:

Warum weinst du?

Sie: Ich weine um das, das dir die Zukunft bringen wird!

Er: Weine nicht, mein Liebes, denn das Schwere, das auf mich zukommt, ist für mich nicht von Bedeutung! [263]

Unerwünschter Besuch ...

Die muslimischen Frauen, nahen Verwandten und Getreuen des Gesandten Gottes kamen, um Fātimah (a.s.) zu besuchen. Umar und Abu Bakr aber erlaubte sie einen Krankenbesuch nicht.

Wir erinnern uns: Sie hatte zu ihnen die Verbindung abgebrochen und mied sie konsequent, so daß sie immer mehr in Besorgnis gerieten und sagten:

Es möge verhütet sein, daß sie stirbt, ohne sich mit uns versöhnt zu haben. Dieses würde uns bis zur Auferstehung zur Schande gereichen. -

Dem Druck solcher Gedanken wie auch der Öffentlichen Meinung ausgesetzt, baten sie Ali (a.s.), ihnen einen Besuch bei Fātimah-Zahra zu ermöglichen. Ali (a.s.) wandte sich daher an seine Frau und sagte:

o du freiheitlichgesinnte, edle Fraut Umar und Abu Bakr möchten dich besuchen. Erlaubst du es ihnen? -

Fātimah (a.s.), die die Besorgnis ihres Mannes kannte, antwortete:

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Das Haus ist dein Haus und ich füge mich deinem Wunsch. Handle so, wie du es für richtig hältst! -

Sie legte einen Schleier um ihren Kopf und wandte ihr Gesicht der Wand zu. Abu Bakr und Umar traten ein und grüßten. Sie sagten:

O Tochter des Gesandten Gottes! Wir sehen unseren Irrtum ein und bitten dich, uns dein Wohlwollen zu schenken. -

Sie: Ich will euch etwas fragen, antwortet mir! -Umar und Abu Bakr: Was möchtest du wissen? -Sie: Habt ihr gehört, daß mein Vater sagte:

Fātimah ist ein Teil von mir. Jeder, der sie betrübt, betrübt mich, - Sie erwiderten: Ja, das hörten wir! -

Da hob sie ihre Hände empor und sprach:

O Gott, du bist Zeuge, daß diese beiden Männer mir Leid und Unrecht zufügten. Ich klage sie an, bei Dir und Deinem Gesandten. Niemals werde ich mit ihnen einverstanden sein, bis daß ich zu meinem Vater gehe! Und ihm werde ich klagen, was sie mir antaten! Er soll dann zwischen uns urteilen! -

Als Abu Bakr diese Worte vernahm, geriet er in höchste Erregung.

Doch Umar beruhigte ihn und meinte:

o Statthalter der Muslime! Gerätst du über die Worte einer Frau in Unruhe??_247

Fātimahs (a.s.) Testament. ..

Sie war nahezu vierzig Tage krank. Völlig entkräftet sagte sie zu Ali Ibn Abi Tālib (a.s.):

Ich spüre, daß ich bald sterben und mich meinem Vater anschließen werde, darum möchte ich gern mein Testament aufsetzen. -

Er setzte sich zu ihr. Sie waren allein im Raum.

Er: Mein Liebes! Bestimme, was immer du möchtest. Sei sicher, ich werde alles genauso, wie du es anordnest, regeln. Deine Bitten und Anweisungen zu erfüllen, ist mir wichtiger als meinen persönlichen Angelegenheiten nachzugehen. -

Er sah in ihr bleiches feines Gesicht mit den tief in ihren Höhlen liegenden Augen und begann zu weinen.

Sie schaute ihn an.

Wie traurig und voller Kummer war er doch! Sie sprach:

Niemals habe ich eine Unwahrheit zu dir gesagt, niemals dich betrogen und

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mich niemals deinen Anordnungen widersetzt. _

Ali (a.s.) erwiderte: Du bist so tugendhaft und gottesfürchtig, daß eine Schuld oder ein Unrecht deinerseits ausgeschlossen ist! Bei Gott! Dein Tod, die Trennung von dir ist mir unsagbar schwer!

Doch was kann ich dagegen machen?! Vor dem Tod gibt es kein Entweichen! Erneut trifft mich nun großes Leid! Dein Fortgehen von mir wird ein unbeschreiblicher, anhaltender Schmerz für mich sein! -

Alles kommt von Gott und kehrt zu Ihm zurück, ich weiß, aber welch großer, unendlicher Kummer kommt auf mich zut Bei Gott! Niemals werde ich ihn verwinden, niemals dieses tragische Geschehen vergessen, nichts wird mich darüber hinwegtrösten können! -

Beide ließen ihren Tränen freien Lauf .... [264]

In diesem eben zitierten kurzen Gespräch wird in einem einzigen Satz ihr Verhalten Ali (a.s.) gegenüber deutlich, das geprägt ist von Aufrichtigkeit, Treue, Keuschheit und Zuneigung. Und Ali Ibn Abi Tālib(a.s.)würdigt dieses, - ihre Verdienste, Mühen, ihre hohe Gesinnung und Bildung. Er bringt seine grenzenlose Zuneigung und Liebe für sie zum Ausdruck. Sie haben sich so gern und stehen einander so nah, daß sie _ diese beiden beispielhaften Gatten - in diesen letzten Augenblicken ihres irdischen Beisammenseins ihre Tränen nicht verbergen können. Sie weinen gemeinsam und erinnern sich ihres kurzen Miteinanderlebens, das angefüllt war mit Herzlichkeit, Liebe, Vertrauen, Ehrlichkeit und Hingabe ...

Hadrat-e-Ali (a.s.) legte den Kopf seiner sterbenden Frau in seinen Schoß und sagte:

Liebes! Sage mir alles, was du möchtest und auf deinem Herzen hast, ich werde deine Anweisungen gewissenhaft und getreu erfüllen! -

Fātimah (a.s.) sprach:

- Männer können ohne Frau nicht leben. Du wirst nicht umhin können, als wieder zu heiraten. Ich bitte dich, vermähle dich nach mir mit Amamah, der Tochter meiner Schwester, da sie zu unseren Kindern freundlich und gut ist.[265]

- Meine Kinder werden nun mutterlos sein. Sei liebevoll zu ihnen. Sprich mit ihnen nicht in barschem Ton. Und bleib, um ihren Kummer um mein Nicht-Mehr-Dasein zu lindern - im Wechsel - eine Nacht bei ihnen, eine Nacht bei deiner Frau ... [266]

- Beschaffe für mich eine Totenbahre, die meinen Leib, wenn man mich zu Grabe trägt, nicht zu erkennen gibt. [267]

- Nehmt die Totenreinigung an mir in der Nacht vor, hüllt mich in den Kaffan und beerdigt mich dann ebenfalls zu nächtlicher Stunde. Erlaube nicht, daß

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diejenigen, die mir mein Recht nahmen, mich quälten und belästigten, mir das letzte Geleit geben und an meinem Grabe beten. [268]

- Jeder der Frauen des Gesandten Gottes gib zwölf "Wiqiah"[269] von mir. Ebenfalls den Frauen der Bani Hāschim und auch Amamah, der Tochter meiner Schwester. [270]

Nach dem Tode Fātimah-Zahrās (a.s.) wurde diese schriftliche testamentarische Anordnung von ihr aufgefunden:

Die Haine Di-I-Husna, Sāqiah, Dalāl, Garāf, Raqamah, Haytam und Umm-e-Ibrāhim sollen nach mir Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) gehören, Nach ihm meinem Sohn Hassan, nach Hassan meinem Sohn Husssin, nach Hussein dessen ältestem Sohn.

geschrieben von: Ali

Zeugen: Miqdäd und Zubayr [271]

Ibn Abbās berichtet, daß auch die nachstehende testamentarische Anweisung von Fātimah-Zahrā (a.s.) ist:

Im Namen Gottes, des Sich Erbarmenden, des Barmherzigen!

Dieses ist ein Testament Fātimahs, der Tochter des Gesandten Gottes. Ich bezeuge die Einzigkeit Gottes, - und ich bezeuge, daß Muhammad(s.a.s.)der Gesandte Gottes ist, daß Paradies und Hölle Wahrheiten sind, an denen nicht zu zweifeln ist und daß der Tag der Auferstehung kommen und Gott die Toten auferwecken wird.

o AIi! Gott hat mich zu deiner Gattin bestimmt, auf daß wir in diesem wie in jenem Leben beieinander sein mögen.

Meinen Willen vertraue ich dir an (lege ich in deine Hand).

Laß die Totenreinigung an mir sowie meine Einbalsamierung und Kaffanierung [272] in der Nacht erfolgen. Benachrichtige bitte niemanden darüber.

Und nun verabschiede ich mich von dir. Grüße bitte meine Nachkommen, die bis zum Tage der Auferstehung hervorgehen werden. [273]

Letzte Augenblicke vor dem Tod ...

Ihr Zustand verschlimmerte sich zusehends. Nur noch, wenn es unbedingt erforderlich wurde, wich Ali (a.s.) von ihrer Seite.

'Asmā' Bint Amays pflegte sie.

Hassan, Hussein, Zaynab und Umm-e-Kultum verließen ihre Mutter kaum noch. Fātimah (a.s.) lag nun oft bewußtlos da, doch wenn sie die Augen aufschlug, sah sie ihre Kinder voller Wehmut an.

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) berichtet: In den letzten Augenblicken ihres

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Lebens öffnete Zahrā die Augen, sah im Raum umher und sprach:

Friede sei mit dir, o Gabriel!

Friede sei mit dir, O Gesandter Gottes!

O Gott, vereinige mich im Jenseits mit Deinem Gesandten. -

O Gott, laß mich im Paradiese in Deiner Nähe sein ... Dann, gerichtet an die Anwesenden, sagte sie:

Nun sind die Engel Gottes und Gabriel da, auch mein Vater. Er sagt zu mir:

Komm schnell zu uns, hier ist es besser für dich! _[274] Auch dieses läßt Ali (a.s.) uns wissen:

Fātimah (a.s.) sagte an ihrem letzten Abend in dieser Welt zu mir:

Gerade eben ist Gabriel zu mir gekommen und sprach:

Gott grüßt dich und läßt dir ausrichten:

Es ist bald soweit, daß du deinen Vater im Paradies wiedersehen wirst. Und weiter sagte sie:

Friede sei mit dir! Sie fügte hinzu:

Eben kam Michael zu mir und überbrachte mir eine Botschaft von Gott. Nun öffnete sie die Augen und sagte:

O Ali, bei Gott, jetzt ist es Israel, der zu mir tritt. Er ist gekommen, um meine Seele zu holen. -

Und zu Israel sprach sie:

Nimm meine Seele, doch geh behutsam mit mir um! Dann, im letzten Augenblick ihres Lebens sprach sie noch: o mein Gott! Ich komme zu Dir, nicht zum Feuer! -

Dieses waren ihre letzten Worte. Darauf schloß sie die Augen und übergab ihr Leben dem, der alles Leben erschafft!

Asmā'Bint 'Amays berichtet über ihr Sterben folgendes: Als ZahrāsTod nahe war, sprach sie zu mir:

Gabriel hat, als mein Vater im Sterben lag, ein wenig Kafur [275] gebracht. Mein Vater teilte ihn in drei Portionen: Eine für sich, eine für Ali und eine für mich. Dort, an jener Stelle, habe ich den Kafur aufbewahrt. Ich brauche ihn nun. Bitte, stell ihn bereit. -

Asmā', tat wie sie ihr aufgetragen hatte.

Fātimah (a.s.) wusch sich nun, vollzog den Wudu und bat Asmā':

Bitte, bring mir mein Gebetsgewand und auch ein wenig Duftwasser. -

Sie hüllte sich in ihr Gebetsgewand, besprengte sich ein wenig mit dem Duftwasser und legte sich in Richtung Qibla auf ihr Lager.

Sie sprach zu Asmā':

Nun möchte ich ein wenig ruhen. Warte ein Stündchen, dann rufe mich!

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Wenn ich keine Antwort gebe, wisse, daß ich diese Welt verlassen habe. Gib dann schnell Ali (a.s.) Bescheid. -

Asmā' berichtet weiter:

Ein wenig wartete ich. Dann ging ich an die Tür ihres Zimmers und rief Zahrā. Aber ich vernahm keine Antwort. -

Als ich zu ihr trat und ihren Schleier von ihrem Gesicht fortzog, erkannte ich, daß sie gestorben war. Ich warf mich über sie, küßte sie und weinte ...

Da traten Hassan und Hussein (a.s.) hinzu und fragten, wie es ihrer Mutter ginge. Sie sagten:

Zu dieser Zeit schläft sie doch sonst nicht! -

Ich: Meine lieben Kinder! Eure Mutter hat diese Welt nun verlassen ....

Hassan und Hussein warfen sich über ihren Leichnam, küßten ihn uno weinten bitterlich.

Hassan rief: Mutter, liebe Mutter! Sprich doch zu mir! Auch Hussein schluchzte:

Liebe, liebe Mutter! Ich bin es, dein Hussein! Bitte, bitte, sag etwas zu mir! Ich kann dein Schweigen nicht ertragen ...

Sie liefen zur Moschee, um ihrem Vater den Tod der Mutter mitzuteilen. Als Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) die bittere Nachricht vom Tode Zahrās vernahm, versank er in tiefe Trauer und sprach:

O Tochter des Gesandten Gottes! Du warst mein Trost! Wie soll ich nun, nach dir, Trost finden können?! [276]

Letztes Geleit und Beerdigung ...

Weinen drang aus dem Haus. Die Bevölkerung Medinas hatte über ihren Tod erfahren. Wehklagen erhob sich über die Dächer der Stadt. Sie eilten in Scharen zum Hause Alis(a.s.). Er saß im Zimmer, - die beiden Knaben Hassan und Hussein neben ihm weinten.

Umm-e-Kultum sagte unter Tränen:

O Gesandter Gottes! Wir haben dich aus der Hand geben müssen.

Und nun haben sich die Leute draußen vor dem Haus eingefunden und warten darauf, daß Zahrās Leichnam hinausgetragen wird. -

Da trat Abudar zu der Menge und sagte:

Geht, das Begräbnis findet später statt. [277]

Umar und Abu Bakr kondulierten Ali (a.s.) und meinten: O Abu-l-Hassan! Sprich nicht früher als wir an ihrem Leichnam das

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Totengebetl [278]

Ali (a.s.) jedoch vollzog - gemeinsam mit Asmā' - noch in der gleichen Nacht an Fātimah die Totenreinigung und hüllte sie in den Kaffan. Die mutterlos gewordenen Kinder Fātimah-Zahrās (a.s.) weinten um sie. Nach der Totenreinigung und Kaffanierung rief Ali (a.s.) Hassan, Hussein, Zaynab und Umm-e-Kultum (a.s.):

Kommt, verabschiedet euch nun von eurer Mutter! Ihr werdet sie danach nicht mehr sehen können! -

Die Kinder kamen, warfen sich über die verstorbene Mutter, küßten sie und weinten herzzerreißend.

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) zog sie behutsam von ihr fort ... [279]

Er verrichtete an ihrem Leichnam das Totengebet. Dann trugen sie Fātimah fort. Abbas, Fadal, Miqdād, Salmān, Hassan, Hussein, Aqil, Buraydah, Hudaytah und Ibn Mas'ud gaben Fātimah-Zahrā (a.s.) das letzte Geleit. [280]

Sie trugen ihren Leichnam in der Dunkelheit der Nacht, als die Bewohner Medinas im Schlafe lagen, leise und verschwiegen zu Grabe. Niemand der Munāfiqān durfte aufgeweckt werden und das Begräbnis stören. Sie setzten die Trage mit der Verstorbenen neben dem Grabe nieder. Amir ul Mu'menin (a.s.) selbst nahm dem Leichnam seiner geliebten Frau auf und trug ihn ins Grab. Daraufhin deckte er ihn in aller Eile mit Erde zu ... [281]

Ali am Grabe Zahrās

Die Beisetzung Fātimah-Zahrās (a.s.) fand in aller Stille, Verschwiegenheit und Eile statt. Die Gegner sollten keinesfalls etwas bemerken oder gar störend eingreifen. -

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) versank in tiefen Schmerz, als das Begräbnis vollzogen war.

Kummer und Gram erfüllten ihn.

O Gott, in aller Schnelle und Heimlichkeit mußte ich sie, die Tochter des Gesandten Gottes, der Erde beisetzen. Welch gütige, freundliche, aufrichtige und hingebungsvolle Frau habe ich verloren. Wie stark und entschlossen hat sie mich verteidigt und was hat sie deswegen alles ertragen müssen! Wie unermüdlich und liebevoll hat sie sich um unsere Kinder und mich bemüht. Wie hat sie gelitten unter dem Unrecht, das man ihr zufügte. -

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Dazu all die Schmerzen ... , das Kind, das sie verlor!

O Gott! Ich hatte gehofft, bis zu meinem Lebensende mit Zahrā (a.s.) sein zu können. Doch leider, leider, der Tod hat uns auseinandergerissen! Wie kann ich nur meine armen, mutterlosen Kinder trösten! -

In der Dunkelheit der Nacht erkannte er die Umrisse des Grabmales Hadrat-e-Muhammads (s.a.s.). Er wandte sich diesem zu und sprach:

Friede sei mit dir, O Gesandter Gottes! Mein Friedensgruß und der deiner geliebten Tochter, die nun bald bei dir sein wird und in deiner Nähe begraben wurde, sei dir! Sie schließt sich dir früher als ich an.

O Gesandter Gottes! Meine Langmut ist nahezu verbraucht! Aber es bleibt mir nichts übrig, ich muß mich - ebenso wie nach deinem Tode - auch nun, da Zahrā von mir ging, in Geduld fassen und ausharren!

O Gesandter Gottes! Du hast in meinen Armen deine letzten Atemzüge getan. Ich habe deine Augen geschlossen und deinen Leichnam der Erde beigesetzt. Ja, ich will geduldig sein und sprechen:

انالله و انا اليه راجعون

Alles kommt von Gott und kehrt zu Ihm zurück!

Sie, die du mir anvertrautest, ist dir nun gefolgt.

Zahrā wurde mir genommen! Erde und Himmel haben für mich ihr Licht, ihre

Schönheit verloren.

O Gesandter Gottes! Mein Kummer ist grenzenlos, ich finde keinen Schlaf mehr! Schmerz und Trauer haben von mir Besitz ergriffen und weichen nicht mehr von mir, - es sei denn, ich stürbe und käme zu dir ...

Es ist ein Schmerz, der mir das Herz zerreißt, ein grenzenloses Leid! Wie schnell ging unser inniges, herzliches Zusammensein zu Ende. Ich klage Gott mein Leid.

O Gesandter Gottes! Deine Tochter wird dir sagen, daß sich deine Gemeinde gegen uns verschworen hat und mir das Kalifat verwehrt.

Frag Fātimah, wie es um die Ummah und uns steht. Sie hat sehr viel Kummer und Herzeleid ertragen müssen, soviel, daß es sie zu erdrücken schien.

Wohl aber wird Gott zwischen uns und ihnen richten ...

O Gesandter Gottes, ich verabschiede mich nun von dir. Nicht, weil ich es müde und leid geworden wäre, an deinem Grabe zu verweilen. Und wenn ich bliebe, so nicht etwa deshalb, weil ich den Verheißungen Gottes im Zusammenhang mit den Standhaft-Geduldigen nicht glaubte, - nein, denn ich weiß, daß Langmut und Geduld besser als alles andere ist! Wenn ich nicht die Dreistigkeit der Feinde befürchtete, würde ich mich hier neben deinem Grabmale niederlassen, um dieses große Leid, das uns widerfuhr,

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zu beklagen.

O Gesandter Gottes! Die Situation erforderte es, daß wir deine Tochter in aller Schnelle, Verschwiegenheit und in der Dunkelheit der Nacht zu Grabe tragen mußten. Man hat ihre Rechte mit Füßen getreten und ihr Erbe verwehrt.

Ich klage dir mein Leid ...

Gegrüßest seist du und meine geliebte Gattin! .[282]

Am nächsten Morgen machten sich Umar, Abu Bakr und die anderen in aller Frühe auf den Weg zum Hause Alis (a.s.), um von dort aus den Leichnam Fātimah-Zahrās (a.s.) zu Grabe zu tragen.Miqdād jedoch ließ sie wissen, daß die Tochter des Propheten bereits in der Nacht beigesetzt worden sei.

Umar meinte zu Abu Bakr:

Habe ich dir nicht gesagt, 'daß sie so etwas vorhaben?? -

Abbās erklärte: Weil Fātimah(a.s.) selbst es so anordnete, haben wir sie in der Nacht beigesetzt. Wir sind ihrem Testament entsprechend vorgegangen!

Umar entgegnete: Feindseligkeit und Eifersucht der Bani Hāsehim finden doch einfach kein Ende!

Ich will Fātimahs Grab öffnen und an ihrem Leichnam das Gebet sprechen! -

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) antwortete ihm: Umar! Bei Gott! Wenn du das tust, werde ich mit meinem Schwert gegen dich vorgehen. Niemals lasse ich zu, daß Fātimahs Leichnam aus der Gruft hervorgeholt wird! .

Als Umar erkannte, wie entschlossen Ali (a.s.) und wie riskant sein Vorhaben war, verzichtete er darauf! [283]

Über das Datum ihres Todes

Es ist nicht zu bezweifeln, daß Fātimah-Zahrā (a.s.) im Jahre 11 nach der Hiğra verstarb. Denn: Der Abschieds-Hağ, der "Hağ-ul-Wida'" des Propheten, fand im Jahre 10 nach der Hiğra statt, wonach dieser zu Beginn des Jahres 11 - aus dieser Welt schied.

Historiker und Chronisten sind sich darin einig, daß Fātimah (a.5.) - noch war kein Jahr nach dem Tode ihres Vaters vergangen - ebentalls starb. Hinsichtlich des Sterbemonats und -tages aber vertreten sie die verschiedensten Ansichten.

Der Verfasser des Werke "Dalā’il ul lmāmah" wie auch Kaf'ami in "Misbah'', Sayyid in "Iqbāl" und Muhādit Qumi in "Muntahil Āmāl" geben den dritten Tag

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des Monats Ğamadi ul Tani als Todestag an.

Ibn Schahr Aschub nennt in seinem "Manāqib" den 13. Rabi'ut Tāni als ihren Sterbetag. Ibn Ğuzi in "Tadklrat ul Hawas" und Tabari in "Tārih" schreiben, daß Zahrā (a.s.) am dritten Tag des Monats Ramadan verschieden sei.

Mağlisi teilt in seinem "Bihār ul Anwār" ebenfaills mit, daß sie laut Muhammad Ibn Umar am dritten Tag des Monats Ramadān starb. Jedoch im gleichen Werk schreibt er unter anderem auch, daß gemäß der Angaben des Muhammads Ibn Maytam Fātimah-Zahrā (a.s.) am 20. Tag des Monats Ğāmadi ut Tāni dahinschied.

Muhammad Naqi Sipihr nennt in "Nasih ut Tawārih" den 27. Tag des Monats Ğāmadi-ul-Awlā als ihren Sterbetag.

Diese wenn auch unterschledllchen Angaben lassen darauf schließen, daß Hadrat-e-Fātimah (a.s.) wenige Monate nach ihrem Vater starb.

75 Tage:
Kulini in "Kafi" und der Verfasser des Werkes "Dalā’il ul Imāmah" sprechen von 75 Tagen, die Fātimah-Zahrā (a.s.) nach dem Tode ihres Vaters noch gelebt habe. Das gleiche sagt Sayyid Murtidā in "Uyun ul Muğizāh". Diese Ansicht fußt auf einer diesbezüglichen Überlieferung Imam Sādiqs (a.s.)dernach dieser wissen ließ:

Fātimah (a.s.) lebte nach dem Tode ihres Vaters noch 75 Tage. [284]

72 Tage:
Ibn Schahr Aschub schreibt in "Manāqib": Hadrat-e-Fātimah-Zahrā(a.s.) lebte nach dem Tode ihres Vaters noch 72 Tage.

Drei Monate
Abul Farağ berichtet in "Maqātil ut Tālibiih": Hinsichtlich des Todestages Zahrās liegen unterschiedliche Meinungen vor. Doch gewiß lebte sie nach dem Tode des Propheten nicht länger als acht Monate und nicht weniger als vierzig Tage. Jedoch richtig ist die Aussage Ğa'far Ibn Muhammads (a.s.), der sagte:

Zahrā (a.s.) lebte nach dem Gesandten Gottes noch drei Monate. [285] Die gleiche Angabe machte der Verfasser des Werkes "Kaschf ul Gumah", der sich auf die Überlieferung des Dulabi, Ibn Ğuzi und Umar Ibn Dinār beruft.

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Vierzig Tage
Mağlisi überliefert in seinem "Bihār ul Anwār" die Aussage der Faydah, einer Gehilfin und Gefährtin Fātimah-Zahrās (a.s.) sowie die diesbezüglichen Angaben in "Rawdat ul Wā'izin" wie auch die des Ibn Abbās, denenzufolge Hadrat-e-Fātimah (a.s.) nach dem Tode ihres Vaters noch vierzig Tage lebte. Ibn Schahr Aschub weist in seinem "Manāqib" auf die Überlieferung des Qurbāni hin, der ebenfalls von vierzig Tagen spricht.

Sechs Monate:
In "Bihār ul Anwār" nennt Mağlisi den Hadit Imam Muhammad Bāqirs,(a.s.), in dem es heißt: Fātimah (a.s.) lebte nach dem Tode ihres Vaters noch sechs Monate. Und in Kaschf ul Gurnah finden wir die gleiche Aussage, die sich auf die Angaben Abi Schahābs, Zahris, und Urwat Ibn Zubayrs bezieht.

Ibn Ğuzi schreibt in Tadklrat ul Hawas, daß einer Überlieferung gemäß Zahrā(a.s.)zehn Tage weniger als sechs Monate nach dem Tode ihres Vaters starb.

Vier Monate:
Ibn Schahr Aschub nennt in seinem Manāqib u.a. auch eine Überlieferung, in der von vier Monaten die Rede ist.

95Tage:
Einer Überlieferung gemäß hat Imam Muhammad Bāqir (a.s.) von 95 Tagen gesprochen, die Fātimah-Zahrā (a.s.) noch nach dem Tode ihres Vaters lebte.

Siebzig Tage:
Ibn Ğuzi nennt in Tadkirat ul Hawas eine Überlieterung, derzufolge Ğa'far Ibn Muhammad (a.s.) ausgesagt hat:

Fātimah (a.s.) lebte nach dem Tode ihres Vaters noch siebzig Tage.

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Zwei Monate, acht Monate, hundert Tage ...

In "Bihār ul Anwār" finden wir ebenfalls Aussagen, denenzufolge die Tochter des Propheten zwei Monate, acht Monate bzw. hundert Tage nach ihrem Vater starb.

Hinsichtlich des gen auen Todestages des Propheten gibt es ebenfalls unterschiedliche Aussagen. Die schiitischen Gelehrten sind allgemein der Auffassung, daß Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) am 28. Tag des Monats Safar aus dieser Welt schied, wohingegen die meisten sunnitischen Wissenschaftler den zwölften Rabi'-ul-Awwal als seinen Todestag bezeichnen.

Ebenfalls wird von einigen der zweite Rabi' -ul-Awwal genannt. -

Ungefähr dreizehn Auffassungen gibt es in bezug auf den Todestag Hadrat-e-Fātimahs (a.s.). Wenn wir diese im Zusammenhang mit den Überlieferungen zum Sterbetag des Propheten betrachten und danach berechnen, kommen wir zu einem Resultat, das auf den wahrscheinlichen Todestag Zahrās (a.s.) schließen läßt.

Ohne Zweifel jedoch ist den Angaben und Aussagen der Imame (a.s.) Priorität einzuräumen, da sie gewiß besser über den Todestag ihrer Mutter (bzw. Großmutter) informiert sind.

Doch, wie wir sehen, geben auch die diesbezüglichen Überlieferungen nicht einheitliche Auskunft über den genauen Sterbetag Fātimah-Zahrās (a.s.), denn in ihnen ist die Rede von 75, 95 und 70 Tagen wie auch von drei bzw.

sechs Monaten.

Wenn der Todestag des Propheten der 28. Tag des Monats Safar war und wir diesem die Angabe über 75 Tage gegenüberstellen, wird sich der Tod Zahrās (a.s.) am 13. Ğamādi-ul-Awwal ereignet haben. Gehen wir aber von den ebenfalls genannten 95 Tagen aus, so muß es aller Wahrscheinlichkeit der dritte oder fünfte Tag des Monats Ğāmadi ut Tāni gewesen sein. -

Kurz: Auf diese Weise mag ein jeder selbst den wahrscheinlichen Todestag Hadrat-e-Fātimahs (a.s.) errechnen.

Wir erinnern noch einmal daram, daß es ebenfalls hinsichtlich ihres Alters die unterschiedlichsten Auffasungen gibt. Einige sprachen von 18, andere von 28 und wieder andere von 30 bzw. 35 Jahren.

Da wir jedoch zuvor schon ausführlich darüber sprachen, wollen wir uns an dieser Stelle nicht noch einmal mit diesem Thema befassen.

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Wo sie begraben wurde ...

Wir sagten schon, daß Fātimah(a.s.) selbst bestimmte, in aller Verschwiegenheit beerdigt werden zu wollen, damit ihre Grabstätte geheimbliebe. Darum hatte Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) sie in der Stille und Dunkelheit der Nacht beigesetzt und ihre Gruft darüberhinaus dem Erdboden gleichgemacht. Zudem hatte er noch vierzig Scheingräber - an verschiedenen Stellen - errichtet, damit die Widersacher völlig in die Irre gingen und ihr Grab nicht ausfindig machen konnten.

Allerdings wußten Ali (a.s.) und seine Kinder, die engsten Freunde und Verwandten über den Ort ihrer Gruft Bescheid, doch hatte Fātimah(a.s.)in ihrem Testament so eindringlich darum gebeten, ihn geheimzuhalten, daß niemand auch nur den geringsten Hinweis diesbezüglich fallen ließ.

Alle, die informiert waren, hüllten sich getreulich in Schweigen und taten oder sagten nichts, das Verdacht erregen konnte.

Die weiteren Imame (a.s.) wußten ebenfalls ganz gewiß, wo sich Fātimahs (a.s.)Grabstätte befand, doch auch für sie galt ihre testamentarische Anweisung, weswegen sie den Ort nicht preisgaben.

Gleichwohl verzichteten Wissenschaftler und Forscher nicht darauf, über dieses Thema zu sprechen und zu diskutieren. Einige wiesen auf bestimmte Orte und Gebäude hin, in denen sie beigesetzt worden sein könnte. Andere vermuteten, Fātimah-Zahrā (a.s.) sei in oder bei der Grabstätte des Propheten begraben worden.

Mağlisi berichtet über die Aussage Muhammads Ibn Hassans. die lautet: Ali (a.s.)setzte Fātimah (a.s.) in der Gruft des Propheten bei, verwischte jedoch alle Spuren ihres dortigen Begräbnisses.

Auch gibt er die Angaben der Gefährtin Fātimah-Zahrās (a.s.) - Faydah wieder, die gesagt hatte, daß an dem Grabmal des Gesandten Gottes das Totengebet für Fātimah verrichtet worden und sie dort beerdigt worden sei.

Scheich Tussi schreibt folgendes: Es scheint, daß Fātimah(a.s.) in der Grabstätte des Propheten beigesetzt wurde oder aber in ihrem Hause. Zu den Beweisgründen, die für diese Wahrscheinlichkeit sprechen, zählt ein Hadit des Propheten, der demzufolge gesagt hatte:

Zwischen meinem Grabmal und meiner Minbar befindet sich eine Stätte, die paradiesisch ist. [286]

Abgesehen davon gibt es noch weitere Ansichten:

Es wurde geschrieben, daß Ali (a.s.) am Grabmal des Propheten das

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Totengebet für Fātimah verrichtet habe. Daraufhin habe er den Propheten angesprochen und gesagt:

Mein. Gruß und der deiner Tochter, die nun in deiner Nachbarschaft beerdigt wurde, sei dir, 0 Gesandter Gottes! -

Darüberhinaus: Mağlisi gibt die Überlieferung des Ibn Babiway

wieder.

Dieser hatte geäußert:

Ich bin mir dessen sicher, daß Fātimah (a.s.) in ihrem Hause beigesetzt

wurde. -

Nachdem die Bani Umayyah die Moschee erweitert hatten, befand sich das Grab der Tochter des Propheten in der Moschee. -

Auch berichtet Mağlisi über die Mitteilung des Muhammad Ibn Abi Nasr:

Ich fragte Abu-l-Hassan (a.s.) nach dem Grab Fātimah (a.s.). Dieser antwortete:

Sie ist in ihrem Hause beigesetzt worden. Nachdem jedoch die Moschee

erweitert wurde, wurde ihre Gruft Teil der Moschee. -

Zudem: Der Veriasser des Werkes "Kaschf ul Gumah" schreibt:

Es wird gesagt, daß Fātimah auf dem Friehof 'Bāqi" beerdigt worden sei. Abuch Sayyid Murtidā äußert das gleiche in "Uyun ul Mu'ğizāt".

Und Ibn Ğuzi teilt mit, daß gesagt wird, Fātimah (a.s.) sei in 'Baqi" bestattet worden. -

Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Ansicht darauf

zurückzuführen ist, daß Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) vierzig Scheingräber auf dem Friedhof "Bāqi'" errichtet hatte.

Als die Gegner versuchten, diese Gräber aufzureißen, hatte Ali (a.s.) ihnen

mit dem Tode gedroht. -

Daraus wurde gefolgert, daß eines dieser Gräber die Gruft Fātimah (a.s.)sei. -

Ibn Ğuzi läßt wissen: Einige berichten, daß Zahrā (a.s.) neben dem Haus des Aqil beraben wurde und daß zwischen ihrer Gruft und der Straße eine Entfernung von sieben Ellen war.

Abdullāh Ibn Ğa'far sagt: Es ist nicht daran zu zweifeln, daß sich das Grab' Zahrās (a.s.) neben dem Hause Aqils befindet.

Von all den zitierten Wahrscheinlichkeiten sind der ersten und

zweiten jedoch der Vorzug zu geben ...