Vorwort

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بسم الله الرحمن الرحيم

Im Namen Gottes, des Sich Erbarmenden, des Barmherzigen!

Vorwort

Diejenigen, die sich mit dem Leben und Wirken großer Persönlichkeiten, u.a.bedeutender Frauen befassen, tun dies aus verschiedenen Gründen.

Den einen dient es als eine Art "Freizeitbeschäftigung", die ihnen zudem zu einigen interessanten historischen Informationen verhilft.

Andere dahingegen wollen aus der Geschichte, besonders den Chroniken der Großen der Menschheit lernen, um aus deren Schaffen, Verhalten, Vorgehen, Erfolg oder auch Mißerfolg Schlußfolgerungen für ihr eigenes Leben zu gewinnen. Mit Hilfe geschichtlicher Studien ergründen sie die Ursachen zu Gelingen oder Mißlingen berühmtgewordener Männer und Frauen und auch jene Faktoren, die zu Erblühen bzw. Untergang so mancher Kulturen führten, um daraus eine Lehre für sich und ihre Gesellschaften ziehen zu können. Bei denen, die sich mit den Biographien der göttlichen Propheten, der Unfehlbaren Imame(a.s.) und großer Gottesmänner beschäftigen, ist es nicht viel anders. Die einen möchten mit dem Lesen erstaunlicher Geschichten freie Stunden gut nutzen, zumal diesbezügliche Überlieferungen und Erzählungen sie interessieren und ihnen Freude machen. Doch damit begnügen sie sich. Sie lesen und hören beispielsweise über Qualitäten und Vorzüglichkeiten "Ahl-Beits", ohne für sich selbst einen effektiven Gewinn daraus zu ziehen.

Die anderen aber vertiefen sich in Schriften über das Leben der "Awliā", Auserwählten Gottes, um über das Geheimnis deren Gelingens, Popularität und Beliebtheit zu erfahren und sich deren verhalten praktischer Hinweis auf den rechten, geraden Weg, auf "Sirāt al mustaqim" - als Richtlinie und Orientierungshilfe für den eigenen Lebensweg dienen zu lassen.

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Bedauerlicherweise ist die erstgenannte Gruppe stärker vertreten. Dementsprechend sind auch die Bücher und Abhandlungen über die Propheten und Imame mehr auf diesen Lesertyp zugeschnitten, d.h. voller erstaunlicher und bisweilen in übertriebener Weise wiedergegebener Geschichten und Begebenheiten,-

wohingegen auf die soziale , politische oder ethische Aussage des Verhaltens und Vorgehens dieser Großen nur recht wenig und dürftig eingegangen wird.

Wohl alle Muslime kennen eine Reihe wundersamer Geschichten über den Propheten Muhammad (s.a.s.) und die Unfehlbaren Imame (a.s.). Über deren Sozialprogramm aber, deren Wirken, Leistungen sowie deren Praxis im Zusammenhang mit den Gewaltmächtigen jener Zeit sind sie jedoch kaum im Bilde. Darum ist es mir daran gelegen, in diesem Buch das Leben Hadrat-e-Fātimah Zahrās (a.s.), der Tochter des Gesandten Gottes, mehr unter diesem Aspekt zu beleuchten und näherzubrtnqen. Wenn daher einige Geschichten und Überlieferungen nicht erwähnt werden, sollte dieses nicht Unwillen auslösen, da mein eigentliches Anliegen darin beruht, die Persönlichkeit dieser großen Frau der islamischen Geschichte an hand ihrer Gesinnung, ihres Verhaltens und Lebensstiles deutlich werden zu lassen.

Daß über Fātimah-Zahrā (a.s.) und ihr Leben nur beklagenswert wenig aus den frühislamischen Schriften zu erfahren ist,hat mehrere Gründe:

1- Ihre Lebenszeit war nur kurz bemessen. Sie wurde nicht älter als achtzehn Jahre. Über die erste Hälfte ihres Lebens - ihre Kinderzeit-gab es nicht viel Nennenswertes zu berichten und die zweite ... , nun, wie gesagt, sie dauerte ebenfalls nicht lange.

2- Sie war als Frau überwiegend im Hause beschäftigt, weshalb nur wenige genaueren Einblick in ihr privates Leben gewannen.

3- Zudem entsprach es nicht dem Denken jener Zeit, dem persönlichen,

häuslichen Leben der Tochter des Prophe ten größere

Aufmerksamkeit entgegenzubringen, & so daß sich

dementsprechend auch die Öffentlichkeit für Einzelheiten

daraus nicht sonderlich interessierte.

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Jedenfalls aber: Auch wenn die Geschichte über das Leben dieser großartigen, beispielhaften Frau und ihren Werdegang nicht detailliert und ausführlich berichtet, so bemühte ich mich dennoch, aus dem wenigen, das uns authentische, historische Schriften an die Hand geben die Persönlichkeit Hadrat-e-Fātimah-Zahrās (a.s.) herauszukristallisieren und aufzuzeigen.

Hin und wieder war ich genötigt, über die übliche Methode der Chronisten und Historiker, lediglich Ereignisse und Begebenheiten wiederzugeben, hinauszugehen und des besseren Verständnisses wegen Analysen und Schlußfolgerungen zu den betreffenden Themen anzufügen.

Ideales Vorbild

Zum Schutze der Frau und im Sinne ihrer Entfaltung und ihres Fortschritts gibt der Islam besondere Richtlinien, Regeln und "Programme" an die Hand.

Einer der Wege, mit dessen Hilfe eine wirkliche und vorbildliche Muslima als auch die segensreiche Wirkung einer rechtverstandenen islamischen Erziehung erkennbar werden, beruht darin, uns über die Frauen der frühislamischen Geschichte - erzogen und aufgewachsen in der "Schule" der göttlichen Offenbarung - genauestens zu informieren und über die Einzelheiten ihres Lebens zu erfahren.

Zweifelsohne steht Hadrat-e-Zahrā (a.s.) an der Spitze sämtlicher

Frauen der islamischen Geschichte, da sie die einzige ist, deren Vater, Gatte wie auch sie selbst "ma'sum", d.h. unfehlbar waren.

Umgebung und Milieu, in denen sie aufwuchs und lebte, waren "rein", ohne Sünde. Ihre Kindheit verbrachte sie in der Obhut der ersten Persönlichkeit im Islam, d,h, des Propheten, des Auserwählten und Gesandten Gottes, der seinerseits unmittelbar von dem Schöpfer, dem Herrn der Welten, erzogen worden war und unterwiesen wurde.

Die Zeit danach, als Gattin, Mutter und Hausfrau, verbrachte sie in der Gemeinschaft mit der zweiten großen Persönlichkeit der islamischen Geschichte, d.n. mit Ali Ibn Abi Tālib (a.s.).

In diesen wenigen Jahren in seinem Hause brachte sie zwei Knaben, die ebenfalls "ma'sum“ waren, zur Welt:

Hassan und Hussein (a.s.), ..

und zwei Töchter: Zaynab und Umm-Kultum, die sich -ihre Söhne wie auch Töchter- durch Tapferkeit, Tugend und Opferbereitschaft

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auszeichneten. Fātimah-Zahrā(a.s.) erzog ihre Kinder in der besten Weise, worauf wir später noch eingehen werden.

Ganz ohne Zweifel werden in einem solchen Hause, in einem derartigen Milieu, die hervorragenden und segensreichen Auswirkungen und Ergebnisse der islamischen Gebote (Ahkām) und Programme deutlich sichtbar und offenkundig und ist ebenfalls die rechte, beispielhafte Muslima,das ideale Vorbild einer Frau im Islam, anzutreffen.

Wie gehen wir vor ?

Was die Autoren, die über die Islamische Geschichte und insbesondere die großen Persönlichkeiten im Islam schreiben, betrifft,betrachten die einen nur das als authentlisch und glaubwürdig, was in sunnitischen Werken und Schriften zu finden ist. Überlieferungen und Aussagen, die nur schiitische Verfasser und Gelehrte bringen, lehnen sie kategorisch ab.

Andre meinen, nur das sei von Wert und nicht anzuzweifeln, was in schiitischen Büchern und Abhandlungen zu lesen ist. Dem, was nur Ahl-Sunnat in seinen Schriften stehen hat, schenken sie keinen Glauben.

Meiner Meinung nach urteilen die Vertreter beider Gruppen inobjektiv und übersehen dadurch so manche wahre Aussage.

In sunnltischen Büchern gibt es Zutreffendes, das in schiitischen Werken nicht aufgeführt wird, und ebenso sind auch in schiitischen Werken authentische Überlieferungen etc. nachzulesen, von denen in sunnitischen nicht die Rede ist. Zudem sollte nicht vergessen werden:

Die Schiiten besaßen schon seinerzeit Niederschriften und Bücher und hatten viele Informationen und Ahādit 23 durch die Unfehlbaren Imame (a.s.),die durch den Propheten als zu befragende Instanz in Glaubens und Wissensangelegenheiten empfohlen und vorgestellt wurden, erhalten. Abgesehen davon hatten die schiitischen Chronisten und Gelehrten mit ihren Niederschriften und Studien schon weit früher begonnen als die der Ahl-Sunnat.

Es zeugt keineswegs von Gerechtigkeitssinn und Objektivität, wenn einige die schiitischen Literatur-Quellen voreingenommen beiseitelassen und sich nur auf das stützen, was in sunnitischen Schriften steht.

Sie sind über alle Maßen von der Richtigkeit der Aussagen in Ahl-Sunnat Büchern überzeugt und gehen in der Annahme, daß deren Verfasser samt und sonders. zuverlässige Autoren waren, fern ab jeglichen Fanatismusses, und nur das zusammentrugen und niederschrieben, was

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der Realität entsprach. Wenn in deren Werken über eine Angelegenheit, eine Begebenheit oder Aussage, die in schiitischen Schriften erwähnt wird, nicht gesprochen wird, so gehen sie davon aus, daß dieser jegliche reale Grundlage fehlt und sie nicht zutreffend ist.

Diese Ansicht ist jedoch keinesfalls zu unterstützen,denn:

Auch wer völlig unparteiisch in die Schriften Ahl-Sunnats Einsicht nimmt, sie sorgfältig studiert und miteinander vergleicht, sogar die verschiedenen Auflagen ein und des gleichen Buches einander gegenüberstellt, wird feststellen, daß jener Optimismus deplaciert ist und es keinesfalls so war, daß sämtliche Chronisten und Autoren frei von fanatischen und tendenziösen Wünschen gewesen wären.

Daher sind zu den verschiedenen Themen in diesem Buch sowohl sunnitische als auch schiitische Quellen hinzugezogen worden. Nur im Zusammenhang mit einigen wenigen Themen, zu denen die Autoren Ahl-Sunnats aus bestimmten Gründen nichts schrieben oder auf sie nur flüchtig hinwiesen, konnten lediglich Ahl-Taschayyuh[22] -Schriften zu Hilfe genommen werden.

Ibrahim Amini-Nağaf-Abadi
Qum
Theol-Wissenschaftl. Bildungszentrum
August 1970