Erstes Kapitel: Von ihrer Geburt bis zu ihrer Vermählung

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Erstes Kapitel:

Von ihrer Geburt bis zu
ihrer Vermählung

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Kurzer Vorspann

Der Charakter eines Menschen ist in hohem Maße von seiner familiären Umwelt, von Verhalten und Wesensart der Eltern abhängig.

Vater und Mutter sind es, die den Grundstein zur Persönlickeit ihres Kindes legen und es später, erzogen und geformt gemäß ihren Moral und Verhaltensvorstellungen, in die Gesellschaft entlassen,-

als - so könnte man sagen - Spiegel und Resonanz ihrer eigenen Persönlichkeitsmerkmale wie auch Resultat ihrer Erziehungsmethode.

Was den Vater Fātimah-Zahrās(a.s.) betrifft, erübrigen sich Erklä rungen und Hinweise, da einem jeden Muslim wie allen Informierten die hervorragende Persönlichkeit Hadrat-e-Muhammads (s.a.s.), seine geistigseelische Größe, hohe Gesinnung, sein außergewöhnlich sozialer Einsatz sowie seine Opferbereitschaft und Kühnheit bekannt sind.

Es genügt, in diesem Zusammenhang an jenes Gotteswort zu erinnern, in dem es heißt:

"O Muhammad, deine Gesinnung ist hoch und edel!" (Sure 68, Qalam, Vers 4)

Zudem: Wollten wir über das ethische Verhalten des Vaters Fātimas (a.s) berichten,würde dieses- da es dazu einer umfangreichen Abhandlung bedürfte-den Rahmen dieses Buches sprengen.

Zur Mutter Fātimah-Zahrās(a.s.)

Die Mutter Fātimahs war Hadiğah, die Tochter des Huilad. Sie kam aus einer hochangesehenen Familie des Stammes Quraisch und hatte eine dementsprechende Erziehung erhalten. Ihre Angehörigen waren gelehrt und gebildet, engagiert, aufopferungsfreudig, mit geistlichen

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Interessen und aktive Beschützer der Ka'ba.

Als Tubba', der Herrscher von Yemen, beschloß, den "Schwarzen Stein, den "Hağar ul Aswad" in der Wand der Ka'ba nach Yemen bringen zu lassen , erhob sich Huilad, Hadiğas Vater , zum Widerstand. Aufgrund seines engagierten Einsatzes und Kampfes verzichtete Tubba' schließlich auf sein Vorhaben und beließ den heiligen Stein an seinem Platz.

Assad Ibn Abdul Uzā,der Großvater Hadiğahs , zählte zu den Mitgliedern des "Hilf-ul-Fudul-Bündnisses, welches eine Reihe edler und gerechtigkeitsliebender Persönlichkeiten der arabischen Welt jener Tage geschlossen hatten,-mit dem Ziel, die Unterdrückten zu verteidigen und Bedürftigen zu unterstützen. Auch der Gesandte Gottes gehörte dieser Vereinigung an und erklärte später:

"Ich war zugegen, und wenn man mich rufen wird, um zu helfen und meinem Versprechen nachzukommen, werde ich selbstverständlich und gern dieser Verpflichtung nachkommen."

Waraqat Ibn Nufil, ein Vetter Hadiğahs, gehörte zu jenen, die Anbetung der Götzen - etwas , das zu jener Zeit weit verbreitet war ablehnten und beabsichtigten, solange nachzuforschen, bis daß sie die rechtmäßige Religion Gottes gefunden hätten. [2]

An einem der Feste der Götzendiener, als diese mit der Verherrlichung eines ihrer Götzen beschäftigt waren, trafen sie sich zu einem geheimen Gespräch. Sie diskutierten über das Verhalten der Leute und kamen zu dem Resultat, daß diese mit ihrem Götzendienst einem schweren Irrtum erlegen seien und die Religion Abrahams aus der Hand gegeben hatten, darum, weil sie Götzen anbeteten und huldigten, die nicht sehen und hören und weefer nutzen noch schaden könnten.

Sie beschlossen, im Lande Ausschau zu halten, um die wahre Religion Abrahams wiederzufinden und zurückzugewinnen. [3]

Zur Erklärung: Waraqat Ibn Nufil ist jener Gelehrte, den Hadiğah später aufsuchte, um ihn um Auskunft zu bitten, nachdem Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) ihr von seiner Ernennung zum Propheten und der göttlichen Offenbarung durch den Engel Gabriel, der zu ihm herniedergesandt worden war, berichtet hatte.

Waraqat Ibn Nufil hatte ihr geantwortet:

"Anhand dessen, was' du mir mitgeteilt hast, kann ich nur bestätigen, daß Muhammad der Engel Gabriel erschienen und daß er Gesandter Gottes ist. Richte Muhammad von mir aus, konsequent und standhaft seine göttliche Mission wahrzunehmen."

Am folgenden Tag traf Waraqat Ibn Nufil Murammad in der Heiligen

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Moschee und fragte ihn:

"Sag, was du gesehen und erlebt hast!"

Der Prophet berichtete ihm alles. Daraufhin meinte Warāqah:

"Bei Gott! Du bist wahrlich der Gesandte Gottes! Der gleiche Engel, der zu Moses herniederkam, erschien auch dir! Sei dir darüber im klaren, daß man dir nicht glauben, dich belästigen und verfolgen wird. Du wirst deine Heimat verlassen müssen,und man wird Krieg gegen dich führen. Doch solange ich lebe, werde ich die Religion Gottes unterstützen und verteidigen. "

Nach diesen Worten küßte er Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) und verabschiedete sich. [4]

Diese und ähnliche Begebenheiten lassen erkennen, daß die Großen der Familie Hadiğahs gelehrte und verständige Männer waren, dem Einzigen Gott und der Religion Gottes zugeneigt.

Hadiğahs, die Handelsfrau ...

Auch wenn die Geschichte nicht viel über das Leben dieser edlen Frau berichtet, so wird dennoch anhand dessen, was sie uns über sie mitteilt, die hohe Persönlichkeit Hadiğahs weitgehend ersichtlich.

Sie heiratete als junges Mädchen Atiq Ibn A'id.. Dieser verstarb jedoch früh und ließ Hadiğah mit viel Geld und Gütern zurück.

Einige Zeit lebte sie daraufhin allein. Dann vermählte sie sich mit einem Kaufherrn aus dem Stamme der Bani Tamim, namens Hind Ibn Banās. Auch Hind starb schon nach kurzer Ehe mit Hadiğah und hinterließ ihr beachtlichen Reichtum.

Etwas, das den aktiven und freiheitlichen Geist dieser edlen Frau erkennen läßt, ist, daß sie die Gelder,die ihr ihr erster und zweiter Ehemann hinterlassen hatten, nicht, wie es in jener Zeit üblich war, ruhen ließ oder zu Zins- und Wuchergeschäften nutzte, sondern zu reellen Handelsgeschäften einsetzte, weshalb sie fähige, redlicheleute einstellte mit deren Hilfe sie ein florierendes Unternehmen unterhielt.

Durch legale kaufmännische Aktivitäten kam sie zu großem Vermögen.Die Chronisten schrieben:

Ihre Leute trieben selbst in ägyptischen Gebieten, Schām (Damaskus) und Habaschen (Abessinien) Handel, [5] begleitet von mehreren Tausend Kamelen.

Es dürfte wohl einem jeden klar sein, daß die Leitung eines großen Handelsunternehmens in jenen Tagen, noch dazu auf der

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arabischen Halbinsel, kein einfaches Unterfangen war. Insbesondere dann, wenn die Direktion in den Händen einer Frau lag, da die Frauen sein'erzeit offiziell sämtlicher sozialen Rechte entbehrten.

Vergessen wir nicht, daß damals, in jenen Breiten,Viele Männer - da sie die Geburt eines Mädchen als Schmach und Schande verstanden - ihre kleinen Töchter bei lebendigem Leibe in der Erde verscharrten.

Somit ist also auch aus dieser Tatsache zu schließen, daß Hadiğah eine starke, kühne und unabhängigdenkende Persönlichkeit war, da es ihr gelang, trotz. derartiger Vorstellungen und Ansichten in ihrer Gesellschaft eine so blühende Handelsfirma zu führen.

Hadiğahs Vermählung mit
Mhammad-Amin (s.a.s)

Zu den besonders erwähnenswerten Begebenheiten in ihrem Leben gehört ihre Vermählung mit Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.)

Doch zunächst, nachdem ihr erster und zweiter Gatte verstorben waren, machte sich ein hohes Unabhängigkeits- und Freiheitsbewußtsein in ihr bemerkbar.Wie kühnste, geschäftstüchtigste Männer widmete sie sich dem Handel und heiratete vorerst nicht erneut, wenngleich sie - einer edlen, angesehenen Familie angehörend und vermögend - viele Bewerber hatte, die um ihre Hand anhielten und eine hohe Morgengabe versprachen. Sie aber weigerte sich entschieden gegen eine weitere Vermählung.

Interessant ist, daß sie, die um keinen Preis bereit war, eine Ehe mit einem der adeligen und reichen Männer der arabischen Gesellschaft einzugehen, gern und freudig zu einem gemeinschaftlichen Leben mit Muhammad - Waise und unvermögend - bereit war. Dieses ist umso erstaunlicher, da sich zur Genüge junge, angesehene Persönlichkeiten um sie bemühten, die sie jedoch alle zurückwies.

Doch in bezug auf Muhammad war sie nicht nur gern bereit, sondern sie selbst war es, die ihm den Vorschlag zur Ehe mit ihr unterbreiten ließ und die Morgengabe aus ihrem eigenen Vermögen bestimmte,-

etwas , das in ihren Kreisen auf Verwunderung und Kritik stieß. Angesichts der Tatsache, daß viele Frauen einem vermögenden. Ehemann den Vorzug geben, in der Hoffnung, an seiner Seite ein sorgenfreies, angenehmes Leben führen zu können , ist die Entscheidung Hadiğahs, sich mit dem mittellosen Muhammad zu vermählen, ein Hiweis auf ihre Gedankentiefe und hohe Gesinnung. Sie

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legte besonderen Wert auf die geistigen und ethischen Werte und Qualitäten ihres künftigen Gatten, auf dessen edlen Charakter und hohe Persönlichkeit, - dessen Besitz oder Nicht-Besitz standen für sie nicht zur Debatte.

Sie wollte einem Mann mit erleuchtetem Geist ihr Ja-Wort geben, einem Mann, der die Menschheit einen Weg wies, der sie aus den Finsternissen hinaus ins Licht führte.

Aus der Geschichte wissen wir, daß Hadiğah von Gelehrten ihrer Zeit erfahren hatten, daß Muhammad (s.a.s.) der letzte Prophet sein würde. Nachdem er eine Zeitlang bei ihr als Leiter und Verantwortlicher ihrer Handelskarawane beschäftigt gewesen war - möglicherweise hatte sie ihn u.a. deswegen eingestellt, um ihn und die besagte Ansicht der Gelehrten zu überprüfen - und von ihrem Sklaven (in jener Zeit war Sklavenhandel allgemein üblich) "Maysarah" , den sie angewiesen hatte, Muhammad auf seinen Reisen zu begleiten, um ihn zu beobachten , über dessen hervorragendes Verhalten gehört hatte, war sie sich dessen gewiß, daß er jener Ersehnte war, auf den sie gewartet hatte.

Sie ließ ihn zu sich kommen und sagte:

"O Muhammad! Da ich dich als edel, vertrauenswürdig und aufrichtig erkannt habe, würde ich mich gern mit dir vermählen."

Muhammad besprach ihren Vorschlag mit seinen Verwandten.

Diese gingen als Brautwerber zu einem Onkel Hadiğahs und teilten diesem ihr Anliegen mit.

Der Onkel Hadiğahs, ein Gelehrter, überließ, da er sich nicht so gewandt auszudrücken vermochte, die Antwort Hadiğah selbst.

Diese sprach;

“O Muhammad! Bitte deinen Onkel, ein Kamel für das Hochzeitsmahl zu schlachten!" [6]

Einer anderen Überlieferung gemäß bat Hadiğah ihren Vetter Warāqat Ibn Nufil, ihre Vermählung mit Muhammad (s.a.s.) in die Wege zu leiten. Als dann Warāqat Ibn Nufil ihr die Nachricht überbrachte, daß Muhammad-Amin und seine Verwandten mit dieser Heirat einverstanden seien, überreichte Hadiğah ihm - als Dank für seinen Dienst - ein Chalat, ein kostbares Gewand.[7]

Sie sagte zu Muhammad:

"Mein Haus ist das deine. Und ich stehe dir jeder Zeit zu Diensten. Wann immer du möchtest, komm in dein Haus!" [8]

Auch Muhammad war gern zu einer Ehe mit Hadiğah bereit.Er war elternlos, ohne eigene Familie und fühlte sich oft einsam. Nun aber,

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durch die Ehe mit Hadiğah, wurde ihm alles gegeben, wonach er sich sehnte: Ein wirkliches Zuhause.

Mit Hadiğah hatte er eine warmherzige, treue und liebevolle Lebensgefährtin gefunden, die ihn stützte, beriet und ihm zur Seite stand, in guten und schweren Tagen ...

Hadiğah, die hingebungsvolle Frau

Sie - Muhamrnad (s.a.s.) und Hadiğah - heirateten und führten eine glückliche Ehe. Und sie war die erste Frau, die - später, nach seiner Ernennung zum Propheten - seine Einladung zum Islam annahm, Bedingunglos stellte sie ihm ihren gesamten Besitz und Reichtum zur Verfügung, für sein großes, göttliches Ziel.

Nein, sie gehörte nicht zu jenen Frauen, die - sobald sie zu Besitz gekommen sind - ihrem Mann keine Beachtung mehr schenken und sich hoffärtig verhalten. Da sie von seinem prophetischen Missionsauftrag wußte und von seinen hohen Bestrebungen überzeugt war, gab sie ihm alles, was sie hatte, mit den Worten:

"Verwende es, wie du es für richtig hältst, auf dem Wege Gottes und zur Verbreitung Seiner Religion."

Hischām berichtet: Der Gesandte Gottes (s.a.s.) hatte Hadiğah sehr gern. Er ehrte sie und beriet sich mit ihr. Sie, diese kühne, aufgeschlossene und klargeistige Frau war ihm eine gute Vertraute und Beraterin. Die erste Frau, die an seine Prophetschaft glaubte und den Islam annahm, war Hadiğah, und solange sie lebte, nahm sich Muhammad keine weitere Gattin.[9]

Der Prophet betonte : Hadiğah ist eine der besten Frauen dieser "Ummah"![10]

Aus Überlieferungen hören wir, daß der Engel Gabriel ein jedes Mal, wenn er zu dem Propheten herniederkam, sagte:

"Richte Hadiğah Gottes Gruß aus! Sag ihr; Gott hat für dich ein wunderschönes Schloß im Paradies bereitgestellt." [11]

Erstes Islamisches Zentrum

Die erste islamische Familie, die gegründet wurde, war die Muhamrnads (s.a.s.) und Hadiğahs. Ihr Haus, ihre Familie; stellte das erste "Islamische Zentrum" dar.

Sie waren zunächst nicht mehr als drei Personen: Muhammad, Hadiğah und Ali (a.s.). [12]

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Ihr Haus, ihre Familie, war das Zentrum, der Ausgangspunkt der weltweiten islamischen Bewegung. Eine schwere Verantwortung und Verpflichtung oblag ihnen. Sie mußten gegen Gottlosigkeit und Götzentum zu Felde ziehen,hatten das Ein-Gott-Bekenntnis (Tawhto) in alle Welt hineinzutragen. Vergessen wir nicht, daß sie seinerzeit die einzige islamische Familie und Gemeinschaft auf dem gesamten Erdenrund waren. Weitere Muslime gab es noch nicht. Doch sie, die kühnen, festüberzeugten und engagierten Vertreter des ersten Stützpunktes des Islam, waren entschlossen,die Herzen der Menschen zu erobern und sie für den Islam - d.h. für Gott- zu gewinnen. Überall auf Erden ...

Jene kleine, aber aktive und zuversichtliche Glaubensgemeinschaft war bereit und gerüstet. An ihrer Spitze stand Muhammad (s.a.s.), über dessen Gesinnung Gott im vierten Vers der Sure 68. Qalam, spricht:

"Deine Gesinnung, Muhammad, ist hoch und edel!"

Muhammad (s.a.s.) hatte Hadiğah über alle Maßen gern und ehrte sie. Selbst ihre Freundinnen würdigte er um ihretwillen.

Anas überliefert: Hin und wieder brachte man dem Propheten ein Geschenk.

Er sprach:

"Tragt es hin zum Hause jener Frau.Sie ist eine Freundin Hadiğahs.“[13]

Die Führung im Hause oblag Hadiğah. Sie war die "Hausherrin", glaubte an die heiligen Ziele und Vorhaben Muhammads und unterstützte ihn. Keine Mühe, kein Opfer scheute sie.

Wie schon gesagt: Ihr ganzes Vermögen stellte sie ihm zur Verfügung und sagte: "Dieses Hause und alles, was ich besitze, gehört dir, und auch ich stehe dir voll und ganz zu Diensten."

War er in Bedrängnis und Schwierigkeiten, so sprach sie ihm mit tröstenden Worten gut zu und gab ihm die Hoftung, daß er sein hohes göttliches Ziel gewiß erreichen werde. Und kam er, verspottet,verlacht,belästigt und gequält nach Hause, so umgab sie ihn mit ihrer Liebe und Fürsorge. Sie gab ihm Kraft und Energie. Auch in Krisensituationen und bei selbst den schwersten Problemen, denen er sich bisweilen gegenüber sah, beriet er sich mit ihr. [14]

Solche Eltern hatte Fātimah-Zahrā (a.s.). In ein Elternhaus, in dem Herzlichkeit, Vertrauen und Liebe herrschten, wurde sie hineingeboren.

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Himmlische Anordnung

Eines Tages saß der Gesandte Gottes in "Abtah",[15],als der Engel Gabriel zu ihm herniederkam und sagte:

"Gott läßt dich grüßen und dir ausrichten: Halte dich vierzig Tage und Nächte von Hadiğah fern und verbringe die Zeit mit Gotteslob und Anbe-

tung.

Der Prophet tat,wie ihm aufgetragen warVierzig Tage und Nächte

blieb er von zu Hause fort und beschäftigte sich mit Gottesdienst. Am Tage fastete er, in der Nacht war er mit Gebet und Du'ā [16] beschäftigt. Er schickte Amār zu Hadiğah, um ihr mitteilen zu lassen:

"Hadiğah, Liebes! Ich halte mich. nicht etwa deswegen von dir fern, weil ich über dich verärgert wäre, sondern weil ich mich damit einer Anweisung des Herrn der Welten füge. Gott weiß, was gut für uns ist! 0 Hadiğah! Du bist eine edle Frau, die Gott täglich mehrere Male bei seinen Engeln rühmt. Verschließe des Nachts die Haustür und ruhe auf deinem Lager. Erwarte die Botschaft Gottes, des Herrn allen Seins!

Ich selbst werde mich während dieser Zeit im Hause Fātimahs, der Tochter des Asad, aufhalten."

Hadiğah verhielt sich so, wie ihr der Gesandte Gottes empfohlen hatte, doch sie litt unter der Trennung und weinte aus Kummer darüber.

Vierzig Tage waren vergangen. Da kam der Engel Gottes zu Muhammad hernieder und brachte Speise aus dem Paradies. Er sprach:

"Iß heute abend davon."

Muhammad (s.a.s.) beendete mit dieser Paradiesspeise sein

Fasten. AIs er sich nach dem Iftār [17] zu Gebet und Gottesdank erheben wollte, erschien der Engel Gabriel und sprach:

“O Gesandter Gottes! Kehre nun zu Hadiğah zurück. Gott hat beschlossen, daß er heute aus deinen Lenden ein Kind hervorgehen lassen will!" Der Prophet eilte heim zu Hadiğah ...

Hadiğah berichtet: An jenem Abend hatte ich wie auch sonst die Tür des Hauses verschlossen und mich zur Ruhe gelegt. Da vernahm ich ein heftiges Klopfen an der Haustür. Ich rief: "Wer ist da? Außer Muhammad geziemt es niemandem, an diese Tür zu klopfen!"

Da hörte ich die angenehme Stimme Muhammads. Er sprach:

"Ich bin es, Muhammad! Öffne bitte die Tür!" Eilig schloß ich auf.

Er trat mit frohem Blick ein ...

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Es dauerte nicht lange und das Licht Fātimahs ging aus den Lenden des Vaters in den Schoß der Mutter hinüber ... [18]

Frohe Botschaft

Mit der Zeit war Hadiğah anzusehen, daß sie schwanger war. Sie freute sich über das werdende Kind in ihr.

Imam Sādiq (a.s.) läßt uns wissen:

"Als sich Hadiğah mit Muhammad (s.a.s.) vermählte, brachen die adeligen Frauen Mekkas die Verbindung zu ihr ab. Sie besuchten und grüßten sie fortan nicht mehr und achteten darauf, daß niemand der hohen arabischen Gesellschaft zu ihr ging. Die Damen der mekkanischen "High Society" wandten sich von ihr ab und wollten nichts mehr mit ihr zu tun haben.

Zunächst war Hadiğah betrübt darüber, doch nach und nach gewöhnte sie sich an diese Isolation. Nun, da ihr Kind in ihrem Schoße wuchs, fühlte sie sich nicht mehr so allein. Sie hatte das werdende Kindlein sehr lieb, sprach zu ihm und war glücklich.

Gabriel kam hernieder, um Muhammad und Hadiğah eine frohe Nachricht zu überbringen:

"Muhammad! Das Kind, das in Hadiğah hernawächst, ist eine Tochter, eine Tochter von hohem Wert und Rang. Deine Nachkommenschaft wird durch sie fortgesetzt werden . Sie ist die Mutter der Imame und der Großen der Religion, die nach dir; wenn die göttlichen Offenbarungen an dich beendet sind (und deine Mission auf Erden erfüllt ist) deine Nachfolger sein werden."

Der Prophet teilte Hadiğah diese frohe Kunde, die ihm Gabriel von Gott überbracht hatte, mit und bereitete ihr mit dieser Nachricht große Freude. [19]

Hadiğah, die alles um der Verbreitung des Ein-Gott-Bekenntnisses und der Anbetung des Einzigen Gottes willen hergab und bereit war, an Muhammads Seite alle Schwierigkeiten und Entbehrungen klaglos zu er tragen und ihn nach Kräften zu unterstützen, die ihr großes Vermögen im Sinne seines göttlichen Auftrages eingesetzt und auf alle Freundinnen verzichtete, war überglücklich, als sie vernahm, daß das Kind in ihr die Mutter der Unfehlbaren Imame und Nachfolger Muhammads sein würde. Noch intensiver als bisher engagierte sie sich, und ihr Einsatz und ihre Opferfreudigkeit wuchsen um ein weiteres an. Sie war froh, Gott in aller Liebe zugetan und ebenfalls dem in ihr heranreifenden Kindlein.

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Geburt Fātimahs (a.s.)

Die Geburt des Kindes nahte. Wehen setzten ein. Sie schickte einen Boten zu den Frauen der Quraisch, ihren früheren Freundinnen und ließ ihnen sagen:

"Vergeßt euren Groll gegen mich und steht mir in meiner schweren Stunde bei!"

Es dauerte nicht lange und der Bote kam mit Tränen in den Augen zurück. Schluchzte:

Ich habe an die Tür der Frauen geklopft, doch niemand ließ mich eintreten. Niemand ging auf deine Botschaft ein. Alle sagten nur:

"Richte Hadiğah aus: Du hast seinerzeit unseren Rat nicht akzeptiert und dich mit einer mittellosen Waise vermählt, darum werden wir dir nun nicht helfen."

Als Hadiğah diese Antwort hörte, gab sie die Hoffnung auf den Beistand ihrer früheren Freundinnen aus dem Stamme Quraisch auf und wandte sich flehend an Gott ...

Da kamen Engel Gottes und Frauen aus himmlischen, paradiesischen Sphären zu ihr hinab und standen ihr bei.

Übernatürliche Hilfe, Hilfe Gottes ...

Das Kindlein, Fātimah-Zahrā (a.s.), wurde geboren. Das strahlende Licht seiner Geburt erhellte die Welt, erleuchtete Osten und Westen. [20]

Uber das Datum ihrer Geburt

Bezüglich des Datums ihrer Geburt vertreten die Gelehrten verschiedene Ansichten.

Seitens der schiitischen Wissenschaftler wird allgemein gesagt, daß Hadrat-e-Fātimah-Zahrā (a.s.) an einem Freitag und zwar am 20. Tag des Monats Ğamādi ut Tāni im Jahre 5 nach der Bi’tat [21]zur Welt kam.

Wie schon erwähnt: Im Hinblick auf ihr Geburtsjahr sind die Gelehrten der Ahl-Taschayyuh und Ahl-Tasanon [22] unterschiedlicher Meinung.

Die Sunniten sagen überwiegend, daß sie vor der Bi’tat geboren worden sei.

Abdul Rahmān Ibn Ğuzi schreibt in seinem Werk "Tadkirat ul Hawās" I S. 306: Chronisten schrieben, daß Fātimah-Zahrā in dem Jahr geboren wurde, als die Quraisch mit Bauarbeiten an der Heiligen

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Moschee (Masqid ul Harām) beschäftigt waren, das heißt, fünf Jahre nach der Bi’tat

Muhammad Ibn Yussuf sagt in seinem Buch "Nazrn dar Hassarnatin, S.175: Fātimah wurde in jenem Jahr geboren, als die Quraisch mit Bauarbeiten an der Ka'ba beschäftigt waren.

Tabari bringt in seinem Dahā’ir ul Uqbā’,S. 53 die Überlieferung des Abbās, dernach Fātimah in dem Jahr, als die Quraisch an der Ka'ba arbeiteten, zur Welt kam. Der Prophet sei zu jener Zeit 30 Jahre alt gewesen.

Abul Farag schreibt in "Maqātil ut Tālibiyyin", S.30: Fātimah kam in jenem Jahr zur Welt, als die Ka'ba aufgebaut wurde.

Mağlisi berichtet in "Bihār ul Anwār, B.43,S. 213: An jenem Tag kam Abdullāh Ibn Hassan zu Hischārn Ibn Abdul Malik, als auch Kalbi anwesend war. Hischārn fragte Abdullāh:

Wie lang hat Fātimah-Zahrā gelebt? Abdullāh antwortete: Dreißig Jahre.Er stellte die gleiche Frage an Kalbi. Dieser erwiderte:

Fünfunddreißig Jahre.

Hischām wandte sich an Abdullāh:

Hast du gehört, was Kalbi sagt? Seine Informationen über Verwandte und Angehörige des Propheten sind gut.

Abdullāh antwortete: 0 Amir ul Mu'menin! Was meine Großmutter betrifft, solltet ihr besser mich fragen. Und was die Kalbis angeht, ihn!!

Die meisten Gelehrten Ahl-Taschayyuhs 22 aber - wie Ibn Schahr Aschub in "Manāqib", B.3, S. 357, Kulini in Usül Kāfi, B. 1, S.458,. Mağlisi in "Bihār ul Anwār" ,B.43,S. 6 und "Hayāt ul Qulūb, B.2,S . 149 , Muhadit Qumi in "Muntahi-I-Amāl", B. 1, S.94, Muhammad Naqi Cepehr in "Nasih ut TawärLh" , S.17, Ali Ibn Isā in "Kaschf ul Gumah, B.2,S. 75, Tabari in "Dalā’il ul Imāmah" , Fayd Kaschani in Wāfi, B. 1, S.173 - und andere schrieben, daß Fātimah- Zahrā (a.s.) fünf Jahre nach der Bi'tat geboren wurde . Sie stützen sich dabei auf die in diesem Zusammenhang erfolgten Aussagen der Unfehlbaren Imame (a.s.).

Abu Basir überliefert nachstehende Äußerung Imam Sādiqs (a.s.):

Fātimah (a.s.) wurde am 20. Tag des Monats Ğamādi ut Tāni geboren, als der Prophet 45 Jahre alt war. Acht Jahre lang lebte sie mit diesem in Medina. Nach dem Tode ihres Vaters war sie noch 75 Tage in dieser Welt.Sie starb am dritten Tag des Monats Ğamādi ut Tāni,im Jahre 11 nach der Hiğra.(Dalā’il ul Imāmah, s. 10).

Die fehlende Übereinstimmung zwischen den Angaben "75 Tage nach dem Tode des Propheten" und "dritter Tag des Monats Ğamādi ut

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Tāni" ist den verehrten Lesern gewiß aufgefallen, "95 Tage" treffen hier wohl eher zu.Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Zahl "90" (Tes'in) in der Überliefung mit "70" (Sab'in)irrtümlicherweise verwechselt wurde.

Habib Sağestāni berichtet: Ich hörte von Hadrat -e-Abu Ğa'far, wie er sagte: Fātimah,die Tochter Muhammads,wurde fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propheten geboren. Als sie starb, war sie achtzehn Jahre und 75 Tage alt. (Usūl Kāfi, B.1, S. 457)

Aus Überlieferungen erfahren wir, daß Fātimah (a.s.) zur Zeit ihrer Vermählung mit Ali (a.s.) neun Jahre alt war.

Sa'id Ibn Musayib berichtet: Ich fragte Ali Ibn al Hussein :In welchem Jahr vermählte der Prophet Fātimah ? Er antwortete: Ein Jahr nach der Hiğrah. Zu jener Zeit war Fātimah neun Jahre alt.(Rawqah Kāti, Druck Nağaf, 1358 ,S.281)

Anhand dieser Ahādit [23] kann davon ausgegangen werden, daß Fātimah -Zahrā ( a.s.) nach der Bi’tat zur Welt kam. Der Verfasser des Werkes "Kaschf ul Gumah "bringt eine Überlieferung, die sich selbst widerspricht. Imam Muhammad Bāqir (a.s.) sprach: Fātimah wurde fünf Jahre nach der Bi'tat geboren, in jenem Jahr, als die Quraisch mit dem Bau der Ka'ba beschäftigt waren. Als die starb, war sie achtzehn Jahre und 75 Tage alt.

(Kaschf ul Ğumah, B. 2,S. 75)

Der Widerspruch in diesem Hadit ist nicht zu übersehen. Einmal heißt es ,daß Fātimah fünf Jahre nach der Bi’tat geboren wurde und zur Zeit ihres Todes 18 Jahre alt gewesen sei. Andererseits wird darauf hingewiesen, daß zur Zeit ihrer Geburt die Quraisch mit Bauarbeiten an der Ka'ba beschäftigt waren.

Diese beiden Angaben sind jedoch nicht miteinander zu vereinbaren,denn die Ka'ba wurde fünf Jahre vor der Bi’tat aufgebaut, nicht fünf Jahre danach. Entweder ist irrtümlich statt "vor der Bi’tat" "nach der Bi’tat" überliefert, oder aber die Angabe: "Die Quraisch waren mit dem Bau des Hauses Gottes (Ka'ba)beschäftigt",ist vom Überlieferer hinzugefügt worden.

Kaf'ami schreibt in "Misbāh": Fātimah wurde an einem Ğum'ah (Freitag) , dem 20. Tag des Monats Ğamādi ut Tāni, des Jahres 2 nach der Bi’tat geboren. (Bihār, B.43, S.9)

Festzustellen ist also, daß es hinsichtlich des Geburtsdatums Hadrat-e-Fātimah - Zahrās (a.s.) verschiedenerlei Ansichten gibt, Da jedoch Ahl-Beit [24] aussagt, daß sie fünf Jahre nach der Bi’tat zur Welt

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kam, geben wir dieser Angabe selbstverständlich den Vorzug vor denen der Chronisten und Historiker der Ahl-Tassanun 22. Schließlich haben die Unfehlbaren Imame - die Imame Ma’sum (a.s.) - und Ahl-Beit des Propheten ganz sicherlich genauere Kenntnis als andere.

Möglicherweise wird dieser oder jener einwenden: Hadiğah

verstarb im Jahre 10 nach der Bi’tat . Sie war zu jener Zeit 65 Jahre alt.Wenn Fātimahfünf Jahre nach der Bi’tat geboren wurde, muß Hadiğah im Alter von 59 Jahren schwanger gewesen sein. Wie ist das zu glauben?

Als Antwort weisen wir auf zwei Momente hin : Zum einen ist nicht bewiesen, daß Hadiğah zum Zeitpunkt ihres Todes 65 Jahre alt war. Gemäß der Angabe Ibn Abbās wurde sie im Alter von 48 Jahren schwanger. Ibn Abbās sagte: Hadigah heiratete Muhammad, als sie 28 Jahre alt war. (Kaschf ul Gumah, B.2,S. 139). Den Angaben Ibn Abbās ist aber ebenfalls Priorität vor denen anderer einzuräumen. Schließlich wissen die Angehörigen und Verwandten des Propheten sicherlich besser als Außenstehende über die genauen Daten ihrer Familie Bescheid. Dieser Angabe gemäß war Hadiğah zur Zeit der Ernennung Muhammads zum Propeten 43 Jahre alt. Demnach muß sie fünf Jahre nach der Bi’tat, als Fātimah geboren wurde, ungefähr 48 Jahre alt gewesen sein. In diesem Alter schwanger zu werden ist jedoch keinesfalls ausgeschlossen.

Zum anderen: Wenn wir auch die Aussage des Ibn Abbās nicht wahrhaben wollen und darauf beharren, daß Hadiğah im Alter von

. vierzig Jahren Muhammad (s.a.s.) geheiratet habe, daß sie also 59-jährig schwanger wurde, so ist dieses ebenfalls nicht unmöglich. Denn:

Wissenschaftler und Gelehrte berichten, daß die Frauen des Stammes Quraisch in der Regel bis zu ihrem 60. Lebensjahr menstruierten und daß ihnen somit bis zu diesem Alter eine Schwangerschaft möglich war.Hadiğah gehörte aber zu den Quraisch,diese Möglichkeit traf also auch für sie zu.

Ganz abgesehen davon: Eine Schwangerschaft und Entbindung in diesem Alter ist zwar recht selten, doch Geschichte und Presse geben uns Beispiele für derartige Alters-Schwangerschaften an die Hand. Darum: Es ist keinesfalls unmöglich, daß Hadiğah zu den Frauen, die noch in hohem Alter schwanger werden, zählte.

Abschließend ist noch auf folgendes hinzuweisen: Nicht nur im Hinblick auf das Datum der Geburt Fātimahs (a.s.),sondern auch das

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ihrer Eheschließung und ihres Todes werden verschiedene Auffassungen vertreten. Doch das ist verständlich, denn wenn sie fünf Jahre vor der Bi'tat geboren sein sollte, muß sie mit ca. 18 Jahren geheiratet haben und etwa 28 jährig gestorben sein.

Kam sie aber fünf Jahre nach der Bi-tat zur Welt, war sie ungefähr neun Jahre alt, als sie sich vermählte und achtzehn Jahre alt, als sie starb.

Muhammads (s.a.s.) und Hadiğahs großer
Wunsch

Der Wunsch nach einem Kind liegt in der Natur des Menschen. Er versteht sein Kind als "Teil von sich" und betrachtet es als etwas, in dem er nach dem Tode sozusagen "weiterbesteht".

Auch Hadrat -a-Muhamrnad (s.a.s.) und Hadrat -e-Hadiğah wünschten sich Kinder. Um das Ein-Gott-Bekenntnis zu stärken, die Zahl dessen Vertreter anwachsen zu lassen und um der Menschheil zur Hilfe zu eilen, scheute Hadiğah keine Mühe. Sie gab alles und sich selbst im Sinne dieses Bestrebens hin, ertrug, daß ihre Freundinnen und Bekannten sie mieden und fügte sich bedingungslos den Wünschen Muhammads, die dem Worte Gottes voll und ganz entsprachen. Ein Kind aber war ihr großer Wunsch, ein Kind von ihm, ein Kind, das sich wie seine Eltern für Gott und Islam einsetzte ...

Der Prophet wußte, daß er dem irdischen Tod nicht entgehen würde. Ihm war auch klar, daß er seine hohen göttlichen Ziele während seines kurzen Erdenlebens nicht alle erreichen konnte. Die gesamte Menschheit aus dem Strudel an Verirrungen, in den sie geraten war, befreien zu können ... , dazu reichte die Zeit eines begrenzten Menschenlebens auf Erden nicht aus. Es mußten nach ihm jene da sein, die seinen Weg fortsetzen würden. Ganz gewiß wünschte er sich, daß diese- seine Ziele und Bestrebungen engagiert verfolgenden Männer und Frauen - aus seinem Hause hervorgingen. Dieses hofften er und auch Hadiğah ..

Leider aber waren die Söhne, die sie zur Welt brachten Abdullāh und Qāsim - als kleine Knaben gestorben. Und in gleichem Maße, wie die Eltern Muhammad und Hadiğah über ihren Tod trauerten, waren ihre Gegner erfreut, da sie annahmen, mit dem Tode dieser beiden Propheten-Söhne würde das Haus Muhammads erlöschen. Sie bezeichneten ihn in ihrer Schadenfreude als "abtar", d.h. als "nachkommenslos" .

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Als Abdullāh starb,verhöhnte Ās Ibn Wa'il ihn - anstatt ihm zu kondulieren - als "abtar", als nachkommenslos und sagte:

"Wenn Muhammad stirbt, wird von ihm nichts bleiben."

Mit seinem Spott verletzte er den Gesandten Gottes und dessen Frau zutiefst [25].

Kawtar

Gott aber ließ Seinem Gesandten die frohe Nachricht zukommen, daß Er ihm "KaW1ar" - die Fülle des Guten - zugedacht habe.

Als Antwort auf den Hohn der Gegner ward Muhammad (s.a.s.) die Sure Kawtar hinabgesandt, in der Gott ihm mitteilte:

"0 Muhammad! Wjr gaben dir Kawtar. Darum bete zu deinem Hetrn und opfere. Wahrlich! Dein Feind wird "abtar sein!"(Sure 1 08, Kawt.ar)

Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) war nun davon überzeugt, daß sich die Verheißung des Allmächtigen Gottes gewiß erfüllen und aus ihm eine segensreiche Nachkommenschaft hervorgehen werde, -

der Quell alles Guten der Welt. Die frohe Kunde verwirklichte sich mit der Geburt Fātimah-Zahrās (a.s.), - der Reinen, Unfehlbaren. Das Licht des "Wilāyats" , der "rechtleitenden Führung" erstrahlte am Horizont...

Als der Prophet die Nachricht erhielt, daß Hadiğah eine Tochter geboren habe, erfüllte ihn große Freude. Er war glücklich. Mit der Geburt dieses Kindes, seiner Tochter, sah er die göttliche Botschaft bewahrheitet.

Prophet Muhammad (s.a.s.) gehörte nicht zu jenen kleingeistigen Männern der Zeit des Ğahāliats,[26] die eine Tochter als Schmach und Blamage betrachteten und in der Heftigkeit ihres Zornes und Grolls über die Geburt einer Tochter die unglückliche Mutter drangsalierten, verhöhnten und beschimpften, sich von dem Kind fernhielten und die Geburt des Mädchens tunlichst zu verbergen suchten ... ,

ja, das Kind sogar oftmals bei lebendigem Leibe in der Erde verscharrten.[27]

Der Gesandte Gottes war zum Propheten ernannt worden, damit er u.a. den unguten und iirrigen VorStellungen der Leute ein Ende setzte und den entrechteten Frauen, die nicht zur Gesellschaft gehörend betrachtet und den unschuldigen kleinen Mädchen, die lebendig begraben wurden, zur Hilfe eilte,-

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damit er den Leuten klarmachte, daß die Frau wichtiges Mitglied der Gesellschaft ist, mit hoher Verantwortung und großer Verpflichtung. Sie mußte sich um Erblühen und Fortschritt der Gesellschaft bemühen und den Aufgaben, die die Schöpfung für sie vorgesehen hatte, gerecht werden.

Gott wollte, daß Muhamrnad (s.a.s.) die Menschheit über den

hohen wen der Frau aufklärte.

Fātimah-Zahrā (a.s.), die Tochter Seines Gesandten, bestimmte er daher zur Quelle der Nachkommenschaft Muhammads.Aus ihr sollten die Unfehlbaren Imame, Vorbilder und religiösen Führer des Islam hervorgehen. Zudem wurde damit jenen, die in der Geburt einer Tochter Schmach und Unehre sahen, eine herbe Lehre erteilt!

Optimale Ernährung

War das Kind rein und sauber, legte Hadiğah es an ihre Brust und stillte es. Und das Kleine entwickelte sich prächtig, seinen Eltern zur Freude.

Hadiğah gehörte nicht zu jenen ahnungslosen und

oberflächlichen Frauen, die ihrem Kind aus egoistischen Gründen die Muttermilch vorenthalten. Sie wußte oder hatte es vom Propheten gehört, daß die Muttermilch die optimalste Nahrung für einen Säugling ist, deswegen, weil sie exakt auf Verdauungsorgan und Bedürfnis des Kindes abgestimmt ist.

Neun Monate lang wird das Kind im Schoß der Mutter durch diese ernährt, unmittelbar. Es hat Anteil an der mütterlichen Nahrung, am mütterlichen Blut, an der Atemluft der Mutter. Die besondere Zusammensetzung der Milch, die sich in der Brust der Mutter bildet, entspricht ganz genau den Erfordernissen des Kindes, dessen empfindlichem Organismus. Abgesehen davon ist die Muttermilch einwandfrei und unverfälscht.-

(nach den Worten Amir ul Mu'minïns Ali (a.s.) [28]

Hadiğah , die wußte, wie wichtig die Muttermilch auch tür die seelische Entwicklung ihrer kleinen Tochter war, stillte sie selbst.[29]

Welche Nahrung wäre aber auch tür das Kind geeigneter und bekömmlicher gewesen als die Milch seiner eigenen Mutter, mit der es gleichzeitig geistig-seelische Nahrung erhielt...

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Ihre Kindheit

Fātimah-Zahrā (a.s.) wuchs in einer gefahren- und krisenreichen Zeit auf. Es war die Zeit des Beginns jener großen geistig-kulturellen Revolution zu Anfang des Islam,-

ein Umbruch in Denken, Sitten und Verhalten.

Gewiß blieb diese kulturelle Umwälzung nicht ohne Einfluß auf das kindliche Gemüt des kleinen Mädchens und ganz sicher haben die geistige Haltung wie auch Gesinnung ihrer Eltern dazu beigetragen, daß Fātimah(a.s.) das wurde, was sie ist bzw. war. Um dieses verständlicher zu machen, können wir nicht umhin, in aller Kürze auf die gesellschaftliche Situation in jenen Tagen und Breiten hinzuweisen;

Prophet Muhammad (s.a.s.) war im Alter von vierzig Jahren zum Propheten ernannt worden. Damit aber begann zunächst eine Zeit großer Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellten. Allein auf sich gestellt hatte er den Auftrag, dem Polytheismus, der gang und gebe war, ein Ende zu setzen und die Gesellschaft zum Ein-Gott-Bekenntnis aufzurufen. Dieses aber war mit erheblichen Risiken und Gefahren verbunden, weswegen er in den ersten Jahren seine göttliche Botschaft nur im Geheimen und in aller Stille mitteilen konnte. Nach dieser ersten geheimen Aufklärung und Verkündung begann er - auf Anordnung Gottes hin - seine Mission in aller Öffentlichkeit durchzuführen, ohne Furcht vor den fanatischen Götzendienern. [30]

Nun lud er sie ganz offiziell zum Glauben an den Einzigen Gott ein. Tag für Tag wuchs die Zahl der Muslime, seiner Anhänger an.

Doch auch die Belästigungen, denen er von nun an ausgesetzt war, nahmen an Schärfe zu. Die götzenanbetende mekkanische Gesellschaft drangsalierte und verhöhnte ihn. Die Muslime wurden verfolgt, geknechtet und gefoltert, um sie zu zwingen, sich vom Ein-Gott-Glauben, "Tawhid", wieder loszusagen und erneut den Götzen zu huldigen.

Eine der Foltermethoden bestand beispielsweise darin, sie der brennendheißen Sonne auszusetzen und ihnen, hineingepreßt in den glühenden Sand der arabischen Wüste, schwere Steine auf die Brust zu legen. Unter dieser Tortur starb so mancher von ihnen.

Die Muslime waren in so großer Not und Bedrängnis, daß der Prophet einige von ihnen anwies, nach Abessinien, dem damaligen Habascheh, auszuwandern.[31]

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Als die Götzenanbeter sahen, daß sie die Muslime trotz Folter und Verfolgung nicht von ihrem Glauben an den Einzigen Gott abzubringen vermochten, beschlossen sie, vereint und verbündet, Muhammad (s.a.s.)zu töten.

Der Onkel Hadrat-s Muhammads, Abu Tālib, erfuhr von ihrem finsteren Vorhaben und evakuierte den Propheten und viele der Bani Hāschim [32] in das Tal "Schiyb Abu Tālib",

Abu Tālib wie auch die Bani Hāschim unterstützten und schützten den Propheten,Sie bewachten das Tal und bezogen des Nachts in den umliegenden Bergen Posten, um eventuellen nächtlichen Überfällen der feindlichen Verbündeten vorzubeugen. Unter anderem bewachte Hamzah, ein Onkel des Gesandten Gottes, diesen zu nächtlicher Stunde mit gezogenem Schwert.

Die mekkanischen Götzenanbeter, die begriffen, daß sie des Propheten nicht habhaft werden konnten, begannen, ihn und alle Evakuierten im "Schiyb Abu Tālib" wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Handel mit ihnen zu treiben, ihnen etwas zu verkaufen - beispielsweise Wasser oder Nahrungsmittel - war streng untersagt. Wer dem zuwiderhandeln wollte, hatte harte Strafe zu erwarten.

Drei Jahre lang verbrachten die Muslime unter großen Entbehrungen in dem dürren, trockenen Schiyb. Sie konnten sich nur schwerlich mit dem Wenigen, das ihnen der eine oder andere aus der Stadt auf "Schleichwegen" und in aller Verschwiegenheit in das Lager hineinschmuggelte, vor dem Hungertod bewahren.

Es war eine schwere Zeit, in die Fātimah-Zahrā (a.s.) hineingeboren worden war. Als kleines Mädchen lebte sie mit ihren Eltern - wie die anderen Muslime - im" Schiyb Abu Tālib.Hier war es,wo sie der Muttermilch entwöhnt wurde ,wo sie wie die anderen Kinder Hunger und Not kennen lernte und wo sie, im heißen Sand der Steppe, laufen lernte. Sie hörte das Klagen und Weinen der hungrigen und durstigen Kinder und sah, wie zu nächtlicher Stunde Onkel und Vettern mit blanken Waffen Wache hielten, um ihren Vater gegen den Feind abzuschirmen.

Nach drei Jahren, sie war ungefähr fünf Jahre alt, kehrte sie mit den Eltern und den anderen Muslimen in die Stadt zurück.

Nun lernte sie nach soviel Entbehrung und Verzicht endlich etwas anderes kennen als brennende Sonnenglut, Trockenheit, Sand und Steine.

Die Not war vorbei, wenigstens vorübergehend. Sie atmete die Freiheit, die sie nun umgab, brauchte nicht mehr zu darben und war ein frohes,

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glückliches Kind ...

Die Mutter stirbt

Doch leider, leider ... , diese sorglose, unbeschwerte Zeit währte nicht lange, denn die Mutter starb. Noch war kein Jahr nach der Befreiung aus Isolation und Wirtschaftsboykott vergangen, als Hadiğah ihre Augen für immer schloß.[33]

Der Tod der Mutter traf das Kind schwer. Es litt unendlich darunter. Immer und immer wider liefen Fātimah (a . s.) Tränen übers Gesichtchen , und sie fragte Vater, Freunde und Verwandte nach der Mutter.

Als Hadrat Muhammad (s.a.s.) von der Beerdigung heimkam, sagte sie: " Vater ,wo ist Mutter?"

Er wußte im ersten Moment keine befriedigende Antwort für das Kind. Da erschien Gabriel der Bote Gottes und sprach:

"Antworte Fātimah , daß ihre Mutter nun glücklich und erlöst in einem wunderschönen Schloß aus Smaragden wohnt. ,,[34]

Härten und deren Konsequenzen

All das Schwere, das Fātimah-Zahrā (a.s) in ihrer Kindheit widerfuhr, ist gewiß nicht ohne Wirkung auf ihre kindliche Psyche geblieben.

Es dürfte wohl verständlich sein, daß jemand, der gleich ab seiner frühesten Kinderzeit mit soviel Härten, schweren Erlebnissen und Erfahrungen konfrontiert wird, kein lachender, stets zu Scherzen bereiter Mensch sein wird, und so berichtet man über Fātimah - Zahrā (a.s.),daß sie oft bekümmert und traurig war.

Dennoch: Der junge Mensch, der unter großen Gefahren aufwächst und schon in seinen ersten Lebensjahren in Getto und Isolation zubringt, der zusehen muß, wie Vater, Mutter, Verwandte und Freunde tapfer und entschlossen Drangsal und Not ertragen und unter großen Mühen und Selbstaufopferung ihr hohes Ziel verteidigen, nicht aufgeben, sondern hoffen und streben ... ,wird selbst zu einem ziel bewußten, mutigen widerstandsbereiten Erwachsenen heranreifen. (Wengistens in den meisten Fällen ist das so!)

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Er wird ohne Angst vor Repressalien und Gefangenschaft die menschlichgöttlichen Werte schützen und sich nicht so leicht in die Knie zwingen lassen.

Nach dem Tode der Mutter

Das Jahr zehn nach der Bi'tat war ein schweres Jahr. Zuerst starb Abu Tāllb und kurz darauf Hadiğah .[35]

Diese beiden Ereignisse bekümmerten Hadrat-e- Muhammad (s.a.s.) so sehr, daß er jenes Jahr als "Jahr der Trauer" bezelchneta&#[36];?

deshalb, weil seine größte Stütze, Hilfe, seine Beraterin in privaten und persönlichen Angelegenheiten, seine Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder von ihm und aus dieser Welt gegangen war, zudem auch Abu Tālib, jener Mann,der ihn tatkräftig und engagiert unterstützt und verteidigt hatte.

Dieses waren für den Propheten zwei harte Verluste, die u.a. dazu führten, daß die Götzenanbeter in großes Hohngelächter ausbrachen und ihn nun - da Abu Tālib, jene hochangesehene Persönlichkeit der arabischen Gesellschaft, nicht mehr war - ärger als je zuvor drangsalierten und schikanierten. Sie bewarfen ihn mit Steinen, mit Schmutz und Unrat, verspotteten ihn und gingen sogar soweit, daß er bisweilen blutend und zerschunden heimkam.

Selbst bekümmert und vergrämt,sah er sich zu Hause seiner kleinen, nach ihrer Mutter weinenden Tochter gegenüber.

Das mutterlose Kind mußte in jener Zeit oft miterleben, wie häßlich und roh sich die Leute draußen in der Stadt ihrem Vater gegenüber verhielten. Sah, wie sie ihm nachstellten, ihn verlachten , verspotteten, anpöbelten ...

Eines Tages, in der Heiligen Moschee, hörte sie zufällig, wie dort die Feinde ihres Vaters, die zusammenhockten, über die Ermordung ihres Vaters sprachen. Weinend lief sie zu ihm und berichtete über das Gehörte. Sie war zutiefst erschrocken.

Ein anderer, herzzerreißender Vorfall, der sie bis in ihr tiefstes Inneres aufwühlte, war folgende Begebenheit. Ihr Vater verrichtete in der Heiligen Moschee das Gebet. Einige der mekkanischen Götzendiener verhöhnten ihn. Einer von ihnen nahm den blutbesudelten Uterus eines eben geschlachteten Kamels und hing ihn dem zum Sağdah[37] niedergesunkenen Propheten über die Schultern. Seine kleine Tochter

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war zugegen und mußte mitansehen, wie rüpelhaft und gefühllos mit ihrem Vater umgegangen wurde. Sie lief zu ihm, nahm den Kamel-Uterus von ihm und warf ihn fort, während ihr die Tränen über die Wangen rollten.

Nachdem Hadrat-e-Munarnrnac (s.a.s.) das Gebet beendet hatte, erhob er sich und sprach über die Beteiligten seinen Fluch aus.[38]

Mit solchen und ähnlichen Situationen war Hadrat-e- Fātimah (a.s.)schon in früher Kindheit konfrontiert. Sie lernte die Rohheit der götzenanbetenden Gesellschaft, in der sie lebte, zur Genüge kennen, litt um ihren Vater, stand ihm bei und tröstete ihn.

So klein sie war, war sie ihm nicht nur eine liebevolle Tochter, sondern auch fürsorgliche "Mutter".

Mit dem Tode der Mutter fielen einige der Hausarbeiten ihr zu. Nur sie war von ihren Geschwistern im Elternhaus - dem ersten Zentrum des Ein-Gott-Bekenntnisses Islam - geblieben.

Die Geschichte gibt nicht Klarheit darüber, wie das interne Leben des Propheten und seiner kleinen Tochter verlief, doch es ist nachzuempfinden, wie sich beide in jenen kritischen,

sorqenschweren Tagen gefühlt haben müssen.

Nachdem Hadiğah nicht mehr war, heiratete Hadrat-e- Muhammad (s.a.s.) eine Frau namens Sudah. Auch mit anderen Frauen vermählte er sich und sie alle brachten der kleinen Fātimah (a.s.) mehr oder weniger Interesse und Fürsorge entgegen. Dennoch: Für jedes Kind ist es schwer, den Platz der Mutter leer und an deren Stelle eine andere Frau zu sehen.

So liebevoll auch eine Stiefmutter sein mag, die Zärtlichkeit und Zuneigung der eigenen Mutter wird sie kaum aufbringen können. Nur die leibliche Mutter vermag mit ihrer natürlichen Herzlichkeit und Wärme das Kind wirklich zu beruhigen und ihm Hoffnung und Geborgenheit zu vermitteln.

Prophet Muhammad (s.a.s.) bemühte sich, seine mutterlose Tochter soweit es in seinen Kräften stand, zu trösten und zu erfreuen. Er versuchte ihr all das, was sie entbehren mußte, zu ersetzen und hüllte sie ein in seine väterliche Liebe und Zärtlichkeit. Er verstand, daß das kleine Mädchen unter dem Verlust der Mutter litt und daß er alles dafür tun mußte, seinen Schmerz zu lindern.

In diesem Zusammenhang lesen wir in Überlieferungen, daß sich

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der Prophet nicht zur Ruhe niederlegte, ohne sein Töchterchen geküßt zu haben.[39]

Dieses war ein kleiner Überblick über die ersten acht Lebensjahre der jüngsten Tochter des Gesandten Gottes.

Es soll nicht ungesagt bleiben:

Schwierigkeiten und Härten, wie sie der kleinen Fātimah-Zahrā (a.s.)begegneten, dürften wohl einem jeden Kind schwer zu schaffen machen und seiner Psyche zusetzen,jedoch muß derartiges nicht zwangsläufig zu einem "seelischen Zusammenbruch" führen oder sonstwelchen psychischen oder physischen Störungen.

Not, Strapazen und immer und immer wieder aufs neue zu meisternde Hindernisse und Probleme können auch stärken und stählen, schlummernde Fähigkeiten und Kräfte wecken und fördern sowie den Widerstandswillen aktivieren.

"Solange Gestein nicht außerordentlichen Temperaturen ausgesetzt ist, gibt es seine in ihm verborgenen Edelmetalle nicht frei."

Ähnlich war es mit dem kleinen Mädchen. 'Es zerbrach nicht an all dem Leid, sondern "wuchs daran".

Die hohe Persönlichkeit Fātimahs (a.s.) reifte heran und kam zum Erstrahlen. Stark wurden ihr Geist und Wollen und sie gewann die notwendige Bereitschaft und geistige Kraft, auch weiteren Kämpfen und Bitternissen furchtlos und zuversichtlich die Stirn zu bieten.

Fātimah (a.s.) emigriert nach Medina

Im Jahre 13 nach der Hiğrah war der Prophet genötigt, nach Medina auszuwandern. Bevor er Mekka verließ, verabschiedete er sich von Ali und Fātimah (a.s.) und bat ersteren, für die Rückgabe der ihm anvertrauten Güter und Werte zu sorgen.

Weiter sagte er:

"Anschließend, wenn das erledigt ist, folge mir mit Fātimah , meiner Tochter und Fātimah, deiner Mutter und Fātimah , der Tochter meines Onkels Hamzah nach Medina, wo ich euch erwarten werde.

Darauftun ,verließ er heimlich die Stadt in Richtung Medina, währenddessen Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) dem Auftrag des Gesandten Gottes nachkam. Als alle Treuhandgaben ihren Besitzern zurückgegeben waren, machte er sich mit den "drei Fātimahs " und einigen anderen

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Frauen, die des Schutzes gegen die Götzendiener bedurften, auf den Weg nach Medina.

Abu Waqid, der die Kamel führte, schlug ein sehr schnelles Tempo ein. Ali (a.s.) forderte ihn daher auf:

"Nimm Rücksicht auf die Frauen! Treibe die Kamel nicht so heftig an! Die Frauen können einen so schnellen Ritt nicht ertragen!"

Abu Waqid entgegnete:

"Ich befürchte, daß uns die Feinde verfolgen und erreichen werden, wenn wir langsamer reiten."

Daraufhin Ali (a.s.):

"Der Gesandte ließ mich wissen, daß uns der Feind nichts anhaben wird."

Als sie in der Nähe des Ortes Dağnän ankamen, galoppierten acht Berittene auf sie zu. Hadrat-e-Alt brachte die Frauen in einem Versteck unter und schlug die Verfolger mit seinem Schwert in die Flucht. Die kleine Karawane setzte ihren Weg nach Medina fort.

Prophet Muhammad (s.a.s.) hatte inzwischen seit zwölf Tagen in einem Vorort Medinas in Qubā, Halt gemacht, um dort auf Ali Ibn Abi Tālib und die Frauen zu warten.[40]

Einigen Überlieferungen gemäß hatte er sich nach dem Tode Hadigahs in Mekka bereits mit Sudeh vermählt und ihr seine kleine Tochter anvertraut.

Danach ehelichte er Umm-e-Salamah, damit sie für Fātimah -Zahrā (a.s.)sorgte . Umm-e-Sälamah berichtete:

"Der Prophet vertraute mir Fātimah an, damit ich mich um ihre Erziehung kümmere. Ich tat diesbezüglich alles, was ich vermochte, doch- bei Gott!-

das Kind war gebildeter und wissender als ich.[41]