Hintergründe ihres Konfliktes

(175)

Siebtes Kapitel:

Noch einmal zur Auseinandersetzung
zwischen Zahrā (a.s.)
und Abu Bakr ...

(177)

Das Problem "Fadak" und der Konflikt zwischen

Fātimah-Zahrā(a.s.)und Abu Bakr gehören zu den Dingen, die seit dem Beginn des Islam bis zum heuten Tag unter Gelehrten und Historikern zur Debatte standen. Ausführliche Schriften und Abhandlungen wurde hierzu geschrieben.

Auch wir haben im Rahmen dieses Buches - und zwar um den Grund und den lehrreichen, konstruktiven Aspekt des Vorgehens Hadrat-e-Fātimahs (a.s.) herauszustellen - bereits einige diesbezügliche Hinweise gebracht. Auf einige wenige Fragen aber, die möglicherweise diesen oder jenen Leser im Zusammenhang mit diesem Thema beschäftigen mögen, möchten wir noch einmal in Kürze eingehen.

Hintergründe ihres Konfliktes

Meistenteils wird, wenn es um die Hintergründe des Konfliktes zwischen Fātimah (a.s.) und Abu Bakr geht, über "Fadak" gesprochen als ob dieses der einzige Grund ihrer Auseinandersetzung und Uneinstimmigkeit gewesen wäre!

Wer jedoch ein wenig eingehender nachforscht, wird feststellen, daß Fadak

nicht das einzige "Streitobjekt" war.

Ayschah berichtet beispielsweise, daß Fātimah (a.s.) jemanden zu Abu Bakr geschickt hatte, der ihn in ihrem Namen um die Übergabe ihres Erbes und Eigentums aufforderte. Es ging um mehrere Dinge, um die persönliche Habe des Propheten in Medina, um Fadak und um den Anteil der Hums-Haybar" [287]

Abu Bakr hatte geantwortet:

Der Prophet sagte: Wir vererben nichts. Das, was wir hinterlassen, gilt als Sadaqah,[288] wovon der Unterhalt der Familie des Propheten bestritten

wird.

Bei Gott, ich werde die Sacaqah des Gesandten Gottes nicht antasten

und so vorgehen, wie er anordnete.

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Er: Ich habe gehört, wie dein Vater sagte:

Gott hat für Seinen Gesandten ein Auskommen bestimmt. Wenn Er ihn dann zu Sich abberuft, ist dieses für seinen Statthalter bestimmt. Ich aber bin der Statthalter deines Vaters und muß dieses Guthaben den Muslimen zurückgeben. [290]

Urwah überliefert, daß Fātimah (a.s.) von Abu Bakr Fadak und den Anteil aus "Daw il Qurbā" [291] forderte. Abu Bakr aber überließ ihr nichts und bezeichnete das Geforderte als Eigentum Gottes. [292]

Hassan Ibn Muhammad Ibn Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) berichtet: Abu Bakr verweigerte Hadrat-e-Fātimah (a.s.) und den Bani Hāschim ihren Anteil vom "Daw il Qurbā" und betrachtete das Verweigerte als etwas, das auf dem Wege Gottes auszugeben sei. Er kaufte davon Waffen, Kamele und Maultiere, um sie im "Ğihād" einzusetzen. [293]

Aus dem Gesagten wird ersichtlich, daß Hadrat-e-Fātimah abgesehen von Fadak auch auf anderes, das der Prophet hinterließ, Anspruch erhob, - z.B. auf ihres Vaters persönliche Habe in Medina, auf den Anteil aus der "Hums Haybar', auf des Propheten Anteil an den Eroberungsgewinnen - "Sahm Ganā'lm" - wie auch den Anteil "Daw il Qurbā".

Ihre verschiedenen Forderungen aber wurden miteinander vermischt, wordurch Unklarheiten entstanden.

Um den wahren Sachverhalt erkennen zu können, ist es jedoch unerläßlich, ihre Forderungen getrennt voeinander zu betrachen und zu behandeln.

Persönliche Habe des Propheten:

Ohne Zweifel gehörten dem Gesandten Gottes (s.a.s.) Dinge und Gegenstände, über die er persönlich verfügte. Das heißt, er war im Besitz von "Privateigentum", wie.z.B. Räumlichkeiten, in denen er und seine Angehörigen lebten, Kleidung, Haushaltsgegentänden, Waffen, Reit- und Maultieren.

Derlei Dinge besaß er und in Geschichtswerken und Ahādit wird darüber berichtet. [294]

Es dürfte offenkundig und verständlich sein, daß dieser sein "Privatbesitz" nach seinem Tode an seine Erben überging.

Hassan Ibn Ali wascnā' berichtet, daß er Fātimah (a.s.) gefragt habe:

Hat der Gesandte Gottes auch anderes als Fadak hinterlassen?

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Abu Bakr war nicht bereit, Fātimah erwas auszuhändigen. Dieses veranlaßte sie, ihn zu meiden und nicht mehr mit ihm zu sprechen.289 Ibn Abi-l-Hadid schreibt:

Fātimah (a.s.) ließ Abu Bakr ausrichten: Bist du Erbe des Gesandten Gottes oder seine Familie?

Er: Sein Ahl-Beit.

Daraufhing sie: Was ist dann aber mit dem Anteil des Propheten aus den Gewinnen?

Sie: Ja! Ihm gehörten einige Gärten - Stiftungen - in Medina, sechs Pferde, drei Dromedare, namens Adbā', Sahbā' und Dibāğ, zwei Maultiere, namens:

Schahba' und Daldal, einen Esel namens Ya'fur, zwei Milchschafe, vierzig Kamelstuten, das Schwert ."Dulfaqār", das Kettenhemd "Dātuludul", sein Amāmah "Sahab", zwei Yemen-Tücher, ein Fingerring, sein "Mamschuq-Gehstock", ein Teppich aus Pflanzenfasern, zwei Abā und einige Fellkissen.

Diese Dinge gingen später an Hadrat-e-Fātimah, (a.s.) über, mit Ausnahme des Schwertes, des Kettenhemdes, seines Amāmahs und seines Ringes, die er für Hadrat-e-Ali (a.s.) bestimmt hatte. [295]

Die Erben des Propheten waren seine Frauen und

Hadrat-e-Fātimah-Zahrā (a.s.). Aus der Geschichte ist nicht zu erfahren, wie sein Privatbesitz unter seinen Erben aufgeteil wurde. Doch offensichtlich sind die Wohnungen, in denen seine Frauen lebten, diesen zugeteilt worden , so daß sie auch fernerhin in ihnen wohnten.

Einige vertreten die Ansicht, der Prophet habe seinen Frauen schon zu seinen Lebzeiten die Wohnungen vermacht.

Hierzu folgender Koranvers:

o Ihr Frauen des Propheten! Bleibt in euren Häusern und laßt eure Zierde nicht - wie es in der vorislamischen Zeit Brauch war offenkundig werden. [296]

Die eben Genannten begründen:

Gott hat in dem oben zitierten Koranvers die Frauen des Propheten aufgefordert, in "ihren" Häusern zu bleiben. Daraus ist zu entnehmen, daß die erwähnten Häuser bzw. Wohnungen ihre eigenen waren, denn sonst hätte es heißen müssen:

Bleibt in den Häusern des Propheten ....

Dieser Vers reicht jedoch als Beweis für diese Annahme nicht aus, denn in der Umgangssprache wird ganz allgemein in dieser Weise gesprochen.

Er kann daher nicht als überzeugender Hinweis auf die wahren Besitzverhältnisse gewertet werden.

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Das, was im Grunde dem Mann gehört, wird landläufig ebenfalls als Besitz dessen Frau und Kinder betrachtet, weshalb gesagt wird:

euer. Haus, euer Garten, euer Teppich etc ...

Selbst zu jemandem, der beispielsweise ein Haus gemietet hat, sagt man

allgemein: dein Haus, wo ist es,

obgleich es sich nicht um sein eigenes Haus - sein Eigentum - handelt.

Da Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) jeder seiner Frauen eine seiner Wohnungen zur Verfügung stellte, heißt es:

Haus der Ayschah, Haus der Umm-e-Salamah, Haus der Zaynab, Haus der

Umm-e-Habibah ...

Daher kann der eben genannte Koranvers nicht unbedingt dahingehend

interpretiert werden, daß der prophet seine Wohnungen bzw. Häuschen seinen Frauen geschenkt oder vermacht habe, und ein weiteres Argument, das diese Annahme bestätigen würde, ist nicht vorhanden.

Daher ist zu sagen:

Sie haben entweder - als ihren Erbanteil - ein Häuschen erhalten oder aber

ihnen wurde - um Würde und Ansehen des Propheten zu schützen - die Räumlichkeiten, in denen sie lebten, auch weiterhin überlassen. Dann aber d.h. im zweitgenannten Fall- hätte Fātimah-Zahrā (a.s.) keine Erbansprüche gestellt. Da sie es aber tat - vergessen wir nicht, daß sie unfehlbar ist - ist nicht daran zu zweifeln, daß der Prophet Erbe hinterließ, das an seine Erben überging bzw. überzugehen hatte, gemäß den Koranversen und religiösen Bestimmungen zum Erbgesetz.

Fadak

In der weiteren Umgebung Medinas - d.h. zwei Tagesreisen von dieser Stadt entfernt - liegt der Ort "Fadak". Zu jener Zeit war Fadak eine blühende, kultivierte Gegend. Der Autor des Buches "Mu'ğam ul Bildān"

schreibt:

"Fadak war ein Gebiet mit vielen üppigen Dattelpalmen und

Wasserquellen." -

Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, daß Fadak kein karger,

wirtschaftlich uninteressanter Landstrich war, sondern ertragreich und

bebaut.

Ursprünglich war Fadak im Besitz von Juden. Dann, im Jahre

sieben nach der Hiğra, als Haybar von den Muslimen erobert wurde, hatten die Juden von Fadak - erschrocken über die Niederlage der Juden von Haybar - einen Abgesandten zu dem propheten geschickt, der ihm ihr Friedensangebot unterbreitete.

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Einer anderen Überlieferung zufolge hatte der Gesandte Gottes (s.a.s.) selbst einen Boten - Muhaysat Ibn Mas'ud - zu den Juden, denen Fadak gehörte, geschickt, der sie zum Islam einladen sollte.

Sie bekannten sich nicht zum Islam, doch boten sie dem Propheten ihren Frieden an. Dieser ging auf ihr Angebot ein. Ein Friedensvertrag wurde geschlossen und unterzeichnet, woraufhin Fadak zu einem Protektorat der Muslime wurde.

Bilādari schreibt in seinem Buch: "Futuh ul Bildāri": Im Rahmen dieses Friedensabkommens überließen die Juden von Fadak die Hälfte ihres Gebietes den Muslimen.-

Und in "Mu'ğam ul Bildān" ist zu lesen: Die Hälfte aller Bäume, Früchte und Güter überließen die Juden Fadaks dem Gesandten Gottes.

Wie die Geschichte berichtet, gelangte gemäß dem

Friedensabkommen zwischen dem Propheten und den Juden von Fadak die Hälfte der Ländereien, Bäume und Güter der Juden Fadaks in den Verfügungsbereich des Propheten, d.h. wurde zum "Hālasah,,[297] des Gesandten Gottes, und zwar darum, weil sich die Bewohner Fadaks widerstandslos in den Schutz der Muslime begeben und sich dem Islamischen Staat untergeordnet hatten.

Laut islamischem Gesetz aber konnte der Prophet über ein jedes Gebiet, das ohne Krieg und Kampf in den islamischen Herrschaftsbereich gelangte, frei vertügen.

Diese zitierte Bestimmung zählt zu den unbestreitbaren und unanfechtbaren Gesetzen der Islamischen Rechtsordnung und wird durch den Koran selbst proklamiert.

Gott spricht in der Sure 59, Haschr, Vers 6:

و ما افاء الله علي رسوله منهم فما او جفتم عليه من خيل و لاركاب و لكن الله يسلط رسله علي من يشاء و الله علي كل شيئي قدير. ما افاء الله علي رسوله من اهل القري فلله و لرسول

Und was Allah Seinem Gesandten als Gewinn von ihnen gegeben hat, ihr habt weder Roß noch Kamel dazu angespornt,

Mit anderen Worten:

Dieser Besitz, den Gott Seinem Gesandten zuteilt, betrifft jenen Gewinn, zu dem die Muslime weder Roß noch Kamel anspornten, der also ohne Einsatz von Waffen, Pferden und dergleichen erreicht wurde. Gott hat

Seinen Gesandten aller Dinge, die Er will, bemächtigt und befähigt und Gott weiß und vermag alles.

Das, was Gott Seinem Gesandten an derartigem Besitz gibt, gehört Gott und Seinem Gesandten.

Demnach also ist nicht daran zu zweifeln, daß Fadak zum

Vertügungsbereich des Propheten gehörte, zu jenen Ländereien und

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Gütern, die als "islamisches Staatsgut" verstanden wurden und über die nur der "Hākim schar'r - d.h. der Prophet oder Imam - zu bestimmen hatte. Allein dieser konnte anordnen, wie diese Ländereien und Werte zu nutzen und anzuwenden waren, und allein er hatte das Recht, über sie zu bestimmen, zu verfügen und sie zur Erledigung und Regelung seiner Aufgaben und Pflichten einzusetzen, so wie er es für angebracht hielt.

Wenn es im Sinne des Islam und zum Wohle der Islamischen Herrschaft war, konnte er einen Teil dieser Güter oder auch mehrere jemandem überlassen, auf daß dieser aus deren Erträgen Gewinn ziehe. Auch konnte er brachliegende Gebiete dieser Ländereien jemandem unentgeltlich oder gegen eine Abgabe - zur Bewirtschaftung und Nutzung überlassen oder Erträge dieser Felder, Haine und Gärten etc. Personen, die sich um den Islam verdient gemacht hatten, zur Verfügung stellen.

Er war befugt, mit dem Gewinn aus diesen Gütern die 'Islamlsche

Staatskasse" aufzubessern, um Allgemeinwohl und Öffentlichem Haushalt damit dienlich zu sein, -

oder aber auch einen oder mehrere Teile der auf diese Weise erworbenen Ländereien für sich zu behalten und zur Absicherung seines persönlichen Lebensunterhaltes wie dem seiner Angehörigen zu nutzen.

Aus einigen Überlieferungen und geschichtlichen Zeugnissen und Berichten geht hervor, daß der Gesandte Gottes die Ländereien Fadaks für sich behalten hatte, um aus den Erträgen u.a. die eigenen Lebensunkosten wie auch die seiner Angehörigen bestreiten zu können. Er bewirtschaftete sie selbst durch seiner eigenen Hände Arbeit und Fleiß.

Ibn Abi-l-Hadid schreibt: Als der Abbassidenherrscher Mutiwakil

Fadak Abdullāh Ibn Umar Bāzirār übergab, waren in dessen Hainen noch elf jener Dattelpalmen vorhanden, die der Prophet selbst angepflanzt hatte ...

Zu Zeiten, in denen Fadak in Händen der Nachkommen Fātimahs (a.s.)

war, wurden die Früchte der Bäume den Hağpilgern als Geschenk überreicht. Diese verstanden die gereichten Datteln als segensreiche Gabe und brachten ihrerseits den "Spendern" Sympathie und Freundschaft entgegen.

Als Fadak dann in den Besitz Abdullāhs gelangte, beauftragte dieser Buschrān Ibn Abi Umayyah, alle Palmen abzuschlagen.

Dieser kam der Aufforderung nach, doch konnte er sich daraufhin, als er nach Basrah zurückehrte, nicht mehr bewegen. Er war gelähmt...[298]

Mit einem Teil der Fadak-Erträge bestritt der Prophet also seinen Lebensunterhalt sowie auch den seiner Familie. Das übrige setzte er ein

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für Notleidende der Bani Hāschim und der "Ibn Sabilhā", der "mittellosen

Reisenden und Wanderer'. U.a. sorgte er für die Aussteuer bedürftiger

Brautpaare aus den Reihen der Bani Hāschim, wodurch er ihnen den Start ins gemeinsame Leben erleichterte.

Der Prophet vermacht Fātimah (a.s.) Fadak

Ein wichtiges Streitobjekt, das u.a. den Konflikt zwischen Fātimah(a.s.) und Abu Bakr intensiver werden ließ, war Fadak.

Fātimah(a.s.) sagte aus, daß ihr Vater - der Gesandte Gottes - ihr noch zu seinen Lebzeiten Fadak vermacht hatte, -

etwas, das Abu Bakr hartnäckig dementierte.

Anfangs war es eine recht einfache Auseinandersetzung zwischen beiden, die jedoch mit der Zeit immer heftiger wurde und zu einem gravierenden geschichtlichen Ereignis, an dessen Folgen die Muslime noch heute zu tragen haben, anwuchs.

Um die Realität und Wahrheit aufzuzeigen, ist es unerläßlich, auf einige wichtige Punkte hinzuweisen:

Erstens:
War der Prophet berechtigt, einen Teil der staatlichen Ländereien seiner Tochter zu vermachen oder nicht?

Möglicherweise wird nun der eine oder andere sagen:

Eroberungsgewinne und Staatsgüter gehören der gesamten Bevölkerung. Staatliche Ländereien müssen Staatsbesitz bleiben. Deren Erträg.e sind im Sinne des Allgemeinwohles zu nutzen. Daher ist es undenkbar, daß der Prophet, der immun gegen Fehler und Irrtümer ist, seiner Tochter Fadak überlassen und vermacht haben soll! -

Antwort:
Das Thema "Staatsbesitz und Staatsguthaben im Islam" umfaßt ein weit - und umfangreiches als auch kompliziertes Kapitel, das einer separaten Abhandlung bedarf und - wollten wir es hier bringen - den Rahmen dieses Buches sprengen würde.

Doch zusammenfassend ist zu sagen:

Fadak war ohne Kampf und Krieg in den islamischen Herrschaftsbereich gelangt und gehörte zu den staatlichen Ländereien zu den Hālasan- Gütern - über die der "Hakim Schar'i,,[299] - d.h. der Prophet oder Imam - zu verfügen hatte:

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Dem islamischen Gesetz und Recht gemäß konnte daher allein Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) als Hākim Schar'i über sie bestimmen.

Wenngleich Hālasah-Ländereien kein Privateigentum sind, so unterstehen sie doch dem alleinigen Befugnisrecht des Hākim Schar', sind demnach also anders zu bewerten als gewöhnliche Staatsgüter. Der Hākim Schar' - in unserem Fall der Prophet - hatte über sie zu verfügen. Er durfte sie nach seinem Gutdünken nutzen und verwenden. Beschränkungen gab es diesbezüglich für ihn nicht. Er konnte diese Ländereien und Güter - so es dem Allgemeinwohl entsprach - auch jemandem überlassen, zu dessen Nutzen. Und dieses war keineswegs ungewöhnlich, hatte doch der Gesandte Gottes Teile des staatlichen Grund und Bodens als "Aqta" , wie es im arabischen heißt, bestimmten Personen übergeben.

Bilādari schreibt: Der Gesandte Gottes überließ Teile der Ländereien der Bani Nadir Abu Bakr, Abdul Rahmān Ibn Awf, Abā Duğānah und anderen. [300]

Auch berichtet er:

Der Gesandte Gottes überließ einen Teil der Ländereien der Bani Nadir, welcher mit Dattelpalmen bestanden war, dem Zubayr Ibn A'wām. [301]

Hamu schreibt:

Ein Stück Land, das hügelig war und reich an Bodenschätzen, gab er

Bilāl.[302]

Und:

Der Gesandte Gottes übergab vier Teile dieser Ländereien Ali Ibn Abi

Tālib(a.s.). 302

Somit ist nicht an dem Recht des Hākim Schar'i, Teile der

staatlichen Ländereien bestimmten Personen zu deren eigener Nutzung zu überlassen, zu zweifeln.

Der Prophet ging in einigen Fällen in dieser Weise vor und übergab einigen Leuten Teile der staatlichen Güter als Aqta', .-

under anderem Ali Ibn Abi Tālib (a.s.), Abu Bakr, Umar und Utmān. Daher ist auch religionsgesetzlich nichts dagegen einzuwenden, daß der Prophet Fātimah-Zahrā (a.s.) die Ländereien Fadaks überlassen hat.

Daß er es tat, ist folgenden Nachweisen zu entnehmen:

Diesbezügliche Begründungen ...

Ahādit und Überlieferungen gemäß übergab Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) Fadak seiner Tochter Fātimah (a.s.)

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Abu Sa'id Hadari berichtet; daß der Prophet, als der Koranvers Gib dem Verwandten, was ihnen zusteht ...

و آت ذالقربي حقه

hinabgesandt ward, zu Fātimah (a.s.) sprach:

Fadak soll dir gehören! [303] 'Atiah überliefert:

Als der Koranvers

و آت ذالقربي حقه

hinabkam, rief der Prophet Fātimah (a.s.) zu sich und übergab ihr Fadak.[304]

Ali Ibn Hussein Ibn Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) sprach:

Der Gesandte Gottes (s.a.s.) überließ Fadak seiner Tochter. 304

Imam Sādiq (a.s.) ließ wissen:

Als der Koranvers

و آت ذالقربي حقه

herniederkam, sprach der Prophet zu Gabriel:

Bedürftige kenne ich, doch wer ist mit "Daw il Qurbā" gemeint? Gabriel: Es sind die dir Nahestehenden!

Daraufhin ließ der Prophet Imam Hassan, Imam Hussein und Fātimah (a.s.)zu sich rufen und sprach:

Gott hat mich angewiesen, euch zu geben, was euch zusteht. Darum will ich euch Fadak überlassen! _[305]

Abān Ibn Tuglab berichtet:

Ich fragte Imam Sadiq (a.s.): Hatte der Gesandte Gottes Fātimah(a.s.)Fadak gegeben?

Er: Gott hatte Fadak für Fātimah(a.s.) bestimmt! _ 305

Imam Sādiq (a.s.) sagte: Fātimah ging zu Abu Bakr und forderte Fadak zurück. Abu Bakr entgegnete: Du mußt Zeugen herbeibringen, die die Richtigkeit deiner Forderung bestätigen. -

Umm-e-Ayman kam, um zu bezeugen.

Abu Bakr sagte zu ihr: Was willst du bezeugen?

Sie: Ich bezeugte, daß Gabriel zu Muhammad kam und dieses wissen. ließ:

Gott spricht:

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Gib den Verwandten,was ihnen zusteht (Sure 17, Vers 26)

وآت ذاالقربي حقه

Muhammad entgegnete: Frage Gott, wer mit "Daw il Qurbā" gemeint ist. ­Daraufhin Gabriel: Fātimah ist 'Daw il Qurbā".

Somit überließ der Gesandte Gottes Fadak seiner Tochter Fātimah(a.s.) 305

Ibn Abbās berichtet, daß der Prophet, nachdem der Koranvers hinabgesandt worden war.Fātimah (a.s.) Fadak übergab. [306]

Derartigen Ahādit. die sich auf den zitierten Koranvers beziehen, ist zu entnehmen, daß Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) von Gott, dem Herrn der Welten, angewiesen wurde, Fadak als "Recht der Nahestehenden" Daw ul Qurbā - zur Verfügung zu stellen und auf diese Weise den Lebensunterhalt der Familie Ali Ibn Abi Tālibs (a.s.), der sich auf dem Wege Gottes und des Islam einsetzte und mühte, abzusichern.

Möglicherweise wird der eine oder andere an dieser Stelle einwenden:

Der Vers:

وآت ذاالقربي حقه

auf den die angeführten Ahādit hinweisen, gehört zu den Versen der Sure 17, Asrā, die zu jenen Suren zählt, die in der Zeit, als sich der Prophet noch in Mekka aufhielt - also der Zeit vor der Hiğra hinabgesandt wurden, dieweil die Eroberung Haybars und die Übergabe Fadaks in die Zeit nach der Hiğra, als der Prophet von Medina aus regierte und wirkte, fällt.

Auf diesen Einwand mag einer der beiden nachstehenden Hinweise als Antwort dienen:

Obgleich die Sure 17, der "mekkanischen Zeit" zugeordnet wird, wurden dennoch einige ihrer Verse in der Medina-Zeit hinabgesandt, zu denen u.a. der zitierte Vers gehört.

Hassan gibt zu verstehen:

Die Sure "Asrā" gehört zu den Mekka-Suren, mit Ausnahme fünf ihrer Verse, die später, d.h. in der Medina-Zeit hinabgesandt wurden, es sind die Verse:

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و لا تقتلواالنفس
و لا تقربواالزن
اولئك الذين يدعون
اقم الصلواة
وآت ذاالقربي حقه

Dieser Hinweis wurde "AI-Mizan" von Alamah TAbātAbā'l, B. 13, S. 52 entnommen.

Eine zweite Antwort wäre:
Dieses Recht, d.h. das "Daw iI Qurbā", wurde in Mekka, also vor der Hiğra festgelegt, doch erst nach der Hiğra in die Tat umgesetzt.

Art und Weise der Übergabe ...

Aller Wahrscheinlichkeit nach übergab der Gesandte Gottes Fātimah(a.s.) in einer der beiden nachstehenden Formen Fadak.

Zum einen kann es sein, daß er -es ihr als "Privatbesitz" übereignete, zum anderen besteht die Möglichkeit, daß er es dem "Hause" Alis und Fātimahs - dem "Haus der Führung der Muslime und des Imāmats" vermachte, so daß es diesem als ständiger materieller "Hilfsfond" zur Verfügung stand.

Die erwähnten Überlieferungen sprechen augenscheinlich für die erste Annahme, jedoch auch die zweitgenannte ist nicht von der Hand zu weisen und wird durch einige Ahādit bekräftigt.

Abān Ibn Tuglab berichtet:

Ich fragte Imam Sādiq (a.s.): Hatte der Gesandte Gottes Fadak Fātimah übergeben?

Er antwortete: Der Prophet hatte Fadak zunächst als Stiftung genutzt, dann aber, gemäßt dem Koranvers

و آت ذالقربي حقه

Fātimah (a.s.) zur Verfügung gestellt.

Ich fragte: Der Gesandte Gottes gab also Fātimah (a.s.) die Ländereien Fadak?

Der Imam antwortete: Des heißt vielmehr: Gott hat ihr Fadak gegeben![307] Imam Sağād (a.s.) ließ wissen: Der Gesandte Gottes verlieh Fātimah(a.s.)Fadak. _[308]

Umm-e-Hāni überlieferte:

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ان فاطمه بنت رسول الله (ص) اتت ابابكر الصديق فقالت له: من يرثك اذامت؟ قال: ولدي و اهلي. قالت: فما بالك ورثت ر.س.ل الله دوننا؟ فقال يا بنت رسول الله و الله ما ورثت اباك ذهباولافضة ولاكذا و لاكذافقالت: سهمنا بخيبر و صدقتنا فدك؟ فقال يا بنت رسول الله سمعت رسول الله يقول: انماهي طعمة اصعمنيها الله حياتي فاذامت فهي بين المسلمين.

In einem Hadit lesen wir, daß Imam Sādiq (a.s.) erklärte, der Prophet habe Fadak gestiftet. Aus einem anderen erfahren wir aus dem Munde Imam Sağāds (a.s.), daß der Gesandte Gottes Fadak als "Aqta",[310] übergeben hatte. Dieses aber bedeutet, daß einer bestimmten Person das Recht, das betreffende "Aqta' -Land" - das aus den staatlichen Ländereien herrührt - in eigener Regie zu nutzen,zusteht.

In der Argumentation Hadrat-e-Fātimahs (a.s.) Abu Bakr gegenüber aber hören wir, daß Fadak als "Sadaqat nā Fadak" bezeichnet wird.

In einem zuvor genannten Hadit sagt Imam Sādiq (a.s.): Der Gesandte Gottes ließ Hassan, Hussein und Fātimah (a.s.) zu sich kommen und übergab ihnen Fadak.

Aus diesem und ähnlichen Ahādit geht hervor, daß der Prophet Fadak dem "Beit" Fātimahs und Alis (a.s.), dem "Hause der Führung der Muslime und des Imamats" gestiftet und ihnen damit das Recht auf Nutzung übereignet hatte.

Wer war im Recht?

Es bleibt uns nun noch, zu ergründen, auf wessen Seite das Recht war, auf der Fātimahs (a.s.) oder der Abu Bakrs. -

Historiker und Haditoloqen schreiben:

Ungefähr sehn Tage nach dem Tode des Propheten schickte Abu Bakr seine Leute nach Fadak, um die betreffenden Ländereien zu besetzen und zu beschlagnahmen. [311]

Als Zahrā (a.s.) davon erfuhr, ging sie zu Abu Bakr und sagte:

Warum haben deine Leute mir Fadak genommen? Weise sie an, es zurückzugeben! -

Er: 0 Tochter des Gesandten Gottes! Dein Vater hat keine Drahme und keinen Dinār als Erbe zurückgelassen. Er sagte selbst:

Die Propheten vererben nichts! -

Fātimah antwortete: Mein Vater hat mir zu seinen Lebzeiten Fadak übergeben! Abu Bakr: Du mußt für deine Behauptung Zeugen herbeibringen! -

Daraufhin kamen Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) und Umm-e-Ayman und bezeugten, daß der Prophet Fadak Fātimah gegeben hatte.

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Umar jedoch und Abdul Rahmān Ibn Awf sagten:

Wir bezeugen, daß der Prophet die Erträge Fadaks unter den Muslimen aufgeteilt hatte. -

Abu Bakr: O Tochter des Gesandten Gottes! Du sprichst die Wahrheit, und ebenfalls Ali und Umm-e-Ayman. Doch auch Umar und Abdul Rahmān sagen das, was wahr ist. Denn deine Habe war die deines Vaters. Der Gesandte Gottes hatte euren Lebensunterhalt aus dem Erlös der Fadaker Erträge bestritten. Das, was übrig blieb, verteilte er unter den Muslimen und verwendete es auf dem Wege Gottes. [312]

Bilādari schreibt: Fātimah (a.s.) suchte Abu Bakr auf und sprach:

Fadak hatte mein Vater mir übergeben. Warum hast du es mir genommen? Warum gibst du es mir nicht zurück? -

Abu Bakr verlangte Zeugen für ihre Behauptung.

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) und Umm-e-Ayman kamen und bezeugten, was Fātimah-Zahrā (a.s.) gesagt hatte.

Abu Bakr: Deine Zeugen reichen nicht aus. Entweder müssen zwei Männer die Richtigkeit deiner Behauptung beweisen oder aber ein Mann und zwei Frauen. [313]

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) berichtet: Fātimah (a.s.) ging zu Abu Bakr und sagte:

Mein Vater hat Fadak mir übergeben. Ali Ibn Abi Tālib und Umm-e-Ayman bezeugen dieses. Warum willst du mir mein Recht vorenthalten? -

Abu Bakr antwortete: Du sagst nichts anderes als das, was die Wahrheit ist. Ich werde dir Fadak zurückgeben! -

Er gab ihr ein Schreiben in die Hand, in dsm ihr Anrecht auf Fadak bestätigt wurde. Umar aber entriß ihr das Dokument, trat vor Abu Bakr hin und sagte:

Du hast ihr urkundlich Fadak überlassen?? Abu Bakr: Ja!

Umar: Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) hat zu seinem Gunsten bezeugt und Umm-e-Ayman ist nichts anderes als eine Frau! -

Mit diesen Worten zerriß er das Schriftstück! _[314]

Fātimah (a.s.) sagte zu Abu Bakr: Umm-e-Ayman legt Zeugnis dafür ab, daß der Gesandte Gottes mir Fadak gegeben hat. -

Abu Bakr: O Tochter des Propheten! Bei Gott, niemand ist mir lieber als der Gesandte Gottes ! Als dein Vater starb, wünschte ich, der Himmel würde einstürzen! Und bei Gott! Wenn Ayschah verarmen sollte, so wäre mir das lieber, als wenn du in Not gerietest!

(190)

Glaubst du denn, ich würde den anderen zu ihrem Recht verhelfen, dir aber das, was dir zusteht, vorenthalten?

Jedoch Fadak gehörte nicht dem Propheten persönlich! Es gehört vielmehr den Muslimen, ist Kommunalbesitz aller!

Dein Vater rüstete mit dem Erlös der Fadaker Erträge die islamische Armee aus und nutzte ihn auf dem Wege Gottes.

Als er aus dieser Weft schied, ging Fadak in meinen Verfügungsbereich über! [315]

Das waren Gespräche, die zwischen Fātimah und Abu Bakr im Zusammenhang mit Fadak geführt wurden.

Abu Bakr aber gab nicht nach und verwehrte Fātimah-Zahrā (a.s.) ihr Recht.-

Wie zu ersehen ist, hatte Imam Sādiq (a.s.) in einem Hadit erklärt, das der Prophet Fadak als Stiftung genutzt hatte.

Aus einem anderen Hadit geht hervor daß Imam Sağād Fadak als "Aqta'" bezeichnete. "Aqta'" aber ist ein Teil staatlicher Ländereien, das jemandem zur Nutzung überlassen wird. [316]

Gerechtdenkenden und objektiven Wissenschaftlern und

Gelehrten ist nicht verborgen geblieben, daß Abu Bakr gegen Recht und Gesetz handelte und seinem Vorgehen Kritik gebührt. Aus folgenden Gründen:

Fadak war im Besitze Fātimah-Zahrās (a.s.), in ihrer Hand. D.h. ein derartiger Sachverhalt erfordert religionsrechtlich gesehen keine Zeugenaussagen. In einem solchen Fall ist die Aussage dessen, in dessen Hand sich das "Streitobjekt" befindet, anzuhören und anzuerkennen. Die Unantastbarkeit dieses Sachverhaltes ist in religionsrechtlichen Schriften nachgewiesen worden und nicht anzuzweifeln. Interessierte können sich in entsprechender Literatur informieren.

Um jedoch noch einmal die Richtigkeit ihres Besitzanspruches auf Fadak zu bestätigen, folgende Hinweise:

Erstens:
Wie bereits gesagt, hatten Abu Sa'id, Hadari, 'Atiah und einige andere bezeugt, daß der Gesandte Gottes gemäß Koranvers

و آت ذاالقربي حقه

Fātimah (a.s.) Fadak gab.

Das Wort "A'tā" weist darauf hin, daß der Prophet zu seinen Lebzeiten

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Fadak als "Daw il Qurbā" Fātimah gegeben hatte und sie darüber verfügte.

Zweitens:
Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) bestätigt, daß Fadak in ihrem Besitz war. In Nahğul Balāgah lesen wir:

بلي كانت في ايدينا فدك من كل ما اظللته السماء فشحت عليها نفوس قوم و سخت عنها نفوس قوم آخرين و نعم الحكم الله.

Das heißt:

Fadak war in unserer Hand!

Doch die einen hatten es in ihrer Habgier darauf (auf diese Ländereien) abgesehen, und die anderen waren mit deren Vorgehen zufrieden.

Doch Gott ist der beste Richter!316

Drittens:
Imam Sādiq (a.s.) erklärt: Als auf Abu Bakrs Befehl hin die Arbeiter und Angestellten Fātimahs aus Fadak vertrieben worden waren, ging Ali (a.s.) zu ihm und sprach:

o Abu Bakr! Warum hast du Fātimah Fadak, das ihr der Gesandte Gottes gegeben und über das sie nun schon eine Zeit lang verfügt hatte, fortgenommen? [317]

Daß der Prophet ihr Fadak übergeben hatte und dieses Gebiet in ihrem Besitz war, ist bekannt und gewiß!

Aus diesem Grunde hatte später Abdullāh Ibn Harun von Ma'mun den Auftrag erhalten, Fadak den Nachkommen Fātimahs (a.s.) zurückzugeben und in ,diesem Zusammenhang ein Schreiben an den Befehlshaber von Medina gesandt, in dem es hieß:

Der Gesandte Gottes hatte Fātimah (a.s.) Fadak gegeben. Dieses war allen aus dem Hause des Gsandten Gottes bekannt und offenkundig. Niemand zweifelte daran.

Nun hat der "Herrscher der Gläubigen" angeordnet, Fadak den Erben Fātimahs zurückzugeben! [318]

Zudem: Zeugnissen und Indizien gemäß war Fadak also zu Lebzeiten des Propheten im Besitze Alis und Fātimahs (a.s.). Darum war es religionsgesetzlich gesehen rechtswidrig, von Fātimah zu verlangen, Zeugen herbeizubringen, die die Richtigkeit ihrer Behauptung bestätigen sollten.

(192)

Auch dieses ist in diesem Zusammenhang anzubingen: Abu Bakr wußte, daß das Recht auf Fātimah (a.s.) Seite war und er bestätigte ihre Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe. Er sagte [319] :

صدقت يا ابنة رسول الله و صدق علي و صدقت ام ايمن

ما كنت لتقولي علي ابيك الا الحق

Das heißt: Fātimah Aufichtigkeit wurde nicht nur von Abu Bakr bestätigt, sonderen von allen Muslimen!

Niemand zweifelte an ihrer Ehrlichkeit und niemand zog die Wahrscheinlichkeit einer Lüge aus ihrem Munde in Betracht.

Wie hätte dieses auch sein können, da doch zuvor jener Koranvers, der ihre Reinheit und Unfehlbarkeit bekanntgab, hinabgesandt worden war?!

Andererseits wird in dem Kapitel "Qada wa schahādat" [320] des Islamischen Rechts nachgewiesen und bestätigt, daß der Richter im Zusammenhang mit Besitz und finanziellen Verpflichtungen und Angelegenheiten dann, wenn er über Wahrheit und Sachverhalt des Streitfalles informiert ist, gemäß Wissen und Gewissen richten kann, ohne Zeugen und Indizien herbeiziehen zu müssen!

Somit also hätte Abu Bakr - der wußte, daß Zahrā (a.s.) aufrichtig war, nichts als die Wahrheit sprach und er darüber Kenntnis hatte, daß der Prophet ihr Fadak übergeben hatte - ihre Aussage akzeptieren müssen,

ohne auf Zeugenaussagen zu beharren!

Ja, die Wahrheit ist die: Abu Bakr wußte recht gut, daß Fātimah (a.s.)im Recht war und der Prophet ihr zu seinen Lebzeiten Fadak übergeben hatte. Ganz offensichtlich aber war er mit diesem Vorgehen des Gesandten Gottes nicht einverstanden, weshalb er ihr antwortete: [321]

ان هذاالمال لم يكن للنبي و انما كان من اموال المسلمين يحمل النبي به الرجال و ينفقه في سبيل الله فلما توفي رسول الله و ليته كما كان يليه

Dann, als sie auf seine Forderung zwei unanfechtbare Zeugen herbeiholte - d.h. Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) und Umm-e-Ayman - und ihm völlig klar war, daß er deren Worte und Aussagen keinesfalls leugnen und bestreiten konnte, andererseits aber Umar und Abdul Rahmān nicht widersprechen mochte, bediente er sich einer äußerst listigen Antwort:

Mit anderen Worten: Einerseits bestätigte er die Aussage Fātimah (a.s.), die Rechtsanspruch auf Fadak erhob als auch die Hadrat-e-Alis (a.s.)und Umm-e-Aymans, - andererseits aber auch die Worte Umars und Abdul Rahmāns, die behaupteten, daß der Prophet den Erlös der Fadaker Erträge unter den Muslimen verteilt habe.

Daraufhin urteilte und entschied er nach eigenem Kopfe:

Der Sachverhalt liegt so, daß deine Habe die deines Vaters war.

(193)

Das, was ihr zu eurem Leben brauchtet, nahm er von dem Erlös aus den Erträgen der Fadaker Ländereien. Das, was übigblieb, verteilte er unter den Muslimen und gab es auf dem Wege Gottes hin. -

Abu Bakr fügte hinzu:

Was würdest du tun, wenn Fadak in deinen Händen wäre?

Sie: Ich würde vorgehen wie zu meines Vaters Lebzeiten. Unseren Lebensunterhalt würde ich davon bestreiten und das übrige auf dem Wege Gottes ausgeben! -

Abu Bakr: Ich verspreche, daß ich genauso wie dein Vater über Fadak verfügen und nicht andres vorgehen werde als er es tat. -

Niemand war da, der nun gesagt hätte: Du, Abu Bakr, der du weißt, daß Fadak in Fātimahs (a.s.) Händen war und sie wie auch ihre Zeugen bestätigst. .. ,

warum gibst du ihr ihren Besitz nicht zurück? Warum willst du ihn ihr vorenthalten?

Die Worte Umars und Abdul Rahmāns besagen nichts andres, als daß der Prophet den Erlös der Fadaker Erträge auf dem Wege Gottes hingab. Dieses aber steht nicht im Widerspruch zur Aussage Fātimahs und besagt nicht, daß Fadak nicht in ihren Händen gewesen wäre und dergleichen mehr!!

Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) gab den Erlös der Erträge Fadaks beauftragt und berechtigt durch Fātimah-Zahrā (a.s.) - auf dem Wege Gottes hin und unterstützte damit Bedürftige. Dir aber hat sie eine solche Erlaubnis nicht gegeben! Mit welchem Recht kannst du sagen:

'Ich verspreche so vorzugehen, wie dein Vater handelte.'

Die Eingentümerin selbst aber sagt dir:

Gib mir meinen Besitz zurück!

Du aber weigerst dich und antwortest stattdessen, zu vesprechen, so wie ihr Vater vorgehen zu wollen!

Welch eine Rechtsprechung! Welch ein Beschluß!

Eine weitere Kritik!
Angenommen, Abu Bakr glaubte Fātimahs (a.s.) Worten nicht und zweifelte an der Richtigkeit ihrer Aussage. In dem Fall aber wäre er verpflichtet gewesen, sie ihre Aussage beeiden zu lassen und aufgrund von Zeugenaussage und Eid zu urteilen.

Im Kapitel "Qaqā wa Schahadat" des Islamischen Rechts heißt es und wird bestätigt, daß der Richter im Hinblick auf Besitz sowie finanzielle Belange unter Hinzuziehung der Aussage eines Zeugen und

(194)

der eidesstattlichen Erklärung des Klägers urteilen kann.

Aus Überlieferungen wissen wir zudem, daß der Prophet unter Berücksichtigung der Aussage eines Zeugen und des Eides des Klägers Recht sprach. [322]

Darüberhinaus:

Fātimah-Zahrā (a.s.) erklärte, daß der Prophet ihr Fadak gegeben habe, was Abu Bakr zu dementieren versuchte. In den religionsrechtlichen Werken aber wird gesagt, daß dann, wenn die Bezeugung des Klägers nicht ausreicht, der Richter verpflichtet ist, den Kläger auf dessen Recht hinzuweisen, den Beklagten aufzurufen, seine Angaben zu beeiden.

Mit anderen Worten: Abu Bakr hatte Fātimah darauf aufmerksam machen müssen, daß sie das Recht habe, nun, da ihre Bezeugungen und Zeugenaussagen nicht ausreichen, ihn - der Widerspruch gegen sie erhob und ihre Aussage und Zeugen abwies - seine Behaupung eidesstattlich erklären zu lassen!

Abu Bakr aber verstieß auch gegen diese Regelung und mißachtete damit die diesbezügliche Verordnung der Islamischen Rechtsprechung. Er verwarf ihre Klage mit den Worten: Deine Zeugen reichen nicht aus ....

Auch dieses ist zu bedenken:
Abgesehen davon aber: Wenn auch Abu Bakr wirklich nicht von der Richtigkeit der Behauptung Fātimahs (a.s.) überzeugt gewesen wäre, so handelte es sich bei Fadak aber um "Staatseigentum", und der Hakim Schar' war somit berechtigt, es im Sinne des Allgemeinwohles zu nutzen. Wäre es da nicht im Sinne des Islam und zum Wohle der muslimischen Ummah angebracht gewesen, wenn Abu Bakr, der sich selbst als "Kalif der Muslime" verstand, Fadak Fātimah - der vom Propheten geliebten Tochter - als "Aqta" übergeben hätte, um auf diese Weise Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen, die die Ummah bis zum heutigen Tage belasten, vorzubeugen??

Hatte denn der Prophet Abu Bakr, Abdul Rahmān, Ibn Awf und Abu Duğānah nicht auch Teile der Ländereien der Bani Nadir überlassen?[323]

Hatte er nicht einen Teil des vormaligen Grund und Bodens der Bani Nadir, der bestanden war mit Bäumen, dem Zubayr Ibn 'Awām ausgehändigt? [324]

Und Muaviah ... , hatte dieser etwa nicht ein Drittel der Ländereien

(195)

Fadaks als "Aqta'" dem Marvān Ibn Hukm, ein Drittel Umar Ibn Utmān und ein Drittel seinem eigenen Sohn übergeben? [325]

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, Abu Bakr hätte sich ihr, der Tochter des Gesandten Gottes, nicht so sehr widersetzt und ihrer (berechtigten!)Forderung stattgegeben, um damit dem Disput ein Ende zu setzen?!

Um damit wirklieh so zu handeln, wie der Prophet vorgegangen war?!

Darüberhinaus:

Abu Bakr ging in dieser Angelegenheit völlig deplaciert und unqualifiziert vor. Schließlich war sie, Hadrat-e-Fātimah-Zahrā (a.s.), die Klägerin, wohingegen er der Beklagte und Dementierende war!

Hier hätte ein Dritter als Obmann und Schlichter hinzugezogen werden müssen, ebenso wie der verehrte Prophet (s.a.s.) und auch Ali (a.s.) in solchen Fällen Obmann und Schlichter einschalteten.

Abu Bakr aber war nur um seinen Vorteil, um sein Image bedacht und forderte in seinem Unwillen und seiner Unverfrorenheit Zeugen, die die Aussage Zahrās (a.s.) bestätigen sollten, um dann nach eigenem Gusto zu richten.

Zusammengefaßt: Es ist anhand all des Gesagten und Geschriebenen festzustellen, daß Abu Bakr nicht gemäß Recht, Gerechtigkeit und Tradition des Propheten urteilte und Fātimah-Zahrā (a.s.), die im Recht war, verwehrte, was ihr zustand ...

Ländereien des Propheten in Medina

Der vormalige Grund und Boden der Juden Bani Nadir gehörte nun zu den Hālasah-Ländereien" und damit zum Verfügungsbereich des Propheten. Er war wie die Ländereien Fadaks ohne Krieg und Hinzutun der Truppen dem Islamischen Herrschaftsbereich zugefallen, weswegen der Prophet - wie bereits gesagt - uneingeschränktes Verfügungsrecht über ihn besaß und ihn so nutzen konnte, wie er es für richtig hielt.

Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) hatte die beweglichen Güter, die sich auf diesem Grund und Boden befanden, unter den mekkanischen Auswanderern verteilt.

Einen Teil dieser Ländereien behielt er für sich selbst und beauftragte Ali (a.s.), ihn zu bewirtschaften und zu verwalten.

Später stiftete er ihn und bestimmte den Erlös dieser Stiftung für

(196)

karitative Zwecke, als "Sadaqat".

Zu seinen Lebzeiten oblag ihm die Sorge für die Verwaltung und Nutzung dieser Ländereien. Dann, nach seinem Tode, ging dieses Befugnisrecht auf Hadrat-e-Ali und Fātimah-Zahrā (a.s.) über. [326]

Einer der Gelehrten der Juden Bani Nadir namens Nuhayraq, der Muslim geworden war, schenkte seinen Besitz dem Propheten, unter anderem sieben Haine und Felder, die wie folgt bezeichnet wurden:

Maytab, Sāfiah, Dalāl, Husnā, Baraqah, A'uf, Maschrabah Umm-e-Ibrāhtrn. Wie gesagt, sie alle schenkte er dem Gesandten Gottes, der sie als Stiftung erklärte. [327]

Bazanti berichtet: Ich fragte Imam Ridā (a.s.) nach den sieben Hainen und Feldern. Er antwortete:

Sie waren eine Stiftung des Propheten, die auf Hadrat-e-Fātimah (a.s.)übergingen. Der Prophet hatte von den Erträgen dieser Gelände nur soviel für sich einbehalten, wie er benötigte. Als er dann gestorben war, erhob Abbās Anspruch auf sie. Aber Ali (a.s.) und andere bezeugten, daß diese Felder und Haine eine Stiftung waren. Sie hießen:

Husnā, sanan, Maschrabah Umm-e-Ibrahim, Maytab, Baraqah und Dalal[328]

Halabi un Muhammad Ibn Muslim überlieferten: Wir fragten Imam Sādiq (a.s.)nach den "Sadaqah" des Gesandten Gottes (s.a.s.) und Fātimahs (a.s.). Er antwortete:

Sie gehören den Bani Hāschim und Bani-l-Mutalib. [329]

Abu Mariam berichtet: Ich fragte Imam Sādiq (a.s.) nach den "Sadaqah" des Gesandten Gottes (s.a.s.) und Hadret-e-Alis (a.s.). Er gab mir zur Antwort:

Sie sind uns erlaubt. Die "Sadaqat Hadrat-e-Fātimahs (a.s.)" gehören den Bani Hāschim und Bani-l-Mutalib. [330]

Der Gesandte Gottes hatte die genannten Ländereien, die sich in der Umgebung Medinas befanden, gestiftet und Hadrat-e-Ali und Hadrat-e-Fātimah (a.s.) die Verwaltung für sie übertragen. Auch sie stellten eines der Streitobjekte zwischen Abu Bakr und Fātimah (a.s.) dar.

Offensichtlich war Hadrat-e-Fātimah (a.s.) im Zusammenhang mit diesen saoaqah erfolgreich und konnte sie auch weiterhin verwalten, bis daß sie starb und -wie sie testamentarisch festgesetzt hatte - Ali Ibn Abi Tālib(a.s.)und seine Nachkommen mit dieser Aufgabe betraute.

Mağlisi jedoch überliefert, daß Abu Bakr Fātimah überhaupt nichts gelassen, sondern erst später, als Umar das Kalifat angetreten hatte, dieser die "Sadaqat-Medina" Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) . und Abbās

(197)

übergeben habe. Die Ländereien Haybar und Fadak aber habe er ihm nicht ausgehändigt, sondern gesagt:

Sie sind "Sadaqah des Gesandten Gottes". Ich brauche sie, um Rechte begleichen und für etwaige Vorkommisse gerüstet sein zu können.

Das Sorgerecht für die "Sadaqat Medina" hatte Ali (a.s.).

Abbās erhob Anspruch auf sie, doch Ali (a.s.) gewann den Prozess. Nach ihm trugen - nacheinander - Hassan (a.s.), Hussein (a.s.) und danach Abdullāh Ibn Hassan die Sorge für diese Ländereien, -

bis daß Abbās das Kalifat antrat und die "Sadaqat Medina" den Bani Hāschim nahm. [331]

Ihr Anteil an der "Hums Haybar"

Haybar war im Jahre sieben nach der Hiğra von den muslimischen Truppen erobert worden. Aus diesem Grunde - da ein bewaffneter Kampf notwendig geworden war - gelangten das Gebiet Haybar wie dessen "bewegliche Güter" in den Besitz der Muslime.

Der Gesandte Gottes teilte diese "beweglichen Güter" gemäß den göttlichen Geboten und islamischen Regelungen zur "Verteilung der Erooerunqsqewinne'' in fünf Teile auf.

Vier Teile erhielten die muslimischen Kämpfer, den fünften Teil behielt er als "Hums", d.h. als den "Fünften Teil", der für spezielle Zwecke, die der Koran nannte, zu verwenden war, zurück.

Gott spricht im Heiligen Koran, im 41. Vers der Sure 8, Anfāl;

و اعلموا انما غنمتم من شيء فان لله خمسه و للرسول و لذي القربي و اليتامي و المساكين و ابن السبيل

Das bedeutet:

"Wisset, daß von jedem Gewinn die "Hums, d.h. der "Fünfte Teil" Gott, dem Propheten, dessen Angehörigen, den Waisen, Notleidenden und bedürftigen Reisenden gehört.

Somit also ist laut koranischer Aussage die "Hums aus Gewinnen" [332] für sechs Gruppen bestimmt worden.

Der Prophet behielt daher diese "Hums aus Eroberungsgewinnen" zurück und bestritt davon die Lebensunkosten seiner Angehörigen, der Waisen,Bedürftigen und mittellosen Reisenden aus dem Stamme der Bani Hāschim.

Das, was übriglieb, verwendete er für persönliche Ausgaben und auf dem Wege Gottes.

(198)

In dieser Weise ging er auch mit den Haybar Gewinnen vor. Er verwendete die Hums für die gleichen zuvorgenannten Zwecke. Einiges davon gab er seinen Frauen, Ayschah erhielt z.B. 200 Wasaq 351 Datteln, Weizen und Geste. Auch seine nahen Angehörigen gingen nicht leer aus. Fātimah bekam beispielsweise 200 Wasaq, Ali 100 Wasaq. [333]

Den Grund und Boden Haybars aber nutzte er zu folgendem:

Die eine Hälfte sah er für die anfallenden Ausgaben des Islamischen Staates vor, die andere Hälfte zur Absicherung der Lebensunkosten der Muslime sowie zur Versorgung der Truppen.

Die Juden aber beließ er auch weiterhin auf ihren Ländereien, damit sie sie bewirtschafteten und jährlich dem Propheten einen Teil der Erträge abgaben, die er dann in der von Gott befohlenen Weise verwendete. [334]

Als der Prophet starb und Abu Bakr das Kalifat an sich nahm, beschlagnahmte er sämtliche Güter und Ländereien Haybars.

Selbst das, was den Hums-Anteil betraf und Gott, dem Gesandten Gottes, dessen Angehörigen, den Waisen, Notleidenden und bedüftigen Reisenden gehörte und entzog den Bani Hāschim, was ihnen zustand.

Hassan Ibn Muhammad Ibn Ali Ibn Abi Tālib berichtet: Abu Bakr gab den Anteil, der für die Angehörigen des Propheten vorgesehen war, weder Fātimah noch anderen der Bani Hāschim, sondern verwendete ihn für Watten - und Panzerhemdkäufe. [335]

Urwah überlieferte: Fātimah (a.s.) ging zu Abu Bakr und forderte Fadak und den Anteil "Daw iI Qurbā" von ihm zurück.

Abu Bakr aber gab ihr nichts, sondern betrachtete das von ihr Geforderte als "Eigentum Gottes". [336]

Jedenfalls zählte auch dieses zu jenen Dingen, die Abu Bakr der Tochter des Gesandten Gottes (s.a.s.) und den Bani Hāschim vorenthielt und das hin und wieder als "Hums Haybar" und bisweilen als "Sahm Daw il Qurbā" bezeichnet wird.

Auch diesbezüglich war Fātimah-Zahrā (a.s.) im Recht. Denn:

Gemäß den Worten des Koran gehörte die "Hums Ganā'im" den in dem genannten Vers zitierten Personengruppen und mußte demzufolge den Angehörigen, Waisen, Notleidenden und bedüftigen Reisenden der Bani Hāschim zugeteilt werden.

Diese "Hums Haybar' war nicht etwas, das. der Prophet als "Erbe" hinterließ, weshalb Abu Bakr nicht sagen konnte:

Ich habe gehört, wie der Gesandte Gottes sprach:

Wir (Propheten) vererben nichts. Fātimah hatte ihm geantwortet:

(199)

Gott hat im Koran festgesetzt, daß ein Teil der Hums den "Daw il Qurbā" zusteht Du aber gehörst nicht zu dieser Personengruppe, warum nimmst du uns unser Recht??

Anas Ibn Malik berichtet: Fātimah war zu Abu Bakr gegangen und hatte gesagt:

Du weißt gut, daß du uns Ahl-Beit 24 Unrecht zufügst und uns die "Sacaqat des Gesandten Gottes" sowie den Anteil der "Hums Gana'im", der gemäß den Anweisungen Gottes den 'Daw iI Qurbā" gehört, vorenthältst!

Gott spricht im Koran:

و اعلموا انما غنمتم مي شيء فان لله خمسه وللرسول و لذي القربي

Wisset, das von jedem Gewinn die "Hums",d.h.der "Fünfte Teil"Gott,dem Propheten, dessen Angehörigen, den Waisen, Notleidenden und bedürftigen Reisenden gehört.

Abu Bakr antwortete:

Ich halte mich an das Buch Gottes und widersetze mich dem Recht des Propheten und dessen Angehörigen und Verwandten nicht.

Das Buch, von dem du sprichst, habe auch ich gelesen, Darin aber steht meiner Ansicht nach nichts, das besagte, daß ich einen ganzen Teil der Hums euch zu überlassen hätte! -

Fātimah entgegnete:

Gehört dir dieser Teil oder deinen Verwandten? -

Er: Nein! Doch etwas davon will ich dir geben und den Rest zum Wohle der Muslime verwenden. -

Fātimah (a.s.) antwortete:

Das aber entspricht nicht dem, was Gott geboten hat! Er: Es ist genau das, ..yas Gott anordnete! [337]

Das Erbe des Propheten ...

Ein weiterer Punkt, in dem sich Fātimah (a.s.) und Abu Bakr uneins waren, betraf das Erbe des Propheten. Aus Geschichtsbüchern und Ahadit ist zu erfahren, daß Fātimah (a.s.) nach dem Tode ihres Vaters zu Abu Bakr ging und das Erbe ihres Vaters von ihm forderte. Abu Bakr aber weigerte sich und agierte mit der Entschuldigung:

Die Propheten hinterlassen kein Erbe. Das, was ihnen gehörte, fällt als "Sadaqat" der Öffentlichkeit zu.

Er bezog sich dabei auf einen angeblichen Ausspruch des Propheten, den er selbst gehört haben wollte und wiedergab.

(200)

Er sagte:

Ich habe gehört, wie dein Vater sagte:

Wir Propheten hinterlassen kein Gold, Silber, keinen Grund und Boden, keinen Besitz und kein Haus als Erbe. Das, was wir als Erbe hinterlassen, ist Glaube, Wissen,weisheit und das Religionsgesetz.

Ich werde mich diesbezüglich an die Weisungen des Propheten halten und so vorgehen, wie er es für richtig hielt. [338]

Fātimah (a.s.) gab sich mit seiner Antwort nicht zufrieden. Sie stützte sich auf entsprechende Verse des Heiligen Koran und srach:

Hierzu müssen wir uns wohl eingehender unterhalten, damit das Recht offenkundig wird!

Was sagt uns der Koran zum Thema "Erbe
und Erbregelung"?

Der Koran bringt ein vollständiges "Erbgesetz". Im 11. Vers der

Sure vier, Nisā', lesen wir z.B.:

"Gott verordnet euch in bezug auf eure Kinder:

Ein Knabe erhält soviel als Anteil wie zwei Mädchen ... u

Die zitierte Ayah wie auch weitere Verse des Heiligen Koran, die im Zusammenhang mit der Verteilung des Erbes hinabgesandt wurden, sind von allgemeingültiger Bedeutung und betreffen alle, auch die Propheten. Auch sie sind einbezogen in diese Allgemein-Regelung. Sie sind sowohl erbberechtigt als auch erbhinterlassend.

Gemäß dieser Allgemein-Regelung mußte das persönliche Eigentum, das der Prophet hinterließ, seinen Erben ausgehändigt werden.

Sicher ist, daß an der Allgemeingültigkeit dieses göttlichen Erbgesetzes nicht zu zweifeln ist, dennoch wollen wir- um Unklarheiten und Mißverständnisse auszuräumen - prüfen, ob ein überzeugender, nicht zu leugnender Grund vorhanden ist, der die Propheten von diesem allgemeingültigen Gesetz ausschließt, der sie im Zusammenhang mit dieser Regelung eine "Ausnahme" sein läßt...

Zum "Hadit" den Abu Bakr zitiert ...

Abu Bakr behauptete - als Antwort auf die Forderung Fātimah-Zahrās(a.s.) - daß die Propheten von der göttlichen

(201)

Allgemeinregelung zum Thema "Erbe" ausgeschlossen seien. Um seine Worte zu untermauern und zu rechtfertigen, zieht er einen " Hadit" hinzu, den er selbst gehört haben will, und der in den verschiedensten Ausführungen in entsprechenden Schriften und Büchern genannt wird. Beispielsweise:

قال ابوبكر لفاطمه عليهالسلام فاني سمعت رسول الله يقول: انا معاشر الانبياء لانورث ذهبا و لا فضة و لاارضا ولادارا و لكنانورث الايمان و الحكمة و العلم و السنة. فقد عملت بما امرني و نصحت له.

Das heißt: Ich habe gehört, wie der Prophet sagte:

Wir Propheten hinterlassen kein Gold, Silber, keinen Grund und Boden und kein Haus als Erbe. Das, was wir vererben, sind Glaube, Weisheit, Wissen und die "Schari'ah" [339] -

, .

Ich werde nach den Weisungen. des Propheten handeln und so vorgehen, wie er es für richtig hielt... [340]

عن عايشه ان فاطمة ان فاطمة ارسلت الي ابي بكر تساله ميراثها من رسول الله وهي حينئذ تطلب ما كان لرسول الله بالمدينه و فدك و ما بقي من خمس خيبر فقال ابوبكر ان رسول الله قال لانورث ماتركناه صدقة انما ياكل آل محمد من هذاالمال.[341]

لما كلمت فاطمه ابابكر بكي ثم قال يا ابنة رسول الله ماورث ابوك دينارا و لا درهما و انه قال: ان الانبيا لا يورثون.[342]

عن ام هاني ان فاطمه قالت لابي بكر من يرثك اذامت؟ قال: ولدي واهلي. قال: فما بالك ثرث رسول الله الذي جعله لنا و صار فيئناالذي بيدك؟ فقال: سمعت رسول اله يقول: انما هي طعمة اطعمناالله فاذامت كانت بين المسلمين.[343]

جائت فاطمه عليها السلام الي ابي بكر فقالت: اعطني ميراثي من رسول الله. قال: ان الانبياء لا يورثون ماتركوه فهو صدقه.[344]

Jedenfalls: Abu Bakr bezog sich auf jenes fragwürdige Zitat und verwehrte damit Hadrat-e-Fātimah (a.s.) das Erbe ihres Vaters.

Dieser von ihm angeführte " Hadit" aber ist nicht zuverlässig und zwar aus vielerlei Hinsicht.

Er steht im Widerspruch zu den Worten des
Koran ...

Das Zitat, das Abu Bakr anführt, steht im Widerspruch zu jenen Koranversen, die völlig unmißverständlich kundtun, daß die Propheten wie andere Menschen auch ihren Erben ihr Eigentum hinterlassen. Und wie unsere Unfehlbaren Imame (a.s.) wissen lassen, ist jeder Hadit, der

(202)

eine dem Koran widersprüchliche Aussage beinhaltet, unglaubwürdig und zu verwerten.

Als Beispeil der vierte Vers der Sure 19, Mariam:

ذكر رحمه ربك عبده ذكريا اذنادي ربه نداء خفياء قال رب اني وهن العظم من ورائي و كانت امراتي عاقرا فهب لي من لدنك وليا يرثني و يرث من آل يعقوب واجعله رب رضي

Ein lehrreicher Bericht über die Barmherzigkeit deines Herrn gegen Seinen Diener Zacharias.

Als dieser seinen Herrn anrief und sprach:

Mein Herr! Ich bin nun alt und schwach geworden, mein Haupt schimmert in Grauhaarigkeit, doch niemals, mein Herr, bin ich enttäuscht worden in meinem Gebet zu Dir. Nun aber fürchte ich meine Verwandten nach mir, und mein Weib ist unfruchtbar. Gewähre du mir darum einen Nachfolger, auf daß er mein Erbe sei und Erbe von Jakobs Haus. Und mache ihn, mein Herr, Dir wohlgefällig. -

Es wurde berichtet:

Zacharias hatte Vettern, die unguten Charakters waren. Wenn er nun ohne Nachkommen blieb, würden diese seine Vettern seine Hinterlassenschaft erben. Er befürchtete, daß sie sein Erbe antreten und es für sündige Zwecke verwenden könnten . Darum bat er Gott:

Ich bin in Sorge über meine Vettern, die meine Erben sein werden, wenn ich keine Nachkommen habe.

Darum, O Gott, schenk mir in Deiner Huld ein Kind, das mich beerben wird und zu jenen gehört, denen Dein Wohlgefallen gehört.

Zacharias Bitte wurde erhört. Gott schenkte im Johannes ...

Aus dem zitierten Koranvers geht hervor, daß auch die Propheten erben und vererben. Ansonsten wäre das Motiv seiner Bitte (der Bitte des Zacharias) hinfällig gewesen. Einige sagen:

Es ist möglich, daß das Erbe des Zacharias in seinem Wissen und seiner Weisheit bestand, nicht aber in materiellen Werten,-

daß Zacharias ein Kind, einen Erben herbeisehnte, dem er sein Wissen,seine Weisheit und seinen Glauben vererben konnte und der sich für die Verbreitung und Verkündung des Wortes Gottes einsetzen würde.-

Bei ein wenig Nachdenken aber wird deutlich, daß diese Wahrscheinlichkeit auf äußerst schwachen Füßen steht und nicht anzunehmen ist, denn:

Erstens wird in dem genannten Vers das Wort "Yarito", mit dem materielles Erbe gemeint ist, verwendet, und solange es keinen

(203)

echten,triftigen Gegenbeweis gibt, ist es in dieser Bedeutung zu verstehen.

Zweltens:Handelte es sich um materielles Erbe, so war die Befürchtung des Zacharias begründet. War es aber geistiger Art, so war sie unverständlich. Und waren geistig - geistliche Bücher und Werke gemeint, ... ,nun, so fallen diese ebenfalls in das Ressort:

"Materielles Erbe".

Wenn es heißt, Zacharias sei deswegen in Sorge gewesen, daß Glaubenswissen und Religionsgesetz in "schlechte Hände" geraten und durch seine Vettem mißbraucht werden könnten, so wäre dieses ebenfalls unbegreiflich, da es doch seiner prophetischen Aufgabe entsprach,derartiges Wissen der Allgemeinheit zugänglich zu machen und zu vermitteln, davon durfte er auch seine Vettern, auch nicht als mögliche Erben, ausschließen!

Darüberhinaus: Wenn ihm ein Kind geboren werden sollte, so war es dennoch möglich, daß seine Vettern, die ja ebenfalls - wie alle anderen _ über Glaubensdinge und Schari'ah erfahren hatten, diese Kenntnisse mißbrauchten. Befürchtete er aber, daß Geheimnisse und Kenntnisse, die nur er wissen durfte, seinen Vettern offenkundig und von diesen zu finsteren Zwecken genutzt werden könnten?? Nein, sicher nicht, denn das Wissen über Glaubensgeheimnisse war in seiner Hand, - es lag immerhin an ihm selbst, ob er seine Vettern darüber in Kenntnis setzte oder nicht! Er brauchte sie ihnen nicht mitzuteilen! Zudem wußte Zacharias, daß Gott weder prophetisches Wissen noch Glaubensgeheimnisse in "schlechte Hände"geraten lassen würde, weshalb eines diesbezüglichen Erbes wegen Besorgnis deplaciert gewesen wäre!!

Denkbar ist auch, daß der eine oder andere emwendet:Hadrat - e _ Zacharias war deswegen in Sorge, weil er befürchtete, daß seine Neffen die Religion und das Wort Gottes entstellen könnten,-

daß er deswegen Gott um einen tugendhaften Erben, der Religion und Gottes Wort bewahren und verbreiten würde, anflehte ...

Aus diesem Grunde sei mit dem "Erbe" in diesem Koranvers"geistiges Erbe", das Erbe "Religion und Glaubenswissen" gemeint, nicht abar irdisches Gut.

Auch dieser Einwand ist nicht ohne Schwachstellen. Deswegen, weil Zacharias sich ganz gewiß darüber im klaren war, daß Gott die Menschheit nie ohne Propheten oder Imam sein lassen würde. Darum kann nicht angenommen werden, daß Zacharias befürchtete, die Religion Gottes könnte "verwahrlosen", könnte ohne Schutz bleiben ...

(204)

Andererseits: Wenn er einen Nachkommen wollte, der seine Nachfolge antrat und Hüter und Bewahrer des Wortes Gottes war, so brauchte er nicht zu bitten:

O Gott, gib mir einen Nachkommen, der mein Erbe antritt und gut und

tugendhaft ist! -

Dann hätte er wohl gesagt:

O Gott! Ich befürchte, daß nach mir Deine Religion ins Schwanken gerät.Darum bitte ich Dich, nach mir - zum Schutze Deiner Religion einen Propheten zu entsenden. Ich hätte gern, wenn dieser mein Nachkomme wäre.

Schenk mir einen Nachkommen, den du mit der Prophetschaft betraust. -

Abgesehen davon:

Wenn es um "geistiges Erbe, um Wissen und Prophetschaft"

gegangen wäre, wären die Worte

رب واجعله رضي

unnötig gewesen. Immerhin wußte Zacharias, daß Gott niemals unrechte,üble und leichtfertige Männer zu Propheten ernennen würde. Somit hätte Zacharias nicht gesagt:

O Gott! Laß meinen Nachkommen - d.h. den Propheten nach mir gut und tugendhaft sein! -

Es ist daher offensichtlich, daß das väterliche Erbe, das Johannes (Yahyā) antrat, materieller Art gewesen sein muß .Der genannte Koranvers bringt deutlich zum Ausdruck, daß die Propheten wie andere Menschen auch erbberechtigt und erbhinterlassend sind.

Der Hadit,den Abu Bakr anführt,ist nicht glaubwürdig, zumal auch die Hadit-Wissenschaft uns lehrt, daß ein Hadit, der der Aussage des Koran widerspricht, nicht zu akzeptieren ist.

Aus diesem Grunde bediente sich Hadrat - e - Fātimah(a.s.) ,die in Gottes Wort, Religionsgesetz, in Glaubensdingen und Haditen bestens bewandert und von dem Propheten und Ali Ibn Abi Tālib unterwiesen und ausgebildet worden war, dieses Koranverses:

Ein weiterer Koranvers, der in diesem Zusammenhang genannt wird,

ist folgender:

و لقد آتينا داود و سليمان علما و قالا الحمدلله الذي فضلنا علي كثير من عباده المومنين. و ورث سليمان داود و قال يا ايها الناس علمنا منطق الطير و اوتينا من كل شيئي ان هذالهو الفضل المبين.

"Wir gaben David und Salomo Wissen. Sie sprachen:

Gepriesen und gedankt sei Gott, der uns vor vielen Seiner gläubigen Diener auszeichnete.

Salomo trat das Erbe Davids an und sagte:

(205)

Der Vögel Sprache ist uns gelehrt worden und alles ward uns gegeben, Dieses ist fürwahr offenkundige Huld! 340

Auch in diesem Vers spricht Gott:

ورث سليمان داود.

Das Wort "Warāt" aber bedeutet, daß Salomo das Erbe, das David hinterließ,antrat, -

ein materielles Erbe, denn solange kein fundierter Gegenbeweis vorhanden ist, ist dieses Wort,dieses Erbe, in diesem Sinne zu verstehen.

Daher zitierte Fātimah – Zahrā (a.s.),die im Hause, dem Zentrum der Hinabsendung der göttlichen Offenbarung - des Koran - erzogen worden und aufgewachsen war, als Begründung diesen Vers.

Ein weiterer Einwand:
Wenn der "Hadit",auf den sich Abu Bakr berief, auf Wahrheit beruhte, so müßte er für die gesamte Hinterlassenschaft des Propheten Gültigkeit gehabt haben. Demzufolge hätte nichts, was er besessen hatte - einschließlich Kleidung,Schwert, Panzerhemd, Reit - und Nutztiere u.s.w. seinen Erben übergeben werden dürfen, -

alles wäre dann dem Bayt - ul - Mal zugeteil worden.

Doch diese private Habe ging, wie uns die Geschichte mitteilte, auf seine Erben über.

Nirgendwo und durch nirgendwen wurde geschrieben, daß Abu Bakr Gewänder, Schwert, Kettenhemd, Haushaltsgegenstände des Propheten und dergleichen dem Bayt - ul - Mal zugesteuert hätte.

Im Gegenteil! Wie wir schon erwähnten, blieben die Wohnungen des Propheten seinen Frauen vorbehalten und seine weitere persönliche Habe wurde seinen Erben zugeteilt.

Dieses aber weist auf eine weitere Schwachstelle jenes besagten"Hadit", den Abu Bakr erwähnt, hin.Zudem wird klar, daß er selbst von diesem "Hadit" nicht "überzeugt"war, denn sonst hätte er ihm im Hinblick auf die gesamte Hinterlassenschaft des Propheten Wert und Gültigkeit beigemessen.

Warum hatte Abu Bakr, der behauptete, daß der Prophet gesagt habe:'lch vererbe nichts! Was ich hinterlasse, ist als "Sadaqah'zu behandeln' weshalb er(Abu Bakr)Fātimah ihr Erbe vorenthielt - dann nicht den Frauen des Propheten dessen Wohnungen, in denen sie lebten, ebenfalls genommen?

Warum verlangte er dann nicht auch die weitere Habe des Propheten als "Sadaqah"und dergleichen?

(206)

Und noch Hinweis

Wenn es tatsächlich so gewesen wäre, daß die Propheten ihren Erben nichts hinterlassen, hätta Hadrat - e – Muhammad(s.a.s.)gewiß seine Tochter Fātimah und Ali Ibn Abi Tālib(a.s.) darauf aufmerksam gemacht und ihnen mitgeteilt, daß seine gesamte Hinterlassenschaft als'Sadaqah" zu betrachten und zu verwenden sei! Dann hätte er ihnen doch ganz sicherlich gesagt, nach seinem Tode nicht seine Habe als Erbe anzufordern, um dadurch Uneinstimmigkeiten, Konflikten und Zerwürfnissen vorzubeugen!

Selbstverständlich hatte er gewußt, daß seine Angehörigen sich an das allgemeine Erbgesetz des Koran halten und dementsprechend - wie alle anderen Muslime auch - auf die Einhaltung der koranischen Erbregelung Wert legen und pochen werden.

Es ist daher unvorstellbar, daß er sie auf jene Bestimmung, auf die sich Abu Bakr stützte, nicht hingewiesen hätte, so diese auf Wahrheit beruhte. Schließlich ging es ihm, dem Gesandten Gottes, um Frieden und Harmonie in der Gemeinschaft der Muslime, weswegen er alles vermied und verhütete,was die Einigkeit in ihren Reihen irgendwie stören und gefährden konnte! -

Anzunehmen, daß er über eine derartige Regelung, die Abu Bakr als Prophetenwort, als "Hadit", anführte, Fātimah und Ali(a.s.)nicht unterrichtete und damit inpraxi ihr Zerwürfnis mit Abu Bakr und dessen Kalifat ausgelöst hätte, ist undenkbar! Ausgeschlossen!

Einige meinten: Es war nicht notwendig, daß er Fātimah und Ali (a.s.)auf diese Regelung hinwies. Es reichte völlig, daß er Abu Bakr, der das Kalifat antrat, darüber informierte.

Er - Imam und Kalif der Muslime - mußte für die Durchführung der göttlichen Anordnungen sorgen, weswegen der Prophet ihn über diese Bestimmung in Kenntnis gesetzt hatte.-

Dieses ist jedoch nicht korrekt gedacht. Erstens, weil Abu Bakr zu Lebzeiten des Propheten nicht zum Kalifen ernannt worden war, so daß Muhammad (s.a.s.)ihn über die göttlichen Regelungen und Weisungen speziell unterrichet hätte!

Zweitens: Bestimmungen zum Erbe, die der allgemeinen Erbregelung nicht entsprechen - die also Ausnahmeregelungen sind - gehen gewiß in erster Linie die Erben selbst an! Diese mußten über sie Bescheid wissen, um nicht deplacierte Forderungen und Ansprüche zu stellen, auf daß Fehde und Uneinigkeiten zwischen ihnen und dem Kalifat vermieden werden konnten.

(207)

Ist denn wohl allen Ernstes anzunehmen, daß Ali Ibn Abi Tālib (a.s.),der die "Schatztruhe"des Glaubenswissens und Fātimah(a.s.), die in der Obhut des Propheten aufgewachsen und erzogen worden war, über eine derartige gravierende Angelegenheit, die sie zudem persönlich betraf, nicht informiert worden seien, wohl aber Abu Bakr, der von den elementarsten Glaubensregelungen und - bestimmungen des Islam keine Kenntnis hatte?! Oder kann etwa gesagt werden, daß Fātimah (a.s.) - bei ihrer Unfehlbarkeit und Sündlosigkeit! - von Abu Bakr etwas forderte, das den Anweisungen ihres Vaters widersprach??

Daß sie Anspruch auf Erbe erhob, Ohwohl ihr dieses nicht zustand?? Ist wohl zu argumentieren:

AIi(a.s.)wußte über sämtliche Glaubensdinge und göttlichen Bestimmungen und Gebote Bescheid, doch - trotz seiner Unfehlbarkeit, Reinheit, Tugendhaftigkeit und Gottesfurcht, trotz seines außerordentlichen Gerechtigkeitssinnes, seiner Aufrichtigkeit und seines hohen Bestrebens,die göttlichen Weisungen zu praktizieren - habe er Fātimah (a.s.)unterstützt,entgegen dem Wort des Propheten das Erbe ihres Vaters anzufordern und in diesem Zusammenhang eine soich ausführliche und bewegende Rede in der Moschee zu halten??

Es ist nicht anzunehmen, daß irgend jemand, der sich sein Gewissen und seinen Gerechtigkeitssinn wach und emfindsam erhalten hat, so denken kann!!

Auch dieses Argument sei noch erwähnt:
Abu Bakr ordnete in seiner Todesstunde an, seinen Leichnam in der Gruft des Propheten zu bestatten. Dazu hatte er zuvor die Genehmigung seiner Tochter Ayschah erhalten. Wenn er aber gemäß dem von ihm zitierten "Hadit"vorgegangen wäre, hätte er dazu nicht die Erlaubnis Ayschahs erbitten müssen, sondern die der muslimischen Öffentlichkeit, da seinem Zitat zufolge auch die Gruft des Propheten als "Allgemeinbesitz"zu werten war!!

Erklärung:
Das,über das der Prophet verfügt hatte, ist in zwei Kategorien aufzuteilen:

a) jener Besitz, der allen Muslimen,d.h.der muslimischen Öffentlichkeit gehörte und zum "Bayt - ul - Mal zählte:

Da der Prophet Oberhaupt der Muslime war, bestimmte er, was mit

(208)

derartigen Gütern zu geschehen hatte. Er setzte sie daher im Sinne des Allgemeinwohles, des Wohlergehens der Muslime ein.

Derartiger Besitz war also religionsgesetzlich gesehen "Öffentliches Eigentum", über das der Islamische Staat bzw. der Herrscher der Muslime im Sinne der Allgemeinheit verfügte und das daher vom "Erbgesetz" ausgeschlossen war.

Nach dem Tode des "Hākim schar" ging derartiger Besitz in den Befugnisbereich dessen Nachfolgers über, -

wohlgemerkt als "Öffentlicher Besitz", nicht als "Privateigentum".'

Auch Hadrat- e -Fātimah (a.s.)forderte derartige' Güter nicht als "Erbe", nicht als "Privatbesitz" an.

Sie erhob vieimehr Anspruch darauf,weil sie die Herrschaft Abu Bakrs nicht anerkannte, ihren Gatten Ali Ibn Abi Tālib(a.s), den der Prophet persönlich als seinen Kalifen und Nachfolger vorgestellt hatte, als "Amir ul Muslimin",als rechtmäßiges Oberhaupt verstand.

Sie verteidigte damit inpraxi das Recht ihres Mannes.

Der von Abu Bakr zitierte "Hadit" aber betraf nur die persönliche Hinterlassenschaft des Propheten, nicht aber die gesamte!

b) Privatbesitz des Propheten

Als Person stand Hadrat - e - Muhammad(s.a.s.)wie allen anderen auch das"Recht auf Eigentum"zu. Das,was er sich durch eigener Hände Fleiß - und selbstverständlich auf legalem Wege! - erarbeitet hatte, gehörte ihm, war sein "Privateigentum". Sämtliche Regelungen und ' Bestimmungen zu" Privateigentum und Erbregelung" hatten diesbezüglich Gültigkeit. Daß er im Besitze von derartigem "Privateigentum" war, ist nicht anzuzweifeln.

Einiges wurde ihm durch seinen Anteil an Eroberungsgewinnen, dem "Sahm Ganā'im"(wir sprachen bereits darüber)zuteil. Was diesen Privatbesitz betrifft, gelten die entsprechenden göttlichen Bestimmungen einheitlich für den Propheten und alle Muslime, und damit auch die Erbregelungen.

Diesen persönlichen, privaten Besitz,den der Gesandte Gottes hinterließ,forderte Hadrat - e - Fātimah(a.s.) - seine Tochter - als Erbe an!

Ibn Abi-l-Hadid schreibt Fātimah schickte jemanden zu Abu Bakr

und ließ diesem ausrichten: .

Bist du Erbe des Gesandten Gottes oder ist es seine Familie? Abu Bakr hatte geantwortet Seine Familie ist Erbe!

Darauf sie:Was ist dann aber mit dem "Anteil des Propheten". seinem "Sahm".

(209)

In bezug auf derartigen Besitz bestand zwischen dem Gesandten Gottes und Abu Bakr kein Unterschied. Auch Abu Bakr, der sich als Statthalter des Propheten bezeichnete, besaß Privateigentum, das er als späteren Besitz seiner Erben verstand.

Er hatte somit auch den privaten Besitz des Propheten als Eigentum dessen Erben zu betrachten und behandein!

Darum sagte Fātimah - Zahrā (a.s.) zu Abu Bakr:

Deine Töchter erben von dir, die Töchter des Propheten aber sollen nicht ihren Vater beerben können? -

Abu Bakr entgegnete: Ja, genauso ist es! [347]