Drittes Kapitel: Fātimah im Hause Alis ...

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Drittes Kapitel:

Fātimah im Hause Alis ...

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Fātimah (a.s.) lebte also nun bei Ali (as.),ihrem Mann. Aus dem Elternhaus - dem Zentrum der Prophetschaft - war sie ausgezogen und zu ihrem Gatten, dem Ausgangspunkt des Imāmats und Wilāyats, [71] gekommen.

Er war Oberbefehlshaber des islamischen Heeres, Vetrauter und Sonderberater der höchsten Persönlichkeit des Islamischen Staates.

In seinem Hause schaltete und waltete sie nun und hier, an der Seite Alis (a.s), entfaltete sie sich zur großen Lehrerin jeder Muslima.

Sie wußte, sie mußte praktisches Vorbild sein, damit sich alle Mütter und Gattinnen der islamischen Gesellschaft an ihr orientieren konnten und ihr Verhalten, Wissen und ihre Gesinnung allen Frauen der Welt ein Fenster zum Lichte,dem Lichte des Islam zu sein vermochten.

Walten und Schalten im Hause

Das einzige Haus, die einzige Familie, deren Stützen - d.h. Gatte und Gattin - frei von Sünde und Fehl waren und sich durch höchste menschliche Tugend und Vollkommenheit auszeichneten, war die Alis und Fātimahs (a s.).

Ali war Vorbild und Prototyp eines wahren Muslim und Fātimah-Zahrā Vorbild und Prototyp einer wahren Muslima.

Hadrat-e-Ali (a.s.) war im Hause des Propheten, in dessen Hause, in dessen Obhut aufgewachsen. In ihm äußerten sich edelste Eigenschaften, höchste menschliche Tugenden und tiefer Glaube an Gott.

Auch Fātimahā-Zahrā (a.s.) war, wie Ali, in der Fürsorge ihres Vaters großgeworden. Er war ihr Lehrer, er formte und prägte ihre außergewöhnlich edle Gesinnung und Persönlichkeit. Sie war seit ihren ersten Kindheitstagen mit den Worten des Koran vertraut.

Und ebensO Ali (a.s.).

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Tag und Nacht waren Verse aus dem Heiligen Koran, die der Prophet mit seiner wohlklingenden Stimme rezitierte, an ihr Ohr gedrungen. Sie wußten über die göttliche Offenbarung, über Mitteilungen, die aus himmlischen Welten kamen.

Über die Wahrheiten und Wissensdinge des Islam erfuhren sie vom Gesandten Gottes selbst, der ihnen praktisches Vorbild für islamische Gesinnung und muslimisches Verhalten war und in dessen Vorgehen sich das, was er sie lehrte, widerspiegelte.

Es ist daher völlig verständlich, daß sie - Ali und Fātimah - bestes Vorbild sind für ein ideales Ehepaar, daß ihr Miteinander praktisches Beispiel ist für optimale Partnerschaft, für ein optimales Familienleben, für ein optimales

Elternhaus.

Ihr gemeinsames Heim war ein Ort der Liebe und Fürsorge

füreinander. "Er" und "sie" bemühten sich in aller Freundschaft und Zusammenarbeit um die Regelung ihres Haushaltes und Lebens. Sie halfen und vertraten einander.

Zu Beginn ihrer jungen Ehe gingen sie zu Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) und fragten ihn, wie sie seiner Meinung nach die Aufgaben in und außerhalb des Hauses aufteilen sollten.

Er antwortete: Die Arbeiten innerhalb des Hauses erledigt am besten Fātimah, die außerhalb des Hauses sollte Ali übernehmen.

Fātimah sagte: Gott weiß, wie froh ich bin, daß mir die außerhäuslichen

Aufgaben nicht obliegen.[72]

Fātimah-Zahrā (a.s.) war im Lichte der Offenbarung erogen worden. Sie wußte, daß Haus und Familie ein wichtger Schutzwall für sie selbst und ihre Lieben darstellten. Ihr war auch bekannt, daß sich die Frau, so sie diesen Schutzwall und Stützpunkt verläßt, um sich Dingen außerhalb des Hauses und der Familie zuzuwenden, nur schwerlich in der rechten Weise ihren mannigfaltigen Verpflichtungen und Aufgaben als Mutter, Gattin und Hausfrau nachkommen und sich nicht so intensiv um die Erziehung ihrer Kinder kümmern kann, wie es sein müßte.

Darum war sie mit dieser Aufgabenaufteilung, die ihr Vater vorschlug, recht zufrieden. Die schwere Außer-Haus-Arbeit lag auf den Schultern ihres Mannes, - dafür war sie nicht verantwortlich.

Damit nun kein Mißverständnis entsteht:

Sie, die Tochter der höchsten Persönlichkeit im Islam, scheute keinesfalls Arbeit und Mühen. Dieses bewies sie, indem sie die zahllosen und oft mühsamen Aufgaben in ihrem Haushalt bestens erfüllte.

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Sie arbeitete so fleißig und mühte sich so sehr um Heim und Küche, daß Ali (a.s.) sich wunderte und es ihm leid tat, daß sie soviel zu tun hatte, weshalb er ihr half, wann immer es ihm möglich war.

Einem der Freunde des Propheten sagte er:

Soll ich dir was sagen? Fātimah schleppt sich so sehr mit dem Wasserholen ab, daß sich der Wasserschlauch auf ihren Schultern abgezeichnet hat. Sie mahlt so fleißig mit der Handmühle, daß ihre Hände Blasen zeigen. Sie bemüht sich so sehr um Sauberkeit und Ordnung im Hause,um das Backen unseres täglichen Brotes und die Zubereitung unserer Mahlzeiten, daß sie ganz erschöpft ist.-

Ich schlug ihr vor, zum Propheten zu gehen und ihm zu sagen, wie ermüdet sie sei, damit er ihr vielleicht eine Haushilfe zubillige.

Darum ging Fātimah zu ihm . Sah, daß er mit einigen seine Getreuen sprach. Sie genierte sich, ihm ihre Bitte vorzutragen und kehrte unverrichteter Dinge heim.

Der Prophet hatte jedoch gespürt, daß sie ihm etwas sagen wollte. Darum kam er am nächsten Morgen zu uns. Er setzte sich zu uns und sagte:

Fātimah, mein Kind! Warum bist du gestern zu mir gekommen?

Fātimah jedoch war so verlegen, daß sie kein Wort über die Lippen brachte. Darum antwortete ich an ihrer Stelle:

O Gesandter Gottes!Fātimah hat soviel Wasser heimzubringen, daß sich die Halteriemen des Wasserschlauches auf ihren Schultern abgezeichnet haben. Sie hat soviel Getreide zu Mehl gemahlen, daß ihre Hände Blasen zeigen,-

sie fegt und putzt, wäscht und kocht so fleißig, daß sie ganz erschöpft ist. lch empfahl ihr daher, es dir zu sagen, damit du ihr vielleicht eine Hilfe schickst. Der Prophet entgegnete:

Fātimah, Liebes! Soll ich dir etwas sagen,daß dir helfen wird?:

Etwas, das besser ist als eine Hausgehilfin?

Ja? Abends, bevor du einschläfst, sage 33 mal subnan Allāh , 33 mal AI Hamd u Iillāh und 34 mal Allah u Akbar.[73]

Dieses sind insgsamt nicht mehr als hundert Gotteslobpreisungen, doch werden sie in deinem "Tatenbuch" als tausend gute Werke vermerkt,

Und wenn du diese "Dikr' [74] jeden Morgen rezitierst, wird Gott dir helfen, die Dinge deines irdischen Lebens leichter bewältigen zu können als auch im jenseitigen Leben erfolgreich dazustehen.-

Fātimah entgegnete:

Das zu wissen, lieber Vater, macht mich froh und zufrieden. Ich danke Gott und Seinem Gesandten für diesen Rat.[75]

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in einem anderen Hadit lesen wir: Fātimah (a.s.) berichtete ihrem Vater von ihrer vielen Hausarbeit und bat ihn, ihr eine Haushilfe zu ermöglichen.

Dem Propheten traten Tränen in die Augen. Er sagte:

Fātimah, mein Liebes! In der Moschee haben vierhundert Arme und Obdachlose Unterkunft erhalten. Sie haben weder zu essen noch etwas rechtes, womit sie sich kleiden können.

Ich befürchte, wenn in dieser Notzeit eine Hausgehilfin zu dir kommt (die ja entlohnt werden muß!), wird die göttliche Belohnung, die für deine Mühen und Verdienste in deinem Haushalt vorgesehen ist, erlöschen.

Er lehrte sie nun das (eben erwähnte) "Tasbih Hadrat-e-Fātimah-Zahrā". Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) sagte zu ihr:

Du bist um weltlicher Dinge wilien zum Propheten gegangen. Stattdessen wurde dir beglückende göttliche Belohnung, die dir im Jenseits zuteil werden wird, verheißen.75

Eines Tages ging Hadrat-e-Muhammad zum Hause Alis und Fātimah. Er sah, wie sie beide mit Getreidemahlen beschäftigt waren und fragte:

Wer von euch ist am meisten ermüdet?

Ali (a.s.) antwortete: Fātimah.

Da setzte sich der Prophet auf Fātimah Platz nieder, übernahm ihre Arbeit und half Ali mit.[76]

Ğābir berichtete: Der Prophet sah Fātimah, wie sie in einem abgetragenen Kleid Getreide mahlte, wärrenddessen in ihrem Schoße ihr Kind lag und an ihrer Brust trank.

Seine Augen wurden feucht. Er sprach:

Mein Kind! Liebes! Ertrage die Mühen und Härten des Diesseits um der beseligenden Freuden des Jenseits willen-

Sie: O Gesandter Gottes! Ich preise und danke Gott für seine Huld. Daraufhin kam dieser Koranvers hernieder:

"Gott wird dir am Tage der Auferstehung soviel Wunderbares schenken, daß du beglückt sein wirst!!"[77]

Imam Sädiq (a.s.) erklärte: Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) sorgte für

Wasser und Brennholz, das im Haus benötigt wurde und fegte Haus und Hof.

Fātimah (a.s.) mahlte das Getreide, bereitete aus ihm den Teig zu und buk

mit ihm das Brot.[78]

Eines Tages erschien Bilāl ein wenig später als gewöhnlich zum

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Morgengebet. Der Prophet fragte ihn nach dem Grund. Bilāl antwortete:

Auf dem Weg zur Moschee kam ich am Hause Alis und Fātimahs vorbei. Ich sah, wie sie Getreide mahlte, während ihr Kind weinte.

Darum sagte ich zu ihr:

Laß mich dir helfen! Sie antwortete:

Das Kind zu beruhigen ist mir eher gegeben. Wenn du möchtest, kannst du mir beim Getreidemahlen behilflich sein.-

Ich übernahm also das Mahlen, weswegen ich später als sonst zum Gebet erschien.

Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) sprach:

Du hast Mitleid mit Fātimah gehabt. Gott wird Mitleid mit dir haben[79]

Liebevolle,fürsorgliche Gattin

Ihr Mann war also die zweitwichtige Persönlichkeit der islamischen Gesellschaft und oberster Befehlshaber des Heeres, war stark, edel und gut. Und sie, Fātimah, erkannte sehr wohl die hohe Verpflichtung, die ihr oblag. Sie wußte, wie bedeutend er, Ali, für die Verbreitung des Islam und das Wohlergehen der muslim ischen Gemeinde war.

Das Heer mußte immer mobil und bereit sein, feindliche Angriffe abwehren zu können. Jedes Jahr hatte es mehrere Kämpfe zu bestehen,denn immer und immer wieder wurden die Muslime von den mekkanischen Götzendienern behelligt und überfallen.

Ali (a.s.) aber war nahezu bei allen Gefechten als Feldherr zugegen und die feindlichen Truppen fürchteten sein Schwert. Fātimah Zahra war sich seiner Stellung und Aufgabe und damit ihrer großen Verantwortung bewußt. Auch des Einflusses, den die Frau auf Gesinnung und Haltung ihres Ehemannes hat.

Es war ihr keinesfalls unbekannt, daß eine kluge Frau ihren Mann in jede von ihr gewünschte Richtung zu lenken vermag und daß sein Glück oder Unglück, sein Fort- oder Rückschritt weitgehend von ihrem Verhalten und ihrer Moral abhängig sind.

Sie wußte, daß das gemeinsame Heim Ort der Ruhe und Entspannung für "ihn" sein sollte, zu dem er abends - müde und erschöpft von den Mühen und Kämpfen an den verschiedenen Fronten des täglichen Lebons außer Haus - gern zurückkehrt und hier, in dieser "schützenden

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Burg", Zuflucht und Frieden sucht.

An "ihrer" Seite, im Miteinander mit "lhr", im eigenen Heim, in dem sie wirkt, schaltet und waltet und das sie ihm behaglich macht, kann er sich

entspannen und Kraft und Energie tanken für ein neues Morgen ....

Dafür zu sorgen und das Haus so zu verwalten, daß es allen - Mann, Kindern und ihr selbst - zu einem wirklichen Zuhause wird, obliegt ihr. Aus diesem Grunde, dieser ihrer hohen Verantwortung und Verpflichtung wegen, bezeichnet der Islam es als "Ğihād", als" ihren" Ğihād 53 ,wenn sie dieser ihrer Aufgabe gerecht wird, wenn sie ihrem Mann eine gute, fürsorgliche und umsichtige Gattin ist...[80]

Fātimah-Zahrā wußte, daß ihr Mann dann erfolgreich sein konnte, wenn er, was sein privates häusliches Leben betraf, keine Sorgen zu haben brauchte und sich ihrer Liebe, Treue, Umsicht und Klugheit sicher sein konnte, wenn sie ihn mit ihrer Zärtlichkeit und Zuneigung stärkte und ihm die Gewißheit gab, sich in jeder Hinsicht auf sie verlassen zu können. Und sie, ja, sie verhielt sich dementsprechend, widmete sich ihrem Mann in den Stunden seines Daheim-Seins mit besonderer Aufmerksamkeit, war liebevoll und freundlich.

Kam er , der große Kämpfer und Held, ermattet von einem Gefecht heim, umgab sie ihn mit hingebungsvoller Fürsorge und ließ ihn immer wieder aufs neue wissen und fühlen, bei ihr, an ihrer Seite, wirklich zu Hause zu sein.

Sie verband ihm die Wunden, wusch seine verstaubte Kleidung, kräftigte ihn mit Speise, herzlichen Worten und freundlich-lächelndem Blick ... ,

lauschte aufmerksam seinen Erzählungen und Berichten von der Front.

Sie kümmerte sich um alles, tat, was in ihren Kräften stand, gab sich alle erdenkliche Mühe, es ihm recht zu machen und sorgte zudem für den Vater.

Wir wissen aus der Geschichte,daß ihr Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.), als er vom Kriege Uhud heimkam, sein Schwert reichte und bat:

Wasch bitte das Blut, das an ihm haftet, ab. -

Die gleiche Bitte richtete Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) an sie.[81]

Sie lobte und rühmte ihren Mann wegen seiner Tapferkeit, Gewandtheit und seines Edelsinns und gab ihm dadurch für weitere Kämpfe - die Muslime hatten sich wegen der vielen feindlichen Übergriffe stets zu verteidigen - neue Kraft und Energie. Ihre Zärtlichkeit ließ seine Müdigkeit verfliegen, gab seinen erschöpften Gliedern frische

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Lebendigkeit.
Ali (a.s.) sagte:

Wenn ich heimkam und Zahrā ansah, schwanden aller Kummer, alle Sorgen...[82]

Niemals verließ Hadrat-e-Fātimah (a.s.) ohne das Einverständnis ihres Mannes das Haus und niemals erzürnte sie ihn.

Gemäß der islamischen Weisung:

Gott wird Gebete und Fasten einer Frau, die ihren Mann erzürnt, nicht anerkennen - solange nicht, bis daß sie ihren Mann wieder versöhnt hat. [83]

Niemals log sie, sprach immer die Wahrheit. Sie betrog und hinterging ihn nicht und tat, was er, Ali Ibn Abi Tālib (a.s.), sagte.

Ali (a.s.) berichtet:

Bei Gott! Niemals tat ich etwas, daß sie verärgert hätte, und ebenfalls hat Fātimah mich niemals ärgerlich gemacht.[84]

In der letzten Stunde ihres Lebens sagte Zahrā (a.s.) zu Ali (a.s.):

Vetter, niemals hast du erlebt, daß ich dich betrogen oder belogen hätte! Und seit jenem Tage, da wir einander gehören, habe ich niemals deinem Wort zuwidergehandelt. -

Ali ibn Abi Tālib (a.s.) antwortete:

O Tochter des Propheten! Es ist undenkbar und unmöglich, daß du dich in meinem Hause nicht recht verhalten hättest! Du bist stets so gut, freundlich und tugendhaft gewesen, daß niemals an dir etwas auszusetzen war. Mein Liebes! Meine liebe Frau, dieser Abschied von dir, diese Trennung ist mir unendlich schwer, -

doch dem Tod kann man nicht entfliehen![85]

Daß Hadrat-e-Ali (a.s.) hinsichtlich seines Privat- und Familienlebens keinerlei Kummer und Sorge hatte und zudem des Lobes und Beifalls seiner Frau Fātimah-Zahrā (a.s.) gewiß sein konnte, führte - u,a,- zu seinen strahlenden Erfolgen. Niemand sollte aber nun denken, daß Ali Ibn Abi Tālib zu jenen Männern gehörte, die hunderterlei Erwartungen und Wünsche an ihre Frau stellen, selbst aber zu keinerlei Verpflichtung bereit sind, die sich als unumschränkter Herr und Besitzer ihrer Gattin dünken und diese als Leibeigene oder ähnliches behandeln.

Keinesfalls war dem so!

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Ali (a.s.) war sich dessen bewußt, daß zu gleicher Zeit, da er gegen den Feind große Erfolge erfocht, seine Frau ebenfalls ihren" Ğihād "führte, d.h. im häuslichen Bereich ihren zahlreichen Aufgaben nachkam, als auch dringende außerhäusliche Angelegenheiten erledigte.

Sie hatte während seiner Abwesenheit die inner- wie außerhäuslichen Belange zu regeln. Sie kochte das Essen, wusch die Wäsche, hielt das Haus sauber, versorgte die Kinder, behütete und erzog sie mit aller Hingabe.

Während der schweren Kriegszeiten, wenn Lebensmittel knapp geworden waren, bemühte sie sich darum, den Hunger ihrer Kleinen dennoch irgendwie zu stillen und die Not zu meistern. Zudem kam die seelische Belastung, die ein jeder Krieg nun einmal - insbesondere für Frauen, deren Lieben an der Front kämpfen - mit sich bringt.

Kurz: Sie hatte gewappnet und stark zu sein, um mit den vielen Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert war, fertigwerden zu können.

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) verstand, daß auch sie, die im Hause waltende und schaltende Frau und Mutter, ein "Soldat an der Front" war, der wie jeder andere Kämpfer auch des Lobes und Zuspruchs bedarf.

Darum erkundigte er sich, wenn er nach Hause kam, zunächst einmal nach ihrem Befinden, nach dem, was während seiner Abwesenheit geschehen und welchen Problemen und Engpässen sie gegenübergestanden war. Er ermutigte und lobte sie und schenkte ihr durch seine Zärtlichkeit, sein Mitgefühl und Verständnis neuen Daseinsmut, gab ihr die Kraft, durchzuhalten und "weiterzukämpfen".

Ali (a.s.) verstand:

Ebenso wie der Mann "ihres" Beifalls, Trostes und Zuspruchs benötigt, bedarf auch "sie" "seiner" Ermutigung, Fürsorge, Liebe, Bestätigung und seines Verständnisses.

Sie - Ali und Fātimah (a.s.) - waren ein vorbildliches Ehepaar. Sie kannten ihre gegenseitigen Verpflichtungen und Aufgaben und entsprachen diesen in optimalster Weise.

Sie beide sind uns Beispiel für hohe Moral, edle Gesinnung und rechte eheliche Partnerschaft.

Aber das wäre auch nicht anders zu erwarten gewesen, hatte doch der Prophet am Abend ihrer Hochzeit gesagt:

Deine Frau, Ali, ist die beste Frau der Welt! und zu Fātimah:

Dein Mann, mein Kind, ist der beste aller Männer! 85 Sagte Hadrat-e-Muhamrnad (s.a.s.)etwa nicht:

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Wenn Ali nicht gewesen wäre, hätte es für Fātimah keinen ihr gebührenden Gatten gegeben! [86]

Fātimah berichtet daß ihr Vater äußerte:

Die besten der Männer sind jene, die ihren Gattinnen gegenüber am freundlichsten und liebevollsten sind[87]

Und Ali (a.s.) sagte am Morgen nach der Hochzeit:

Fātimah ist mir beste Unterstützung in meinem Bestreben, Gottes Wort zu befolgen.[88]

Ihre Fürsorge für ihre Kinder .. ;

Eine der wichtigsten und verantwortungsschwersten Aufgaben Hadrat -e- Fātimah Zartras (a.s.) war die Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Sie hatte fünf Kinder:

Hassan, Hussein, Zaynab, Umm-e-Kultum und Mohssen.

Das letzte Kind, Mohssen, kam jedoch zu früh zur Welt, war eine Fehlgeburt. Für zwei Söhne und zwei Töchter hatte sie somit zu sorgen. Ihre Kinder waren keine gewöhnlichen, sonderen, wie Gott es verheißen hatte:

Sie - Fātimah-Zahrā (a.s.) - war die "Quelle" der Nachkommenschaft des Propheten.

Der Prophet hatte gesagt:

Gott ließ die Nachkommenschaft der Propheten aus deren Lenden hervorgehen, die meine jedoch aus den Lenden Alis.

Ich bin "Vater" [89] der Kinder Fātimahs.[90]

Gott hatte es so bestimmt, daß die Großen und Führenden im Islam die Nachkommen und Stellvertreter des Propheten - aus der Nachkommenschaft Hadrat-e-Fātimahs (a.s.) sein sollten.

Daher beruhte einer ihrer größten und bedeutendsten Aufgaben in der Erziehung ihrer Söhne und Töchter.

Der Begriff "Kindererziehung" ist ein allgemein bekannter und besteht aus nur wenigen Buchstaben. Doch die Bedeutung dieses Wortes ist immens wichtig, weitreichend und ernst zu nehmen.

Einige scheinen dennoch zu glauben, daß Kindererziehung darin besteht, daß der Vater die Dinge, die sein Nachwuchs benötigt, beschafft und die Mutter die Kleinen trockenlegt, badet, füttert, und achtgibt, daß sie

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nicht falllen, sich nicht verletzen.

Der Islam jedoch versteht"Kindererziehung" recht viel weitgehender

und tiefgreifender. Er begnügt sich nicht mit den ebengenannten elterlichen Teilpflichten, er will vor allen Dingen auch - neben dem leiblichen Wohlergehen des Kindes - dessen geistige Gesundheit und Entfaltung berücksichtigt wissen und betont, daß die Persönlichkeit des Kindes geweckt, geformt und gefördert werden muß! Die größte Verantwortung, die Vater und Mutter ihrem Kinde gegenüber wahrzunehmen haben, ist, alles in ihren Kräften stehende zur Entwicklung seines Geistes und seiner Persönlichkeit zu tun.

Dazu gehört, daß sie auf ihr eigenes Verhalten, ihre Worte und Äußerungen

etc. achten, da diese auf die zarte, hochsensible Psyche des Kindes Einfluß

nehmen.

Das Kind ist "Spiegel" der geistig-ethischen Haltung seiner Eltern, die seine erste und vertrauteste Umgebung sind, von der es geformt wird. Vater und Mutter sind verpflichtet, für 'die Zukunft ihres Kindes "vorzusorgen" , indem sie sich entsprechend verhalten und ihm wirkliches Vorbild sind. Sie sind verantwortlich dafür, daß ihr Kind, das von seinem Urwesen und seiner Schöpfung her unschuldig' und gut ist, nicht verdirbt und ins Elend stürzt.

Hadrat-e-Fātimah (a.s.) - selbst erzogen und großgeworden im

Schirme der göttlichen Offenbarung - wußte über diese Anschauung des Islam in bezug auf Kindererziehung, vom richtigen Vorgehen beim Stillen oder Liebkosen des Kindes angefangen bis hin zu ihrem eigenen Verhalten, Sprechen etc., das so zu sein hatte, daß es das Kind positiv beeinflußte .. ,

alles, alles bedachte und beachtete sie. Sie war sich dessen bewußt, daß sie ihre Söhne zu Imamen erziehen mußte, die der menschlichen Gesellschaft Vorbild waren und deren Gesinnung und Bildung Geist und Wahrheit des Islam widerspiegelten, deren Handeln und Vorgehen die Weisungen des Koran praxisnah veranschaulichten.

Sie hatte dafür mitzusorgen, daß Hassan Imam Hassan und Hussein Imam Hussein wurden, die in standhafter Geduld und Weisheit auszuharren vermochten bzw. unerschrocken, willensstark und von Gottesliebe durchdrungen bereit waren, sich selbst und ihre Lieben auf dem Wege Gottes hinzugeben,-

zu Verteidigung des Wortes Gottes - Seiner Religion - und um gegen

Unrecht und Tyrannei zu Felde zu ziehen.

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Und sie wußte, daß sie ihre Töchter so zu erziehen hatte, daß diese "Umm-e-Kultum" und "Zaynab" wurden, damit sie jenen Edelsinn, jene Kühnheit und jenes Wissen entwickelten und fanden, durch aufrüttelnde Reden das korrupte Gewaltregime der Bani Umayyah in den Augen der Öffentlichkeit bloßzustellen und es an seinen weiteren finsteren Vorhaben hindern zu können.

Sie unterwies Zaynab in Tapferkeit und Opfermut, auf daß diese einst in der Lage war, im Rahmen feuriger Hutbans [91] die Gesellschaft aufzuklären und Freund und Feind von Unrecht und Tyrannei des Yazid gegen ihren Bruder Hussein (a.s.) zu überzeugen.

Auch daß sie ihren ersten Sohn zu Hassan ,Imam Hassan , formen und bilden mußte, war ihr bekannt. Hassan mußte" Hassan" werden, auf daß er in jener empfindsamen und kritischen Zeit - im Interesse des Islam und der göttlichen Ziele - die erforderliche Langmut aufbrachte und schwieg, so schwer ihm dieses auch war,-

deswegen, um dadurch die Voraussetzungen zur großen kultureillen und gesellschaftlichen - der islamischen - Revolution Husseins (a.s.) zu schaffen und dieser den Weg zu ebnen.

Zudem: Durch sein Friedensabkommen mit Muaviah demonstrierte er, daß der Islam Frieden will und soweit wie möglich bereit ist, Konflikte auf friedlichem Wege zu bereinigen.

Nur auf diese Weise, nur durch langmütiges, geduldiges Vorgehen war es in der Zeit seines Imāmats möglich, Islam und Muslime zu schützen und dennoch zugleich das verderbte und tyrannische Kalifat des Muaviahs offenkundig werden zu lassen.

Ihre außergewöhnlich edelmütigen und hochgebildeten Söhne und Töchter geben Aufschluß über die hervorragende Gesinnung und Klugheit Fātimah-Zahrās (a.s.).-

Hadrat -e -Fātimah (a.s.) zählte nicht zu jenen kurzsichtigen Frauen, die in der Annahme gehen, das häusliche Milieu sei unbefriedigend, ein zu begrenzter Wirkungsbereich und gebe der Frau keine Entfaltungs- und Schaffensmöglichkeiten. Nein, Fātimah-Zahrā betrachtete ihr gemeinsames Heim, das Elternhaus ihrer Kinder, als wichtige Bildungsstätte. Sie hatte erkannt, daß das, was ihre Kinder bei ihr, in ihrer "Schule" lernten, die Grundlage war für deren späteres Verhalten und Wirken in der Gesellschaft. Das, was sie bei ihr "übten und tainierten" , würden sie einst als Erwachsene "können und praktizieren".

Hadrat - e - Fātimah (a.s.) fühlte sich als Frau niemals minderwertig,

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niemals als "Mensch zweiter Klasse". Sie empfand das Frau-Sein wunderbar und stufte Rang und Stellung der Frau hoch ein.

Sie war sich darüber im klaren, daß die Schöpfungsordnung ihr als Frau und Mutter eine große und schwere Verantwortung aufgetragen hatte und war gewillt und bereit, dieser gerecht zu werden.

"Hohe Schule in Sachen Pädagogik"

Eine "Hohe Schule" für Pädagogik im Islam" ist uns das Haus Ali Ibn Abi Tālibs (a.s.) und Fātimah-Zahrās (a.s.).

Erzieher und Pädagogen in diesem Haus sind die Eltern Ali und Fātimah. Fātimah, Prototyp und Vorbild der islamischen Frau und Mutter, und Ali, Prototyp und Vorbild des islamischen Ehemannes und Vaters.

Oberste Aufsicht führt der Prophet, Mann Nr. eins im Islamischen Staat.

Die pädagogischen Richtlinien und Programme sind vom Herrn und Schöpfer der Welten gegeben worden.

Optimalste Kindererziehung und optimalstes Resultat...

An dieser Stelle ist folgender Hinweis angebracht und zwar:

Über Details aus ihrem pädagogischen Programm ist zu unserem großen Bedauern nicht viel überliefert worden,-

zum einen deswegen, weil man in jener Zeit der Kindererziehung ganz allgemein noch nicht so hohen Wert beimaß und es daher nicht für notwendig hielt, über das pädagogische Vorgehen Hadrat-e-Muhammads, Alis und Fātimahs (a.s.) zu berichten. Zum anderen spielte sich die Erziehung der Kinder im wesentlichen im häuslichen Milieu ab, das Außenstehenden, d.h. fremden Blicken mehr oder weniger verborgen war.

Nur soviel ist mit Gewißheit zu sagen, daß Ali Ibn Abi Tālib und Fātimah so vorgingen, wie es im Heiligen Koran und in Haditen nachzulesen ist.

Dennoch, auch das wenige, was überliefert wurde, kann uns ein ungefähres Bild über ihren Erziehungsstil vermitteln.

Anzumerken ist zudem, daß ich (der Autor) nicht beabsichtige, im Rahmen dieses Buches ausführlich über "Pädagogik im Islam" zu sprechen, sondern mich nur darauf beschränken möchte, wie die Kinder Fātimah Zahrās (a.s.)- Überlieferungen gemäß - erzogen wurden.

Folgende Richtlinien beachteten die Eltern Fātimah und Ali (a.s.) ganz besonders in ihrem Erziehungsprogramm:

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1-Freundlichkeit und Güte

Viele gegen in der Annahme, daß mit der Erziehung des Kindes erst dann zu beginnen ist, wenn dieses bereits "gut" und "böse" voneinander zu unterscheiden vermag. Früher habe es keinen Sinn, heißt es. -

Diese Einstellung ist jedoch nicht richtig und, wie Pädagogen und Erzieher sagen, hat "Kindererziehung" schon gleich ab der Geburt stattzufinden.

Das, was dem Kind schon in seiner Säuglingszeit widerfährt sowie das

Verhalten von Vater und Mutter und anderen sind für seine geistig-seelische Entwicklung von hohem Einfluß. Der Grundstein zu seiner späteren Persönlichkeit wird schon in dieser allerersten frühen Daseins-Phase gelegt.

Daß, was niemandem mehr unbekannt sein dürfte und von allen Pädagogen und Psychologen bestätigt wird, ist, daß das Kind während seiner gesamten Entwicklungszeit Liebe, Zuneigung und Verständnis benötigt. Es möchte von seinen Eltern geliebt werden, braucht ihre Fürsoge und Zärtlichkeit.

Ob es in einem Palast aufwächst oder in einer armseligen Hütte, ist für das Kind nicht entscheidend und wichtig, wohl aber, ob es geliebt wird oder nicht.

Diesem Wunsch aber kann nur durch Güte und spürbare Zärtlichkeit entsprochen werden.

In hohem Maße mitbestimmend für sein Verhalten und seine künftige Persönlichkeit sind also Zuneigung und Liebe, die ihm entgegengebracht werden.

Zärtlichkeit und Wärme seiner Mutter, Freundlichkeit und Herzlichkeit seines Vaters sind es, die in ihm Liebe, Verständnis und Mitgefühl für andere wecken und ihm zu einem gesunden Sozialverhalten verhelfen.

Daß es geküßt und gestreichelt wird, ist unerläßlich, wenn wir wollen, daß es zukunftsfroh und mit positivem Blick die Welt und seine Umgebung betrachtet,-

unsere Zärtlichkeit, unser liebevolles Verhältnis zu unserem Kind sind es, die es aufgeschlossen und bereit für ein gesundes Miteinander, für ein soziales Leben sowie Zusammenarbeit und Hilfe für andere werden lassen, etwas, daß es vor Selbst-Isolation und Lebensangst bewahrt. Darüberhinaus geben diese Zärtlichkeiten und Liebkosungen dem Kinde ein gesundes Selbstwertgefühl. Es weiß sich geliebt und akzeptiert und wird demenstsprechend ohne Minderwertigkeitskomplexe und deren

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unerfreulichen Begleiterscheinungen aufwachsen können.

Ein Kind aber, dem wenig oder keine Liebe und Zärtlichkeit entgegengebracht werden, entwickelt sich im allgemeinen zu einem ängstlichen, unsicheren, gedrückten, labilen, pessimistischen, schüchternen und sich selbst von der Gemeinschaft isolierenden Menschen, ist desinteressiert an dem, was in seiner Umwelt geschieht, lustlos und schnell deprimiert. Zuweilen reagiert es auch höchst unliebsam auf die Lieblosigkeit seiner Eltern ihm gegenüber.

Es fühlt sich abgelehnt und lehnt nun seinerseits die Umwelt ab, läßt sich, um sich an dieser zu "rächen", zu Handlungen verleiten, die hin und wieder kriminellen Charakter haben,

dazu gehören Betrug, Diebstahl und Schlimmeres.

Derartiges ist Protest, ist Aufschrei, ist ein Hilferuf des Kindes, wenngleich es möglicherweise selbst damit den Anschein erwecken will, denjenigen, die es lieblos behandeln und ihm so gar keine Zuneigung entgegenbringen, zu beweisen daß es sie ebenfalls nicht mag, nicht will, nicht braucht.

Kurz: Erstes Gebot einer rechtverstandenen Kindererziehung ist, dem Kind

Liebe und Zärtlichkeit zu schenken, da es andernfalls seelisch "verdorren" wird.

Hadrat - e - Fātimah (a.s.) nahm dieses Erziehungsprinzip sehr ernst und hielt es unter allen Umständen ein. Überzeugendes Vorbild hierfür war ihr ihr Vater, der Prophet selbst.

In einer Überlieferung lesen wir:

Eines Tages, als der Prophet das Gemeinschaftsgebet abhielt, kroch ihm Imam Hussein (a.s.) ein jedes Mal, wenn er sich zum Sağdah [93] niederkniete, auf den Rücken und wippte mit seinen Beinchen. Wenn sich Prophet Muhammad (s.a.s.) erheben wollte, griff er nach Hussein, hob ihn von seinen Schultern herunter und setzte ihn neben sich auf den Boden.

Als er sich erneut zum Sağdah niederkniete, wiederholte sich das gleiche. Imam Hussein kletterte ihm auf den Rücken und der Prophet nahm ihn, als er sich aufrichten wollte, herunter und setzte ihn auf auf die Erde. Auf diese Weise verrichtete er das Gebet bis das es beendet war.

Ein Jude, der dieses beobachtet hatte, meinte: "Ihr verhaltet euch gegen eure Kinder in einer Weise, die wir ablehnen."

Der Prophet antwortete:

"Auch ihr würdet, wenn ihr Gott und Seinen Gesandten befolgtet, gegen eure Kinder liebevoll und nachsichtig sein. -

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Den Juden beeindruckte das Verhalten des Propheten so stark, daß er zum Islam übertrat. [94]

Aqra'lbn Hābas sah, wie der Prophet Imam Hassan küßte und streichelte. Er sagte:

"Ich habe zehn Kinder, doch bis heute habe ich noch keines von ihnen geküßt."

Der Prophet entgegnete erzürnt:

"Was kann ich dagegen tun, wenn Gott Liebe und Freundlichkeit aus deinem Herzen schwinden ließ?

Ein jeder, der nicht freundlich und liebevoll zu Kindern ist und die Alten nicht achtet, gehört nicht zu uns.,,[95]

Prophet Muhammad (s.a.s.) kam eines Tages am Hause Fātimah -Zahrās (a.s.)vorbei, als er das Weinen Husseins (a.s.) hörte.

Er rief Fātimah und sprach:

Weißt du denn nicht, daß es mich zutiefst schmerzt, wenn Hussein weint? 96

Abu Hurayrah berichtete: Eines Tages trug der Prophet Hassan und Hussein auf seinen Schultern. Mitunter küßte er Hassan, mitunter Hussein. Ein Mann sah dieses und fragte: "Hast du die beiden Knaben gern?"

Er: "Ja, sehr! Ein jeder, der Hassan und Hussein gern hat, hat mir seine Freundschaft entgegengebracht. Und ein jeder, der ihnen feindlich gesonnen ist, ist mir in Feindschaft gegenübergetreten.“[96]

Ab und zu sagte Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) zu Fātimah (a.s.):

Bring Hassan und Hussein zu mir. -

Wenn sie sie brachte, drückte er sie an sich und sog ihren Duft ein, als seien sie Blumen.[97]

Abu Hurayrah berichtet:

Ich sah, wie der Prophet Hassan und Hussein küßte, als seien es Datteln.97

2-Persönlichkeitsbildung

Psychologen sagen: Die Persönlichkeit des Kindes ist zur Entfaltung zu bringen, es ist ihm Selbstvertrauen zu vermitteln.

Es ist zu einem Menschen mit edler Gesinnung und Persönlichkeit zu erziehen.

Wird ein Kind respektlos behandelt, beschimpft und ausgelacht, so nimmt es ganz bestimmt Schaden. Es wird ängstlich werden, Minderwertigkeitsgefühle entwickeln und - wenn überhaupt - nur eine

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schwache, labile Persönlichkeit entfalten können.

Ist es herangewachsen, wird es sich nicht zutrauen, selbstständig und gut handeln und entscheiden zu können. Es ist in seiner geistig- seelischen Entwicklung so behindert worden, daß es leicht in absolute Abhängigkeit und Vergewaltigung anderer gerät und sich - ohne selbst nachzudenken und zu entscheiden - recht leicht zu kriminellen Zwecken mißbrauchen läßt.

Wird es aber zu selbstständigem Denken und Handeln angehalten und erzogen, werden ihm Möglichkeit und Hilfestellung gegeben, seine Persönlichkeit entwickeln und entfalten zu können, so gewinnt es Vertrauen zu sich selbst, weiß, daß es Wertigkeit hat, läßt sich nicht so ohne weiteres zu Ungutem verleiten und von Unrecht und Tyrannei bezwingen.

Seine Persönlichkeitsbildung ist weitgehend abhängig von der Gesinnung seiner Eltern und seiner familiären Umgebung. Zusammengefaßt:

Zur seelisch-geistigen Förderung des Kindes wird u.a. folgendes

empfohlen:

1. :Zärtlichkeit, Liebe und Verständnis für das Kind, wobei es wichtig ist, daß das Kind dieses spürt und sich dessen sicher ist.

Wir wiesen bereits darauf hin, daß Hassan, Hussein, Zaynab und Umm-e-Kultum (a.s.) diese Liebe und Zuneigung in hohem Maße entgegengebracht wurden.

2. :Die guten Eigenschaften des Kindes sind zu fördern. Es muß derentwegen, auch in Anwesenheit anderer, gelobt werden, -

Auf diese Weise gewinnt es Vertrauen zu sich selbst und ein gesundes Selbstwertgefühl, -

etwas, das unbedingt im Kind. zu wecken ist.

Prophet Muhammad (s.a.s.) sagte häufig zu Hassan und Hussein (a.s.):

Hassan und Hussein (a.s.) werden die besten jungen Paradiesler sein, und ihr Vater ist noch besser als sie.- [99]

Auch sagte er zu den beiden:

"Ihr seid paradiesisches Reihān"[l00] ,[101]

Abu Bakr berichtete: Der Prophet hatte die Minbar bestiegen und sich auf ihr niedergesetzt, Hassan (a.s.) an seiner Seite.

Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) sah die Leute an, dann Hassan. Und sprach:

Hassan ist gut und vernünftig und sehr edel!!

Möge sich meine Gemeinde seines segensreichen Verhaltens und Wirkens

wegen berichtigen![102]

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Von Ğābir wissen wir: Eines Tages betrat ich das Haus des Gesandten Gottes (s.a.s.). Ich sah, wie auf seinem Rücken die beiden Knaben Hassan und Hussein (a.s) ritten. Während er - die Kinder auf sich reiten lassend - das Zimmer durchquerte, sprach er zu den Knaben:

"Das beste Kamel ist das eure und die besten Reiter seid ihr!-[103]

Ya'li 'Āmari überlieferte: Hussein (a.s.) spielte mit einigen anderen Kindern. Der Prophet sah ihn, streckte die Hand nach ihm aus, um ihn zu ergreifen.

Hussein lief hin und her, gefolgt von Hadrat-e-Muhammad. Schließlich ertaßte dieser den Knaben und zog ihn scherzend und lächelnd an sich. Er hob mit der einen Hand das Gesichtehen des Kindes hoch, legte die andere hinter dessen Kopf und drückte ihm einen Kuß auf den Mund. Dann sagte er:

" Hussein ist von mir und ich bin von Hussein. Ein jeder, der ihn gern hat, hat Gott gern. Hussein ist der Sohn meiner Tochter!“[104]

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) sprach zu seinen Söhnen Hassan und Hussein (a.s.): Ihr seid Führende der Gesellschaft und edle junge Männer, die dem Paradies angehören. Ihr seid gefeit gegen Sünde und Fehl. Gott verdamme jene, die euch feindselig gesonnen sind!-[105]

Eines Tages brachte Hadrat-e-Fātimah (a.s.) ihre beiden Söhne zu Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) und sagte:

O Gesandter Gottes! Hassan und Hussein (a.s.) sind eure Enkelsönne. Laß ihnen etwas von dir zuteil werden.

Der Prophet antwortete:

Meine Souveränität schenke ich Hassan, meinen Edelmut und meine Tapferkeit Hussein.

Und Salmān Fārsi berichtet dieses: Eines Tages sah ich Hussein auf den Knien des Propheten sitzen, sah, wie dieser ihn küßte und zu ihm sprach:

Du bist edel und edelgeboren, du bist Imam und Vater der Imame. Du bist Wegweisender zu Gott, Sohn eines göttlichen Wegweisenden und

Vater neun göttlicher Wegweisender, von denen der letzte jener ist, der die große Weltrevolution gegen das Unrecht anführen wird.[106]

Wir sehen, wie sehr sich der Prophet um die Persönlichkeitsbildung

der Kinder seiner Tochter bemühte, -

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ebenso, wie Ali und Fātimah (a.s.) sich um ihre Söhne und Töchter sorgten und sie in der besten Weise erzogen.

Niemals demütigten sie sie, geschweige denn in Gegenwart anderer. Sie kränkten sie nicht, verletzten nicht ihre junge, sich entfaltende Persönlichkeit, -

etwas, das ganz sicher dazu führen mußte, daß ihre Kinder zu Erwachsenen edler, freiheitlicher Gesinnung heranreiften.

Es wird überliefert, daß sich jemand eines Unrechts schuldig gemacht hatte. Er hielt sich vom Propheten fern, bis er eines Tages dessen beiden Enkelsöhnen Hassan und Husseim (a.s.) begegnete,sie auf seine Schultern nahm und mit ihnen zum propheten ging.

Er sagte:

O Gesandter Gottes! Ich habe Hassan und Hussein dazu ausersehen, für

mich Fürsprache bei dir einzulegen. -

Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) lachte und antwortete:

Ich vergebe dir! -

Dann, den beiden Knaben zugewandt, sprach er:

Eure Fürsprache akzeptiere ich! _ [107]

Auf seine edle Gesinnung und hohe Persönlichkeit ist es letztlich zurückzuführen, daß sich Hussein (a.s.) später, unterstützt von einer kleinen Schar Freunde, entschloß, gegen das starke, gut ausgerüstete Heer des Yazid Widerstand zur leisten, daß er heldenhaft und tapfer kämpfte und nicht bereit war, sich Niedrigkeit, Unrecht und Gewalt zu beugen.

Er sprach:

Ich fliehe nicht wie Sklaven und Leibeigene und werde mich zu Gemeinheit und Häßlichkeit nicht

hergeben.[108]

Ebenfalls aufgrund ihrer hervorragenden Erziehung im Elternhaus geschah es, daß sich Zaynab (a.s.), diese edle und kühne Frau - trotz aller Stapazen und allen Leides, daß ihr widerfuhr - nicht dem Schreckensherrscher Yazid ergab, sich von ihm und seinen Helfershelfern nicht ängstigen ließ, sondern stattdessen mit mutigen und zugleich herzbewegenden Reden die Bewohner Kufehs und Schams (Damaskus)aufrüttelte und das Gewaltregime jener Tage anprangerte und bloßstellte.

3. Gottgläubigkeit und Taqwā [109]

Pädagogen , Geistliche und Psychologen befassen sich mit der Frage,

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wann mit der religiösen Erziehung des Kindes zu beginnen ist . Einige sind der Meinung, daß dieses, solange es eine gewisse geistige Reife nicht erreicht hat,nicht in der Lage ist , derartiges zu erfassen und zu begreifen. Andere vertreten die Ansicht, daß das Kind durchaus schon in frühen Jahren die geistige Bereitschaft für einfache religiöse Themen

aufbringt .

Der Islam vertritt die letztgenannte Anschauung, dernach auch dem jungen Kinde schon einfache religiöse Dinge und Begriffe verständlich gemacht werden können und es mit leichten religiösen Aufgaben zu beauftragen ist, damit es mit Religion und religiösen Belangen - natürlich seinem Alter entsprechend!- vertraut wird und ein gewisses religiöses Verständnis erlangt.

Daher wird im Islam empfohlen, das Kind ab seinem vollendeten siebten Lebensjahr mit dem Gebet bekanntzumachen und es zu motivieren, das Gebet- übungsweise- zu verrichten.

Der Prophet (s.a.s.) begann mit der religiösen Erziehung seiner Enkelkinder schon in deren Kleinstkindzeit.

Als Imam Hassan ( a.s. ) zur Welt kam und man ihn dem Propheten reichte, küßte dieser das Neugeborene und sprach, seinen Mund nah an das rechte Ohr des Kindes haltend, den Adān,[110]

in sein linkes Ohr daraufhin die "lqāmah",[111]

In der gleichen Weise verfuhr er mit Imam Hussein (a.s.) .[112]

Imam Sādiq läßt uns dieses wissen: Eines Tages, als der Prophet das Gebet verrichten wollte, stellte sich Imam Hussein (a.s.) neben ihn. Als der Prophet beginnen wollte und das "Takbir" [113] rezitierte, vermochte das Kind es ihm nicht gleichzutun .

Der Prophet wiederholte das Takbir daher siebenmal, d.h. solange, bis Hussein es nachsprechen konnte.[114]

Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) betrachtete die geistig-seelische Entwicklung und religiöse Vorbereitung eines Kindes als so wichtig und wirkungsvoll, daß er schon gleich nach der Geburt seiner Enkelkinder damit begann und in ihre Ohren "Adān und lqāmah" sprach. Dieses mag allen, die mit Pädagogik und insbesondere frühkindlicher Erziehung zu tun haben (wie Vater und Mutter), Beispiel und belehrender Hinweis sein. Ebenso handelte Fātimah-Zahrā (a.s.). Wenn sie z.B. mit Hassan spielte und ihn hoch hinauf und wieder hinunterschwenkte, sprach sie:

ينابع الموده

Das bedeutet: Hassan, mein Liebling, sei wie dein Vater. Befreie das Recht von dem Würgegriff des Unrechts.

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Bete nur Gott, den Huldreichen an, und schließe keine Freundschaft mit Feindselig - und Übelgesonnenenl[115]

Das heißt, im Spiele, während sie mit ihren Kindern spielte,

unterwies Hadrat-e-Fātimah (a.s.) sie zugleich in Edelmut und Tapferkeit und hielt sie an zu Gottesanbetung und Verteidigung des Guten, des

Rechts.

Drei wichtige Erziehungsmomente werden in dem eben genannten

Zitat Hadrat-e-Fātimah (a.s.) deutlich erkennbar:

Verteidige das Recht! Bete Gott an !

Befreunde dich nicht mit feindseligen, Böses im Schilde führenden

Menschen!

Der Prophet achtete sehr auf "Taqwā", auch in materiellen Dingen, u. a. darauf, daß seine Enkel Unerlaubtes nicht aßen.

In diesem Zusammenhang berichtet Abu Hurayrah:

Einige Datteln waren dem Propheten als Zakāt gebracht worden,

die er nun unter den Armen verteilte.

Nachdem alles aufgeteilt war, nahm er Imam Hassan (a.s.) auf seine Schultern und wollte gehen. Da sah er, wie der Kleine an einer Dattel (Zakāt-Dattel)lutschte .

Er griff nach ihr und sprach zu dem Kind:

Nein, nein, mein Liebling! Gib sie her! Weißt du denn nicht, daß die Angehörigen Muhammads nicht von dem , was als Spende oder als Zakāt gegeben wird, essen?!

Obgleich Hassan (a.s.) ein kleines Kind war und somit religiös noch nicht verpflichtet, hielt es der Prophet für nicht richtig, daß er die Dattel aß.

Er wußte, daß auch der kleinste Bissen, der dem Kind nicht zustand, auf dessen Geist und Seele nicht ohne Wirkung bleiben würde. Grundsätzlich hat auch das Kleinkind schon zu lernen, daß es hinsichtlich Speise und Trank nicht uneingeschränkt und völlig frei ist, sondern Erlaubtes und Nicht - Erlaubtes - d.h. halāl und harām - zu beachten hat.

Ganz abgesehen davon unterstützte der Prophet dadurch die Entfaltung der hohen Persönlichkeit und Gesinnung seines Enkels, weshalb er hinzufügte:

Auf Zakāt und Spenden haben nur Bedürftige Anspruch. Für dich aber ziemt es sich nicht, davon

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für dich zu verwenden.

Von Edelsinn und natürlicher Würde waren die Kinder Zahrās so stark geprägt und durchdrungen, daß Umm-e-Kultum in Kufeh ähnlich wie ihr Großvater sprach und handelte.

Muslim berichtet:

Als man die Angehörigen Imam Husseins (a.s.) als Gefangene nach Kufeh brachte, reichten die Leute der Stadt aus Mitleid den Kindern Brot, Datteln und Nüsse, um ihren Hunger zu stillen.

Und sie sagten: Bittet Gott, daß unseren Kindern nicht ein solches Leid wie euch widerfährt ...

Umm-e-Kultum jedoch nahm das Gereichte den Kindern ab und gab es zurück, wobei sie der Menge zurief:

Laßt das! Für uns aus dem Hause Muhammads sind Spenden "harām":

Wenngleich die Kinder aus dem Hause Husseins noch nicht

"religions - verpflichtet" waren, so erforderte es dennoch ihre edle Herkunft und Gesinnung, Gespendetes - selbst in jener schweren Situation - nicht anzunehmen, damit ihre Persönlichkeit zu hoher, unbefleckter Würde heranzureifen vermochte.

4.: Die Rechte der anderen sind zu
respektieren

Das, was Eltern ebenfalls unbedingt zu beachten haben, ist, darauf zu achten, daß das Kind seine Rechte nicht überschreitet und gegen die anderer nicht verstößt. Es hat sich an Ordnung und Rücksicht anderen gegenüber zu gewöhnen, und es ist ihm zu helfen, dieses zu lernen.

Seine eigenen Rechte zu verteidigen und sich nicht nehmen zu lassen, ist wichtig, doch ebenfalls auch die Rechte anderer nicht zu verletzen!

Dieses betrifft allerdings ein Thema, eine Tugend, deren Fundament und Grundgerüst im Elternhaus gesetzt bzw.

"gegossen" wird. Vater und Mutter haben ihre Kinder in der gleichen Weise zu behandeln, d.h. absolut gerecht!

Sie dürfen zwischen Junge und Mädchen, klein oder groß, hübsch oder weniger hübsch, intelligent oder weniger intelligent u.s.w. keinen Unterschied machen, -

nicht das eine dem anderen vorziehen oder das eine gegenüber dem anderen benachteiligen ...

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Ihre Liebe, Zuwendung und Zärtlichkeit haben sie allen Kindern, zu gleichen Teilen, zu schenken, -

deswegen, damit sie nicht in dem einen oder anderen Eifersucht oder Mißgunst erwecken, damit sie sie nicht dazu erziehen, sich an den Rechten des anderen zu vergreifen oder zu trotzen!

Wenn das Kind sieht, daß Vater und Mutter seine Rechte und die seiner Geschwister wahren sowie auch untereinander gerecht sind, wird es lernen, sich in der großen Gesellschaft - später - ebenso zu verhalten, d.h. gegen die Rechte und Freiheiten seiner Mitmenschen nicht zu verstoßen, sondern diese zu respektieren.

Erfährt es aber in seiner familiären und häuslichen Umgebung, daß Unrecht und Ungerechtigkeit an der Tegesordnung stehen, Gewalt, körperliche Stärke und Überlegenheit zählen, sozusagen das Dschungelgesetz herrscht, werden in ihm Aufsässigkeit, rohe Gewalt sowie Gleichgültigkeit gegenüber Rechtsverletzungen geweckt.

Sehen Eltern oder Lehrer, daß ein Kind sich "vordrängelt", jemandem z.B. den Sitzplatz im Omnibus wegnimmt oder sich im Brotgeschäft nicht in die Reihe stellt, sondern als erster sein Brot kaufen will etc. und unternehmen angesichts dessen nichts und ermahnen es nicht freundlich, so fügen sie dem Kind defakto "Unrecht" zu. Denn:

Es hat das Recht, daß man ihm sagt und zeigt, wie es sich in der menschlichen Gemeinschaft zu verhalten hat.

Ganz abgesehen davon,daß dieses besagte Kind aller Wahrscheinlichkeit nach in der Welt der Erwachsenen es so gesehen, erfahren und den "Großen abgeguckt" hat, daß der Stärkere das "Sagen" hat, daß "Vordrängeln" und dergleichen eine Art "Lebenskunst" darstellt, die man beherrschen sollte, um ans Ziel zu kommen.

Ein in dieser Weise erzogenes Kind wird, wenn es später als Erwachsener am gesellschaftlichen Leben teilhat, am Arbeitsplatz steht und mit andren zu tun hat, ebenso verfahren.

( Wenigstens in den überwiegenden Fällen! )

Es wird die anderen "drücken", unterdrücken, ihre Würde und Rechte nicht achten und nichts anderes kennen und wollen, als seinen eigenen

Vorteil.

Auch diesem Erziehungsgebot wurde im Hause Fātimahs und Alis (a.s.)genau entsprochen. Bis ins kleinste Detail gehend wurde darauf geachtet, daß niemandem Unrecht getan wurde, daß die Rechte und Freiheiten eines jenes gewahrt und geschützt blieben, daß eine gesunde Familienordnung gewährleistet war ...

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Ein Beispiel hierfür:

Eines Tages hielt sich der Prophet im Hause Fātimah und Alis (a.s.)auf. Hassan verlangte nach Wasser.

Der Prophet, der ein wenig geruht hatte, erhob sich, holte eine Schale Milch und reichte sie dem Knaben.

Hussein sah dieses, kam herzu und wollte nach der Milch greifen. Hadrat-e- Muhammad aber kam ihm zuvor und ließ nicht zu, daß Hussein die Milch nahm.

Hadrat-e-Fātimah , die dies-e kleine Szene beobachtet hatte, meinte:

Es sieht so aus, als hättest du Hassan lieber als Hussein." Der Prophet antwortete:

Nein, keinesfalls! Ich verteidige Hassan nur und zwar deswegen, weil er die Milch bekommen und zuerst darum gebeten hat.

Das Recht des anderen muß berücksichtigt werden. Man hat sich zu gedulden, bist man an der Reihe ist!-

5.: Spiel und Sport

Dem Kind sind die Gelegenheit und Freiheit zu geben, nach eigenem Wunsch und Belieben spielen und turnen zu können. (Allerdings: soweit es ihm nicht schadet!)

Und nicht nur das:

Ihm sind -sofern es zu ermöglichen ist - das erforderliche Spielzeug und Turngerät dazu zur Verfügung zu stellen. Auch in der sogenannten zivilisierten Welt ist man seit einiger Zeit zu dieser Einsicht gelangt, stellt den Kindern und Jugendlichen in Kindergärten , Schulen u.s.f. altersentsprechende, geeignete Mittel zu Spiel und Sport zur Verfügung und regt sie an, in der Gemeinschaft zu spielen und Sport zu treiben. Denn: Man kam zu der Erkenntnis, daß Spiel und Sport nicht nur zur körperlichen Entwicklung und Ertüchtigung notwendig, sondern ebenfalls für die geistig-seelische Entfaltung des Kindes, für seinen Kontakt zur Umwelt, d.h. für sein Sozialverhalten unerläßlich sind, -

insbesondere, wenn es sich um Gemeinschaftsspiele und
Gemeinschaftssport handelt.

Es sind jedoch immer noch jene anzutreffen, die vom Kinde erwarten, daß es sich wie ein Erwachsener verhält und es demzufolge von Spiel und Sport weitmöglich fernhalten. Sie gehen in der Annahme, daß sie nur so ihr Kind zu einem "ordentlichen" Erwachsenen erziehen könnten.

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Hält sich ihr Kind still und brav zurück, von anderen fröhlich-tobenden und jubelnden Kindern isoliert, so sagen sie:

Welch wohlerzogenes, manierliches Kind!

Sie wissen nicht, daß auch die Wissenschaft - ganz abgesehen vom Islam -inzwischen bewiesen hat, daß ein Kind spielen und turnen muß! Daß, wenn es nicht spielt, sich nicht bewegt, nicht turnt und Sport treibt, dieses als Zeichen eines inneren Unwohlseins zu bewerten ist. Nur ein kränkelndes, schwaches und unfrohes Kind spielt nicht.

Allerdings: Die Eltern haben zu beachten, daß sich ihr Kind nicht mit Spielen beschäftigt, die ihm schädlich sind und es in Gefahr bringen, wie auch, daß es durch sein Spielen, Turnen und Toben andere nicht stört oder belästigt ...

Kurz: Die Eltern sollten ihrem Knd nicht nur Möglichkeit und Freiheit zu Spiel und Sport geben, sondern sobald sie die Zeit dazu aufbringen können, mitspielen, mitturnen ....

Es bereitet dem Kind unendliche Freude, wenn Vater oder Mutter vielleicht auch beide - mit ihm spielen und wertet dieses als Zeichen ihrer Liebe und Zuneigung zu ihm.

Der Prophet spielte gern und häufig mit Hassan und Husssin .

Abu Hurayrah berichtet:

Ich sah, wie der Prophet Hassan und Hussein an ihren Händen hielt, während sie auf seinen Knien standen. Er sagte zu den Knaben:

Kommt, klettert an mir hoch! -

Und sie kletterten an ihm hoch, bis sie mit ihren kleinen Beinchen gegen seine Brust gestemmt dastanden.

Nun küßte er sie auf ihren Mund und sprach:

O Gott! Wie gern hab ich doch Hassan und Hussein!

Auch dieses berichtet Abu Hurayrah: Hassan und Hussein rangen in Gegenwart ihres Großvaters miteinander. Dieser meinte zu Hassan:

Prirna.Hassanl Prima!

Fātimah-Zahrā (a.s.) wandte ein:

Obwohl Hassan größer ist als Hussein, spornst du ihn gegen Hussein an? -

Er: Obwohl Hussein kleiner ist als Hassan, ist er dennoch mit mehr Kraft und Gewanchheit ausgerüstet. Zudem spornt Gabriel ihn an . [121]

In diesem Zusammenhang sei noch einmal an eine Überlieferung erinnert, die wir bereits vorher schon erwähnten:

Gābir berichtete:

Ich sah, wie der Gesandte Gottes auf " allen Vieren " umherlief,

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während Hassan und Hussein auf seinem Rücken "ritten". Er sprach:

" Das beste Kamel ist das eure, und die besten Reiter seid ihr! "-[122]

Folgendes überliefert Imam Redā (a.s.): Als Hassan und Hussein eines Tages bis spät in den Abend hinein im Hause ihres Großvaters-Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.)- gespielt hatten, sagte dieser:

Es .ist schon spät, geht nun heim zu eurer Mutter! Hassan und Hussein gingen.

Ein Lichtschein erhellte die Straße, und die Knaben erreichten das Elternhaus.

Der Prophet sprach:

Lob und Preis sei Gott, der unser Ahl-Bayt 24 schätzt.-[123]