Fünftes Kapitel: Hadrat-e-Fātimah-Zahrā (a.s.), nach ihrem Vater

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Fünftes Kapitel:

Hadrat-e-Fātimah-Zahrā (a.s.),
nach ihrem Vater ...

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Im Jahre zehn nach der Hiğra lud der Prophet alle Muslime zum Hağ[185] ein und trat - gemeinsam mit diesen - zum letzten Male die Reise nach Mekka, zur Ka'ba an.

Während dieser Hağ - Pilgerung klärte er sie über sämtliche Etappen und Aufgaben, die zum Hağ gehören, auf. -

Nach diesem Hağ, auf der Rückreise, ließ er die Karawanen der "Hağis" in "Gadir Hum" Halt machen. Er bestieg eine "Minbar" und stellte Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) als seinen Nachfolger und Kalifen vor.

Daraufhin leisteten die Muslime Hadrat-e-Ali den Treueid (Bi'at) und kehrten in ihre Heimatgebiete zurück.

Nach seiner Ankunft in Medina wurde der Prophet krank. Sein Befinden ließ erkennen, daß sein Tod bevorstand. Immer wieder, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, wies er nun die Muslime auf sein Ahl-Beit hin und gab diesbezügliche Empfehlungen und Anordnungen.

Hin und wieder suchte er den Friedhof" Bāqi' " auf und legte für die Verstor benen Fürbitte bei Gott ein. -

Fātimah (a.s.) träumte nach der Rückkehr von dem großen "Abschieds - Hağ", dem "Hağat ul Widā"', folgendes:

Sie hält einen Koran in der Hand und liest darin. Mit einem Male fällt ihr der Koran aus der Hand und ist nicht mehr zu sehen. -

Erschrocken wacht sie auf. Sie erzählt den Traum ihrem Vater. Der Prophet antwortet:

Mein Augenlicht! Ich bin der Koran, den du im Traume sahest. In Bälde werde ich den Blicken nicht mehr erreichbar sein! [186]

Nach und nach wurde der Prophet immer hinfälliger. Er wies ein Heer, angeführt von Usamah, an:

Brecht auf und zieht bis an die Grenzen Roms". _

Er nannte namentlich einige Männer und gebot diesen, an dem Gefecht gegen die römische Armee teilzunehmen.

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Damit beabsichtigte er, daß auch die einflußreichen Munafiqān unter den Muslimen die Stadt verließen und gegen das anstehende Kalifat Alis (a.s.) nicht intrigierten und sabotierten.

Sein Krankheitszustand verschlimmerte sich. Er wurde bettlägerig ... Fātimah - Zahrā ( a . s .) erfüllte großer Kummer. Sie sah das fahle Antlitz des Vater, aus dem alle Farbe gewichen war, weinte und bat Gott, ihm seine Gesundheit zurückzuschenken:

O Gott! Mein Vater hat es unter größten Mühen und Schwierigkeiten geschafft, daß der Islam Fuß fassen konnte. Erst seit kurzem werden Erfolg und Gelingen sichtbar. Ich habe gehofft, daß sich der Islam mit Hilfe meines Vaters noch mehr festigen könne und Unrecht und Tyrannei ganz beseitigt werden.

Doch leider, meinem Vater geht es nicht gut.

O Gott! Ich bitte dich, schenk ihm Heilung!. Laß ihn gesunden! -

Doch der Prophet wurde immer leidender und verfiel immer mehr.

Ohnmacht übermannte ihn. Als er nach einiger Zeit wieder zu sich kam, sah er, daß Abu Bakr, Umar und einige andere, die sich dem Heer Usamahs hatten anschließen sollen, nicht mitgezogen waren.

Er sprach: zu ihnen:

Habe ich euch denn nicht gesagt, mit Usamah aufzubrechen? -

Jeder von ihnen hatte eine Ausrede parat und brachte irgendeine Entschuldigung vor.

Hadret-e-Muhamrnad (s.a.s.) aber wußte von ihren wahren und gefährlichen

Beweggründen, -

wußte, daß sie in Medina geblieben waren, um das Kalifat an sich zu reißen.

Der Gesandte Gottes ordnete an: Bringt Papier und Tinte, damit ich ein Testament aufsetze. -

Einige der Anwesenden wollten seiner Aufforderung nachkommen. Umar aber verhinderte dieses und meinte:

Dieser Mann spricht im Fieber. Er hat Halluzinationen. Seine Krankheit hat voll und ganz von ihm Besitz ergriffen! _[187]

Hadrat - e - Fātimah ( a . s .) hatte die Szene beobachtet. Trauer und Sorge quälten sie. Sie sagte sich:

Jetzt schon zeigen sich die ersten Anzeichen von Spaltung und Feindseligkeit unter ihnen. Das Wirken und Schaffen meines Vaters fußte auf der göttlichen Offenbarung und hatte in dieser seinen Ausgangspunkt. Er beabsichtigte nichts als das Wohl der Ummah!10

Warum handeln sie nicht nach seiner Anweisung?

Es scheint, daß eine gefahren- und krisenreiche Zukunft bevorsteht!

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Als wollten sie seine Bemühungen und Weisungen mit Füßen treten und zunichte machen! -

Warum lächelt sie?

Sein Befinden verschlechterte sich zusehends. Er hatte seinen Kopf an die Brust Alis (a.s.) gelegt...,

wurde bewußtlos.

Fātimah(a.s.) sah ihren Vater an. Unter Tränen sagte sie:

Durch das segensreiche Dasein meines Vaters kam ein Regen an Güte und Wohl hernieder. Er war den Waisen Hilfe und Unterstützung und den Witwen Schutz! -

Der Prophet vernahm ihre klagenden Worte. Mühsam öffnete er seine Augen und flüsterte mit schwacher Stimme:

Mein liebes Kind! Sprich diese Ayah:

و ما محمد الارسول قد خلت من قبله الرسول افان مات او قتل انقلبتم علي اعقابكم

Vor dem Tod gibt es kein Entweichen. Wie die Propheten vor mir starben,werde auch ich sterben. Warum aber wollen sie nicht auf meinem Wege weitergehen? Warum wollen sie mein Ziel nicht verfolgen? Weshalb wollen sie umkehren? [188]

Als sie seine Worte härte, wurde ihr Schluchzen heftiger. Hadrat _ Muhammad (s.a.s.)versuchte, sie zu trösten. Jedoch,war dieses überhaupt möglich angesichts ihres gewaltigen Schmerzes?

Er gab Fātimah ein Zeichen, näher heranzukommen. Dann flüsterte er ihr ein Geheimnis ins Ohr.

Die Umstehenden sahen, wie sich ein rosiger Hauch auf ihre Wangen legte und sie, trotz ihres Kummers, zu lächeln begann.

Sie wunderten sich, fragten, warum sie gelächelt habe. Sie antwortete:

Solange mein Vater lebt, werde ich es nicht kundtun. -

Nach seinem Tod aber gab sie das Geheimnis preis.

Mein Vater hat mir ins Ohr geflüstert:

Fātimah, Liebes, auch dein Tod ist nahe. Du bist die erste, die sich mir dort anschließen wird. _[189]

Anas berichtete : Als der Prophet krank wurde , nahm Fātimah (a.s.) Hassan und Hussein an die Hand und ging zum Hause ihres Vaters. Sie setzte sich an s.ein Lager, preßte sich an ihn und begann zu weinen.

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Der Prophet sprach:

Fātimah, mein Liebes, weine nicht! Wenn ich gestorben bin, gerate nicht

außer dich. Halte keine Klagefeiern für mich ab. -

Dann, mit Tränen in den Augen, bat er Gott:

O Gott! Mein Ahl-Bayt vertraue ich dir und den aufrichtigen

Gläubigen an! [190]

Geheimnisse werden weitergegeben ...

Imam Mussā Ibn Ğa'far (a.s.) überliefert: Am letzten Abend vor seinem Tode rief der Prophet (s.a.s.) Fātimah,Hassan und Hussein (a.s.)zu sich. Er ließ die Tür schließen, um mit ihnen allein zu sein. Daraufhin zog er Fātimah (a.s.) nahe zu sich heran und flüsterte ihr

längere Zeit etwas zu.

Da sich ihre Unterhaltung hinzog, ging Ali (a.s.) mit den beiden Knaben

hinaus.

Vor der Tür - viele Muslime hatten sich bereits dort versammelt - blieb er mit

ihnen stehen.

Die Frauen des Propheten sahen Ali, Hassan und Hussein (a. s. )an.

Ayschah sagte zu Ali Ibn Abi Tālib:

Warum hat der Prophet dich hinausgeschickt? Warum will er

mit Fātimah allein sein?

Er antwortete:

Ich weiß, warum der Prophet in diesen letzten Augenblicken mit

seiner Tochter allein sein möchte und was er ihr anvertraut. Er spricht zu ihr über dein Verhalten, das deines Vaters und dessen Freunden. Ayschah verstummte.

Er berichtete weiter:

Es dauerte nicht lange, da rief Fātimah (a.s.) mich hinhein. Als ich

ins Zimmer trat, sah ich, daß es dem propheten sehr schlecht ging.

Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten.

Er sprach:

O AIi, warum weinst du? Die Zeit des Abschieds und der Trennung ist nun gekommen, und ich vertraue dich Gott an. Ich gehe nun zu Gott, dem Herrn der Welten.

Meine Sorge aber und mein Kummer gelten dir und meiner Tochter Zahrā,

denn sie haben vor, eure Rechte mit Füßen zu treten und euch Gewalt

anzutun.

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Ich vertraue euch Gott an und Gott hat das, was ich ihm anvertraute, akzeptiert.

O Ali ! Ich habe Fātimah einige Geheimnisse wissen lassen. Sie wird sie dir mitteilen.

Handle nach meinen Anweisungen und wisse, daß Fātimah aufrichtig ist.

Nun zog er sie an sich, küßte sie und sprach: Fātimah, Liebes !

Gott wird es jenen Umechttuenden vergelten! Dein Zorn wird Sein Zorn sein! Wehe ihnen! Wehe den Unrechttuenden! Wehe den Unrechttuenden! ...

Seine Tränen nahmen ihren Lauf...

Hadrat-e-Ali (a.s.) teilte mit: Die Tränen des Gesandten Gottes flossen wie ein heftiger Regen und näßten seine Wangen, seinen Bart. Während er Fātimah an sich drückte und seinen Kopf an meine Brust gelehnt hielt , dieweil Hassan und Hussain seine Füße küßten und laut weinten , hörte ich das Schluchzen der Engel. Ganz gewiß war auch Gabriel anwesend, ganz gewiß ließ er den Gesandten Gottes in einem so hohen Augenblick nicht allein.

Fātimah klagte so herzzerreißend, daß Himmel und Erde um sie weinten. Der Prophet flüsterte mit schwacher Stimme:

Fātimah, mein Kind! Gott wird nun mein Statthalter tür euch sein, und Er ist der beste, verläßlichste Statthalter. Mein Liebes, weine nicht! Dein Weinen hat das Empyrium Gottes,- Engel, Himmel und Erde in Tränen ausbrechen lassen. Bei Gott! Bevor ich nicht ins Paradies einkehre, wird niemand dort eintreten. Du wirst die erste sein, die nach mir - in wunderschönstem Gewande - das Paradies betreten wird.

Sei beglückwünscht zur Huld Gottes, die Er dir schenkt!

Wahrlich, du bist die edelste Frau im Paradies, und fürwahr, der Höllenschlund wird in ein derartiges Kreischen ausbrechen, daß Engel und Propheten aufstöhnen.

Gott gebietet ihm:

"Schweig, bis Fātimah ins Paradies eintritt!"

Ja - Hassan zu deiner Rechten und Hussein zu deiner Linken - wirst du ins Paradies einziehen.

Von seinen höchsten Höhen wirst du auf das Gericht (Mahschar) herniederschauen.

Die "Standarte Harne" wird von Ali getragen und bei Gott, dann, in jenen Augenblicken, werde ich von den Widersachern dein Recht fordern. Dann wird jene, die gegen deine Rechte verstießen und deine

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Freundschaft verscherzten, großes Bedauern überkommen, und so sehr ich auch sage: "O Gott, steh meiner Gemeinde bei", wird mir geantwortet werden:

Sie haben nach dir Anweisungen und Gesetze verändert, ihnen gebührt das

Feuer des Höllenschlundes! [191]

Fātimah (a.s.) nach des Vaters Tod ...

Den Kopf an die Brust Ali Ibn Abi Tālibs ( a . s .) gelehnt und während Fātimah - Zahrā, Hassan und Hussetri (a.s.) ihn weinend anschauten, schloß er die Augen. Seine Seele erhob sich hinauf, in die Ewigkeit hinein ....

Sein Tod erfüllte Fātimah mit großer Trauer . Alles Leid der Welt

schien auf sie einzustürzen.

Als Ali (a.s.) mit den Beerdigungsvorbereitungen und der Beisetzung beschäftigt war, traf die Nachricht ein, daß sich eine Gruppe der Muslime in "Saqifah Bani Sa'idah" eingefunden hatte, um über die Nachfolge des Propheten zu entscheiden. Es dauerte nicht lange, bis die nächste Mitteilung überbracht wurde:

Abu Bakr war im Rahmen einer "Wahl" zum Nachfolger des Propheten, zum Kalifen bestimmt worden ...

Diese Meldung traf sie - Ali und Fātimah (a.s.) - hart und vertiefte ihren Schmerz und ihre Sorge.

Allmächtiger Gott! Hat mein Vater denn nicht Ali (a.s.) zu seinem Nachfolger bestimmt? Hat er ihnen nicht von jenem Tage an, als er seine Verwandten zum Islam aufrief bis zu den letzten Augenblicken seines Lebens Ali (a.s.)empfohlen?Und vor einigen Monaten, in "Gadir Hum" ... , hat er ihnen da nicht ihn, Ali,als seinen Nachfolger vorgestellt und bekanntgegeben?? Sind denn Aufopferung , Einsatz und Verdienste meines Mannes zu leugnen? Kann wohl jemand die überragende Kenntnis Ali Ibn Abi Tālibs dementieren?

Mein Vater hat ihn seit seinen Kindertagen unterrichtet und erzogen, für seine hohe wertvolle Bildung gesorgt und ihm sein prophetisches Wissen vermittelt, so daß er in der Lage ist, die göttlichen Ziele des Gesandten Gottes zu verfolgen!

O Gott! Was wird nun aus dem Islam? Was wird aus der Ummah?

Sie bedarf doch einer Führung, die sich durch Unfehlbarkeit auszeichnet, zu der Fehler und Irrtum keinen Zugang haben!

Welcher gefahren- und krisenreichen Zukunft gehen die Muslime nun

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entgegen?

O Gott! Wie sehr hat sich doch mein Vater für den Islam eingesetzt! Und welche Mühen und Opfer hat er des Islam wegen auf sich genommen?! Er war bereit, sein Leben im Kampf gegen die Übergriffe und Feindseligkeiten Deiner Gegner hinzugeben!

Ich weiß von seinen Wunden und dem Blut, das er bei diesem Bemühen verlor.

O Gott! Wir haben gehungert, Härten und Leid ertragen, mußten unsere Heimat verlassen. Alles, um der Verbreitung des Islam, des Ein - Gott Bekenntnisses (Tawhid) willen, um den Unterdrückten und Notleidenden aus ihrem Elend herauszuhelfen, um Tyrannei und Gewalt die Stirn zu bieten ...

Wissen sie denn nicht, daß die Muslime in optimalster Weise geführt und ihre Belange bestens geregelt werden, wenn Ali (a.s.) das Kalifat innehat, und zwar aufgrund seiner Unfehlbarkeit und seines hohen Wissens, das ihn mein Vater lehrte?! Daß die göttlichen Weisungen und die Bestrebungen meines Vaters durch ihn weiterverfolgt und gewährleistet werden?

Daß er die junge, islamische Gemeinde zu Entfaltung und Glück führen wird??

Gedanken dieser Art waren es, die Fātimah - Zahra (a.s.) bedrückten, quälten und an ihrer Langmut zerrten ...

Widerstand Hadrat-e-Fātimahs (a.s.)

Wollten wir uns nun detailliert mit dem befassen, was sich in "Saqifah Sa'idah" abspielte und wie die Wahl Abu Bakrs zum Kalifen verlief, kämen wir vom eigentlichen Thema ab.

Darum nur soviel hierzu:

Nach der Beisetzung des Propheten sahen sich Ali und Fātimah Zahrā (a . s .) vor vollendete Tatsachen gestellt . Abu Bakr war zum Kalifen ernannt worden und eine Gruppe der Muslime hatten ihm den Treueid geschworen.

Ali (a.s.) hätte nun einiges dagegen unternehmen können:

- Aufstand gegen das Kalifat Abu Bakrs, mit Hilfe der Bevölkerung, -

- Oder im Sinne persönlicher Interessen und einer hohen Position im Staat,

hätte er Abu Bakr ebenfalls den Treueid leisten können. Das wäre seinem Aufstieg und Ansehen im Regierungsapparat Abu Bakrs dienlich gewesen.

Nichts von beidem aber unternahm er. Ein offener Aufstand gegen Abu Bakr hätte die islamische Bewegung in ernste Gefahr bringen

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können, da die Feinde des Islam - nah und fern - die Situation genutzt und möglicherweise dem islamischen Staat ein Ende gesetzt hätten. Darum verzichtete er auf einen offenen Kampf.

Selbstverständlich war auch die zweite Möglichkeit für Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) unannehmbar. Er wußte, wenn er Abu Bakr den Treueid schwörte, würden die Leute dieses als Anlaß nehmen, das Vorgehen und Verhalten Abu Bakrs gutzuheißen und zu bestätigen. Das aber hätte zur Folge, daß einer Führung der Muslime im Sinne Muhammads (s.a.s.)für alle Zeiten der Weg versperrt bliebe und sämtliche Anstrengungen des Propheten wie auch seiner selbst, das Wort Gottes in Ummah und islamischem Staat zu praktizieren, umsonst gewesen wären. Zudem würde alles, was Abu Bakr unternähme, Islam und dem Gesandten Gottes zugeschrieben werden, aber Abu Bakr war nicht unfehlbar, d.h. Irrtümer und Verstöße seinerseits gegen das Religionsgesetz waren nicht ausgeschlossen ...

Daher beschlossen Ali Ibn Abi Tālib und Fātimah - Zahrā(a.s.)

besonnen und umsichtig zu reagieren, sich "abwartend" zu verhalten, um Islam und muslim ische Gemeinde vor dem Allerschlimmsten zu bewahren,

auch wenn sich Erfolg und Gelingen erst in weiter Zukunft zeigen sollten ...

Zunächst:
Sie suchten mit Hassan und Hussein zu abendlicher Stunde die Großen und Einflußreichen Medinas auf, erinnerten sie an die Weisungen und Empfehlungen des Propheten und riefen sie auf, sie zu unterstützen. [192]

Hadrat - e - Fātimah (a.s.) gab den Muslimen zu bedenken : Hat mein Vater denn nicht Ali (a.s.) zum Kalifen ernannt? Habt ihr seine Leistungen und sein aufrichtiges Engagement vergessen?

Ali wird, wenn ihr ihn mit dem Kalifat beauftragt, den Weisungen meines Vaters gemäß regieren und euch in der besten Weise führen.

Erinnert euch daran, daß euch mein Vater sagte:

Ich gehe von euch und hinterlasse euch zwei Kostbarkeiten. Sofern ihr euch an ihnen festhaltet und orientiert, werdet ihr niemals in die Irre gehen!

Die eine Kostbarkeit ist das Buch Gottes (Koran), die andere Ahl-Beit. 24

Ist es denn richtig, uns den Rücken zu kehren und uns eure

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Unterstützung zu versagen?

Mit den verschiedensten Reden appellierten Ali und Fātimah (a.s.) an das Gewissen der Muslime, doch nur wenige fanden den Mut, sich auf ihre Seite zu stellen,

In der Stille , ohne Aufruhr zu erregen , setzten Ali und Fātimah (a.s.)ihren Widerstand gegen das Kalifat Abu Bakrs fort. Doch abgesehen von einigen in der Ummah, die sich auf ihre Seite stellten und ihnen beistanden, erreichten sie nichts ....

Daraufhin:
Ali Ibn Abi Talib (a.s.) hatte also beschlossen, Abu Bakr den Treueid zu verweigern, um damit seine Opposition gegen dessen Herrschaft und Vorgehen kundzutun, -

wie auch, um der Ummah zu verstehen zu geben, daß - da er, Ali Ibn Abi Talib, seine Familie und einige treue Freunde des Propheten nicht den Treueid leisteten - dieses Kalifat den Richtlinien des Islam und Weisungen des Gesandten Gottes nicht entsprach.

Fātimah - Zahrā (a.s.) bestätigte die Ansicht Alis (a.s.) und nahm sich vor, ihn zu verteidigen und die Öffentlichkeit aufzuklären:

Auch ich, die Tochter des Propheten, bin mit dem Kalifat Abu Bakrs keineswegs einverstanden. -

Ali Ibn Abi Talib aber blieb zu Haus, ordnete den Koran und begann mit seinem "indirekten Oppositionskampf". -

Eines Tages ging Umar zu Abu Bakr und sagte: Alle haben dir den Treueid geschworen, nur Ali, dessen Angehörige und Freunde nicht. Ohne ihre Bestätigung aber wird deine Herrschaft nicht auf festen Füßen stehen. Du mußt AU Ibn Abi Tālib zwingen, den Treueid zu schwören und dein Kalifat anzuerkennen.

Abu Bakr stimmte dem Vorschlag Umars zu und wies Ounfud an:

Geh zu Ali und sag ihm, daß der Statthalter des Gesandten Gottes ihn

auffordert, in die Moschee zu kommen und dort den Treueid zu schwören! ­Ounfud ging mehrere Male zu Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) und trug ihm die Worte Abu Bakrs vor ... ,

doch ohne Erfolg.

Ali weigerte sich und kam der Aufforderung Abu Bakrs nicht nach.

Umar geriet in Zorn. In Begleitung Halid Ibn Walids, Qunfud und einiger anderer machte er sich auf den Weg zum Hause Alis und Fātimahs(a.s.).

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Dort angekommen, klopfte er ungedulidg an die Tür. Er rief: AIi, öffne! Fātimah stellte sich hinter die verschlossene Tür und fragte:

Was möchtest du von uns? Warum läßt du uns nicht in Ruhe? -

Umar schrie:

Mach sofort die Tür auf oder ich zünde das Haus über euch an! _[193] Fātimah - Zahrā (a.s.) entgegnete:

Umar, fürchtest du denn nicht den Zorn Gottes? Willst du mit Gewalt in unser Haus eintreten? -

Umar sah, daß die Tür nicht geöffnet wurde und ordnete an:

Holt Brennholz her, damit ich die Tür in Brand setze! -[194]

Die Haustür ward gewaltsam aufgebrochen. Umar wollte eintreten.

Hadrat -e- Fātimah aber, die die drohende Gefahr für Ali erkannte, stellte sich Umar mutig in den Weg [195] und rief laut um Hilfe, damit die Leute endlich aufwachten aus ihrer Gleichgültigkeit und Ali beistünden ...

Doch ... , niemand eilte zur Hilfe. Man versetzte ihr stattdessen mit dem Schaft eines Schwertes einen so heftigen Stoß in den Leib und schlug so gnadenlos auf sie ein, daß sie unfähig war, weiter Widerstand zu leisten. [196]

Kurz: Sie nahmen Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) fest, um ihn zur Moschee zu zerren. Fātimah - Zahrā (a.s.), die die Lebensgefahr, in der sich ihr Mann befand , verstand, begann erneut mir ihrer Verteidigung. Sie hielt ihn an seinem Abā fest und rief:

Ich werde nicht zulassen, daß ihr meinen Mann fortschleppt! -

Qunfud, der begriff, daß sie fest entschlossen war, Ali nicht loszulassen, schlug sie mit seiner Peitsche so heftig auf Arme und Hände, daß diese anschwollen. [197]

Sie geriet schließlich in dem Handgemenge zwischen Wand und Tür und wurde so heftig gedrückt, daß eine Fehlgeburt die Folge war. [198] Hadrat-e-Ali (a.s.) aber ward ergriffen und zur Moschee gezerrt ...

Als Fātimah - Zahrā (a . s . ) zu sich kam, stellte sie fest, daß man Ali fortgebracht hatte. Sie wußte sein Leben bedroht und mußte ihm beistehen. Zerschunden, erschöpft und mit gebrochenen Rippen verließ sie das Haus und schleppte sich mühsam - in Begleitung einiger Frauen der Bani Hāschim - zur Moschee. Sah, daß man Ali verhaftet hatte,

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wandte sich der Menge zu und sprach:

Laßt meinen Vetter sofort frei! Sonst - bei Gott - werde ich mir meine Flechten lösen, das Gewand des Propheten über meinen Kopf ziehen, Gott gegen euch anflehen und euch verfluchen! -

Daraufhin rief sie Abu Bakr zu:

Willst du meinen Mann zu Tode bringen und meine Kinder zu Waisen machen? Wenn du ihn nicht sofort freigibst, werde ich mir das Haar raufen und am Grabmal meines Vaters Gott um Beistand gegen dich anrufen! _

Bei diesen Worten nahm sie Hassan und Hussein (a.s.) an die Hand und wandte sich der Grabstätte ihres Vaters zu. 349

Sie wollte die Menge verdammen und das Unrechtregime Abu Bakrs durch Flehen und Rufen zu Gott stürzen ...

Ali Ibn Abi Tālib ( a . s .) sah , daß die Situation immer kritischer und explosiver wurde und Fātimah - Zahrā nicht von ihrem Vorhaben abzubringen war. Er gab Salmān Farsi zu verstehen:

Halt die Tochter des Propheten zurück und bringe sie von ihrem Plan, Abu Bakr und seine Leute zu verfluchen, ab. -

Salman trat auf Fātimah zu und sagte : O Tochter des Propheten ! Dein Vater war voller Erbarmen für die Menschen. Verzichte auf deinen Fluch! - Sie antwortete: Ich möchte mein Recht von diesem Tyrannen zurückbekommen! - Er: Ali schickt mich und läßt dir sagen, nach Hause zurückzukehren. -

Als sie diese Worte hörte, entgegnete sie: Weil Ali es so möchte, werde ich darauf verzichten und mich weiterhin in Langmut üben ...

Einer Überlieferung nach ergriff nun Fātimah(a .s.) die Hand Ali Ibn Abi Tālibs (a.s.)und ging mit ihm heim.-[199]

Was sagt uns diese Begebenheit?

Wenngleich dieser Kampf Hadrat -e- Fātimahs (a.s.) nicht lange dauerte und nur in kleinem Raume stattfand, war er dennoch aus mancherlei Hinsicht äußerst bemerkenswert und von Edelmut und Kühnheit gekennzeichnet.

Blenden wir ein wenig zurück:

Als sie erkannte, daß man Ali (a.s.) festnehmen wollte und dazu das Haus umstellt hatte, beschloß sie, ihn zu verteidigen. Das heißt, sie floh nun nicht etwa in Angst und Panik in irgendeinen Winkel, sondern stellte sich

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hinter die Haustür, um den Eindringlingen Widerstand zu leisten.

Auch dann noch, als diese schießlich gewaltsam ins Haus eindrangen, stellte sie sich ihnen mutig in den Weg, um eine Festnahme Ali Ibn Abi Tālibs ( a . s . ) zu verhindern. Sie bot den Gewalttätigen so entschlossen die Stirn, daß diese ihr ihren Schwertschaft in den Leib stießen und mit der Gerte auf sie einhieben.

Als es ihnen dann endlich gelang, Ali zu ergreifen, gab sie dennoch nicht auf, sondern hielt ihn, als sie ihn fortbringen wollten, an seinem Gewand zurück. Sie ließ ihn erst dann los, als ihre Arme und Hände von vielen harten Gertenhieben angeschwollen und nicht mehr in der Lage

waren, ihn halten zu können.

Dann, als sie ihn aus dem Haus zerren wollten, versperrte sie ihnen erneut den Weg, geriet zwischen Tür und Wand und wurde so stark gepreßt, daß sie schließlich eine Fehlgeburt erlitt ...

Später, zu sich gekommen und erkennend, daß ihre Verteidigung Ali Ibn Abi Tālibs im häuslichen Bereich ohne nennenswerte Wirkung geblieben und man ihn gewaltsam fortgeschleppt hatte, entschied sie, ebenfalls zur Moschee zu gehen und in aller Öffentlichkeit seine Verteidigung fortzusetzen.

Als sie jedoch dort verstand, daß sie weder durch Worte, Reden und Klagen etwas auszurichten und Abu Bakr und seine Leute nicht umzustimmen vermochte, beschloß sie, das letzte der ihr möglichen Mittel zu ergreifen:

Sie wollte sie verfluchen!

Ali Ibn Abi Tālibs (a.s.) aber, der sie bitten ließ, von diesem Vorhaben abzusehen, veranlaßte sie, auf den Fluch zu verzichten. Sie kehrte heim.

Hadrat -e- Fātimah - Zahrā (a.s.) wollte Ali (a.s.) schützen, mit allen ihr möglichen Mitteln. War sie erfolgreich und konnte sie verhindern, daß Ali zur Moschee geschleppt wurde, um dort den Treueid zu leisten, so war das ein Hinweis darauf, daß sie, Tochter des Propheten, Ali unterstützte und bestätigte und das Kalifat Abu Bakrs ablehnte.

Und gelang es ihr nicht, dann würde sie dennoch nicht in ihrer Verteidigung und ihrem Widerstand aufgeben.

Und dieses bewies sie.

Zerschunden, mit gebrochenen Rippen und leidend infolge der erlittenen Fehlgeburt, schleppte sie sich mühsam zur Moschee, klagte Abu Bakr und sein Kalifat an, machte die Leute darauf aufmerksam, daß er, nur um seine Interessen zu schützen, sich hergab, die Tochter des Propheten zu schinden und das Kind in ihrem Schoß - einen Enkelsohn des Propheten - zu Tode zu bringen.

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Sie warnte die Öffentlichkeit und war dieser ein lebendes, überzeugendes Beispiel für das Unrecht, daß das herrschende Regime Ahl-Beit zufügte.

Sie fürchtete sich nicht, vor keiner irdischen Gewalt. Aufgewachsen in der Fürsorge des Propheten und von diesem erzogen, ertrug sie um des göttlichen Zieles wegen Schmerzen, Leid und Drohung.

Sie setzte sich ein, verteidigte, leistete Widerstand, opferte sich auf ....

Fadak ...

Als Abu Bakr das Kalifat antrat, beschloß er, Fātimah (a.s.) das Gebiet "Fadak" zu nehmen. Es war ein keiner Ort mit einigen Häusern und Feldern, einige Farsah [200] von Medina entfernt. Fadak hatte einst den Juden gehört und war ein fruchtbarer Landstrich.

Die derzeitigen Besitzer Fadaks hatten vom Erfolg der Muslime im .Krlege Haybar gehört und eine Delegation zu Hadrat -e- Muhammad (s.a.s.) entsandt, um ein Friedensabkommen vorzuschlagen.

Der Prophet ging auf ihr Angebot ein, ein Friedensvertrag wurde unterzeichnet und die Hälfte der Ländereien Fadaks daraufhin dem Gesandten Gottes zur Verfügung gestellt, als sein" Hālasah ". [201],294

Gemäß Islamischem Recht fällt ein jedes Gebiet, das ohne Kampf erobert wird, dem Propheten zu. Die anderen Muslime haben keinen Anspruch darauf. Erträge der betreffenden Gegend verteilte Hadrat-e-Muhammad(s.a.s.) unter den Bani Hāschim, den Bedürftigen und Notleidenden.

Bis der Koranvers hinabgesandt wurde:

"Gib den Angehörigen, was ihnen zusteht!" [202]

و آت ذالقربي حقه

Laut dieser göttlichen Anweisung schenkte der Prophet nun Fadak seiner Tochter Fātimah (a.s.). -

Zu diesem Thema gibt es viele Ahadit Hadrat-e-Muhammads (s.a.s.). Unter anderem:

Abu Sa'id Hadari berichtet:

Als der 26. Vers der Sure Assrā herniederkam, sagte der Prophet zu Fātimah (a.s.):

herniederkam, sagte der Prophet zu Fātimah:

Fadak soll dir gehören! -[203] 'Atiyah überliefert:

Als der Vers

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و آت ذوالقربي

hinabgesandt ward, rief der Prophet Fātimah zu sich und schenkte ihr Fadak. [204]

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) sagte aus:

Der Gesandte Gottes schenkte zu seinen Lebzeiten Fātimah seine Ländereien Fadak. [205]

Fadak war kein wertloses, unbedeutendes Gelände, sondern ein üppiges, ertragreiches Gebiet, über das geschrieben wurde:

"Jährlich erbrachte es einen Erlös von etwa 24000 oder sogar 70000 Dinar" Folgende zwei Argumente bestätigen dieses:

Erstens:
Abu Bakr antwortete Fātimah, die zu ihm gekommen war, um Fadak zurückzufordern:

Fadak war nicht Eigentum des Gesandten Gottes, sondern Allgemeinbesitz der Muslime. Der Prophet finanzierte mit dem Erlös der Erträge aus den Fadaker Ländereien die Truppenentsendungen an die Front und spendete davon auf dem Wege Gottes. [207]

Zweitens:
Als Muaviah das Kalifat antrat, teilte er Fadak unter Marvān Ibn Hukm, Umar Ibn Utmān und Yazid Ibn Muaviah auf. [208]

Aus diesen beiden Angaben ist ebenfalls zu schließen, daß es sich bei Fadak um ein fruchtbares Gebiet mit beachtlichen Erträgen gehandelt haben muß, von dem Abu Bakr sagte, daß der Prophet mit seinen Erträgen die Kriege finanzierte und auf dem Wege Gottes spendete.

Zudem: Wenn es wertloser Grund und Boden gewesen wäre, hätte Muaviah diesen nicht unter Yazid - seinem Sohn - und zweien seiner Getreuen verteilt...

Warum schenkte der Prophet Fātimah
(a.s.)Fadak?

Wenn wir uns ein wenig näher mit dem Leben Hadrat-e-Muhammads (s.a.s.) befassen, werden wir recht schnell feststellen, daß er an Besitz und irdischen Gütern keineswegs interessiert war und alles, was er besaß, einsetzte zur Verwirklichung seiner hohen Ziele,

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u.a. der Verbreitung des Ein-Gott-Glaubens. Wir haben eingangs darüber gesprochen:

Auch das große Vermögen Hadiğahs, das diese ihm zur Verfügung gestellt hatte, verwendete er in in diesem Sinne, dieweil er, seine Frau (Hadiğah), Fātimah und Ali Ibn Abi Tālib (a.s.), der in ihrem Hause aufwuchs, ein sehr bescheidenes Leben führten. Wie oft hatte er sich einen größeren Stein gegen den Magen gebunden, um den Hunger nicht so quälend zu empfinden?!

Hadrat-e-Mohammad (s.a.s.) gehörte nicht zu jenen, die ihre Situation und Position zu ihrem eigenen Vorteil nutzen, sich bereichern oder ihren Angehörigen zu Besitz verhelfen.

Er wollte nicht einmal, daß seine Tochter einen Vorhang vor die Tür ihres Wohnraumes hängte, ein goldenes Halsband trug oder seine Enkel Hassan und Hussein einfache silberne Armbändchen erhielten.

Angesichtsdessen stellt sich die Frage, weshalb er nun die ertragreichen Ländereien Fadak seiner Tochter übergab?

Dieses war ungewöhnlich und konnte nicht ohne triftigen Grund geschehen sein!

Hierzu ist zu sagen:

Gott hatte Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) angewiesen, Ali Ibn Abi Talib(a.s.)als seinen Nachfolger und Statthalter zu ernennen. Auch wußte er, daß dieses mit Schwierigkeiten verbunden sein und so mancherlei Intrigen und Sabotagen gegen Ali erfolgen würden.

Ihm war klar, daß so manche der arabischen Sippen einem Kalifat Alis (a.s.)nicht wohlwollend gegnüberstanden, da dieser - Mann der Gerechtigkeit - sie in der Zeit ihrer Götzendienerei, als sie die Muslime verfolgten und zu Tode schunden - mit seinem Schwert bezwungen hatte.

Der Prophet dachte realistisch und wußte, daß Kalifat und islamischer Staat finazielle Mittel benötigten, um die Belange der Muslime regeln und gewährleisten zu können.

Unter den gegebenen Bedingungen und Umständen war es schwer, für ein ausreichendes Budget zu sorgen. Wenn Hadrat-e-Ali (a.s.) jedoch in der Lage war, Armen und Hilflosen aus ihrer Not zu helfen und den Bedürfnissen der Gesellschaft zu entsprechen, würden u.a. auch hier und dort schwelende Feindseligkeiten gegen ihn abgebaut und Sympathie geweckt werden können.

So schenkte er Fātimah(a.s.) Fadak und damit - so hoffte er dem von ihm bestimmten künftigen Kalifen. Darum, damit dieser die zu erwartenden Erträge unter den Bedürftigen verteilte. Das würde deren Not

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lindern und sie darüberhinaus möglicherweise veranlassen, ihn und sein Ahl-Beit zu unterstützen.

Zudem konnte ihm der Erlös aus den Ländereien Fadaks zu Beginn seines Kalifats dazu dienen, eventuelle Krisen und Engpässe leichter zu überwinden und die göttlichen Bestrebungen, die er - Muhammad (s.a.s.) in Angriff genommen hatte, gezielter fortzusetzen.

Es ist somit zu sagen, daß der Prophet Fadak nicht allein seiner Tochter schenkte, sondern ebenfalls auch Hadrat-e-Ali, dem von ihm bestimmten Propheten - Statthalter und dessen Nachfolgern aus seinem Hause. Er wollte ihnen damit in ihrem Führungsamt auch in materieller Hinsicht unt er die' Arme greifen, auf daß sie ihren finanziellen Verantwortungen ebenfalls gerecht werden konnten.

Zu Lebzeiten des Propheten stand Fadak Fātimah -Zahrā zur Verfügung. Sie nutzte einen geringen Teil seiner Erträge für sich und ihre Familie, das übrige aber gab sie hin, -

auf dem Wege Gottes, für Bedürftige und Notleidende ...

Wie schon eingangs gesagt: Als nun aber Abu Bakr das Regierungs-Zepter ergriffen hatte, beschloß er, Fātimah (a.s.) Fadak zu entwenden. Er wies daher seine Leute an, die Arbeiter und Bauern, die sie in den dortigen Ländereien angestellt hatte, zu vertreiben und sie durch eigene zu ersetzen. -

Was veranlaßte ihn zu dieser Enteignung?

Zwei wesentliche Beweggründe, die zu dieser Enteignung führten, sind in diesem Zusammenhang zu nennen:

Die Geschichte läßt uns wissen, daß Ayschah unter zwei Dingen litt:

Zum einen erwähnte der Prophet hin und wieder lobend die verstorbene Hadiğah, - etwas, das Ayschah verstimmte und Eifersucht in ihr wachrief.

Bisweilen protestierte sie und sagte:

Hadiğah war nichts anderes als eine alte Frau. Warum sprichst du bloß so

positiv von ihr!? -

Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) antwortete:

Wo gibt es eine Frau wie Hadiğah Sie war die erste Frau, die meiner Einladung zum Islam folgte. Ihr gesamtes Vermögen stellte sie mir zur Verfügung, damit ich es auf dem Wege Gottes ausgäbe. In allen Situationen, bei sämtlichen Aufgaben unterstützte sie mich.

Gott bestimmte ihre Tochter als "Quelle" meiner Nachkommenschaft. [209]

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Ayschah äußerte: Keiner Frau gegenüber habe ich je Neid empfunden, mit Ausnahme von Hadiğah, obwohl sie schon drei Jahre vor meiner Vermählung mit dem Gesandten Gottes starb. Doch der Prophet hatte sie hin und wieder anerkennend erwähnt. Zudem wies Gott ihn an, Hadiğah wissen zu lassen, daß im Paradies ein Schloß für sie bereitstünde.Auch kam es vor, daß er ein Schaf schlachten ließ, um dessen Fleisch Hadiğahs Freundinnen zu schicken ... [210]

Imam Sādig (a.s.) berichtet: Eines Tages, als der Gesandte Gottes nach Hause gekommen war, sah er, wie Ayschah vor Hadrat-e- Fātimah - Zahrā (a.s.) stand und in lautem, barschen Ton mit ihr sprach:

Du, Tochter der Hadiğah, du glaubst wohl, deine Mutter sei besser gewesen als ich! Welche Tugenden hatte sie, die ich nicht hätte?

Auch sie war nur eine Frau wie ich! -

Der Prophet hatte ihre Worte gehört. Als Fātimah ihren Vater erblickte, begann sie zu weinen. Der Prophet sprach:

Fātimah, mein Liebes, warum weinst du? Sie: Ayschah erniedrigt meine Mutter!

Der Prophet war erzürnt und sagte:

Ayschah, rede nicht so zu dem Kind!

Der allmächtige Gott segnete mich mit einer freundlichen und liebevollen Frau. Sie schenkte mir Kinder namens Tāhlr, Qāsim, Fātimah, Ruqayah und Zaynab, denen sie eine gütige Mutter war! -[211]

Zweitens:
Der Prophet war Fātimah in großer Zuneigung zugetan. Dieses aber rief in Ayschah ebenfalls eifersüchtige Empfindungen hervor. Sie litt darunter. Wie so viele Frauen empfand sie Unwillen gegen das Kind ihres Mannes, das nicht ihres war. Sie war so verärgert und verstimmt über das liebevolle Verhalten des Propheten seiner mutterlosen Tochter gegenüber, daß sie protestierte und sagte:

Wieso küßt du sie noch immer, obwohl sie doch schon verheiratet ist? Der Prophet antwortete:

Du weißt nichts über Rang und Stellung Fātimahs (a.s.) , sonst würdest du nicht so sprechen! [212]

Je mehr sie aber über Fātimah Anerkennendes hörte, umso stärker wurde ihre Ablehnung gegen sie. Eines Tages, als Abu Bakr, der Vater Ayschahs, den Gesandten Gottes aufsuchen wollte, hörte er, als er dessen Haus erreicht hatte, wie Ayschah in zeterndem, herrischen Ton

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zum Propheten sagte:

Bei Gott! Ich weiß, daß du Ali und Fātimah lieber hast als mich und meinen Vater! -

Abu Bakr trat ein und mahnte:

Warum sprichst du lauter als der Gesandte Gottes! [213]

Ganz abgesehen davon litt Ayschah darunter, daß sie kinderlos war, was ihre Eifersucht und Feindseligkeit gegen Hadiğah und Fātimah (a.s.) in gewisser Weise erklärt.

Bisweilen ging sie zu Abu Bakr und klagte bei ihm über Fātimah, und es ist anzunehmen, daß dieses nicht ohne Wirkung auf ihn blieb, da er sicherlich - als Vater - mit seiner Tochter fühlte ...

Als der Prophet gestorben war, weinte Fātimah und sagte: Welch schwere Zeit für mich! -

Abu Bakr gab ihr zur Antwort:

Ja, eine schwere Zeit steht dir bevor! _[214] Ein weiteres Argument...

Umar und Abu Bakr wußten: Qualitäten, Tugenden, Wissen, Bildung sowie Gewandtheit und Kampfesmut Alis (a.s.) waren nicht zu leugnen. Darüberhinaus hatte ihn der Prophet immer wieder den Muslimen empfohlen und als seinen Statthalter bekanntgegeben. Wenn nun auch noch seine wirtschaftliche Situation in Ordnung kam und er über finanzielle Mittel verfügte, konnte es sein, daß sich ihm die Bevölkerung anschließen würde, was Abu Bakrs Kalifat womöglich ins Schwanken brachte.

Auf diesen Punkt machte Umar Abu Bakr aufmerksam und sagte:

Abu Bakr, die Menschen hängen nun einmal an irdischen Dingen, anderes interessiert sie nicht sonderlich.

Es wird gut sein, wenn du Ali die Verantwortung für Humsgelder und Kriegsgewinne entziehst! Wenn seine Anhänger sehen, daß seine Hände leer sind, werden sie sich möglicherweise von ihm abwenden und dir zulaufen! [215]

Dieses und andere Motivationen waren es, die Abu Bakr veranlaßten, die Ländereien Fadaks zu beschlagnahmen ...

Reaktion Zahrās (a.s.) ...

Als man Fātimah - Zahrā berichtete, daß die Arbeiter und Gärtner, die sie in Fadak eingestellt hatte, um die Haine zu bewirtschaften, vertrieben worden waren, sah sie sich neuen Schwierigkeiten gegenüber.

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Sie wußte, was Abu Bakr und seine Leute im Schilde führten und kannte deren Beweggründe.

Ihr standen nun zwei Möglichkeiten offen:

Entweder schwieg sie, verzichtete auf ihr Recht und sagte:

Wir, die wir an irdischem Besitz nicht interessiert sind, wollen Fadak Abu Bakr überlassen! -

Sie konnte es ihm schenken und damit Gunst und Wohlwollen des "Herrschers der Muslime" auf sich lenken.

Die zweite Möglichkeit war, ihr Recht zu verteidigen.

Der erstgenannte Weg war selbstredend ausgeschlossen, denn sie war sich über die intriganten Absichten Abu Bakrs und seines Stabes im klaren.

Ali sollte jegliche Möglichkeit, Einfluß in der Gesellschaft zu gewinnen sowie das Kalifat irgendwann einmal antreten zu können, genommen werden. Dazu waren Abu Bakr und Gleichgesinnten jegliches Mittel recht, u.a. auch wirtschaftliche Repressalien.

Indem Fadak beschlagnahmt wurde, gingen Ali und Fātimah(a.s.) eine wichtige Einkommensquelle und finanzielle Absicherung verloren.

Fātimah sagte sich:

Durch diese ungerechtfertigte Enteignung Fadaks hat Ali (a.s.) einen guten Grund in der Hand, gegen die Willkür des Regimes anzugehen und dieses in aller Öffentlichkeit anzuklagen.

Und:

Wenn ich auf mein Recht verzichte und mich dem Unrecht füge, werden sich Abu Bakr und seine Freunde an solch despotisch-tyrannisches Handeln gewöhnen und auch die Rechte der übrigen Bevölkerung nicht mehr achten. Zudem wird diese, wenn sie sieht, daß ich mich nicht verteidige, annehmen, daß es richtig und gottwohlgefällig sei, sich Tyrannei und Gewalt zu fügen. -

Wenn ich Abu Bakr gewähren lasse, werden er und seine Nachfolger immer mehr von der Taktik "Volksbetrug und Volksverdummung" Gebrauch machen. -

Sie sagte sich:

Wenn ich mir als Tochter des Propheten mein Recht rauben lasse, werden die Leute glauben, daß Frauen keinen Anspruch auf soziale und wirtschaftliche Rechte haben, geschweige denn, sich zu verteidigen.

Ich aber bin im Lichte der göttlichen Offenbarung erzogen worden und habe Vorbild zu sein! Man kennt mich als islamischerzogene und gebildete Frau. An meinem Verhalten und Vorgehen orientiert sich die Muslima, darum darf

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ich mich nicht schwach zeigen und aufgeben. Ansonsten werden Stellung und Position der Frau im Islam unklar und verschwommen bleiben und man sie als unfähiges, unqualifiziertes Wesen einstufen.

Deratige Gedanken waren es, die Fātimah (a.s.) beschäftigten und ihr nicht erlaubten, den ersten, bequemeren Weg zu wählen. Sie entschloß sich daher, um ihre Rechte zu kämpfen, diese zu verteidigen.

Allerdings, ein solches Vorhaben ist nicht so einfach durchzuführen.

Eine einzelne Frau gegen ein gewaltiges Regime, nein, das war gewiß kein leichtes Untertangen. -

Jedoch Fātimah - Zahrā (a.s.), auf die Tapferkeit, Opfermut, Widerstandsgeist, Langmut und Standhaftigkeit der Eltern übergegangen waren und die seit ihrer Kindheit nichts anderes kennengelernt hatte, als daß es gilt, sich im Sinne und zur Verteidigung einer guten Sache einzusetzen, wußte, was sie zu tun hatte.

Sie fürchtete sich nicht vor den Gewaltmächtigen und ließ sich von diesen

nicht bezwingen! -

Zunächst:

Fātimah ging zu Abu Bakr und sprach: Warum hast du meine Leute, die ich in Fadak eingesetzt hatte, vertrieben? Mein Vater hat mir noch zu seinen Lebzeiten Fadak geschenkt! -

Abu Bakr erwiderte:

Obwohl ich weiß, daß du nicht lügst, mußt du Zeugen für deine Behauptung

herbeibringen! -

Fātimah zog daher Umm-e-Ayman und Ali (a.s.) als Zeugen hinzu.

Umm-e-Ayman sagte zu Abu Bakr:

Ich schwöre bei Gott! Weißt du, was der Prophet über mich gesagt hat? Weißt du, daß er gesagt hat, daß Umm-e-Ayman ins Paradies einkehren

wird? -

Abu Bakr entgegnete: Jawohl, das weiß ich!

Darauf Umm-e-Ayman:

Nun bezeuge ich also, daß der Prophet, nachdem die Ayah

و آت ذاالقربي حقه

herniederkam, Fadak Fātimah geschenkt hat! -

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) bezeugte ebenfalls diese Begebenheit.

Abu Bakr hatte keine andere Wahl, als Fadak an Fātimah (a.s.)zurückzugeben. Er setzte ein diesbezügliches Schreiben auf und händigte ihr dieses aus.

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Da trat Umar hinzu und fragte:

Was geht hier vor? Abu Bakr antwortete:

Da Fātimah sagt, Fadak gehöre ihr und Zeugen für ihre Aussage erbrachte, habe ich ihr die Ländereien zurückgegeben. -

Umar entriß Fātimah (a.s.) das Schreiben, spuckte darauf und vernichtete es. Daraufhin sagte Abu Bakr, Umars Vorgehen unterstützend:

Entweder mußt du noch einen weiteren männlichen Zeugen herbeiholen oder aber abgesehen von Umm-e-Ayman, noch eine weitere Frau, die deine Worte bezeugt! -

Fātimah verließ mit Tränen in den Augen das Haus Abu Bakrs.

Einer anderen Überlieferung zufolge schworen Umar und Abdul Rahmān, daß der Prophet den Erlös aus den Erträgen Fadaks unter den Muslimen verteilt habe. [216]

Eines Tages ging Ali (a.s.) zu Abu Bakr und sagte: Warum hast du Fadak, das der Gesandte Gottes Fātimah(a.s.) geschenkt hat, enteignet?

Abu Bakr antwortete:

Sie muß Zeugen herbeibringen, die ihre Aussage bestätigen. Da ihre Zeugen nich ausreichen, ist deren Bezeugung nicht anerkannt worden. Ali Ibn Abi Tālib (a.s.):

Abu Bakr, willst du in bezug auf uns nach anderen Gesetzen als denen, die für die übrigen Muslime gelten, urteilen? -

Abu Bakr: Nein!

Ali (a.s.):

Nun frage ich dich: Wenn jemand Geld in Händen hätte, von dem ich sagte, es sei meines und zu dir käme, damit du diesbezüglich Recht sprächest, .. , von wem würdest du Zeugen verlangen? -

Abu Bakr: Von dir, da das Geld in Händen eines anderen ist. Daraufhin Ali Ibn Abi Tālib (a.s.):

Warum verlangst du dann, daß Fātimah Zeugen für ihre Aussage bringt, da doch Fadak in ihrem Besitz war, als du es enteignetest? -

Abu Bakr schwieg. Auf diesen Einwand Ali Ibn Abi Tālibs (a.s.)vermochte er nichts zu erwidern.

Umar aber sagte:

O Ali, laß derartige Reden! [217]

Ganz sicherlich war das Recht auf Fātimah-Zahrās (a.s.)Seite, denn Fadak hatte sich in ihrem Besitz befunden, hatte ihr gehört.

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Darum schrieb Ali (a.s.) in einem seiner Briefe:

Das, über das wir an irdischen Gütern verfügten, war Fadak.

Doch die einen hatten es in ihrem eigennützigen Bestreben an sich genommen und die anderen stimmten diesem Unrecht zu. [218]

Den rechtlichen Bestimmungen entsprechend hatte nicht Zahrā(a.s.)Zeugen zu erbringen, sondern Abu Bakr. Dieser jedoch trat diese feststehende rechtliche Anordnung mit Füßen.

Zunächst vermochte Hadrat-e- Fātimah (a.s.) ihr Recht erfolgreich durchzusetzen, anhand logischer Argumente und unanfechtbarer Zeugenaussagen. Abu Bakr sah sich genötigt, ihr Fadak zurückzugeben. Dann aber erschien Umar ...

Er machte die Rückgabe Fadaks an Fātimah -Zahrā mittels List und Gewalt wieder rückgängig.

Noch ein Argument

Eines Tages ging Fātimah (a.s.) zu Abu Bakr und sprach - unter Anführung von Beweisen und Begründungen - über ihr väterliches Erbe.

Sie sagte:

O Abu Bakr! Warum gibst du mir nicht, was mir mein Vater hinterließ? Abu Bakr entgegnete:

Propheten vererben nichts! -

Sie: Hat Gott denn etwa im Koran nicht gesagt;

"Salomon war Davids Erbe." [219]

Hat Salomon etwa nicht von David geerbt?? -

Abu Bakr wußte darauf nichts zu antworten, er sagte daher nur verärgert:

Habe ich dir nicht gerade gesagt, daß Propheten nichts vererben? Sie: Hat etwa der Prophet Zacharias nicht zu Gott gesprochen:

فهب لي من لدنك وليا يرثني و يرث من آل يعقوب

"Gewähre du mir darum einen Nachfolger, auf daß er mein Erbe sei und Erbe von Jakobs Haus!" [220]

Wieder entgegnete Abu Bakr:

Ich habe dir doch gesagt, daß Propheten nichts vererben! Hadrat -e- Fātimah (a.s.) wand erneut ein:

Hat Gott denn im Koran nicht gesagt:

يوصيكم الله في اولادكم للذكر مثل حظ الانثيين

Jene, die den Besitz der Waisen widerrechtlich verzehren, schlucken

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Feuer in ihren Bauch, -

sie sollen in flammendes Feuer stürzen! -[221]

o Abu Bakr, bin ich etwa nicht Kind des Propheten? Abu Bakr konnte ihr keine überzeugende Antwort geben.

Ihrer unanfechtbaren Logik war er nicht gewachsen. Nichts anderes blieb ihm, als hartnäckig zu wiederholen:

Propheten vererben nichts! [222]

Um sein widerrechtliches Vorgehen zu rechtfertigen, brachte Abu Bakr einen angeblichen Ausspruch des Propheten an:

Wir Propheten vererben nichts! -

Und Ayschah und Hafasah bestätigten diese Aussage Abu Bakrs. [223]

Wie festzustellen ist, vermochte Hadrat -e- Fātimah(a.s.)anhand unwiderlegbarer Verse aus dem Heiligen Koran überzeugend zu argumentieren. Sie machte Abu Bakr klar, daß das, was er als Prophetenwort zur Antwort gab, im Widerspruch stand zu dem, was der Koran aussagte.

Ein jeder Hadit aber, der eine andere Aussage hat als der Koran, ist nicht akzeptabel.

Abu Bakr, überführt, sah keinen anderen Ausweg, als immer wieder das gleiche zu entgegnen:

Propheten vererben nichts! -

Interessant hierbei ist, daß die gleiche Ayschah, die die Richtigkeit der Aussage Abu Bakrs bestätigte, -

später aber, zu Zeiten des Kalifats Utmāns, von diesem das Erbe des Propheten verlangte.

Utmān hatte ihr daraufhin geantwortet:

Hast du denn damals nicht gesagt, daß der Prophet geäußert habe: ‘Wir Propheten vererben nichts',

weshalb Fātimah (a.s.) auf das Erbe ihres Vaters verzichten mußte??

Wie kommt es, daß du nun auf das Erbe des Propheten Anspruch erhebst?! [224]

Sie stellt den Kalifen in aller Öffentlichkeit zur Rede

Hadrat -e- Fātimah (a.s.) war also an hand begründeter, unwiderlegbarer Argumente - d.h. Versen aus dem Heiligen Koran - in der Lage, ihren Widersacher zu bezwingen, so daß er keine Antwort

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wußte und sich in seiner Ausweglosigkeit sogar eines fingierten Hadit bediente, -

er scheute sich nicht, ihrem Recht und ihrer Wahrheit Gewalt und Unwahrheit gegenüberzusetzen!

Das gab zu denken!

Sie hatten ihrem Gatten das Kalifat vorenthalten und kannten keine Skrupel,

sogar den Versen des Heiligen Koran die Stirn zu bieten.

Weshalb nur handelten sie gegen die koranische Anordnung?

Wieso gab Abu Bakr Fātimah ein Beglaubigungsschreiben, aus dem hervorging, daß Fadak ihr gehörte, wohingegen Umar ihr dieses wieder entriß und vernichtete?

Wie verhielten sich Abu Bakr und Umar?!

Abu Bakr hatte das Kalifat - die Prophetenstatthalterschaft - an sich genommen und argumentierte nun mit einem fingierten Hadit. um sich des Rechtes Alis und Fātimah (a.s.) zu bemächtigen.

Derartige Männer wollten Islam und Koran bewahren? -

Sie, Fātimah (a.s.), hing gewiß nicht an Fadak. Es ging ihr nicht um irdischen Besitz. Jedoch wie konnte sie dem ungerechten, widerrechtlichen Vorgehen dieses Regimes schweigend zusehen??

Niemals durfte sie das!

Daher sagte sie sich:

Ich muß Abu Bakr in aller Öffentlichkeit zur Rede stellen und die Rechtmäßigkeit meiner Forderung unter Beweis stellen!

Ich muß den Leuten zu verstehen geben, daß dieser Kalif, den sie gewählt haben, nicht gemäß Islam und Gottes Wort handeln will!

Er tut, was ihm gefällt ...

Ja, ich werde zur Moschee gehen und in Gegenwart aller reden!

Wie eine Bombe war diese Nachricht in der Stadt eingeschlagen.

Fātimah, die Tochter des Propheten, wird in der Moschee eine Rede halten! Über was möchte sie sprechen?

Wie wird der Kalif darauf reagieren?

Wir wollen hingehen und hören, was sie zu sagen hat...

Alle, die ehemaligen Emigranten aus Mekka und die einheimische Bevölkerung Medinas, die "Ansār",[225] , eilten zur Moschee.

Die Frauen der Bani Hāschim gingen zum Hause Fātimah Zahrās (a.s.), um sie zu begleiten. Sie, die große, edle Frau - Vorbild einer Muslima - kam ihnen entgegen. Sie umringten sie, nahmen sie in ihre Mitte.

Zahrā (a.s.) ging gemessenen Schrittes und voller Würde zur

(137)

Moschee, wie seinerzeit der Prophet. Als sie das Gotteshaus betrat, hängte man einen Vorhang für sie auf. Sie seufzte schwer. Es war viel, was in der letzten Zeit auf sie eingestürzt war ... ,

der Verlust des Vaters, all die schmerzlichen Ereignisse.

Ihr aus der Tiefe ihres Herzens kommendes Schluchzen bewegte die Menge, die in Tränen ausbrach. Fātimah-Zahrā (a.s.) bezwang sich, wurde ruhig, damit die Leute sich beruhigten. Dann begann sie zu reden. Wieder erhob sich Klagen und Weinen. Sie verstummte, bis die Versammelten zur Ruhe gefunden hatten. Von neuem hob sie an zu sprechen ...

Rede Fātimahs (a.s.)

Ich preise Gott für Seine Huld und Güte und danke Ihm für das Gelingen, das Er uns gewährte wie auch für Seine mannigfaltigen guten Gaben, die grenzetllos sind. Sie sind so zahlreich und vielfältig, daß wir uns für sie nicht in gebührender Weise erkenntlich zeigen, sie nicht voll ausschöpfen und sie nicht vollkommen begreifen und fassen können. Er erwartet von uns, daß wir Seine Huld und Güte zu schätzen wissen und Ihm dafür danken, auf daß Er sie noch um weiteres vermehrt.

Er will, daß wir Ihn lobpreisen, auf daß Er uns noch mehr mit Seiner Huld beschenkt.

Ich bezeuge, daß Er der Einzige, der Eine Gott ist!

Es ist die Lauterkeit, die dem Ein-Gott-Bekenntnis (Tawhid) - das die Herzen bezeugen und Geist und Denken erhellt - Echtheit und Lebendigkeit verleiht

Er schuf die Welt aus dem Nichts und bedurfte ihrer Entstehung nicht. Er schuf sie nach Seinem Willen. Mit ihrer Erschaffung verfolgte er keinen eigenen Nutzen. Er schuf die Welt, um seine absolute Souveränität . zu beweisen und hinzuweisen darauf, daß Ihm zu gehorchen ist. Um Seine Allmacht zum Ausdruck zu bringen, um Seine Geschöpfe zu veranlassen, Ihn anzubeten, um Seinem Aufruf Majestät und Nachdruck zu verleihen!

Ich bezeuge, daß Muhammad (s.a.s.) - mein Vater - Diener und Gesandter Gottes ist!

Bevor Er ihn entsandte, erwählte Er ihn. Bevor Er ihn erschuf, nannte Er ihn "Muhammad'.

Lange vor seiner Ernennung zum Propheten wählte er ihn, -

zu jener Zeit, als Seine Geschöpfe noch in der Welt des Verborgenen

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weilten und noch nicht hervorgegangen waren.

Da Gott über das Zufkünftige weiß, Kenntnis hat über das, was geschieht und im Bilde ist über die Geschicke, hat Er Muhammad (s.a.s.) gesandt, auf daß dieser Sein Gebot erfülle, Seine Anordnung durchführe und in die Tat umsetze Seinen Willen. -

Die Menschen waren in ihrer Religion uneins geworden, brannten im Feuer des Unglaubens und der Ahnungslosgikeit. Sei beteten Götzen an und beachteten nicht die Weisungen des Schöpfers, ihres Herrn.

Das segensreiche Wirken Muhammads erhellte die Finsternisse und beseitigte Dummheit und Ignoranz der Herzen. -

Mein Vater erhob sich, um die Menschen rechtzuleiten, um sie aus ihrer Verirrung zu erretten. Er nahm ihnen Blindheit und ließ sie sehend werden. Er führte sie dem Islam zu und lud sie ein zum rechten Weg. Daraufhin nahm Gott Seinen Gesandten - in Huld und Güte - zu sich.

Und nun ist mein Vater verschont von den Unbillen dieser Welt und weilt gemeinsam mit den Engeln in der Nähe Gottes, seines gnadenvollen Herrn, -

eingetaucht in dessen Wohlgefallen.

Gesegnet sei der Prophet, der Aufrichtige, Wahrhaftige, der

auserwählt wurde, um die göttlichen Offenbarungen zu empfangen und zu verkünden. -

Nach diesen einleitenden Worten wandte sie sich der Menge zu und sprach: Leute! Ihr seid Treuhänder dessen, was Gott gebot und untersagte. Ihr seid ausgerüstet mit der Religion und den Belehrungen des Gesandten. Seid aufrichtig und verläßlich gegen euch selbst. Ihr seid es, die die Religion den anderen Völkern zu verkünden habt. -

Der tatsächliche Statthalter (Kalif) des Propheten ist unter euch.

Gott hat euch zuvor dazu verpflichtet, ihm zu folgen.

Er ist das "sprechende Buch" Gottes, wahrheitsgetreuer Koran und leuchtendes Licht.

Sein geistiges Auge ist hell und strahlend, sein Inneres klar und offenkundig wie sein Äußeres. (Das, was er in seinem Herzen hegt, entspricht seinem Tun und seinen Worten d.Ü.)

Seine Anhänger fordern seinen Amtsantritt, und ihm zu folgen bedeutet, von ihm ins Paradies geführt zu werden. Wer seinen Reden lauscht und seinem Wort gemäß handelt, findet Errettung.

Sein segensreiches Dasein läßt die strahlenden Zeichen Gottes erkennbar werden. Mit seiner Hilfe sind die klaren Beweise, Gesetze, die

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Schari'ah und all das, was uns zur Aufgabe gesetzt bzw. untersagt ist wie auch jenes, das uns als "Mustahabāt"[227] empfohlen wurde, zu erfahren.

Gott gab uns die Religion, um uns von Häßlichem, Verderblichem und "Schirk,,[228] fernzuhalten. Das Gebet setzte Er uns zur Pflicht, damit es uns gegen Hochmut schütze. Die Zakat[229] hat Er uns aufgetragen zur Läuterung unserer Seele und um des täglichen Brotes aller willen.

Däs Fasten ordnete Er an zur Kräftigung unserer Lauterkeit. Und den Hağ, zu dem Er Seine Geschöpfe verpflichtete, bestimmte Er zur Festigung und Untermauerung des Ein-Gott-Glaubens.

Die Gerechtigkeit dient der Ordnung und dazu, daß sich die Herzen näherkommen. Daß jene aus dem Ahl-Beit24 befolgt werden, stärkt Ordnung und Harmonie in der Gemeinschaft der Muslime, und das Imāmat setzte Er ein, damit Spaltung und Zerwürfnis in der Ummah verhindert werden mögen.

Geduld und Langmut rufen das Wohlgefallen Gottes hervor, und das Gebot 'Gutes gebieten und Schlechtes verwehren' setzte Er im Sinne des Allgemeinwohles zur Pflicht.

Respekt und Güte gegenüber den Eltern - wozu Er aufruft - führen dazu, daß sich Söhne und Töchter nicht deren Mißfallen und Zorn auf sich ziehen. Er empfahl, daß wir uns um unsere Verwandten kümmern, etwas das zu einer längeren Lebensdauer führt.

Treue gegenüber Versprechen bezeichnete Er als Anlaß zu Vergebung, und um Häßlichem und Verderben vorzubeugen, untersagte Er den Genuß von Alkohol. Das Vermeiden von Verleumdung, Lästerei und Unzucht schützt gegen Verdammnis, und nicht zu stehlen und zu rauben, dient Redlichkeit und Keuschheit. Um der Lauterkeit der Herzen willen untersagte Er Abgötterei und Götzendienst.

Folgt den Weisungen und Geboten Gottes also und bedenket, daß es die Wissenden und Gelehrten sind, die Gott in Ehrfurcht ergeben sind. -Weiter sprach sie:

Ich bin Fātimah und mein Vater ist Muhammad, Nun will ich euch berichten, was geschah. Wisset, daß ich nicht die Unwahrheit spreche und mich nicht irre!

Gott hat euch einen Propheten aus eurer Mitte geschickt! Dieser trauerte, wenn ihr trauertet, fühlte mit euch und war euch in Freundschaft zugetan. Gegenüber den Gläubigen war er stets gütig und empfand mit ihnen. -

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Der Prophet war mein Vater, nicht der Vater eurer Frauen! Er war der Bruder meines Vetters, nicht der Bruder eurer Männer.

Wie beglückend ist es doch, mit Muhammad verwandt zu sein!

Muhammad hat seine Mission erfüllt. Er hat sich gegen den Götzendienst erhoben, bis das die Götzendiener besiegt waren.

Dann nahm er sie bei der Hand und lud sie mit Weisheit und freundlicher Ermahnung zu Gott ein. Die Götzen zerschlug er und mühte sich, bis daß die Finsternisse wichen und das Wahre erkennbar wurde.

Der Prophet sprach mit gütigen, zu Herzen gehenden Worten. Die Satane verstummten, die Heuchler und Zwietrachtstifter flohen und Fesseln und Ketten der Gotteslästerei brachen auf.

Ihr sprachet mit Ahl-Bayt24 das Glaubensbekenntnis (Schahadat), obgleich ihr bereits am Rande des Höllenschlundes standet. Ihr wart für Tyrannen und Gewalttätige leicht zu gewinnen, kamt ihren Wünschen entgegen und wurdet denen, die das Feuer wollten, zu erwünschten Flammen und wart zertreten von den Stämmen.

Ihr tranket fauliges Wasser, nährtet euch von den Häuten der Tiere und Blättern der Bäume. Stets wart ihr gedemütigt und erniedrigt von anderen und lebtet in Schrecken und Angst vor den Stämmen um euch herum.

Nach all diesem errettete euch Gott durch Muhammad. Meinem Vater,der den Kriegern und Tyrannen der arabischen Stämme und Widersachern aus den Reihen der Ahl-Kitāb[230] gegenüberstand, hat Gott immer, wenn sie das Feuer des Krieges gegen ihn entfachten, dieses zum Erlöschen gebracht. Und wann immer sich einer der Satane ihm entgegenreckte oder einer der Götzendiener gegen ihn den Mund aufriß, stellte Muhammad ihm seinen Bruder Ali (a.s.) entgegen.

Und Ali zog sich nicht eher zurück, bis daß er sie bezwungen hatte. Um des Wohlgefallen Gottes willen ertrug er alle Härten und Mühsal und kämpfte unerschrocken und unermüdlich auf dem Wege Gottes. Stets war er zu Ğihād bereit. Er lud die Menschen zu dem Einzigen Gott ein und führte Ğihād, diewiel ihr in Ruhe dasaßet, lachtet und es euch wohl sein ließet, -

diewiel ihr auf eine günstige Gelegenheit und "schlechte" Nachrichten

wartetet.

Wenn ein Krieg gegen die Muslime angezettelt wurde, so verwahrtet ihr euch dagegen, dem Feind gegenüberzutreten,

bis daß Gott Seinen Gesandten abberief und ihn mit den ihm vorausgegangenen Propheten und Auserwählten vereinte.

Nun traten eure Feindseligkeit, die ihr in euren Herzen hegtet und eure

(141)

Doppelzüngigkeit offen zu Tage.

Euer religiöses Gehabe wurde durchschaubar. Die in die Irre Gegangenen hoben an, zu reden, und Satan steckte seinen Kopf aus dem Hinterhalt hervor und lud euch zu sich ein.

Und ihr ... ,

ihr gingt auf seine Einladung ohne zu zögern und nachzudenken ein und verneigtet euch vor ihm.

Er verführte euch und ihr begannet nach seiner Pfeife zu tanzen. Er gab den Befehl zu Gewalt und Tyrannei, und ihr übtet euch in Gewalttätigkeit und Unrecht.

Des Kamels, das euch nicht gehörte, bemächtigtet ihr euch, triebt es an und saßet an einem Wasserloch, das nicht das eure war, nieder, obwohl seit dem Tode des Propheten noch nicht viel Zeit vergangen war. Noch brannte der Schmerz in unseren Herzen, noch waren die Tränen nicht getrocknet, noch war der Prophet nicht in die Erde gesenkt worden, als ihr, unter dem Vorwand, Intrigen und Aufruhr vorbeugen zu wollen, das Kalifat an euch risset.

Aber wisset, daß ihr euch selbst mitten hinein in Intrigen und Unfrieden begabt und die Flammen der Höllenverdammnis hoch hinaufzüngeln. Wohin begabt ihr euch, dieweil doch das Buch Gottes in euren Händen ist und das Wort Gottes offenkundig ... ,

angesichts dessen doch Seine Gebote und Weisungen klar und deutlich sind?! Wahrlich! Ihr handeltet gegen den Koran, wandtet ihm den Rücken. Wollt ihr etwa den Koran kritisieren?

Oder wollt ihr mit anderen Maßstäben, als der Koran euch gibt, urteilen! Doch bedenket, daß jeder, der sich einer anderen Religion zuwendet, von Gott nicht akzeptiert und im Jenseits zu den Verlierern zählen wird. Ihr wartetet nicht ab, bis daß sich die Flammen der Unruhe legten und diese leichter zu bewältigen war. Die Einladung Satans nahmt ihr an und begannt, das Licht der Religion und die Tradition des. Propheten auszulöschen. Ihr warfet alles um und begegnetet dem Ahl-Beit 24 des Propheten mit List und Tücke.

Euer Vorgehen trifft gleich einem Messer, gleich einer Lanze mitten ins Herz hinein!

Meint ihr wohl, wir sollten von unserem Vater nichts erben dürfen?

Seid ihr denn zu den Gesetzen der Zeit der Unwissenheit und Ignoranz [231] zurückgekehrt, obgleich doch die göttlichen Gesetze besser als alle anderen sind?!

Wißt ihr denn nich, daß ich die Tochter des Propheten bin? Warum

(142)

verhaltet ihr euch dann so? Ihr wißt es und es ist euch klar, klar wie das Licht der Sonne!

Muslime! Ist es recht, daß mir das Erbe meines Vaters vorenthalten wird? Abu Bakr! Steht denn im Buche Gottes geschrieben, daß du das Erbe deines Vaters antreten kannst, mir das Erbe meines Vaters aber nicht

zusteht? Eine große Lüge habt ihr gegen Gott hervorgebracht!

Wendet ihr euch in voller Absicht und bewußt vom Buche Gottes ab? Spricht Gott etwa nicht im Koran:

Salomon trat das Erbe Davids an!

Werden im Koran denn nicht die Worte des Zacharias wiedergegeben: o Herr! Schenk mir einen Nachkommen, der mein Erbe antritt und Erbe des Hauses Jakobs sein wird? -

Sagt Gott vielleicht nicht in Seinem Buch:

Einige der Angehörigen haben in bezug auf das Erbe Vorrang vor den anderen.

Gott gebietet im Koran, daß sowohl die Söhne als auch die Töchter erben sollen! Heißt es denn nicht in dem Heiligen Buch:

Ihr seid, da euch der Tod ereilen wird, angewiesen, euren Besitz Vater, Mutter und eurer eigenen Familie zu vermachen und zwar der Gerechtigkeit, die sich für die Tugendhaften geziemt, entsprechend? Sprecht ihr mir etwa meine familiäre Bindung zu meinem Vater ab und damit das, was er mir hinterläßt?

Seid denn nur ihr von dem göttlichen Erbgesetz angesprochen, mein

Vater aber nicht?

Wollt ihr mir vielleicht deshalb mein Erbe vorenthalten, weil Angehörige zweier Religionen einander nicht beerben können?

Gehören denn mein Vater und ich nicht der gleichen Religion an?

Habt ihr denn mehr Kenntnis über die Worte des Koran als mein Vater und meine Mutter?

o Abu Bakr! Kalifat und Fadak hast du an dich genommen, aber am Tage der Auferstehung werde ich dich zur Rede stellen, -

das heißt dann, wenn Gott Herrschaft und Beurteilung ganz allein in die Hand nehmen wird.

Und Muhammad wird der beste aller Führenden sein.

o Sohn des Abi Quhafäh! Wir werden uns am Tage der Auferstehung sprechen, an jenem Tage, da der Schaden, den die Schwätzer erleiden, offenkundig und Reue und Bedauern ohne Wert sein werden. Recht bald werdet ihr den Zorn Gottes zu spüren bekommen!

Daraufhin wandte sie sich den Ansār zu und sprach:

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o ihr, die ihr Emigranten und Islam unterstütztet! Warum verhaltet ihr euch nun so passiv, da es um meine Rechte geht? Warum schweigt ihr zu dem Unrecht, das uns zugefügt wird?

Sagte denn mein Vater nicht:

Eure Wertschätzung Personen gegenüber ist auch im Zusammenhang mit deren Nachkommen zu wahren? -

Wie schnell habt ihr euch doch auf Komplott und Unrecht eingelassen?! Wie eilig habt ihr euren Begierden freien Lauf gegeben?

Ihr seid in der Lage, das Unrecht, das mir angetan wird, aus der Welt zu schaffen. Ihr vermögt, mir zu meinem Recht zu verhelfen!

Ihr sagt:

Muhammad ist tot. -

Ja, 'er ist tot. Aber es ist ein großes Unglück, dessen Ausmaß tagtäglich

zunimmt. Sein Nicht-Mehr-Unter-Uns-Sein wird mit jedem Tag schmerzlicher und breitet finstere Schatten auf Erden aus.

Sonne und Mond verloren ihr Licht und die Sterne stoben auseinander. Hoffnungen wurden. ohne Zuversicht und die Berge begannen zu schwanken, bersten auseinander.

Man zollt dem Propheten keine Achtung mehr. Bei Gott, ein schweres Leid, wie man es bisher nicht sah!

Doch das Buch Gottes, in dem des Abends und in den frühen Morgenstunden gelesen wird, gibt Kunde von diesem Leid.

Die Propheten sterben wie alle Menschen.

Gott spricht im Heiligen Koran:

Muhammad ist wie die anderen Propheten, die ihm

vorausgegangen sind.

Wenn er stirbt oder getötet wird, werdet ihr euch dann von der Religion abwenden?

Wer sich aber von der Religion abwendet, fügt Gott damit keinen Schaden zu.

Gott aber wird die Dankbaren belohnen! [232]

o ihr Söhne und Töchter der Qaylah! Ist es denn recht, daß mir das Erbe meines Vaters vorenthalten wird, dieweil ihr doch hört, seht und an dieser Versammlung teilnehmt?!

Ihr habt meine Worte vernommen und wißt über den Sachverhalt Bescheid! Obwohl ihr zahlreich und stark seid, obwohl ihr über Waffen verfügt, obwohl meine Bitte um Unterstützung zu euch drang, so seid ihr dennoch nicht ,bereit dazu.

Ihr hört mein Rufen um Beistand, doch helft ihr mir nicht! Ihr seid

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bekannt für Tapferkeit, für gute Werke und Wohltätigkeit, ihr seid die Auserwählten der Auserwählten,

seid für uns - Ahl-Bayt - erwählt worden.

Ihr kämpftet gegen Adler, ertrugt Härten und Not, fochtet gegen die feindlichen Stämme und zogt gegen starke Krieger zu Felde.

Wenn wir aufbrachen, zogt ihr mit uns, an unserer Seite.

Wir riefen auf, ihr folgtet.

Bis daß der Islam erblühte, unsere Erfolge anwuchsen und die Götzendiener sich uns ergaben.

Die Lüge wurde schwach und das Feuer des Unglaubens erlosch. Ignoranz, Arroganz und Unfrieden legten sich, -

die Ordnung unserer Religion begann ...

Ihr aus den Reihen der Ansār! Wohin eilt ihr, verblendet und voller Hast! Warum verbergt ihr die Wahrheit, da sie doch offenkundig ward? Warum wandtet ihr euch der Abgötterei zu, nachdem ihr doch glaubend wurdet?

Wehe jenen, die ihren Glauben verließen, ihr Abkommen und Bündnis brachen, die beschlossen, den Gesandten Gottes der Stadt zu vertreiben und mit der Fehde begannen.

Ängstigen sie sich denn etwa vor den Munāfiqān 350, dieweil sie doch Gott fürchten müßten?!

Jenen, der ganz gewiß. geeigneter und würdiger ist, euch zu führen, stießet ihr beiseite und gabt euch der Begierde hin.

Ihr verließet das weite Feld des Lebens und Ğihāds und warft euch Gleichgültigeit und Bequemlichkeit in die Arme.

Das, was ihr in eurem Herzen bewahrtet, kehrtet ihr fort. Das Gute, zu dem ihr euch bekanntet, ward euch wertlos.

Doch wisset, auch wenn ihr und alle Menschen auf Erden Gott trotzen wollten ... ,

Er bedarf eurer nicht!

Das, was ich sagen mußte, sagte ich, wenngleich ich weiß, daß ihr mich dennoch nicht unterstützen werdet.

Eure Pläne gegen mich sind mir nicht verborgen.

Ich habe euch das, was mich so sehr bedrückte, mitgeteilt, darum, daß es euch eine Ermahnung sei!

Haltet Fadak und das Kalifat fest. Bedenket aber, daß dieses zu Schwierigkeiten und Problemen führen wird und daß Schmach und Unehre euch deswegen stets begleiten werden.

Der Zorn Gottes wird euch schmerzlich treffen und peinvoll ist das

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Feuer der Verdammnis!

Gott weiß über euer Tun und Lassen, und es wird nicht lange dauern, da die Tyrannen die bittere Folge ihres Vorgehens spüren werden. -

Leute! Ich bin die Tochter des Gesandten Gottes, der euch vor dessen Zorn warnte!

Handelt nun, wie ihr wollt und könnt, - wir werden es euch vergelten! Wartet nur ab! Auch wir warten ab. [233]

Reaktion des Kalifen

Hadrat-e-Fātimah (a.s.) brachte ihre Rede - in Anwesenheit mehrerer Tausend Menschen, einschließlich Abu Bakr - zu Ende.

Sie hatte den Kalifen mit handfesten Argumenten und plausiblen Begründungen zur Rede gestellt und sein ungerechtfertigtes, ungerechtes Verhalten und Vorgehen angeprangert, darüberhinaus die Tugenden und Qualitäten des rechtmäßigen Kalifen und Statthalters des Propheten - Ali (a.s.) - genannt.

Unruhe hatte die Menge ergriffen. Die Atmosphäre war gespannt. Man stimmte den Worten Zahrās zu. Abu Bakr sah sich in einer Sackgasse. Wenn er sich der Öffentlichen Meinung anschließen und Fadak Fātimah zurückgeben wollte, mußte er zwei Risiken in Kauf nehmen.

Zum einen war es nicht ausgeschlossen - so sagte er sich - daß Fātimah, falls sie in bezug auf Fadak siegreich sein sollte, morgen ebenfalls Anspruch auf das Kalifat für Ali (a.s.) erheben würde, möglicherweise wieder im Rahmen einer derartigen Rede.

Ibn Abl-l-Hadid schreibt: Ich fragte Ali Ibn Fāruqi, einen Lehrer an der Schule Garbiah, Bagdad:

Bestand der Anspruch, den Fātimah erhob, zu Recht? Er: Ja!

Ich: Warum gab dann aber Abu Bakr Fadak nicht an sie zurück? Ihm war

doch klar, daß sie Recht hatte!

Der Gelehrte lächelte und antwortete:

Wenn er ihr an jenem Tage Fadak zurückgegeben hätte, konnte sie am nächsten Tag das Kalifat für ihren Gatten fordern. Abu Bakr hätte dann sein Amt abtreten müssen, ohne daß er in der Lage gewesen wäre, etwas dagegen zu unternehmen. Schließlich war sie als diejenige, die die Wahrheit sprach und Recht hatte, bestätigt worden. [234]

Zum anderen: Wurde Fātimah Recht gegeben, so müßte er seinen

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Fehler eingestehen. Das konnte ihm aber teuer zu stehen kommen, da seine Gegner dadurch politischen Aufwind erhielten. Eine solche Gefahr konnte seine Regierung kaum überstehen.

Zudem war Abu Bakr kein Typ, der so schnell aufgab und das Feld räumte Er hatte darüberhinaus eine derartige Komplikation miteinkalkuliert.

Er wußte:

In einer solchen Situation - da Zahrā offensichtlich die Stimmen auf ihrer Seite hatte - war es nicht ratsam, gewaltsam gegen sie vorzugehen. Gleichwohl sah er sich genötigt, ihr zu antworten und die Öffentliche Meinung umzustimmen, -

d.h. durch "Volksverdummung" und den Anschein erweckend, die göttlichen Gebote und Weisungen des Propheten genau durchzuführen, Fātimah (a.s.) zu übertrumpfen, und damit sich und sein Vorgehen gegen sie zu rechtfertigen.

Er ging davon aus, daß er durch ein dem Anschein nach religiöses Verhalten die Bevölkerung für sich gewinnen und auf diese Weise jegliches Recht, selbst die Religion, in seine Gewalt bringen konnte.

Ja, das mußte die Lösung sein:

Getarnt durch den Schein, religiös zu denken und im Sinne der Religion zu handeln, war diese zu bekämpfen.

Seine Antwort:

Abu Bakr beantwortete also Logik und Rechtsanspruch der Tochter des Propheten mit der Waffe "Volksverdummung".Er sagte:

O Tochter des Gesandten Gottes! Dein Vater war freundlich und gütig gegen alle Gläubigen. Natürlich ist Muhammad dein Vater, nicht der der anderen Frauen. Er ist auch der Bruder deines Gatten und er hatte Ali lieber als alle anderen. Jeder, der euch gern hat, wird errettet sein und jeder, der euch feindselig gesonnen ist, wird Schaden nehmen. Ihr seid die Familie des Propheten, ihr führt uns Glück, Wohlergehen und dem Paradiese zu.

o du beste aller Frauen und Tochter des besten aller Propheten! Deine

hohe Aufrichtigkeit, Vernunft und Tugend ist niemandem unbekannt. Niemand darf dir dein Recht vorenthalten und dir streitig machen. Jedoch, bei Gott! Ich tue nichts, was gegen das Wort deines Vaters wäre! Alles, was ich unternehme ist von ihm erlaubt worden!

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Wahrhaftig, ich lüge nicht! Ich hörte, wie dein Vater sagte:

Wir Propheten lassen Gold, Silber, Haus, Grund und Boden nicht als Erbe zurück. Außer Wissen und "Nubuwat"[235] vererben wir nichts.

Das, was wir an irdischen Gütern zurücklassen, steht dem Kalifen der Muslime zur Verfügung. -

Ich aber will von dem Erlös der Fadak-Erträge Waffen kaufen und gegen die Gotteslästerer zu Felde ziehen! Denke nur nicht, daß ich allein und eigenmächtig Fadak beschlagnahmt hätte!

Nein, es geschah mit dem Einverständnis aller Muslime. -

Allerdings: Mein persönliches Eigentum steht euch zur Verfügung. Alles, was du willst, nimm davon. Ich habe nichts dagegen!

Wie könnte es angehen, daß ich mich den Anordnungen deines Vaters widersetzte! !

Fātimah (a.s.) entgegnet:

Geheiligt sie Gott! Mein Vater, der dem Wort Gottes niemals zuwiderhandelte, hat sich ebenfalls in keinster Weise den Geboten des Islam widersetzt! Habt ihr abgemacht, Verrat zu üben und meinen Vater zu verleumden?! Euer Vorgehen entspricht genau jenen Listen, derer ihr euch zu Lebzeiten des Gesandten Gottes bedientet.

Hat Gott denn etwa nicht im Koran die Worte des Zacharias wiederholt, der sagte:

Gewähre du mir einen Nachkommen, auf daß er mein Erbe sei und Erbe des Hauses Jakobs. [236]

und:

Salomo war Davids Erbe. [237]

Sind denn etwa die göttlichen Erbgebote nicht im Koran festgehalten? Wie kann es angehen: All dieses steht im Koran geschrieben und ihr wißt darüber Bescheid, dennoch wollt ihr List und Betrug anwenden?!

Außer mich in Geduld zu fassen und langmütig zu sein, bleibt mir wohl kein anderer Weg ...

Abu Bakr gab zur Antwort: Was Gott, der Prophet und du sagen, ist schon richtig. Doch die Muslime sollen entscheiden. Schließlich sind sie es, die mich mit dem Kalifat beauftragten, und ihrem Beschluß gemäß wurde mir Fadak übertragen! _[238]

Auf diese Weise vermochte Abu Bakr Gewissen und Empfindungen der beunruhigten Menge - wenigstens zum Teil - wieder zu beschwichtigen.-

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Über das, was dann geschah ...

Die Menge verstreute sich. Dennoch: Überall, in allen Häusern wurde nun diskutiert. Die Worte der Tochter des Propheten wirkten nach ...

Abu Bakr sah sich gezwungen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen

und den Muslimen zu drohen, falls sie nicht Ruhe geben wollten.

Die Chronisten berichten:

In Medina, d.h. dem Regierungsitz des Kalifen, begann es nach dieser Rede Zahrās (a.s.) zu gären. Der Protest der Bevölkerung wurde immer heftiger und Klagen und Bedauern anhaltender.

Niemals hatte Medina derartiges erlebt...

Abu Bakr meinte zu Umar: Warum ließest du mich Fadak nicht an Fātimah zurückgeben? Wie konntest du mich in einen solchen Engpaß hineinmanövieren? Ich meine, es wird nach wie vor das beste sein, Fadak abzutreten, damit wir endlich Ruhe finden! -

Umar antwortete:

Es ist nicht ratsam, Fadak abzugeben. Vergiß nicht, daß ich nur dein

Wohl im Auge habe!

Abu Bakr: Wie soll ich mich nur angesichts der aufgebrachten

Bevölkerung verhalten?

Umar: Die Erregung der Leute ist nur oberflächlicher Art. Sie wird sich schnell wieder legen. Verrichte du das Gebet, zahle die Zakāt, gebiete das Gute und verwehre das Schlechte ... , so, wie es im Koran heißt. Mehre das Beit-ul-MāI[239] und such deine Verwandten auf, damit Gott dir deine Schuld vergibt. Schließlich heißt es im Koran:

Gutes löscht Schlechtes aus! -

Abu Bakr legte seine Hand auf die Schulter Umars und entgegnete

erleichtert:

Welch guter Rat! -

Er gebot, die Muslime in der Moschee zu versammeln. Dann, als diese sich eingefunden hatten, bestieg er die Minbar, lobte Gott und begann:

Leute, was soll das? Was wollt ihr mit eurer Unruhe erreichen?

Jeder will etwas, stellt Forderungen. Wann hätte es so etwas zu Zeiten des Propheten gegeben?

Wer so etwas zu berichten weiß, soll es nur sagen, doch wisset, keinesfalls war es so! Das,was sie sagt,ist doch alles nur Gerede, Gerede wie das des Fuchses, dessen Zeuge sein eigener Schwanz ist! -

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Wenn ich gezwungen bin, sage ich etwas! Doch wenn ich dieses sage, werden geheime Dinge ans Tageslicht kommen! Läßt man mich jeoch in Ruhe, werde ich schweigen. Die Tochter (die Tochter des Propheten) geht man um Hilfe an, und die Frauen werden aufgewiegelt. Ihr Getreuen des Gesandten Gottes! Mir sind die Reden so mancher Dummköpfe unter euch zu Ohren gekommen, doch es geziemte euch, die Anweisungen des Propheten genauer zu befolgen!

Ihr habt den Propheten aufgenommen und ihn unterstützt. Darum widersetzt euch ihm jetzt nicht, das ist gewiß vorteilhafter für euch! Trotzdem! Kommt morgen und holt euch eure Gehälter ab!

Wisset, daß ich die geheimen Dinge von niemandem preisgebe und auch niemandem durch Wort oder Tal Leid zufüge, es sei denn, jemand habe Strafe verdient! [240]

Umm-e-Salamah greift ein ...

Umm-e-Salamah steckte den Kopf zur Tür ihrer Wohnung heraus[241] und rief:

Abu Bakr: Redest du so im Zusammenhang mit Fātimah, obgleich diese doch ein paradiesisches Wesen ist?! Sie wurde von dem Propheten erzogen und von Engeln gehütet. In der Obhut der Reinen, Tugendhaften ist sie aufgewachsen, in der besten und edelsten aller Familien wurde sie groß!

Glaubst du wirklich, der Prophet habe seine Tochter vom Erbe ausgeschlossen und ihr nichts darüber gesagt??

Wenngleich doch Gott zu Seinem Gesandten sprach:

Berate und informiere deine Angehörigen und die, die dir nahestehen!

Oder aber denkst du, daß der Prophet ihr so etwas gesagt habe, sie aber dennoch ihr Erbe von dir zurückverlangt?

Obwohl sie doch die beste aller Frauen, Mutter der besten Söhne und gleichgestellt mit Maria, der Tochter des Imrāns und ihr Vater der letzte der göttlichen Gesandten ist?

Bei Gott! Der Gesandte Gottes hat Fātimah vor Kälte und Hitze bewahrt. Während sie schlief, lag seine rechte Hand unter ihrem Kopf und seine linke auf ihr ...

Schweigt endlich! Es wird nicht lange dauern und ihr werdet euch vor Gott zu verantworten haben. Dann werdet ihr das Ergebnis eures Tun und Lassens auf Erden erleben ... -

Umm-e-Salamah verteidigte Hadrat -e- Fātimah (a.s.), woraufhin ihr ein

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Jahr lang ihr Gehalt vorenthalten wurde. -

Redeboykott

Hadrat -e- Fātimah (a.s.) beschloß, weiterhin um ihr Recht zu kämpfen. Ihr "Kampfmittel" war ein Redebykott gegen Abu Bakr und Umar.

Sie teilte Abu Bakr offiziell mit:

Wenn du mir Fadak nicht zurückgibst, werde ich nicht mehr mit dir sprechen!

Begegnete sie ihm, so wandte sie ihr Gesicht ab und sagte kein einziges Wort zu ihm. [243]

Und ... , Fātimah war keine gewöhnliche Frau aus der Bevölkerung, bei der es nicht weiter von Bedeutung war, ob sie nun mit dem Kalifen sprach oder nicht.

Nein, sie war die geliebte und geschätzte Tochter des Gesanten Gottes! Alle wußten von der hohen Zuneigung, die der Prophet ihr entgegengebracht hatte! Sie war diejenige, über die Hadrat-e-Muhammad(s.a.s.) gesagt hatte:

Fātimah ist ein Teil von mir!

Jeder, der sie betrübt, betrübt mich ! [244]

Und:

Fātimah gehört zu jenen, auf die das Paradies wartet...[245]

Und:

Der Zorn Fātimahs ist Gottes Zorn! [246]

So trat sie also in einen Redestreik oder "Redeboykott" gegen Abu Bakr. Nach und nach wußten alle, daß Fātimah mit Abu Bakr nicht mehr sprach, daß sie mit ihm "gebrochen" hatte und erzürnt über ihn war ...

Selbst die Muslime außerhalb Medinas waren über diesen Sachverhalt infomiert.

Sie fragten sich: Warum spricht Fātimah (a.s.) nicht mit dem Kalifen? Es wird wohl daran liegen, daß Abu Bakr ihr Fadak genommen hat.

Nein, Fātimah sagt nicht die Unwahrheit, sie tut nichts Unrechtes. Niemals! Und niemals wird sie zornig werden über etwas, mit dem Gott zufrieden ist! Schließlich hat der Prophet selbst gesagt:

Fātimah Zorn ist Gottes Zorn!

Mit jedem Tag wurde .die Atmosphäre gespannter, zum Leidwesen Abu Bakrs und seiner Leute ...

So sehr diese sich auch bemühten, Fātimah mit dem Kalifen auszusöhnen, so vermochten sie sie dennoch nicht umzustimmen.

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Sie beharrte in ihrem "passiven Kampf".

Als Fātimah (a.s.) krank wurde, versuchte Abu Bakr mehrere Male, sie zu besuchen. Vergeblich, sie gewährte es ihm nicht...

Eines Tages bat er Ali (a.s.), ihm zu ermöglichen, ihr einen Krankenbesuch machen zu können.

Ali (a.s.) ging zu ihr und fragte sie:

o du freiheitlichgesinnte, edle Fraut Umar und Abu Bakr möchten dich besuchen. Erlaubst du es ihnen? -

Fātimah (a.s.), die die Besorgnis ihres Mannes kannte, antwortete:

Das Haus ist dein Haus und ich füge mich deinem Wunsch. Handle so, wie du es für richtig hältst! .

Sie legte einen Schleier um ihren Kopf und wandte ihr Gesicht der Wand zu. Abu Bakr und Umar traten ein und grüßten. Sie sagten:

O Tochter des Gesandten Gottes! Wir sehen unseren trrtum- ein und bitten dich, uns dein Wohlwollen zu schenken ..

Sie: Ich will euch etwas fragen, antwortet mir! .

Umar und Abu Bakr: Was möchtest du wissen? .

Sie: Habt ihr gehört, daß mein Vater sagte:

'Fātimah ist ein Teil von mir, Jeder, der sie betrübt, betrübt mich!'? Sie erwiderten: Ja, das hörten wir!

Da hob sie ihre Hände empor und sprach:

O Gott! Du bist Zeuge, daß diese beiden Männer mir Leid und Unrecht zufügten. Ich klage sie an bei Dir und Deinem Gesandten. Niemals werde ich mit ihnen einverstanden sein, bist daß ich zu meinem

Vater gehe. Und ihm werde ich klagen, was sie mir antaten. Er soll dann zwischen uns urteilen! -

Als Abu Bakr diese Worte vernahm, geriet er in höchste Erregung.

Doch Umar beruhigte ihn und meinte:

o Herrscher der Muslime! Gerätst du über die Worte einer Frau in Unruhe?? -[247]

Es mag sein, daß der eine oder andere nun sagt: Wenngleich sich Abu Bakr und Umar äußerst schofel gegen Fātimah (a.s.) verhielten und gegen ihr Recht verstießen, so hätte sie ihnen dennoch, da sie Reue zeigten, vergeben können! –

Vergessen wir jedoch nicht, daß der eigentliche Grund ihres Widerstandes und ihrer Opposition das Kalifat war, das Ali (a.s.)vorenthalten wurde. Fadak war mehr oder weniger nur ein Vorwand ...

Daß man aber Ali (a.s.) das Kalifat, zu dem ihn der Prophet bestimmt

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hatte, verwehrte, war nicht zu entschuldigen oder zu beschönigen ... Zudem: Fātimah-Zahrā (a.s.) wußte, daß Abu Bakr die Unwahrheit sprach, daß seine Reue nicht ernstgemeint war und er nur um die beunruhigte Bevölkerung zu beschwichtigen von Bedauern sprach. Wären seine Worte aufrichtig gewesen, hätte er zunächst einmal Fadak an sie zurückgegeben, und wahrscheinlich hätte Fātimah (a.s.) dann seine Reue und sein Bedauern akzeptiert ...

In aller Verschwiegenheit. ..

Hadrat-e-Fātimah (a.s.) zeichnete sich bis zu ihrem Tode durch Langmut, Standhaftigkeit und Edelsinn aus. Bis zu ihrer letzten Stunde setzte sie in ihrem Kampf um Recht und Gerechtigkeit fort, -

ja, dehnte ihn über ihren Tod hinaus.

In den letzten Tagen ihres Erdendaseins bat sie ihren Gatten Ali

Ibn Abi Tālib (a.s.):

o AIi: Zu nächtlicher Stunde vollzieht an mir die Totenreinigung, hüllt mich in den Kaffan und begrabt mich. Ich möchte nicht, daß jene, die mir Gewalt antaten, die das Kind in meinem Schoße töteten und mein Eigentum beschlagnahmten, an meiner Beerdigung teilnehmen. Halte meine Grabstätte darum geheim ...

Und Ali (a.s.) tat, wie sie gewünscht hatte. Er setzte sie in der Stille und Dunkelheit der Nacht bei und ebnete die Erde ihres Grabes, so daß dieses von dem übrigen Erdboden nicht zu unterscheiden war ...

Er richtete vierzig Scheingräber her, auf daß ihre Grabstätte von niemandem erkannt werden möge. [248]

Auf diese Weise sorgte Fātimah-Zahrā (a.s.) für eine unwiderrufliche, handfeste und bleibende Erinnerung an Unrecht und Unterdrückung durch das korrupte und unrechtmäßige Kalifat jener Tage ...

Gewiß möchte wohl jeder Muslim wissen, wo sich ihre Grabstätte

befindet, und wenn er nachfragt und hört:

'Es ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, wo sie beigesetzt wurde', - so

wird er sich sagen: Warum nur?

Erfährt er dann, daß Hadrat-e-Fātimah (a.s.) selbst gewünscht hatte, daß der Ort ihres Begräbnisses geheim bleibe, wird er sich über den Grund dieser ihrer Bitte informieren und dann, wenn er ihn erfahren hat, begreifen, wie sehr unzufrieden sie mit dem derzeitigen Kalifat gewesen sein muß, daß sie einen derartigen Beschluß faßte.

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Er wird schlußfolgern:

Sie, die Tochter des Propheten, wird - angesichts all ihrer Tugenden und hervorragenden Eigenschaften - nicht unbegründet und ungerechtfertigt gegen das Kalifat Abu Bakrs gewesen sein, woraus ersichtlich wird, daß dessen Propheten - Statthalterschaft ganz sicherlich nicht den Weisungen Hadrat-e-Muhammads (s.a.s.) und Ansichten dessen Ahl-Bayt entsprochen haben kann! -

Resümee:

Wenngleich Abu Bakr dem Kampf und Widerstand Fātimah Zahras (a.s.)hartnäckig die Stirn bot und ihr Fadak nicht zurückgab; so hat sie doch der Ummah durch ihr standhaftes und unbeirrbares Vorgehen das tyrannische Wesen des derzeitigen Kalifats und die Rechtmäßigkeit ihrer eigenen Forderungen begreiflich machen und unter Beweis stellen können.

Fadak wurde den unrechtmäßigen Kalifen zu einem Alptraum, zu einem "unverdaulichen Bissen".

Hin und wieder gaben sie es den Nachkommen Fātimahs (a.s.) zurück und nahmen es ihnen wieder fort, sobald sie verstimmt über diese waren.

Als Muaviah das Zepter ergriff, vermachte er ein Drittel Fadaks Marvān, ein Drittel Umar Ibn Utmān und ein Drittel Yazid Ibn Muaviah. Darauf, zur Zeit des Kalifats Marvāns, nahm dieser die gesamte Gegend Fadak an sich und hinterließ sie später seinem Sohn Abdul Aziz.

Als Abdul Aziz Kalif wurde, trat er Fadak an Hassan Ibn Hassan oder Ali Ibn al Hussein (a.s.) ab.

Somit gelangte Fadak in den Tagen des Kalifats Abdul Aziz's in die Hände der Nachkommen Fātimahs (a.s.). Als aber Yazid Ibn 'Atikah die Herrschaft antrat, nahm er ihnen Fadak wieder fort und stellte es den Bani Marvān zur Verfügung. Es war in deren Hand, bis ihnen das Kalifat entzogen wurde. Als Safāh an die Macht kam, überließ er Fadak Abdullāh Ibn Hassan, Dann, als die Bani Hāschim das Mißfallen des Abu Ğa'far erregt hatten, wurde es ihnen wieder entrissen.

Mahdi gab es später den Nachkommen Fātimahs (a.s.) zurück, und Mussa Ibn Mahdi wie auch Hārun beschlagnahmten es erneut. Fadak befand sich in deren Hand, bis Ma'mun das Kalifat antrat. Er gab es den Nachkommen Fātimah-Zahrās (a.s.) zurück.

Folgendes war geschehen: Eines Tages, während einer Gerichts-

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sitzung, wurde ihm ein Schreiben überreicht. Er las es, brach in Tränen aus und fragte:

Wer meldet sich als Vertreter Fātimah (a.s.)?

Ein alter Mann erhob sich und kam heran. Ma'mun diskutierte mit ihm über die Ländereien Fadaks. Der alte Mann ging als Sieger aus der Debatte hervor, woraufhin Fadak offiziell den Nachkommen Fātimahs (a.s.)zugesprochen wurde.

Doch zu Zeiten des Mutiwakil beschlagnahmte dieser es wieder und schenkte es Abdullāh Ibn Umar Bāziār.

In Fadak standen unter andrem elf Dattelpalmen, die der Prophet selbst gepflanzt hatte. Die Nachkommen Fātimah (a.s.) bewirteten mit den Früchten dieser Bäume die Hağpilger, die sie dankbar annahmen und ihnen ihrerseits Gegengeschenke machten. Auf diese Weise waren die Bani Hāschim zu einigen materiellen Werten gekommen.

Abdullāh Ibn Bāziār beauftragte nun Buschran Ibn Abi Taqafi, die Palmen abzuholzen. -[249]

Jedenfalls! Seinerzeit sah sich Umar infolge all des Widerstandes und der entschlossenen Opposition, denen das Kalifat gegenüberstand, veranlaßt, trotz seiner rohen Politik und Strategie einer der Forderungen, die Fātimah-Zahrā (a.s.) gestellt hatte, zu entsprechen und die "Sadaqah-Medina"[250] nach ihrem Tode Ali (a.s.) zur Verfügung zu stellen.[251]