Viertes Kapitel: Über Tugend und Wertigkeit Hadrat-e-āFātimah-Zahrās (a.s.)

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Viertes Kapitel:

Über Tugend und Wertigkeit
Hadrat-e-āFātimah-Zahrās (a.s.)

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Der Prophet sprach:

Die vier besten Frauen der Welt sind: Mariam, die Tochter des Imrān, - Fātimah, die Tochter Muhammads, Hadiğah, die Tochter des Huilad und Āssiah, die Tochter des Pharao.[124]

Auch dieses sagte er:

Fātimah gehört zu den besten Frauen im Paradies. [125]

Er sagte zu Fātimah:

Dein Zorn ist Gottes Zorn, und deine Freude ist Seine Freude.[126]

Āyschah äußerte:

Ich sah niemanden, der abgesehen von dem

Gesandten Gottes - aufrichtiger gewesen wäre als Fātimah.[127]

Imam Bāqir (a.s.) sagte:

Fürwahr! Gott hielt Fātimah durch ihr Wissen von Verderbnis und Schlechtem fern.[128]

Imam Sādiq a.s.) :

Fātimah (a.s.) wird von Gott mit neun Namen bezeichnet: Fātimah, Sadiqah, Mubarakah, Tahirah, Zakiah, Radiah, Mardiah, MUhaditah, Zahra.

Der Grund dafür, gaß sie "Fātimah" genānnt wird, ist, daß sie gegen Schlechtes und Sündiges gefeit ist. Wäre 'Ali nicht gewesen, hätte es keinen ihr gebührenden Gatten gegeben.[129]

Man fragte Imam Bāqir (a.s.), warum Hadrat

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Fātimah (a.s.) auch "Zahrā" genannt wurde. Er antwortete:

Weil Gott sie aus dem Licht Seiner Erhabenheit erschuf. Durch ihr Licht wurden Himmel und Erde in Helligkeit getaucht. So sehr, daß sich die Engel, beeindruckt von diesem Licht, vor Gott niederwarfen und sprachen: O Gott, was ist das für ein Licht?

Gott: Es ist eine Flamme, die Ich aus dem Licht Meiner Erhabenheit schuf und in den Himmeln anbrachte. Ich werde sie aus den Lenden des besten Propheten hervorgehen lassen und aus ihrem Licht die Unfehlbaren, Rechtleitenden Imame, damit diese die Menschen zu Mir führen. Sie werden die Nachfolger Meines Gesandten sein.[130]

Der Prophet sagte zu Fātimah (a.s.):

Mein liebes Kind! Gott hat sich der irdischen Welt zugewandt und mich - aus der Menge aller Menschen auserwählt. Ein zweites Mal wandte Er sich dem Irdischen zu und gab deinem Gatten - 'Ali (a.s.) - Überragenheit über die anderen. Beim dritten Mal schenkte Er dir Überragenheit über alle Frauen der Welt. Und beim vierten Mal zeichnete er Hessen und Hussein (a.s.) vor allen jungen Paradieslern aus.[131]

Fātimah ist ein Teil von mir. Wer sie betrübt, betrübt mich, -' wer sie erfreut, erfreut mich.[133]

Der Prophet sprach, Fātimahs Hand in der seinen haltend:

Ein jeder, der es weiß ... , nun, der ist im Bilde. Und ein jeder, der es nicht weiß, wisse:

Dieses ist Fātimah, die Tocher Muhammad, - ein Stück von mir, von meinem Herzen, von meiner Seele. Ein jeder, der sie betrübt, betrübt mich! Wer aber mich betrübt, erzürnt GOtt![134]

Umm-Salamah berichtet:

Fātimah gleicht dem Propheten von allen am meisten.[135]

Von Imam Sādiq (a.s.) ist dieses Wort:

Fātimah wurde deswegen "Fātimah" genannt, weil die

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Menschen nicht in der Lage sind, ihre Wahrheit und hohe Wertigkeit zu begreifen.[138]

Hadrat Muhammad (s.a.s.) ließ wissen:

Gott hat mich, 'Ali, Fātimah, Hassan und Hussein aus

einem Licht erschaffen.[139]

Ibn Abbas berichtet:

Ich fragte den Gesandten Gottes: Welche Worte waren es, die Adam von Gott lernte und derentwegen seine Reue erhört wurde?

Er: Er beschwor Gott bei Muhammad, 'AIi,Fātimah, Hassan und Hussein, weswegen seine Reue akzeptiert

Wurde.[140]

Der Prophet sprach:

Wenn 'Ali nicht gewesen wäre, hätte es für Fātimah keinen ihr gebührenden Gatten gegeben.129

Der Prophet fragte sie:

Weißt du, warum du "Fātimah" genannt wirst? 'Ali Ibn Abi Tālib wand ein: Ja, warum erhielt sie diesen Namen?

Er: Weil sie und die, die ihr folgen, vor dem Höllenfeuer in Sicherheit sind.[143]

Imam Sādiq (a.s.) berichtet:

Der Prophet küßte Fātimah häufig. Āyschah protestierte.

Er antwortete ihr.'

Als man mich zur Himmelfahrt holte, wurde ich auch ins Paradies gebracht. Gabriel führte mich zu dem Baum der Glückseligkeit und reichte mir von dessen Früchten. Ich aß die Frucht und sie begann, in mir zu keimen. Als ich zur Erde herniederkam, vereinigte ich mich mit Hādiğah, die Fātimah empfing. Immer, wenn ich Fātimah küsse, umgibt mich daher der Duft des Baumes der Glückseligkeit.[144]

Ibn Abbās überliefert:

Eines Tages waren 'Ali, Fātima Hassan und Hussein (a.s.) beim Propheten. Harrat Muhammad (s.a.s.) sprach:

O Gott, Du weißt, daß sie mein Ahl-Bayt24 und die

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wertvollsten Menschen sind. Sei Du Freund ihrer Freunde und Feind ihrer Feinde. Steh denen bei, die ihnen beistehen. Halte sie fern von allem Schlechten, bewahre sie vor Sünde und Fehl.

Er fügte hinzu: O 'Ali! Du bist Imam der muslimischen Gemeinde und mein Nachfolger. Führe die Gläubigen ins Paradies. Es ist, als sähe ich Fātimah, meine Tochter, wie sie am Tage der Auferstehung auf Licht dahingleitet und ­begleitet von 70000 Engeln zu ihrer Rechten, von 70000 Engeln zu ihrer Linken und angeführt von 70000 und gefolgt von 70000 Engeln - die gläubigen Frauen meiner Gemeinde zum Paradiese führt...

Fātimah ist die beste aller Frauen der Welt.

Er sagte:

Die Engel sprechen zu ihr: 0 Fātimah! Gott hat dich auserwählt und dir Reinheit und Unfehlbarkeit geschenkt. Er gab die Überragenheit über alle Frauen der Welt.

Hadrat Muhammads (s.a.s.) sagte:

O 'AIi! Fātimah ist ein Teil von mir. Sie ist mein Augenlicht und meine Herzensfreude. Wer sie betrübt, betrübt mich. Und wer sie erfreut, erfreut mich ...

Hes een und Hussein sind meine Söhne, die Blumen meines Lebens. Sie sind die besten jungen Paradiesler. Du mußt sie hüten wie dein Augenlicht.

Danach erhob er seine Hände zum Du'ā und sprach:

Gott, sei Du mein Zeuge, daß ich Freund ihrer Freunde und Feind ihrer Feinde bin![145]

Wissen und Bildung Fātimahs ...

Eines Tages, als AIi-lbn Abi Tālib (a.s.) heimkam, sagte Fātimah (a. s.) zu ihm:

O AIi, Komm, damit ich dir von den Dingen der Vergangenheit und Zukunft berichte. -

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Amir ul Mu'memin, erstaunt über das, was sie ihm sagte, ging zum Propheten, grüßte und setzte sich zu ihm.

Dieser fragte:

O Ali, möchtest du beginnen, zu sprechen oder soll ich anfangen? Hadrat-e-Ali antwortete: Sprich, laß mich deine Rede hören! Hadrat-e-Muhammad begann:

Es scheint, daß Fātimah dir einiges berichtet hat, weshalb du nun zu mir gekommen bist. -

Imam Ali entgegnete:

O Gesandter Gottes! Ist das Licht Fātimahs gleichen Ursprungs wie das unsere?

Der Prophet erwiderte:

Ja, wußtest du das denn nicht?

Hadrat-e-All kniete nieder und dankte und pries Gott...

Danach ging er zurück zu Fātimah. Sie sagte: O AIi, es sieht so aus, als wärest du zu meinem Vater gegangen und hättest ihm dieses und jenes gesagt?

Er: Ja, O Tochter des Propheten! Fātimah daraufhin: O Abu-I- Hassan, [146]

Gott erschuf mein Licht und es lobpries Ihn. Dann brachte Er es an einem der Paradiesbäume an. Als danach mein Vater im Paradiese wandelte, gebot Gott ihm, von den Früchten jenes Baumes zu kosten. Er aß von ihnen, wodurch mein Licht in seine Lenden hinüberging und von seinen Lenden in den Schoß meiner Mutter.

O Ali, Ich bin von jenem Licht und schaue das Vegangene und Kommende aufgrund dieses Lichtes.

o Abu-l-Hassan! Der Gläubige erkennt durch das Licht Gottes!-[147]

Imam Hassan Askari (a.s.) Ijeß wissen : Eine Frau suchte Hadrat-e- Fātimah: (s.a.) auf und sagte:

Ich habe eine bettlägerige Mutter, die demzufolge hinsichtlich der Verrichtung ihres Gebetes Probleme hat. Sie schickte mich zu dir, um dich durch mich zu fragen, wie sie sich verhalten muß. -

Die Frau trug das Problem vor.

Hadrat-e-Pātimah klärte sie auf und sagte, was zu tun sei.

Nun bat die Frau um Aufklärung in einer anderen Angelegenheit.

Wieder antwortete Fātimah-Zahrā ihr.

Wieder und wieder fragte die Frau, und jedesmal erhielt sie eine befriedigende Antwort.

Nach dem zehnten Problemfall, den sie vorgetragen und den ihr

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Hadrat-e-Fātimah (a.s.) beantwortet hatte, schämte sie sich, soviel

gefragt zu haben. Sie sagte:

O Tochter des Gesandten Gottes!

Nun will ich dich nicht länger aufhalten, du wirst müde geworden sein

von all den Fragen ...

Fātimah entgegnete:

Genier dich nicht! Alles, was du nicht weißt, frag, damit ich dir antworte. Ich werde deiner Fragen nicht müde und antworte dir gern!

Wenn jemand verdingt wird, um z.B. eine schwere Last auf ein Dach zu bringen und dafür 100 000 Dinar Lohn erhält, wird er dann die Last gern hinauftragen oder nicht? -

Die Frau erwiderte:

Er wird es gern tun, ohne Müdigkeit zu verspüren, deswegen, weil er gut dafür entlohnt wird.-

Hadrat-e-Fātimah (a.s.) sprach:

Gott wird mich für jede Antwort auf jede Frage, die mir vorgetragen wird, hoch belohnen, Der Wert seiner Belohnung ist weit höher als alle Perlen, die zwischen Himmel und Erde Raum finden können. Meinst du, daß ich bei einem solch hervorragenden Lohn wohl zu müde werden könnte, deine Fragen zu beantworten?!-

Von meinem Vater hörte ich, daß er sagte: Meine schiitischen Gelehrten werden am Tage der Auferstehung gerufen werden. Gott wird sie entprechend ihres Wissensgrades, ihres Engagements beim Studieren und Erkennen sowie ihres Bemühens um Aufklärung und Rechtleitung der Menschen belohnen und ihnen Ehren-Roben (Ehrengeschenke) überreichen. Einer von ihnen erhält sogar eine Million Licht-Roben. Dann wird der Herold des Erhabenen Gottes ausrufen.

O ihr,die ihr euch um die Verwaisten des Hauses Muhammads (s.a.s.)kümmertet, als diese von ihren Imamen getrennt wurden! Sie sind eure Schüler und Schützlinge, die im Schirme eures Wissens und eurer Rechtleitung in ihrem Glauben fortsetzten und rechtgeleitet wurden.

Gebt ihnen nun in dem Maße, wie sie aus eurem Wissen schöpften, ihre Ehren-Gewänder.

Dann werden die Gelehrten meiner Gemeinde ihren Anhängern - ihren Schülern und Schützlingen - Ehrengewänder überreichen, einigen von ihnen bis zu Hunderttausend.

Diese wiederum werden denen, die sich von ihnen belehren ließen und die sie unterrichteten, von den Ehrengewändern abgeben.

Wenn die "Ehren-Roben" verteilt sind, erfolgt von Gott die Anweisung,

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den Gelehrten die "Ehrenroben", die sie verteilten, zu ersetzen und zur ursprünglichen Anzah! wieder anwachsen zu lassen. Daraufhin wird angeordnet, die Anzahl der Ehrengewänder zu verdoppeln,- die der betreffenden Gelehrten wie auch die ihrer Anhänger.

Hadrat-e-Fātimah (a.s.) fügte hinzu:

Ein einziger Faden dieser 'Ehrengswänder" ist Abertausende Male besser und wertvoller als alles, was die Sonne bescheint (was es auf Erden gibt), denn die irdischen Dinge sind begleitet von Unebenheiten und Bitternissen, doch die des Jenseits sind frei von Fehl und Unvollkommenheit. [148]

Von Imam Hassan Askari (a.s.) ist folgende Überlieferung: Zwei Frauen - die eine war gläubig, die andere leugnete Gott - waren einer Überzeugungsangelegenheit wegen in eine heftige Auseinandersetzung geraten. Sie gingen zu Hadrat-e-Fātimah (a.s.), um sich von ihr beraten zu lassen.

Da die gläubige Frau im Recht wahr, bestätigte Hadrat - e -Fātimah (a.s.)sie unter Anführung von Gründen und Argumenten,-

ein Erfolg für die gläubige Frau.

Diese freute sich.

Hadrat-e-Fātimah-Zahrā sprach zu ihr:

Die Freude der Engel Gottes ist noch größer als deine, und der Verdruß Satans und seiner Anhänger ist noch weitaus ärger als der dieser ungläubigen Frau.-

Imam Hassan Askari (a.s.) fügte hinzu: Darum wies Gott seine Engel an : Für den Dienst , den Fātimah dieser Frau erwies, laßt ihr Paradies und paradiesische Gaben Abertausende Male schöner und beglückender sein,. als zuvor vorgesehen war.-

Das gleiche aber gilt für jeden Gelehrten, der durch sein Wissen einen Gläubigen stärkt, so daß dieser über einen Ungläubigen den Sieg davon trägt. Auch sein Lohn soll Abertausende Male höher sein als zuvor für ihn bestimmt war. [149]

Glaube und Gottesanbetung Fātimahs (a.s.)

Der Prophet sagte über Hadrat-e-Fātimah-Zahrā: Ihr Glaube an Gott hat so sehr ihr Herz und Inneres durchdrungen, daß sie sich während des Betens von allem anderen völlig gelöst hat.- [150]

Imam Hassan (a.s.) berichtet: Ich sah, wie meine Mutter in der Nacht zum Ğum'ah (Freitag) in Gottesanbetung vertieft war.

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Sie kniete oder verneigte sich vor Gott (zu Rukū und Sağdah) bis zum ersten Morgsngrauen. Ich hörte, wie sie die Namen der Gläubigen, einen nach dem anderen , in ihren Du'ās erwähnte , für sich selber aber Gott um nichts bat.

Darum fragte ich: Mutter, warum erbittest du für dich nichts? Sie antwortete:

Erst die anderen, dann wir selbst...[151]

Auch dieses berichtete Imam Hassan (a.s.): Fātimah-Zahrā war mehr als andere in intensiver Gottensanbetung vertieft.

Wenn sie vor Gott stand und zu Ihm betete, dauerte dieses oft so lange, Daß ihre Beine anschwollen. 151

Prophet Muhammad ( s.a.s.) ließ wissen: Meine Tochter Fātimah ist die beste aller Frauen. Sie ist ein Teil von mir, das Licht meiner Augen und meine Herzensfreude. Wenn sie in Gottesanbetung versunken ist, erstrahlt ihr Licht den Engeln in den Himmeln.

Gott sprach zu den Engeln:

Seht, wie sie vor Mir steht und das Gebet verrichtet, wie sie in Ehrfurcht vor Mir bebt und wie tief sie in Anbetung versunken ist.

Ihr Engel! Ihr seid Zeuge , daß ich den Anhängern Fātimah Sicherheit gegen die Höllenpein versprochen habe. [153]

Es versteht sich von selbst, daß jemand, der in jenes Zentrum, in das der Koran hinabgesendet wurde, hineingeboren und im Schirme und Lichte der göttlichen Offenbarung aufwuchs, dem von klein auf des Nachts und am Tage Koranrezitationen ans Ohr drangen und von einem Vater - Muhammad , (s.a.s.) erzogen ward, der in so intensive Gottesanbetung versank, daß ihm die Glieder anschwollen, -

der im Hause eines Mannes wie Ali (a.s.) lebte, der Gott mit höchster Hingebung verehrte und liebte, ganz gewiß eine solch außerordentliche Gebetstiefe erreichen und von inniger Liebe zu Gott durchdrungen sein mußte.

Segensreiches Halsband

Ğābir Ibn Abdullāh Ansāri berichtet: Wir hatten das

Nachmittagsgebet gemeinsam mit dem Propheten verrichtet. Seine Freunde saßen um ihn herum. Da trat ein alter Mann in verschlissener Kleidung auf ihn zu. Er war sehr alt und gebrechlich, so sehr, daß ihm die Kraft fehlte, sich auf seinen Beinen halten zu können.

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Hadrat-e-Muhammad grüßte ihn und fragte nach seinem Befinden:

Der alte Mann sagte:

O Gesandter Gottes! Ich bin ein alter, hilfloser Mann. Bin sehr hungrig. Gib mir zu essen. Meine Kleider sind verbraucht und zerrissen. Gib mir etwas, mit dem ich mich bekleiden kann!

Ach, ich bin sehr arm! Bitte, gib mir etwas, das mir aus meiner Not heraushilft. -

Der Prophet entgegnete:

Ich habe. nichts bei mir, daß ich dir geben könnte. Aber ich schicke dich zu jemandem, der dir vielleicht helfen kann.

Geh zum Hause einer Frau, die Gott und Seinen Gesandten gern hat und die Gott und Sein Gesandter gern haben. Geh zu meiner Tochter Fātimah(a.s.). vielleicht kann sie dir geben, was dir weiterhilft. -

Daraufhin sprach er zu Bilāl:

Führe den alten Mann zum Hause Fātimahs. -

Bilal ging mit mit ihm zum Hause der Tocher des Propheten. Der alte Mann sprach: salām alaikum!

Fātimah beantwortete den Friedensgruß,

Sie fragte: Wer bist du?

Er: Ich bin ein alter, armer Mann und. ging zu deinem Vater, um ihn um Hilfe zu bitten. Er schickte mich zu dir.

O Tochter des Propheten, ich bin hungrig, sättige mich! Und ich bin ohne rechte Kleidung, bitte, kleide mich! Ach, ich bin völlig mittellos, gib mir! -

Hadrat- e -Fātimah, die kein Brot und nichts Eßbares im Hause hatte, das sie ihm hätte geben können, gab dem Alten ein Schafsfell , das Hassan und Hussein als Teppich diente.

Er: Wie soll mir dieses Schafsfell weiterhelfen? -

Da nahm sie ihr Halsband, das ihr die Tochter ihres Onkels geschenkt hatte und sagte:

Verkauf es! Der Erlös soll dir aus deiner Not heraushelfen!

Der alte Mann ging zurück zu Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.)und berichtete ihm von seiner Begegnung mit Fātimah (a.s.).

Dem Propheten traten Tränen in die Augen. Er sprach:

Nimm das Halsband und verkauf es. Gott möge deinem Leben durch den Erlös eine gute Wendung geben.

Amār Yāssir erhielt vom Propheten die Erlaubnis, das Halsband zu kaufen.

Er fragte den alten Mann:

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Wieviel willst du dafür haben?

Er: Ich möchte daß du mich mit Brot und Fleisch sättigst und mich in ein Gewand kleidest, in dem ich das Gebet verrichten will. Dazu gib mir einen Dinar, damit ich zu meiner Frau und meinen Kindern zurückkehren kann. -

Amār antwortete: Ich will das Gewand für zwanzig Dinar und zweihundert Drahmin , dazu ein Gewand , ein Reittier sowie Brot und Fleisch, daß dich sättigen wird, kaufen. -

Der alte Mann verkaufte das Halsband, nahm den Preis dafür entgegen und ging zum Propheten zurück.

Dieser fragte ihn:

Bist du nun gesättigt und gekleidet, wie du wolltest?

Er: Ja! Durch das segensreiche Geschenk Fātimahs bin ich nun aus meiner Not befreit. Gott möge sie dafür so reichlich beschenken, wie nie ein Auge gesehen und nie ein Ohr vernommen hat. -

Der Gesandte Gottes sprach zu seinen Getreuen:

Gott hat Fātimah schon in dieser Welt mit einem solchen Geschenk bedacht, denn er gab ihr einen Vater wie mich, einen Gatten wie Ali und Kinder wie Hassan und Hussein (a.s.).

Wenn der Todesengel zu ihr tritt, ihre Seele holt und sie daraufhin im

Grabe gefragt wird:

Wer ist dein Prophet?, So wird sie antworten:

Mein Vater. -

Sie werden fragen:

Wer ist dein Imam? Sie:

Mein Mann, Ali Ibn Abi Tālib. -

Gott hat einen seiner Engel beauftragt, ihr nach ihrem Tode

ununterbrochen den Friedensgruß zu entbieten, -

ihr, ihrem Vater, ihrem Gatten und ihren Kindern.

Wisset, daß der Besuch eines jeden, der mich nach meinem Tode bei

meiner Grabstätte aufsucht, so wertvoll ist, als hätte er mich vor meinem Tode besucht.

Fātimah zu besuchen aber bedeutet, daß ich besucht werde. -

Amār nahm das Halsband, besprengte es mit Duftwasser, wickelte es in ein yemenitisches Tuch und wies seinen Sklaven an:

Trage es zu dem Gesandten Gottes und überreiche es ihm, auch dich will ich ihm überlassen. -

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Als der Sklave zu Hadrat-e-Muhammad kam, schenkte dieser das Halsband wie auch den Sklaven Fātimah.

Fātimah (a.s.) nahm das Halsband und schenkte dem Sklaven die Freiheit. Dieser - endlich frei - begann vor Freude zu lachen. Man fragte ihn nach dem Grund. Er antwortete:

Ich bin erstaunt ob des Segens, der von diesem Halsband ausging.

Es sättigte einen Hungrigen, kleidete einen Bloßen, half einem Notleidenden aus seinem Elend heraus, verhalf einem Sklaven zur Freiheit und kehrte zu seiner Eigentümerin zurück. -[154]

Geliebt und geschätzt vom Vater ...

Ayschah berichtet.Fātimah glich ihrem Vater in Worten und Verhalten sehr. Kam sie zu ihm, ergriff der Gesandte Gottes ihre Hand, küßte diese und ließ sie auf seinem Platz niedersitzen.

Und kam der Prophet zu Fātimah, so erhob sie sich, küßte ihm die Hand und ließ ihn auf ihrem Platz niedersitzen. [155]

Eines Tages sah Ayschah, wie der Prophet Fātimah küßte. Sie fragte:

O Gesandter Gottes!Küßt du Fātimah immer noch?Sie ist doch längst verheiratet! -

Er entgegnete:

Wenn du wüßtest, wie gern ich Fātimah habe und warum, würde auch deine Zuneigung zu ihr anwachsen. Fātimah ist eine" Paradiesfee" mit menschlichem Antlitz. Immer, wenn ich den Duft des Paradieses vernehmen möchte, küsse ich sie.-[156]

Ali Ibn Abi Tālib (a . s . ) fragte den Propheten: O Gesandter Gottes ! Hast du Fātimah lieber oder mich?

Er: Du bist geschätzter und sie geliebter!-[157]

Fātimah selbst sagte: Als dieser Koranvers

لا تجعلو دعا الرسول بينكم كدعا الرسول بينكم كدعا بعض

hinabgesandt ward, redete ich meinen Vater nicht mehr mit "Vater" an, sondern mit "Gesandter Gottes". Mehre Male rief ich ihn so, doch er gab mir keine Antwort.

Dann endlich sagte er:

Fātimah, Liebes! Diese Ayah ward nicht im Zusammenhang mit dir und deinen Kindern herniedergesandt.

Sag du "Vater" zu mir, denn dieses Wort berührt mich mehr als jedes andere und erfreut Gott, den Herrn der Wetten.-[158]

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Man fragte Ayschah, wer dem Propheten am liebsten gewesen sei. Sie antwortete: Fātimah! -

Sie fragten sie: Wer von den Männern war dem Propheten am liebsten? Sie: Fātimahs Gatte, AIi! [159]

Der Prophet legte sich nicht zum Schlafen nieder, bevor er Fātimah geküßt hatte. [160]

Brach der Prophet zu einer Reise auf, verabschiedete er sich stets von Fātimah. Und kam er von einer Reise zurück, suchte er sie unverzüglich auf, um sie zu begrüßen. [161]

Er sagte: Fātimah ist Teil von mir. Der, der sie erfreut, erfreut mich, und wer sie betrübt, betrübt mich!

Von allen ist mir Fātimah am liebsten. [162]

Es ist nicht daran zu zweifeln, daß der Prophet Fātimah (a . s .) sehr, sehr gern hatte. Allerdings ist es natürlich, daß ein Vater sein Kind liebt und liebevoll ihm gegenüber ist. Geht diese Zuneigung aber über das übliche Maß hinaus, wird noch ein anderer Grund dazu vorliegen.

Auch dieses sollten wir nicht vergessen: Wenngleich übergroße Liebe zum Kind oft übertrieben und deplaciert ist, trifft dieses jedoch für den Propheten keinesfalls zu. Erinnern wir uns daran, daß Gott zu ihm sagte:

انك لعلي خلق عظيم

Du besitzest wahrlich eine hohe Moral! [163]

Alles, was er tut, entspricht der göttlichen Offenbarung, wie Gott wissen läßt:

ان هوالاوحي يوحي

Somit muß also diese außergewöhnliche Zuneigung und Wertschätzung für Fātimah (a.s.) anderen Ursprungs sein.

Hadrat - e - Muhammad (s.a.s.) wußte über die hohe Wertigkeit und das Gesegnet - und Auserwähltsein seiner Tochter Fātimah . er wußte, daß sich durch sie seine Nachkommenschaft fortsetzen und sie zur Mutter der Imame und religiösen Führer ausersehen worden war.

Sie war (und ist!) Beispiel einer wahren Muslima, die große vorbildliche Frau im Islam, sündenfrei, gefeit und immun gegen Irrtum und Fehler.

Außer Hadrat - e - Muhamrnad und Hadrat-e-Ali vermochte zu ihrer Zeit niemand ihren auserlesenen Rang begreifen.

Der Prophet aber wußte, daß ihr Licht, das Licht Fātimahs . den Engeln in den himmlischen Welten leuchtende Helligkeit ist,und daß paradiesischer Duft von ihr ausging ...

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Sie hatten es nicht leicht. .. , Fātimah und Ali (a.s.)

Es kam eine Zeit, da zeigte sich ihnen das Leben von solcher Härte und Rücksichtslosigkeit, daß Fātimah zum Hause ihres Vaters ging, um ... Sie klopfte an die Tür.

Hadrat-e- Muhammad (s.a.s.) sagte zu Umm-e-Ayman:

Es scheint, daß meine Tochter Zahrā gekommen ist. Bitte, geh und sieh, wer es ist ...

Umm-e-Ayman öffnete.

Fātimah trat ein, grüßte und setzte sich zu ihrem Vater. Der Gesandte Gottes sprach:

Fātimah, Liebes! Niemals bist du um diese Tageszeit zu mir gekommen. Sag, was ist geschehen?-

Sie antwortete:

O Gesandter Gottes! Was ist die Speise der Engel? Er: Gott zu preisen!-

Sie: Vater, was ist dann aber unsere Speise?

Er : Weißt du I es ist jetzt einen Monat her, daß im Hause Muhammads die Feuerstelle zum letzten Male benutzt wurde. Komm, mein Liebes, damit ich dich einige Worte, die Gabriel mich lehrte, wissen lasse:

Sprich:

يا رب الاولين و الاخرين يا ذا القوة المتين و يا راحم المساكين و يا ارحم الراحمين

e - Fātimah (a.s.) lernte dieses Worte, dieses Du'a und kehrte heim. Hadrat-e-All (a.s.) fragte:

Wo warst du? Sie antwortete:

Ich ging irdischer Dingen wegen zu meinem Vater und erhielt eine Empfehlung, die das Jenseits betrifft.

Ali Ibn Abi Tālib: Heute war dein bester Tag! 105

Hadrat-e-Fātimah (a.s.) war krank. Der Prophet ging zu ihr und erkundigte sich nach ihrem Befinden.

Vater, ich bin krank. Dazu kommt, daß wir nichts zu essen haben! Er: Genügt es dir nicht, die edelste Frau der Welt zu sein? 106

Imam Sādiq überliefert: Eines Tages sagte Fātimah (a.s.) zu dem Propheten:

Ali (a.s.) verteilt alles, was wer hat, unter den Armen. -

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Der Prophet: Fātimah, Liebes, du wirst doch nicht etwa meinen Bruder und Vetter betrüben wollen? Wisse, wenn Ali betrübt ist, bin ich betrübt. Meine Betrübnis aber ist auch die Betrübnis Gottes! 107

Asma'Bint Amays berichtete: Eines Tages kam der Prophet zu Fātimah . Er sah, daß Hassan und Hussein nicht zu Hause waren. Darum fragte er: Wo sind die beiden Knaben? Wie geht es ihnen? -

Sie: Wir haben heute nicht das geringste im Hause gehabt, das wir hätten essen können. Als Ali (a.s.) fortgehen wollte, sagte er:

Hassan und Hussein kommen besser mit mir, damit sie nicht vor Hunger weinen und von dir etwas zu essen haben wollen, das du ihnen nicht geben kannst. -

Er nahm sie also mit und ging zu dem Garten des Juden.

Der Prophet machte sich auf den Weg, um Ali zu treffen.

Er fand ihn in einem Dattelhain, den er bewässerte.

Hassan und Hussein spielten, einige Datteln lagen in ihrer Nähe......

Hadrat-e- Muhammad (s.a.s.) sprach zu Ali Ibn Abi Tālib (a.s.):

Willst du Hassan und Hussein nicht nach Hause bringen, bevor es warm wird?

Ali (a.s.): 0 Gesandter Gottes! Als wir Fātimah (a.s.) in der Frühe verließen, hatten wir im Hause nichts zu essen. Ich will nur noch schnell ein paar Datteln für sie erarbeiten, denn ich habe mit dem Juden abgemacht, daß er mir für jeden Kübel Wasser, mit dem ich seine Palmen bewässere, eine Dattel gibt. -

Als Ali (a.s.) noch einige Datteln verdient hatte , nahm er Hassan und Hussein (a.s.)an die Hand und ging mit ihnen heim. [168]

Eines Tages - es war zu einer Notzeit - besuchte der Prophet Fātimah und sah , daß sie ein Halsband trug. Ihm mißfiel das. Sie verstand den Grund seines Mißfallens, nahm das Halsband ab und überreichte es ihrem Vater.

Er: Fātimah, liebes Kind! Du bist von mir! -

Ein Armer kam vorbei. Der Prophet schenkte ihm das Halsband mit

den Worten:

Ein jeder, der unser Blut vergießt oder mein Ahl-Beit24 betrübt, wird Gottes Zorn auf sich ziehen! [169]

Asma' Bint Amays beri chtet : Ich war bei Fātimah , als der Prophet hinzukam und ein goldenes Kettchen um ihren Hals sah. Er sprach:

Fātimah , mein Liebes! Werde nicht eitel darüber, daß die Leute sagen:

Fātimah ist die.Tochter Muhammads, angesichts dessen du (wegen des Goldkettchens an deinem Hals) in das Gewand der Ungerechten (die in

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Wohlstand leben, während die Unterdrückten und Armen in Not und Elend zubringen)geschlüpft zu sein scheinst! -

Fātimah nahm sofort das Kettchen ab , verkaufte es und kaufte von dem Erlös einen Sklaven frei, worüber sich der Prophet sehr freute ... [170]

Imam Muhammad Bāqir (a . s .) überlieferte dieses: Es war Brauch des Propheten, sich jedesmal, wenn er eine Reise antrat, zuletzt von Fātimah Zahrā (a.s.) zu verabschieden und sie, wenn er zurückkam, als erste aufzusuchen und zu begrüßen.

Als er nach einer Reise zum Hause Fātimahs ging, um sich nach ihr zu erkundigen , sah er , daß sie für Hassan und Hussein silberne Armbändchen gekauft und vor der Tür einen Vorhang angebracht hatte. Er war zutiefst erstaunt darüber, so sehr, daß er sich - entgegen seiner Gewohnheit - nicht aufhielt, sondern unverzüglich wieder fortging. -

Fātimah war traurig. Sie begriff, warum der Vater so verstimmt war.

Sie nahm den Vorhang ab, löste den Knaben die Kettchen von ihren Handgelenken und schickte sie mit allem zu ihrem Großvater.

Der Prophet streichelte die beiden Knaben und gab die Armbändchen den Armen, die im Gelände der Moschee Obdach gefunden hatten.

Den Vorhang zerschnitt er in mehrere Teile und gab sie einigen, die nichts hatten, um sich zu kleiden.

Daraufhin sprach er:

Gott hülle Fātimah in Seine Barmherzigkeit ein, kleide sie in paradiesische Gewänder und gebe ihr paradiesischen Schmuck. [171]

Imrān Ibn Hasin berichtet: Eines Tages war ich beim Gesandten Gottes , als Fātimah eintrat . Als der Prophet sah , wie eingefallen ihre Wangen angesichts all des Hungers, den sie ertragen mußte, waren, rief er sie zu sich, legte seine Hand auf ihre Brust und sprach:

O Gott, der du die Hungrigen sättigst und den Notleidenden und Bedürftigen hilfst.

Laß Fātimah, die Tochter Muhammads, nicht hungern. -

Imrān fügte hinzu : Dieses segensreiche Du’ā bewirkte, daß die Blässe

aus Fatimahs Antlitz wich und ein rosiger Hauch an seine Stelle trat. [172]

Praxisnahes Vorbild

Wie wir aus der Geschichte und aus Überlieferungen Ahl-Beits 24 wissen, führten der Prophet I Ali Ibn Abi Tālib und Fātimah-Zahrā (a. s.)

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ein bescheidenes, einfaches Leben, das oft von Härten, Hunger und Entbehrung gezeichnet war. Dieses ist jedoch nicht weiter verwunderlich, da in jener Zeit die wirtschaftliche Situation der Muslime ganz allgemein keine gute war. Die meisten von ihnen hatten mit Not und Armut zu kämpfen, und die wenigen, denen es materiell gesehen besser ging, mußten - verfolgt von den Götzendienern - Haus und Besitz in Mekka verlassen und mit den Glaubensgeschwistern nach Medina auswandern.

Der Großteil der Bevölkerung Medinas war ebenfalls nicht gutsituiert und konnte nur unter großen Mühen und Entbehrungen sein Dasein fristen. Die kleine Schar jener, die zu Besitz und Wohlstand gelangt war, kümmerte sich um die mekkanischen Emigranten und teilte mit ihnen Haus und Habe.

Darüberhinaus befand sich der Islam in der damaligen Zeit in einer krisenreichen Lage. Die Muslime hatten ständig bereit zu sein, um sich gegen die vielen feindlichen Übergriffe zu wehren. Da sie im wesentlichen mit Widerstand und Verteidigung beschäftigt waren, konnten sie sich einem wirtschaftlichen Aufschwung in ihren Reihen kaum widmen.

Hadrat-e- Muhammad, Hadret-e-Ali und Hadrat-e-Fātimah (a.s.)litten wie die meisten Muslime an Hunger und Not, oft mehr noch als die anderen, da sie das, was sie hatten, mit Mittellosen und Notleidenden teilten bzw. hergaben, sodaß für sie selbst nichts oder kaum etwas blieb.

Wie hätte es auch anders sein können!?

Wenngleich beide, der Prophet wie auch Ali Ibn Abi Talib arbeiteten, ihr täglich Brot verdienten und ein einigermaßen sorgenfreies Leben hätten führen können, so war es jedoch undenkbar, daß sie sich gesättigt zum Schlafen niederlegten, dieweil die Glaubensschwestern und - brüder von Hunger und Elend geplagt waren und nicht zur Ruhe kamen.

Wäre es richtig gewesen, wenn die Tochter des Propheten in ihrem Hause Vorhänge und Gardinen aufgehängt hätte, währenddessen es einigen Muslimen an dem Notwendigsten fehlte und sie nichts besaßen, um sich einigermaßen menschenwürdig kleiden und ernähren zu können?

Oder Hassan und Hussein silberne Armbändchen trügen, obgleich das Weinen hungriger Kinder zum Himmel empordrang?! -

Ganz abgesehen davon:

Wenn der Gesandte Gottes und sein Ahl-Bayt 24 einen höheren, besseren Lebensstandard gehabt hätten als die Mehrheit der Muslime, wäre es dann möglich gewesen, daß letztere - hungrig und entbehrend zu Ğihād, Aufopferung und Hingabe ihres Lebens für ein heiliges Ziel des Propheten bereit gewesen wären??

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Einer der wesentlichen Gründe für den Fortschritt des Islam und den hohen Einfluß Hadrad - e - Muhammads (s .a .s.) in der Gesellschaft beruhte darin, das dieser alles, was er sagte und empfahl, praktisch "vorlebte" .

Lebensstil, Verhalten und Vorgehen Hadrat-e- Muhammads (s.a.s.) wie auch seiner engsten Angehörigen entsprach ganz genau seinen Worten und Reden.

Sein eigenes Vorbild war es, das die Aufmerksamkeit der Menschen jener Zeit für den Islam weckte und sie motivierte, sich dem Einzigen Gott und Seiner Religion zuzuwenden und auf diesem Wege zu größten Opfern, bereit waren ...

Unfehlbarkeit oder "Ma'sumiat" Zahrās (a.s.)

"Ma’sum" bedeutet soviel wie: bewahrt, immun, gefeit. Derjenige wird als "ma'sum" bezeichnet, der gegen Fehler, Sünde und Irrtümer immun und geschützt ist. Es ist jemand. der mit. dem Auge seines Innern die Wahrheiten der Welt und Schöpfung klar und deutlich sieht und erkennt und infolge seiner Verbindung mit der Himmlischen Welt sowie der Unterstützungen, die ihm aus dem "Verborgenen" zuteil werden, Sünde und Verstoß kategorisch meidet und in seiner "heiligen Unfehlbarkeit" Fehlern, Irrtümern und Sünden nicht zugänglich ist.

Mit dieser Unfehlbarkeit sind - wie wir aus authentischen Überlieferungen wissen und Verstand und Urwesen argumentieren - die Propheten ausgerüstet worden. Die schiitischen Gelehrten vertreten die Überzeugung, daß auch die rechtmäßigen Nachfolger des Propheten, d.h. die zwölf Imame aus seinem Hause, ebenfalls unfehlbar - "Ma’sum" - sind.

Sie erbringen dafür fundierte Beweise.

Uns nun detailliert diesem Thema zu widmen, würde eine ausführliche Abhandlung erfordern und brächte uns vom eigentlichen Beweggrund, dessentwegen dieses Buch geschrieben wurde, ab.

In aller Kürze dazu nur soviel:

Die schiitische Welt ist davon überzeugt, daß die Propheten, die zwölf Imame aus dem Hause Hadrat - e - Muhammads (s . a . s.)wie auch Hadrat-e-Fātimah Zahrā (a.s.) unfehlbar, d.h. Ma’sum sind.

Hierzu einige Begründungen:

Der 34. Vers der Sure 33, Ahzāb, läßt uns wissen:

انما يريد الله ليذهب عنكم الرجس اهل البيت و يطهركم تطهير

"Gott möchte von euch - Ahl-Bayt 24 - Fehl und Unreinheit

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fernhalten und euch absolut rein und fehlerlos sein lassen!"

Viele Ahādit - aus sunitischen wie schiitischen Quellen - geben zu verstehen, daß der zitierte Koranvers den Propheten, Ali, Fātimah , Hassan und Hussein (a.s.) meint.

Beispielsweise sagte Ayschah in diesem Zusammenhang:

Eines Tages verließ der Prophet in einem dunklen, wollenen Abā das Haus. Er gab Ali, Fātimah, Hassan und Hussein darunter Platz und sagte:

انما يريدالله لذهب عنكم الرجس اهل البيت و يطهّركم تطهير

Gott möchte von euch -Ahl-Bayt-Fehl und Unreinheit fernhalten und euch absolut rein und fehlerlos sein lassen! [173]

Umm-e-Salamah berichtet:

Eines Tages brachte Fātimah - Zahrā ein Gefäß, gefüllt mit Harairah , einer Süßspeise, zu dem Propheten.

Dieser sprach: Laß AIi, Hassan und Hussein kommen.

Als sie gekommen waren und sie sich alle niedergesetzt hatten, um von der Speise zu essen, wurde die eben zitierte Ayah[174] herniedergesandt.

Der Prophet nahm daraufhin seinen Abā, I.egte ihn über sie und sprach dreimal:

O Gott! Sie sind mein Ahl-Bayt. Laß sie frei von Sünde und Fehl, laß sie rein sein! [175]

Umar Ibn Abi Salamah überliefert:

Der Vers:

انما يريدالله لذهب عنكم الرجس اهل البيت و يطهّركم تطهير

wurde hinabgesandt, als sich der Prophet im Hause Umm-e-Salamahs befand. Daraufhin rief er Ali ,Fātimah, Hassan und Hussein zu sich, legte seinen Abā über sie und sprach:

O Gott! Sie sind mein Ahl-Bayt! Laß sie frei von Süde und Fehl, laß sie rein

sein!-

Umme-e-Salamah fragte:

O Gesandter Gottes, gehöre auch ich zu ihnen? Er antwortete:

Auch du gehörst zu den Guten! [176] Wātilat Ibn Asqa' berichtet:

Als der Prophet eines Tages zum Hause Alis (a.s.) gegangen war, ließ er diesen, Fātimah, Hassan und Hussein (a.s.) vor sich niedersitzen und hob die beiden Knaben auf seine Knie. Dann legte er seinen Abā über sie alle und sprach:

O Gott! Sie sind mein Ahl-Bayt. Halte sie frei von Sünde und Fehl, halte sie

rein!

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Unter anderem haben einige der Gefährten Hadrat - e - Muhammads (s .a .s .) - wie Ayschah, Umm-e-Salamah, Ma'qal Ibn Yassār, Abi-l-Hamrā', Anas Ibn Mālik, Sa'd Ibn Abi waqās, Wātilat Ibn Asqa', Hassan Ibn Ali (a.s.), Ali Ibn Abi Tālib , Abu Sa' Hadari , Zaynab , Ibn Abbas - ähnliche Ahādit im Zusammenhang mit dem eben genannten Koranvers überliefert. Schiitische wie sunnitische Gelehrte haben diese Überlieferungen in ihren Werken niedergeschrieben, wie Ğalaliddin Suyuti in Dar al Mantur, Suleiman Ibrahim Qanduzi in Yanābi' ul Muwaddah und weitere Gelehrte Ahl-Sunnats.

Diesen Überlieferungen ist zu entnehmen, daß nach der Herabsendung dieses Koranverses der Prophet zu den verschiedensten Gelegenheiten, u.a. im Hause Umm-e-Salamahs, seinen Abā über die Köpfe Ali Ibn Abi Tālibs, Fātimahs, Hassans und Husseins (a.s.) legte, die genannte Ayah rezitierte und sprach:

O Gott! Jene, die unter meinem Abā sind, sind mein Ahl-Bayt . Halte sie frei von Sünde und fehl, laß sie makellos sein!

Auf diese Weise stellte Hadrat - e - Muhammad (s.a.s.) sein Ahl- Bayt vor und bestätigte es.

Sechs Monate lang - einige überlieferten sieben Monate und andere sagen auch, acht Monate seien es gewesen - ging der Prophet morgens, wenn er zum Gebet die Moschee aufsuchte, zuerst am Hause Alis und Fātimahs (a.s.) vorbei und sprach den zitierten Koranvers. [178]

Dabeit legte er seinen Abā über AIi, Fātimah, Hassan und Hussein (a.s.). Auf diese Weise, durch das tägliche Wiederholen dieser Geste wie auch Rezitation dieser Ayah, machte er allen bewußt, wer sein Ahl-Bayt war und ist, um einem Mißbrauch des Begriffes "Ahl-Bayt" einen Riegel vorzuschieben.

Niemand sollte später unberechtigt den Anspruch, "dem Ahl-Bayt anzugehören", erheben können. Er war so genau, daß er Salamah, als sie den Abā hochhob, um sich ebenfalls unter ihn zu begeben, daran hinderte und tröstend sagte:

Auch du gehörst zu den Guten! -

Während einer langen Zeit wandte er sich, wenn er in der Frühe zum Morgengebet die Moschee aufsuchte, zuerst der Familie Fātimahs zu, rezitierte die besagte Ayah, sodaß alle ihn hören und niemand diese Tatsache später dementieren konnte.

Ali Ibn Abi Tālib, Hassen und Hussein (a .s.) erwähnten ebenfalls zu verschiedenen Gelegenheiten und in Gegenwart der Propheten- Gefährten, daß die zitierte Ayah im Zusammenhang mit ihnen herniedergesandt

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worden sei, etwas, daß keiner der Muslime abstritt.

Dieser Koranvers sagt aus: Gott will, daß ihr - Ahl-Bayt - frei von Sünde, Fehl und jeglicher Unreinheit sein sollt! -

Mit dieser Unreinheit ist keine äußerliche gemeint, da alle Muslime Verunreinigung zu meiden haben. Abgesehen davon: Wäre äußerliche, d.h. körperliche Unreinheit gemeint, so hätte es all der Bekräftigungen, Mühen und Du'ās des Propheten nicht bedurft. Dann wäre es Umm - e - Salamah nicht daran gelegen gewesen, sich ebenfalls unter den Abā Hadrat-e Muhammads zu begeben und dann hätte der Prophet sie gewiß nicht daran gehindert, sich unter ihn zu setzen.

Nein, mit dieser in diesem Koranvers angesprochenen Unreiheit ist die innere, das heißt Sünde und Verstoß gegen das göttliche Wort angesprochen worden.

Somit bringt dieser Vers dieses zur Sprache:

Gott will, daß Ahl-Bayt von Sünde und Fehl rein sei!

Dieser göttliche Wille ist keine Forderung mit religionsgesetzlicher (taschri'i) Dimension, d.h., damit wird nicht. gesagt daß Gott Ahl-Bayt aufruft, sich von Sünden frei zu machen, denn auch dieses würde sich nicht allein auf Ahl-Bayt beziehen.

Schließlich ermahnt Gott alle Menschen, Schlechtes und Häßliches zu meiden. Vielmehr weist diese Ayah auf eine schöpfungsbedingte- und gewollte Reinheit und Unfehlbarkeit hin. Mit anderen Worten:

Gott hat bestimmt, daß sich Ahl-Bayt Sünde, Fehls und Irrtums nicht chuldig macht und sich - wenngleich sie, diese engsten Angehörigen

des Propheten, Menschen sind und Entscheidungsfreiheit besitzen wissentlich und willentlich vor Sünde und dergleichen fernhält.

Auch der Prophet weist in seiner Kommentation zu diesem Koranvers auf die Unfehlbarkeit seines Ahl-Bayts hin, die in diesem Gotteswort zur Sprache gebracht wird.

Ibn Abbās überliefert in diesem Zusammenhang: Der Prophet sagte:

Gott hat die Menschen in zwei Gruppen unterteilt. Ich bin einer der Guten, bin der beste von diesen. -

Er sprach:

و اصحاب اليمين ما اصحاب اليمين و اصحاب الشمال ما اصحاب الشمال

Das heißt, ich gehöre zu den Guten und bin der beste von ihnen.

Dann teilte Gott sie in drei Gruppen und ordnete mich den besten zu.

فاصحاب الميمنه ,ما اصحاب الميمنة و اصحاب المشئمة ما اصحاب المشئمة ,و السابقون

Das heißt: Ich gehöre zu den Befähigsten und bin der beste von ihnen.

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Dann bildete er diese drei Gruppen zu Stämmen und ordnete mich dem besten zu. Er sprach:

و جهلنا كم شعوبا و قبائل لتعارفو ان اكرمكم عندالله اتقاكم

Ich bin somit der tugendhaft-gottesfürchtigste der Kinder Adams und der würdigste von ihnen, wobei mich dieses nicht mit Stolz erfüllt.

Diese Stämme ließ er zu Familien werden und ließ mich der besten von ihnen angehören. Er sprach:

انما ليذهب عنكم الرجس اهل البيت و يطهركم تطهير

Das heißt, daß mein Ahl-Bayt und ich immun und gefeit sind gegen Sünde und Feh. [179]

Einwand:
Eiinige- sagten, die zitierte Āyah sei kein Beweis für Unfehlbakeit

und Sündlosigkeit der Genannten, da die Verse vor und nach dieser Āyah. die Frauen der Propheten beträfen und im Zusammenhang mit

diesen hinabgesandt wurden, d.h. daß diese angesprochen seien.

Wenn also in diesem Vers die Rede von Sündlosigkeit und Unfehlbarkeit ist, so müßten davon auch die Frauen des Propheten betroffen sein, dieweil niemand gesagt hat oder behauptet, daß diese fehlerlos gewesen seien ...

Somit ist also festzustellen, daß diese Ayah kein Hinweis auf Unfehlbarkeit und Sündlosigkeit ist, nicht in bezug auf die Frauen des Propheten und nicht hinsichtlich seines Ahl-Beits.

Antwort:
Alameh Seyyid Abdul Hussein Scharafiddin erwähnt den eben genannten Einwand und nimmt dazu Stellung:

Erstens:
Der genannten Annahme liegt menschliches Nachdenken und Erfassen zugrunde, angesichtsdessen aus verschiedenen Überlieferungen

hervorgeht, daß der besagte Koranvers im Zusammenhang mit Ali, Fātimah, Hassan und Hussein herniederkam und nur sie betrifft. Zudem:

Als Umm -e- Salamah beabsichtigt, sich ebenfalls unter seinen Abā zu begeben, hindert der Prophet sie daran. -

Zweitens:
Wenn der Vers in Verbindung mit den Frauen des Propheten hinabgesandt

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worden sein sollte, wäre in ihm das Femininum gebraucht worden und nicht der Plural des Maskulinum.

Dann hätte es geheißen:

انما يريدالله لذهب عنكم الرجس اهل بيت ويطهركم تطهير

Drittens:
Unter den redegewandten Arabern ist es üblich, in einen Text andere, d.h. "eingeschobene" Sätze miteinzuflechten. Wir können somit durchaus sagen, daß Gott die zitierte Ayah zwischen den anderen Versen nennt,um auf die Besonderheit des Themas hinzuweisen und zum Ausdruck zu bringen, daß sich niemand gegen Ahl-Beit - eben weil Ahl-Beit sündlos und unfehlbar ist - erheben darf, auch nicht die Frauen des Propheten.

Viertens:
Wenngleich der Koran niemals Verfälschungen zum Opfer fiel und den Worten, die von Gott herniedergesandt wurden, nichts hinzugefügt und nichts genommen wurde, ist dennoch nicht sicher, daß die Ayas und Suren des Koran in der Folge, wie sie aneinandergereiht wurden, gebracht worden sind.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß der besagte Vers als Einzelvers im Zusammenhang mit Ahl-Beit kam und dann, als alle Verse geordnet und zusammengesetzt wurden, in den Text, der die Frauen des Propheten betrifft, eingefügt wurde. [180]

Zweites Argument:
Der Gesandte Gottes sagte zu Fātimah (a. s. ) : Dein Zorn ist Gottes Zorn und deine Freude ist Gottes Freude! [181]

يا فاطمه ان الله يغضبك و يرضي لرضاك

Der o.g. Hadit wird von Sunniten wie Schiiten akzeptiert und in deren Schriften gebracht.

Mit anderen Worten:

Gemäß diesem Hadit ist Gott dann, wenn Fātimah erzürnt ist, ebenfalls

erzürnt, -

und dann, wenn sie zufrieden und erfreut ist, gleichfalls zufrieden und

erfreut.

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Es dürfte aber allen verständlich sein: Zorn bzw. Zufriedenheit Gottes sind immer begründet und berechtigt! Häßliches und Sünde geben niemals Berechtigung zu Freude und Wohlgefallen, auch wenn sich der eine oder andere darüber freuen mag.

Umgekehrt berechtigen gute Werke niemals zu Zorn und Mißfallen, wenngleich einige verstimmt sein sollten. Recht haben sie jedoch dazu nicht!

Voraussetzung zu dem, das in diesem von Ahl-Sunnat und Ahl-Taschayyuh bestätigten Hadlt zum Ausdruck gebracht wird, ist das Fātimah- Zahrā (a.s.) gegen Irrtum und Sünde gefeit und geschützt ist, da nur so gewährleistet sein kann, daß ihre Freude oder Erzürnung wirklich zu Recht bestehen und dem göttlichen Willen entsprechen.

Ist sie sündlos und unfehlbar, wird sie niemals über etwas, das nicht Gottes Wohlgefallen findet, erfreut sein und sich andererseits nicht erzürnen über etwas, das Gottes Zufriedenheit erreicht.

Nur unter dieser Bedingung und Voraussetzung ist zu sagen:

Fātimahs Zorn ist Gottes Zorn und

Fātimahs Freude Gottes Freude bzw. Wohlgefallen.

Denn: Wäre sie nicht frei von Fehl, Irrtum und Sünde, könnte nicht so kategorisch festgestellt werden:

Ihr Zorn ist Gottes Zorn und ihre Freude die Gottes -

Ein Beispiel hierzu : Angenommen, Fātimah wäre nicht frei von Fehlern, Sünde und Unzulänglichkeiten, -

angenommen, sie würde zu Unrecht etwas von jemandem fordern und es käme infolgedessen zu einer Auseinandersetzung zwischen ihnen. Angenommen, sie würde auf ihrer Forderung bestehen, diese aber nicht durchsetzen können und müßte eine Niederlage hinnehmen, über die sie verärgert und verstimmt wäre ...

Könnte man nun sagen, daß ihre Verärgerung Gottes Verärgerung ist, obgleich sie im Unrecht, obgleich ihre Verärgerung unberechtigt ist??

Nein! Niemals!! Niemals würde Gott einer unüberlegten, deplacierten und ungerechtfertigten Verärgerung zustimmen.

Demnach wird also ihre Unfehlbarkeit auch durch diese Überlieferung nachweisbar.

Auch sagte Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.):

Fātimah ist ein Stück von mir Jeder, der sie erzürnt, erzürnt mich! [182] Dieser Hadit wird ebenfalls in sunnitischer wie schiitischer Literatur erwähnt und alle Muslime - selbst Umar und Abubakr - bestätigen seine Rechtmäßigkeit.

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Für ihn trifft die gleiche Argumentation zu, die wir zum vorherzitierten Hadit brachten.

Der Prophet ist immun gegen Sünde und Fehl. Das, was Gottes

Mißfallen erregt, erzürnt ihn, und ebenso ist er erfreut über etwas, das auch Gottes Wohlgefallen findet.

Somit ist also auch hier zu sagen:

Das, was Fātimah verärgert oder erzürnt, erzürnt und verärgert auch den Propheten, -

das, was sie beglückt, beglückt auch ihn.

Denn: Er ist zweifellos sünd-und fehlerlos, und Irrtum oder Unrecht sind im Zusammenhang mit ihm ausgeschlossen.

Auch dieses ist ein Argument für die Unfehlbarkeit

Hadrat-e-Fātimah-Zahrās (a.s.).

Imam Sadiq (a.s.) sagte:

Zahrā wurde aus dem Grunde" Fātimah " genannt, da Sünde, Fehler und Irrtum zu ihr keinen Zugang hatten! [183]

Fātimah-Zahrās (a.s.) Ansicht über das, was
der Frau zum Wohle ist. ..

Ali Ibn Abi Tālib (a.s.) berichtet: Eines Tages gingen wir - einige Gefährten des Propheten und ich - zu ihm.

Hadrat-e-Muhamrnad (s.a.s.) fragte: Was gereicht der Frau zum Wohle? Niemand vermochte darauf eine richtige Antwort zu geben.

Als alle gegangen waren, ging auch ich nach Hause und nannte Fātimah(a.s.) die Frage des Gesandten Gottes.

Sie antwortete:

Ich weiß die Antwort. Es ist der Frau zum Wohle, daß sie fremde Männer nicht betrachtet und sich von diesen nicht betrachten läßt. -

Als ich Propheten aufsuchte, sagte ich ihm, was Fātimah (a.s.) geantwortet hatte. Dieser war erstaunt und sprach:

Fātimah ist ein Teil von mir! [184]

Es steht außer Frage, daß der Islam für Fortschritt, Entfaltung und Freiheit der Frau Großes geleistet, daß er zur Absicherung ihrer Re c h t e feststehende Regelungen getroffen und Gebote erlassen hat. Er gab ihr die Freiheit, zu lernen und Wissen zu erwerben und respektiert ihren Besitz und ihr Engagement. Auch im Hinblick auf die Sozialgesetzgebung hat sr Wohl und Interessen der Frau voll und ganz berücksichtigt.

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Auf folgenden Punkt sei jedoch in diesem Zusammenhang hingewiesen, und zwar geht es hierbei um die Frage, ob es der Frau von Nutzen ist, mit fremden Männern Umgang zu haben.

Ist es zu ihrem Vorteil und Wohl, sich zurechtgemacht und parfümiert, onduliert und geschminkt in der Öffentlichkeit zu zeigen? Ist es im Sinne ihrer Persönlichkeit und ihrer Wertigkeit, "neugierigen Blicken" ausgesetzt zu sein, diesen zum Ergötzen?

Sollte sie "fremden Männern" die Möglichkeit geben, sich an ihr - wenn auch nur mit ihren Augen - erfreuen zu können?

Entspricht es ihrer fraulichen Würde, keinerlei Distanz zwischen sich und "Fremden" zu wahren? Mit ihnen völlig ungebunden und

uneingeschränkt Kontakt zu haben, sich mit ihnen - ohne daß es notwendig wäre - zu unterhalten u.s.w.?

Was hat sie davon, wenn sie in einer Weise in der Öffentlichkeit auftritt, daß sie von unverschämten Blicken verfolgt wird?!

Ist es denn nicht vorteilhafter für sie, wenn sie unauffällig und gut bekleidet das Haus verläßt und ihre Zierde und Schönheit nicht jedem offenbart?

Wenn sie sich nicht von Fremden betrachten läßt und ihnen nicht erlaubt, sie "anzustarren"? !

Was gereicht der Gemeinschaft der Frauen wohl eher zum Wohle ... , die erste Ansicht oder die zweite?

Und was dient Entwicklung und "Seelenfrieden" der Bevölkerung mehr, die erste oder zweite Situation? -

Diese wichtige und grundsätzliche Frage hatte der Prophet im Kreise seiner Gefährten aufgeworfen, um ihr Denken anzuregen und ihre Meinung dazu zu erfahren. Niemand von ihnen aber konnte eine zutreffende Antwort geben ...

Als Hadrat-e- Fātimah (a.s.) von dieser Frage erfuhr, antwortete sie, daß es zum Wohle der Frauen sei, nicht fremde Männer zu betrachten und sich von diesen nicht betrachten zu lassen!

Sie - erzogen im Lichte der Offenbarung und in der Obhut des Propheten gab eine so objektive und konstruktive Antwort zu einem so relevanten Gesellschaftsthema, daß Hadrat-e-Muhammad (s.a.s.) sprach:

Fātimah ist Teil von mir!

Wenn wir vorurteilslos und gewissenhaft Pluspunkte und Nachteile

gegenüberstellen und abwägen, werden wir gewiß bestätigen,

daß die Antwort Fātimah - Zahrās (a.s.) realistisch, zutreffend und

richtungsweisend ist, . eine Orientierungshilfe, die Wohl und Interesse der

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Frau schützt und deren Persönlichkeit, Wertigkeit sowie hohen Rang wahrt.

Wenn Mädchen und Frauen in einer erotisch-motivierenden Aufmachung in der Öffentlichkeit erscheinen, wenn sie sich fremden Männern ohne jegliche Distanzierung zur Verfügung stellen und deren sinnlichen Erwartungen und Wünschen entsprechen, so werden in der Männerwelt immer weniger bereit sein, eine Ehe einzugehen und eine Familie zu gründen, da sie das, was sie u.a. wollen, problemlos und einfach erhalten, ohne sich zu etwas verpflichten zu müssen. Mit der Quintessenz, daß die Zahl unverheirateter, alleinstehender Frauen ständig weiter ansteigt, - etwas, das weder diesen noch der Gesellschaft zum Wohle gereicht.

Indem sie ihre weibliche Anmut und Attraktivität allen Blicken anbieten, erwecken sie (die hiğāblosen Frauen und Mädchen) in dem einen und anderen Wünsche und Hoffnungen, die Ruhelosigkeit, Unausgeglichenheit und ernste psychische Störungen und Verdruß im Gefolge haben, so sie nicht erfüllt werden.

Andererseits: Nimmt "er" sich, was er will, so sind Zügellosigkeit, Sittenverfall, familiäres Elend, Leid und sozialer Niedergang das Resultat.

Abgesehen davon setzen sich die Frauen damit selbst der Gefahr aus, mißbraucht zu werden. Sich fremden Blicken zur Schau stellend, werden sie schnell "verführt" und wandern nach einiger Zeit - nach Gebrauch - wie ein Spielzeug von der einen Hand in die andere. Anschließend dann - entehrt, gedemütigt und unglücklich - landen sie nach erfolgter "Benutzung" auf der Straße, -

fortgeworfen wie ein Lumpen ...

Ehefrauen aber, die feststellen müssen, daß ihre Männer Augenmerk und Interesse anderen, fremden Mädchen und Frauen zuwenden, werden argwöhnisch, Mißtrauen zieht in ihnen ein. Ehe- und Familiekrisen bahnen sich an, Auseinandersetzungen und heftige Konflikte ...

Der Hausfrieden ist gestört ...

Das behagliche Zuhause gibt es nicht mehr, Trennung und Scheidung sind die Folge oder aber - gegebenenfalls - lebenslanges Mißtrauen, Kummer und Unfriede.

Wie zwei Polizisten bewachen sich von derartigem Unheil betroffene Ehepartner gegenseitig und finden keine Seelenruhe mehr ...

Zweifellos wird der Mann, der ungehindert andere Frauen "betrachten" kann,diese oder jene entdecken,die hübscher, attraktiver und jünger ist als die seine. Und er wird letztere dieses - wie oft ist das der

(109)

Fall spüren lassen, mit verletzenden Worten oder aber Interesselosigkeit und Gleichgültigkeit ihr gegenüber.

Wie aber kann sie dann noch gern und froh an seiner Selte leben?

Wie sind dann noch Gemütlichkeit, Heiterkeit und Vertrauen im gemeinsamen Heim und Familienleben aufrechtzuerhalten, ganz zu schweigen davon, daß die Geborgenheit der Kinder im Elternhaus in Gefahr

gerät?

Der Mann, der sich außer Haus um den Lebensunterhalt seiner

Lieben daheim bemüht, wird sich dem Anblick "aufreizender Dämchen" auf der Straße, im Bus oder am Arbeitsplatz nicht entziehen können, -

er sieht sie, auch wenn er nicht will!

Ein "Urtrieb" in ihm wird angesprochen, auch wenn er diesen zu

unterdrücken versucht.

Seine "Gefühlswelt" gerät ins Schwanken, er ist nicht mehr so ausgeglichen

und "relax" wie zuvor.

Sich auf die eigene Familie und seinen Beruf zu konzentrieren, fällt ihm nun schwer. Er muß sich zwingen, "unerlaubte" Regungen und Wünsche "abzudrosseln". Dieses aber hemmt ihn in seinem sozialen, familiären und wirtschaftlichen Engagement, dem er sich ganz unwillkürlich nun nicht mehr ungetellter Gedanken zu widmen vermag.

Ist "sie" aber in rechter Weise gekleidet - d.h., achtet sie auf ihren

Hiğāb - so vermag sie sowohl ihre Persönlichkeit und frauliche Würde zu schützen als auch ihr Ansehen und ihren Rang in der Gesellschaft zu wahren. Dieses aber ist sowohl der Gemeinschaft der Frauen zum Wohle als auch der Öffentlichkeit schlechthin.

Der Islam erwartet von der Frau - da. er sie als wichtige Stütze der

Gesellschaft versteht und weiß, welch großen Einfluß ihr Verhalten auf diese hat - daß sie durch entsprechendes Auftreten und Bekleidetsein Ursachen, die zu Leid und Verderbnis der Allgemeinheit führen, vorweggreift sowie sich nach Kräften um eine gesunde Entwicklung und das Wohlergehen der Gesellschaft bemüht.

Darum sagte Hadrat-e-Fātimah (a.s.), das große Vorbild der

muslimischen Frau, daß das Wohl der Frauen -und damit letztlich der Gesellschaft - darin liegt, sich so zu verhalten, daß sie fremde Männer nicht betrachten und und sich ebenfalls deren Blicken nicht zur Schau

stellen.